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Silvia Höfer: Spieltherapie

Cover Silvia Höfer: Spieltherapie. Geleitetes individuelles Spiel in der Verhaltenstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. 235 Seiten. ISBN 978-3-621-28028-0. D: 36,95 EUR, A: 37,90 EUR, CH: 48,00 sFr.

Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial.

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Thema

Im vorliegenden Buch bearbeitet die Autorin Silvia Höfer das Thema Spiel in der Verhaltenstherapie. Höfer geht davon aus, dass die therapeutische Bedeutung des kindlichen Spiels in der Verhaltenstherapie häufig unterschätzt wird. Spiel werde im Therapiesetting von einigen KollegInnn lediglich als Verstärker für erwünschtes Verhalten und für die Mitwirkungsbereitschaft des Kindes eingesetzt. Dabei gäbe es auch in der Verhaltenstherapie weitaus mehr Anwendungsmöglichkeiten des kindlichen Spiels. Die Autorin räumt ein, dass es durchaus KollegInnen gibt, die in ihrer therapeutischen Arbeit Spiel methodisch anwenden. Daneben gäbe es aber eben auch einen Großteil von Therapeuten, die Spiel in erster Linie zum Beziehungsaufbau nutzen und in der übrigen Zeit eher manualgestützt und kognitiv arbeiten würden. Das Anliegen der Autorin besteht darin, diese Polarität aufzulösen. Dabei geht sie davon aus, dass die Spieltätigkeit eine basale menschliche Ausdrucksform ist, zudem „von Sinnhaftigkeit und Zielorientiertheit geprägt ist und somit die Grundvoraussetzungen gegeben sind, um das Spiel im Rahmen der Verhaltenstherapie nutzbar zu machen“ (S. 9). Kinder machen im Spiel wichtige Erfahrungen, sie drücken innere Prozesse aus und verarbeiten diese. Silvia Höfer zeigt in dem vorliegenden Buch, wie diese natürliche kindliche Tätigkeit für den therapeutischen Prozess in der Verhaltenstherapie und als Ergänzung zu rein kognitiven Ansätzen gezielt genutzt werden kann. Das Buch zielt darauf ab, Wege aufzuzeigen, wie Methoden und Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie mit Elementen des Spiels verbunden werden können. Durch die Berücksichtigung von kognitiven Strategien und das Einüben von zuvor Erlerntem werden wichtige Inhalte im Spiel gefestigt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch wurde in drei Teile gegliedert.

Im ersten Teil „Individuelles Spiel und kognitive Verhaltenstherapie“ werden Grundlagen des kindlichen Spiel erläutert. Die Autorin stellt darin u.a. unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten die verschiedenen spielerischen Ausdrucksformen von Kindern dar. Anschließend werden allgemeine entwicklungsrelevante Aufgaben des Spiels vorgestellt. Im nächsten Kapitel gibt die Autorin einen kurzen Überblick über die Bedeutung des kindlichen Spiels in verschiedenen Therapieschulen. Das letzte Kapitel des ersten Teils widmet sich den vier Interventionsebenen, die sich im kindlichen Spiel dem Therapeuten anbieten: (1) Verhalten, (2) Kognition, (3) Emotion und Körperempfinden und (4) Struktur- und Prozessebene.

Im zweitem Teil „Das Geleitete individuelle Spiel (GiS) innerhalb der Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie“ stellt die Autorin ihr Verständnis sowie Anwendungsmöglichkeiten des Spiels in der Verhaltenstherapie vor. Dabei entwirft sie den Ansatz des Geleiteten Individuellen Spiels (GiS), der darauf abzielt im Spiel kognitive Interventionen anzuwenden und einzuüben. Im ersten Kapitel stellt sie allgemeine Merkmale das GiS dar (äußerer Rahmen, grundlegende Merkmale und Setting). Im zweiten Kapitel geht die Autorin auf Anforderungen an den Therapeuten ein (Haltung, Kompetenz und therapeutische Aufgaben). Im dritten Kapitel beschäftigt sich die Autorin mit den Wirkfaktoren des GiS. Dabei unterscheidet sie zwischen allgemeinen spieltypischen Wirkfaktoren und therapeutischen Wirkfaktoren und bezieht diese auf das GiS. Wie Spiel für Zwecke der Diagnostik zu verschiedenen Therapiezeitpunkten (Eingangsdiagnostik, Verlaufs- und Abschlussdiagnostik) genutzt werden kann beschreibt die Autorin im vierten Kapitel. Im letzten Kapitel beschreibt die Autorin konkrete therapeutische Interventionsmöglichkeiten im Rahmen des GiS, z.B. durch Herausgreifen und Verstärken therapierelevanter Themen, Psychoedukation während des Spiels, Verstärkung, Bestrafung und Löschung von Verhalten, kognitives Umstrukturieren, Anwendung von Selbstkontrolltechniken, Habituation oder dem Stärken von Ressourcen und Kompetenzen. Einen weiteren Abschnitt widmet die Autorin der Arbeit mit Bezugspersonen.

Im dritten Teil „Fallbeispiele“ stellt die Autorin anschaulich und praxisnah gelungene Therapieeinheiten zu unterschiedlichen Störungsbildern dar (z.B. depressive Episode, spezifische Phobie, posttraumatische Belastungsstörung, hyperkinetische Störung und Aufmerksamkeitsstörung sowie Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem Verhalten).

