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Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Schulerfolg gestalten

Cover Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Schulerfolg gestalten. Leitfaden für Schulen. Klett-Kallmeyer (Hannover) 2014. 96 Seiten. ISBN 978-3-7800-4824-0. D: 18,95 EUR, A: 16,40 EUR, CH: 22,90 sFr.
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Thema und Aufbau

Der vorliegende Leitfaden konzentriert sich auf eine übersichtliche Darstellung entscheidender negativer vor allem aber positiver Faktoren für den Schulerfolg von Schülerinnen und Schülern. Die fünf Kapitel gliedern sich folgendermaßen:

  1. Schulerfolg ist wichtig nicht nur für Kinder und Jugendliche.
  2. Was zeichnet erfolgreiches Lernen von Schülerinnen und Schülern aus.
  3. Wie können Lehrkräfte erfolgreiches Lernen fördern.
  4. Wie wird Schulerfolg zum gemeinsamen Ziel einer ganzen Schule.
  5. Wie kann die Bildungsverwaltung Schulen bei der Verwirklichung von Schulerfolg unterstützen.

Die Autorinnen- und Autorengruppe kommt aus unterschiedlichen Feldern mit schul- und bildungspädagogischen Beratungs-, Evaluations- und Organisationstätigkeiten. Eingeflossen sind auch Evaluationsergebnisse zahlreicher Lerncamps für versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler. Gefördert wurden diese Camps von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Dieser Schülerschaft aber auch Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleitungen wird in dem Leitfaden Darstellungsraum gegeben. Auf diese Weise ist auch ein Praxisbezug sichergestellt. Der Leitfaden ist sehr übersichtlich gestaltet und gut mit Literaturangaben, Downloadmaterial und Internetadressen versehen.

Inhalt

Das erste Kapitel, eine kurze Einführung, nennt unter institutioneller Perspektive Gründe fehlenden Schulerfolges (z.B. schlechtes Schulklima). Diese Analyse wird durch eine individuelle, auf Schülerinnen und Schüler gerichtete, Perspektive ergänzt und nennt dort negative Faktoren wie fehlende Vorbilder oder Ausgrenzung.

Der Frage nach erfolgreichem Lernen wird im zweiten Kapitel nachgegangen. Lernkompetenz, Selbstbewusstsein, Zusammenarbeit, (Lern-)Geschwindigkeit, Rückmeldung und Praxisbezug führen zum Erfolg und werden positiv unterstützt durch entsprechende Lernformate: Lernwerkstatt, Projekte und Freizeit.

Das Folgekapitel beschäftigt sich mit Lernförderung durch Lehrkräfte. Gefördert wird durch eine stärkeorientierte Pädagogik, Lernen lehren, rhythmisiertes Lernen, Lernen in Gruppen, Lernen in Projekten und Werkstätten sowie Lernen durch Feedback. Diese Konzepte werden überschaubar, begründet und strukturiert dargestellt. So wird z.B. beim Lernen durch Feedback auf John Hattie verwiesen nach dessen Forschungsergebnissen die wichtigen Rückmeldungen auf vier Ebenen erfolgen müssen: Ergebnis, Prozess, Selbststeuerung und der Person als Ganzes.

Das vierte Kapitel erörtert welchen Bedingungen zum gemeinsam Schulerfolg führen:

  1. Die Verankerung des Zieles im Schulprogramm.
  2. Eine auf das Ziel gerichtete Steuerung z.B. über Gremien und Fortbildung.
  3. Kooperation mit Fachleuten der Jugendhilfe wie auch mit anderen Professionen.
  4. Die Einbindung der Eltern.
  5. Die Nutzung von Zeitressourcen zur individuellen Lernförderung.

Zur Steuerung der Bedingungen durch die Schulleitung gehören z.B. vier Strategien: Anweisung und Kontrolle, Aufbau einer Hospitationskultur, Tag der Fachkonferenzen und selbstverantwortliche Teams. Für die Kooperation mit der Jugendhilfe (z.B. Schulsozialarbeit) gilt, diese auch strukturell in den Handlungsstrategien der Schule zu verankern. Die Eltern sind als Lernpaten ihrer Kinder anzusehen und die Elternbeteiligung hat insgesamt einen hohen Stellenwert. Der letzte Punkt (5.) beschäftigt sich mit der Rhythmisierung des Schulablaufs und dem Einsatz unterschiedlicher Lernformate wie z.B. Projektlernen, Lernbüros, Forscherzeit.

