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Sabine Schlitt, Kerstin Berndt u.a.: Das Frankfurter Autismus- Elterntraining (FAUT-E)

Cover Sabine Schlitt, Kerstin Berndt, Christine M. Freitag: Das Frankfurter Autismus- Elterntraining (FAUT-E). Psychoedukation, Beratung und therapeutische Unterstützung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 180 Seiten. ISBN 978-3-17-023353-9. 42,99 EUR.
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Thema

Autismus ist eine lebenslange tiefgreifende Entwicklungsstörung, die Einfluss auf das Sozialverhalten, die Kommunikation und das Verhaltensrepertoire hat. Das stellt Eltern autistischer Kinder und Jugendlicher im Alltag vor besondere Herausforderungen. Das Buch richtet sich an verhaltenstherapeutisch geschulte Therapeuten, die Gruppentherapien für Eltern autistischer Kinder und Jugendlicher anbieten möchten. Mit diesem Buch wird ein strukturiertes Trainingsmanual vorgestellt.

Autorinnen

Christine M. Freitag ist Ärztin und Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums Frankfurt. Kerstin Berndt ist Diplom-Pädagogin und arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich der Frühförderung und Therapie autistischer Kinder und der Elternberatung.

Sabine Schlitt ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin im Bereich Diagnostik und Therapie autistischer Kinder. Auch sie arbeitet in der Elternberatung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst 178 Seiten. Es gliedert sich in zwei Teile, die aus 10 Kapitel bestehen. Der Fließtext enthält zahlreiche Zwischenüberschriften. Zu Beginn der Trainingslektionen (1-8) befinden sich zur besseren Übersicht Textboxen, in denen Ziele, Inhalte, Methoden und Materialien vorgestellt werden.

  • Teil I Autismus-Spektrum-Störungen
  • Teil II Frankfurter Autismus – Elterntraining (FAUT-E)

Teil I Autismus-Spektrum-Störungen

  • 1 Erscheinungsbild
  • 2 Ätiologie und Verlauf
  • 3 Behandlungsansätze
  • 4 Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen
  • 5 Geschwister von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum -Störung

Teil II Frankfurter Autismus – Elterntraining (FAUT-E)

  • 6 Aufbau, Ziele und Rahmenbedingungen
  • 7 Basismodule der Trainings
  • 8 Erweiterungsmodule für alle Gruppen
  • 9 Erweiterungsmodule für Kleinkinder und Kinder mit geistiger Behinderung..
  • 10 Erweiterungsmodule für (Vor-) Schulkinder ohne geistige Behinderung
  • 11 Evaluation
  • Literaturverzeichnis
  • Stichwortverzeichnis

Der erste Teil handelt von der Autismus-Spektrum-Störung. Die Unterkapitel befassen sich 1. mit dem Erscheinungsbild (Hauptsymptome, Klassifikation, komorbide Erkrankungen und häufige Begleitsymptome, perzeptive und kognitive Besonderheiten, soziale Motivation und den Vorläuferfunktionen sozialer Interaktion und Kommunikation (Imitation und gemeinsame Aufmerksamkeit), 2. mit der Ätiologie und dem Verlauf, 3. Mit der Betrachtung von Behandlungsansätzen und Behandlungsprinzipien (wie kindzentrierte Interventionen, Förderprogramme, und Elterntrainings (sowohl in Deutschland als auch internationale Trainings), sozialen Kompetenztrainings in Gruppen und Programmen zum Aufbau von Sprache und Kommunikation. In diesem Kapitel geht es auch um die medikamentöse Behandlung und alternative Behandlungsmethoden (wie Nahrungsergänzungsmittel und Diäten, Hormone, alternative Medikamente, um die Ausleitung von Schwermetallen, das Neurofeedback und die Musiktherapie, 4. mit Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen (mit dem Erleben von Erziehungskompetenz und Stress und mit Bewältigungsstrategien) und 5. mit Geschwistern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen.

Der zweite Teil Frankfurter Autismus – Elterntraining (FAUT-E) beginnt mit Kapitel sechs, in dem der Aufbau, Ziele und Rahmenbedingungen erläutert werden. Im siebten Kapitel werden sechs Basismodule des Trainings erläutert. Zu Beginn der Module erhält der Leser eine Übersicht über Ziele, Inhalte, Methoden und Materialien, die in Textboxen zusammengefasst sind.

Im ersten Modul Basis 1 geht es um die Vorstellung, das gegenseitige Kennenlernen und darum, mit den eigenen Anliegen ins Gespräch zu kommen und mehr über die Autismus-Spektrum-Störung zu erfahren. Ziel des Moduls Basis 2 ist, die positiven Seiten zu sehen und gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. In Modul Basis 3 liegt der Schwerpunkt darauf, das Verhalten des eigenen Kindes zu verstehen. Die Module Basis 4 und 5 betrachten Möglichkeiten, das Problemverhalten des eigenen Kindes durch Strukturierungsmaßnahmen und Konsequenzen zu ändern. Das letzte Basismodul 6 betrachtet Kraftquellen der Eltern und Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag.

