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Brigitte Dorst, Margarete Leibig u.a. (Hrsg.): Aktive Imagination

Cover Brigitte Dorst, Margarete Leibig, Bernd Leibig, Hanna Wolter, Christa Henzler u.a. u.a. (Hrsg.): Aktive Imagination. Schöpferisch leben aus inneren Bildern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2014. 174 Seiten. ISBN 978-3-17-023940-1. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.
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Thema

„Aktive Imagination“ nannte C.G. Jung ein Verfahren, um in Kontakt mit dem sog. Selbst zu treten- im vorliegenden Buch wird dieses „alte“ psychotherapeutische Verfahren aus heutiger Sicht im Kontext Jung´scher Tiefenpsychologie dar- und vorgestellt.

Autorinnen und Autoren

Beide Herausgeber, Prof. Dr. Brigitte Dorst und Prof Dr. Ralf T. Vogel sind Diplom-Psychologen, approbierte Psychotherapeuten im Bereich Psychoanalyse, Herr Vogel zudem in Verhaltenstherapie. Beide sind in Lehre, Praxis und Supervision praktizierend.

Entstehungshintergrund

Wie angedeutet sind beide Autoren praktizierende Therapeuten und stellen im vorliegenden Buch ihre Erfahrungen und die von ebenfalls praktizierenden Psychoanalytikern ( Jung´scher Provenienz) mit der sog. Aktiven Imagination vor. Deren Erfahrung zeigt, dass bei anderen therapeutischen Verfahren Imagination durchaus als Methode bekannt und bewährt ist, die Jung´sche Form der Aktiven Imagination aber weniger, was auch daran liegen mag,dass sie in der Literatur kaum dargestellt vorliegt. Diesem Mangel wollen die Autoren Abhilfe schaffen und erhoffen sich eine weitere Verbreitung und Anwendung dieser ihrer Sicht nach hilfreichen Therapiemethode.

Aufbau

Das Buch besteht aus drei Teilen:

  1. Teil 1 liefert eine eher einführende Beschreibung der fraglichen Methode, wobei gleichzeitig notwendigerweise ein Einblick in das Symbolverständnis der jungschen Psychologie gegeben wird.
  2. Teil 2 fokussiert auf den sog. „Bildbegriff“ und die – wie die Autoren dies nennen – neurobiologischen Grundlagen der Imagination.
  3. Im 3. Teil schließlich berichten verschiedene Autoren aus der Praxis der Aktiven Imagination, wie sie bspw. beim Malen, in Träumen und Märchen oder auch in der Arbeit mit Kindern eingesetzt werden kann.

Inhalt

Im 1. Kap des Teil 1 stellt Vogel Grundlagen und Praxis der Aktiven Imagination (AI) auch in ihrer historischen Entwicklung von Jung zu heutigem Verständnis vor. AI ist eine Form der freien Imagination und unterscheidet sich insofern von gelenkten Verfahren. Mit ihr soll eine intensive Auseinandersetzung mit den inneren Bildern den Reifungs- und Wachstumsprozess des Patienten anregen und unterstützen. Unter dem Prinzip des „Geschehenlassens“ kann so das Selbst die Führung übernehmen und unbewusste Anteile können verfügbar werden. Der Mensch kann sich so im „…Innenraum der Seele orientieren und ‚bewegen‘“(S. 10). Nach einer Phase der einleitenden Entspannung öffnet sich der Patient für die inneren Bilder, die dann verstehend und deutend bearbeitet werden können- dies mit Hilfe von Therapeuten, die in Bild- und Symbolsprache der Jung´schen Psychologie geschult sind, und die auftauchenden Bilder im Kontext momentaner Lebensbedingungen aufschlüsseln. Die Methode fördert so die Individuation im Sinne von Jung. Der Autor betont, dass AI keine Therapie an und für sich ist, sondern eine Methode, die in den Kontext eines psychotherapeutischen Verfahrens gehört, um hilfreich Anwendung zu finden.

Fr. Dorst beschäftigt sich im 2. Teil des Buches mit den Symbolen als Grundlage der AI. Ein Symbol ist immer etwas Zusammengesetztes, aus dem sozusagen sichtbaren Teil und dessen Bedeutung, wobei das Äußere das Innere offenbart. Sie entwickelt die Bedeutung von Symbolen auch in einem kultur-historischem Zugang als ubiquitärem Phänomen im menschlichen Sein. Innerhalb der Analytischen Psychologie werden in dieser „Bildsprache“ Symbole, Archetypen und Komplexe differenziert, worauf die Autorin ausführlich eingeht, bevor sie u.a. auch Psychosomatik als „symbolische Sprache des Körpers“ thematisiert. Ein knappes Anwendungsbeispiel schließt diesen Beitrag ab.

Schwind geht im 3. Kap. auf die Bedeutung von Bildern in der menschlichen Seele ein, Leibig auf das Thema „Imagination und Neurobiologie“. Er stellt das Gehirn als offenes System dar, was Buttom-up und Top-down ständig mit der Informationsverarbeitung beschäftigt ist, wobei nur ein kleiner Teil sich mit der Aufnahme äußeren Inputs beschäftigt, der weitaus größte einer Art Selbstkommunikation des Gehirns dient.

Henzler, Leibig und Wolter bringen im Teil III des Buches Anwendungsbeispiele aus eigener Praxis. Henzler stellt ausführlich einen Prozess der Selbstauseinandersetzung mit dem Medium „Malen“ vor, wobei die Darstellung durch Abbildungen und deren Deutungsarbeit mit dem Patienten vertieft wird und gut nachvollziehbar ist. Die beiden anderen Beiträge beschäftigen sich ebenfalls an konkreten Beispiel mit der AI im Kontext von Träumen und Märchen und in der Arbeit mit Kindern.

Alle Einzelbeiträge enden mit einem gesonderten Literaturverzeichnis.

Diskussion

Es kann im Rahmen der Buchbesprechung keine theoretische Auseinandersetzung mit der Methode AI erfolgen, geschweige denn mit der Jung´schen Analytischen Psychotherapie. Die Methode wird sicherlich klar vorgestellt, dennoch bleibt der Focus der Darstellung eng- so fehlen die vertiefenden Hinweise auf Imaginative Methoden bspw. im Kontext der erweiterten Kognitiven Verhaltenstherapie (Schematherapie und ACT) oder im Kontext der Hypnotherapie. Auch die „neurobiologischen“ Grundlagen sollten ggf. „bescheidener“ „Aspekte“ genannt werden, damit der Leser nicht falsche Hoffnungen auf eine umfassende Darstellung bekommt. Gleichwohl: den Autoren ist recht zu geben, wenn sie den bisherigen Mangel an Darstellungen der AI aus heutiger Sicht als Motiv für ihre Veröffentlichung nennen- und insofern kann Therapeuten der Analytischen Psychologie die erhellende Lektüre durchaus gerne empfohlen werden.

Fazit

Eine gut lesbare und durch Praxisbeispiele anschaulich gestaltete Hinführung zur einer Methode der Analytischen Psychologie. Für Lernende und Therapeuten in diesem Bereich, aber auch für pädagogisch Arbeitende durchaus empfehlenswert.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 27.08.2014 zu: Brigitte Dorst, Margarete Leibig, Bernd Leibig, Hanna Wolter, Christa Henzler u.a. u.a. (Hrsg.): Aktive Imagination. Schöpferisch leben aus inneren Bildern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2014. ISBN 978-3-17-023940-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17122.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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