Mit jedem Buch erhält der Leser vom Verlag eine PDF-Version des Buches inklusive der Arbeitsmaterialien zum Download. Zu den Arbeitsmaterialien zählen zwölf Arbeitsblätter, darunter:

  • Leitfaden zum Eingangsinterview mit dem Kind zum Spielverhalten (Arbeitsblatt 2)
  • Leitfaden zur Spielbeobachtung im Rahmen der Eingangsdiagnostik (Arbeitsblatt 3)
  • Leitfaden zur Beobachtung struktureller Aspekte im therapeutischen Spiel (Arbeitsblatt 5)
  • Leitfaden zur Beobachtung kindspezifischer Aspekte im therapeutischen Spiel (Arbeitsblatt 6)
  • Exemplarischer Spielbeobachtungsbogen für Eltern/Bezugspersonen (Arbeitsblatt 8)

Diskussion

Die Autorin konzeptioniert das Geleitete individuelle Spiel (GiS) als Interventionsmethode der Kinderverhaltenstherapie: „Spezifikum des Geleiteten individuellen Spiels ist, dass therapeutische Interventionen gezielt gesetzt werden, um im Spiel des Kindes sowohl erwünschtes Verhalten selbstwertförderlich und zielorientiert zu verstärken, als auch funktionale kognitive Prozesse anzuregen und adäquaten Emotionsausdruck sowie Affektregulation zu unterstützen“ (S. 172). Für jede Therapiestunde schlägt Silvia Höfer je nach den Bedürfnissen des Kindes eine feste Struktur vor: Fünf bis zehn Minuten zur Besprechung aktueller Themen, daran schließt eine verhaltenstherapeutisch-kognitive Einheit an, in der neue Inhalte vermittelt und eingeübt sowie Hausaufgaben besprochen werden sollen. Das letzte Drittel (15-20 Minuten) soll Spielzeit sein, in der die Therapeutin nach dem Ansatz des GiS arbeitet. Silvia Höfer räumt aber auch ein, dass die Stundenaufteilung sehr personenabhängig ist. So kann beispielsweise bei einem Vorschulkind der Anteil der Spieleinheit deutlicher höher ausfallen, da hier das Spiel als Intervention einen größeren Stellenwert erhält.

Neben spieltypischen Wirkfaktoren setzt die Autorin allgemeine therapeutische Wirkfaktoren in Beziehung zum GiS. So wird beispielsweise im Spiel aktive Hilfe zur Bewältigung von aktuellen Problemen angeboten. Im Spiel können in einem geschützten Rahmen Bewältigungsstrategien erarbeitet, ausprobiert und eingeübt werden. Daneben findet im Spiel konstant Klärungsarbeit statt. D.h., dass die Therapeutin in jeder Spieleinheit die Zusammenhängen und Motivationen des Kindes für gezeigtes Spielverhalten deutet. Weitere Wirkfaktoren sind die Problemaktualisierung im Spiel sowie die Ressourcenaktivierung. Die eigentliche Weiterentwicklung des Geleiteten individuellen Spiels besteht jedoch in der Verbindung von klassischen und kognitiven Methoden der Verhaltenstherapie mit den Spielinhalten des Kindes. Die Autorin stellt dar, wie diese Elemente geschickt in den Spielablauf integriert werden können, so dass die therapeutische Intervention für das Kind zu einem verständnis- und erlebnisintensiven Prozess wird. In diesem Kontext spiegeln die Ausführungen über einzelne verhaltenstherapeutische Interventionen (z.B. Psychoedukation, Verstärkung, Bestrafung und Löschung von Verhalten, der sokratische Dialog und kognitives Umstrukturieren oder das Erlernen von Selbstkontrolltechniken) als integrierter Teil des Spielgeschehens das zentrale Thema des Buches wieder. Daher ist es etwas bedauerlich, dass dieser Teil mit gerademal zehn Seiten als relativ knapp betrachtet werden muss. Dieser Umstand wird durch die ausführlichen Fallbeschreibungen einschließlich exemplarischer Therapiedialoge wieder etwas ausgeglichen. Zahlreiche Fotografien von Spielszenen erhöhen die Anschaulichkeit der Ausführungen.

Fazit

Silvia Höfer bearbeitet mit dem vorliegenden Buch ein in der Verhaltenstherapie bisher wenig beachtetes Thema und entwickelt das Konzept des Geleiteten individuellen Spiels. Dieses hat einen hohen praktischen Nutzen für alle TherapeutInnen, die sich eingehender mit Thema "Spiel" in der Verhaltenstherapie beschäftigen und dieses für den therapeutischen Prozess als erlebnisintensive Methode nutzen wollen. Die Fallbeispiele und Arbeitsmaterialien stärken die Motivation, Elemente des GiS in die eigene Arbeit zu integrieren. Das Buch richtet sich daher nicht nur an AusbildungsteilnehmerInnen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, sondern auch an bereits approbierte KollegInnen, die sich dem Medium Spiel stärker zuwenden wollen.


Rezension von
Thomas Buchholz
M.A.
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Zitiervorschlag
Thomas Buchholz. Rezension vom 12.03.2015 zu: Silvia Höfer: Spieltherapie. Geleitetes individuelles Spiel in der Verhaltenstherapie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. ISBN 978-3-621-28028-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17081.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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