Die folgenden Module können optional eingesetzt werden. Das achte Kapitel stellt Erweiterungsmodule (E) für alle Gruppen vor. Es geht darum, welche Therapien es gibt und wie wirksam diese sind, wie man sein Kind im Kindergarten/in der Schule unterstützen kann, welche Rechte Familien haben und wie diese durchgesetzt werden und wie man mit Geschwisterkindern umgeht.

Im neunten Kapitel werden Erweiterungsmodule für Kleinkinder und Kinder mit geistiger Behinderung (KK) ausgeführt. Dabei liegt der Fokus darauf, wie man sein Kind bei der Sprachentwicklung (KK1) und bei der Sauberkeitsentwicklung unterstützen kann (KK2).

Im 10. Kapitel werden drei Erweiterungsmodule für (Vor-) Schulkinder ohne geistige Behinderung (SK) erläutert. Im SK1 geht es darum, wie man sein Kind darin unterstützen kann, soziale Situationen zu verstehen und sich angemessen zu verhalten, wie man seinem Kind seine Besonderheit erklärt (SK2) und was  man in der Pubertät zu erwarten hat (SK3). Das Buch endet mit dem 11. Kapitel Evaluation und mit einem Stichwort- und Literaturverzeichnis.

Diskussion

Dieses Manual richtet sich an verhaltenstherapeutisch geschulte Therapeuten, die Gruppentherapien für Eltern autistischer Kinder und Jugendlicher anbieten möchten. Einen Kern bildet die Wissensvermittlung und Aufklärung. Eltern benötigen Beratung und lernen konkrete Techniken für den Umgang mit ihren Kindern. Es ist strukturiert und übersichtlich aufgebaut. Zu Beginn jedes Moduls werden Ziele, Inhalte, Methoden und Materialien in Textboxen übersichtlich zusammengefasst.

Es gibt eine Fülle von Manualen, deren Zielgruppe Kinder und Jugendliche aus dem Autismus Spektrum sind und in denen sich auch immer einzelne Kapitel an die Eltern richten wie z.B. das TOMTASS Training aus Freiburg www.socialnet.de/rezensionen/14738.php oder das KOMPASS Training aus Zürich www.socialnet.de/rezensionen/14737.php.

Das hier vorgelegte Training richtet sich direkt an die Eltern. Neben den sechs grundlegenden Basismodulen gibt es drei Erweiterungsmodule. Im ersten Erweiterungsmodul geht es darum,  welche Therapien es gibt und wie wirksam diese sind, wie man sein Kind im Kindergarten/in der Schule unterstützen kann und welche Rechte Familien haben und wie diese durchgesetzt werden. Hier tauchen immer wieder zahlreiche Fragen auf, die besprochen werden müssen. Positiv hervorzuheben ist, dass auch die Geschwisterkinder im Fokus stehen. Eltern bekommen Gelegenheit über die Schwierigkeiten in der Beziehung der Geschwister zu sprechen. Zudem erhalten sie Hinweise, wie man den Geschwistern die Besonderheit der Schwester/des Bruders erklärt. Wichtig ist zudem, Gelegenheiten des gemeinsamen Tuns z.B. im Spiel zu schaffen.

Das Frankfurter Autismus-Elterntraining FAUT-E wird im Rahmen einer Längsschnittstudie am Universitätsklinikum Frankfurt evaluiert. Alle Eltern werden zweimal vor dem Training und zweimal danach in Bezug auf ihr eigenes Erleben und der Entwicklung der Kinder befragt. Folgende Grundannahmen wurden formuliert: es wird davon ausgegangen, dass durch das Training das Erleben von Stress bei den Eltern vermindert und die selbst wahrgenommene Erziehungskompetenz erhöht wird. Auch wird angenommen, dass sich das kindliche „Störverhalten“ (S.162) durch das Training reduziert. Konkrete Ergebnisse liegen leider noch nicht vor.

Fazit

Neben grundlegenden Informationen zur Autismus-Spektrum-Störung, einer tiefgreifenden lebenslangen Entwicklungsstörung, die Einfluss auf das Sozialverhalten, die Kommunikation und das Verhaltensrepertoire hat, enthält dieses Buch vor allem ein strukturiertes Elterntrainingsmanual mit aufeinander aufbauenden Trainingseinheiten, die aus sechs Basismodulen und drei ergänzenden Modulen bestehen. Sie dienen der Psychoedukation, Beratung und therapeutischen Unterstützung der Eltern, die oft in der eigenen Erziehungskompetenz verunsichert sind, was mit einem erhöhten Stresserleben einhergeht. Das Buch richtet sich an verhaltenstherapeutisch geschulte Therapeuten, die Gruppentherapien für Eltern autistischer Kinder und Jugendlicher anbieten möchten.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 06.05.2015 zu: Sabine Schlitt, Kerstin Berndt, Christine M. Freitag: Das Frankfurter Autismus- Elterntraining (FAUT-E). Psychoedukation, Beratung und therapeutische Unterstützung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-023353-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17083.php, Datum des Zugriffs 20.01.2019.


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