Das letzte Kapitel befasst sich mit der Bedeutung der Bildungsverwaltung für den Schulerfolg. Es geht darum die individuelle Ebene des Schulkollegiums aber auch der Schülerschaft mit der strukturellen Ebene, die im Einflussbereich der Ministerien und Verwaltungen liegt, zu verbinden. Vorgeschlagen wird für die Schulebene das produktive Zusammenspiel von „Müssen, Können, Wollen“. Zum „Müssen“ gehören z.B. Vereinbarungen, zum „Können“ eine gute Kommunikation im Team und zum „Wollen“ ein Appell an die Professionalität. So können die drei Wirkungsebenen des Individuellen, des Organisatorischen und des Strukturellen in Beziehung zueinander gesetzt werden. Die Umsetzung benötigt auch eine weitere Professionalisierung an Schulen durch die Lehrerfortbildung, durch Hospitationen (wechselseitiges Lernen) und in Schulnetzwerken. Verwaltungen müssen Passfähigkeit und Reichweite berücksichtigen und sich einer eigenen Qualitätsentwicklung unterziehen. Erprobt werden müssen die komplexen Zusammenhänge durch Modellvorhaben. Probleme sind auch vorhanden wenn zwei unterschiedliche Systeme miteinander agieren wie Schule und Jugendhilfe. Hierfür werden interprofessionelle Fortbildungen vorgeschlagen.

In dem Projektprogramm „Schulerfolg sichern“ des Landes Sachsen-Anhalt, welches auf den o.g. Rahmenbedingungen aufbaute, war eine zentrale Koordinierungsstelle „Schulerfolg“ eingerichtet worden, die die erfolgreiche Arbeit dokumentieren konnte: Die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss in den Nicht-Projektschulen (n=80) befand sich nach zwei Jahren auf 8,6 Prozent und sank bei den beteiligten Projektschulen (n=118) im gleichen Zeitraum auf 5,6 Prozent. Dieses Kapitel schließt mit einem Gedankenexperiment: Lerncamps für versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler begleitet und gefördert durch multiprofessionelle Teams auch im Sinne einer praxisorientierten Fortbildung. Das wäre in der Tat zu wünschen!

Diskussion

Die relativ geringe Seitenzahl kann täuschen. Denn der Text ist begleitet von kommentierter Fachliteratur (Zoom in ausgewählte Studien) und zahlreichen Internetverweisen. Auf diese Weise präsentiert der sehr übersichtlich aufgebaute Leitfaden einen „Extrakt“ zum Thema „Schulerfolg gestalten“. Dabei sind die Hinweise, Ratschläge und konzeptionellen Ausarbeitungen keineswegs alle neu. Projekt lernen ist z.B. seit John Dewey bekannt und somit über 100 Jahre alt – die Arbeit in multiprofessionellen Teams ist dagegen erst seit einigen Jahren in der Diskussion. Der Wert des Leitfadens liegt aber darin, neue und alte vor allem aber bewährte und praxisorientierte Konzepte auf das wichtige Kriterium Schulerfolg zu konzentrieren, d.h., den Schulabschluss auch für versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler sicher zu stellen. Die Schwächen des Leitfadens bestehen allerdings in der sehr starken Fokusierung auf die Versetzungsgefährdung. Die Schule bietet auch andere Schulerfolge, die im Leitfaden selbstverständlich mit eingeschlossen sind, aber dennoch zu wenig erwähnt werden (z.B. der lernmüde Schüler, der durch individuelle Lern- und Bildungsereignisse zu einem glänzenden Hauptschulabschluss kommt). Eigentümlich ist, dass das Konzept der informellen Bildung keinen Niederschlag findet obwohl es naheliegend wäre und bei den sozialpädagogischen Kooperationspartnern der Schule eine erhebliche Rolle spielt. Dessen ungeachtet gehört dieser Leitfaden in die Arbeitszimmer aller Professionellen, deren Tätigkeitsfeld die Schule und ihr nahestehender Institutionen ist!

Fazit

Unbedingt empfehlenswert für alle professionell Tätigen in Schulen sowie in den Bildungsverwaltungen; aber auch für Lehramtsstudierende, Studierende der Sozialpädagogik und der Sozialen Arbeit.


Rezension von
Prof. Dr. Erich Hollenstein
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Zitiervorschlag
Erich Hollenstein. Rezension vom 11.09.2014 zu: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Schulerfolg gestalten. Leitfaden für Schulen. Klett-Kallmeyer (Hannover) 2014. ISBN 978-3-7800-4824-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17067.php, Datum des Zugriffs 01.12.2020.


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