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Judith S. Beck: Probleme in der Therapie - was tun?

Cover Judith S. Beck: Probleme in der Therapie - was tun? Kognitive Therapie für schwierige Fälle ; mit Online-Materialien. dgvt-Verlag (Tübingen) 2014. 416 Seiten. ISBN 978-3-87159-289-8. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR, CH: 51,90 sFr.

Mit einem Vorw. von Aaron T. Beck.
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Thema

Die Kognitive Therapie ist als Therapieansatz innerhalb der Verhaltenstherapie als erfolgreich für eine Vielzahl von Störungen im Erleben und Verhalten von Menschen ausgewiesen. So klar der Ansatz nach Aaron T. Beck auch ist- so wird es in der Umsetzung bedingt durch Besonderheiten auf Seiten von Klient und Therapeut Effizienzabweichungen gegenüber den vorliegenden überwiegend klinischen Studien geben. Judith S. Beck, die Tochter von Aaron T. Beck, befasst sich im vorliegenden Werk mit der Lösung von Umsetzungsschwierigkeiten, die sie mit reichlich praktischen Beispielen versehen einem großen Leserkreis anbietet.

Autorin

Judith S. Beck ist wie gesagt die Tochter des „Erfinders“ der Kognitiven Therapie, Aaron T. Beck. Sie hat zunächst Sonderpädagogik studiert, sich dann aber dem Vermächtnis von Beck angenommen und gilt durch weltweite Aus- und Fortbildung als eine der Repräsentanten der Kognitiven Therapie über ihre Heimat, den USA, hinaus.

Entstehungshintergrund

Gerade in Fortbildungen ist Judith S. Beck wie andere Ausbilder auch konfrontiert mit den Umsetzungsschwierigkeiten des Ansatzes der Kognitiven Therapie. Sie will dazu beitragen, dass diese Schwierigkeiten nicht methodischen Mängeln angelastet werden und konzentriert sich deshalb darauf, Idiosynkrasien auf Seiten von Klient und Therapeut in der Umsetzung zu eruieren, zu systematisieren und dann an Beispielen belegt, Hilfestellung zur Lösung und späteren Vermeidung solcher zu geben. Sie benutzt hierzu einerseits den reichen Fundus an Erfahrungen mit Ausbildungskandidaten, andererseits auch Material, wie es ihr durch Anfragen zugetragen wurde, bzw. durch praktizierende Kollegen vermittelt wurde.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus 13 Kapiteln, einem Anhang und online-Materialien, die der Verlag zur Verfügung stellt.

Im ersten Kapitel gibt Judith S. Beck einen groben Überblick über mögliches Störungsquellen, die sie dann in den folgenden Kapiteln differenzierter und an Beispielen belegt ausführt. Sie legt dar: “ Zur Anwendung der Kognitiven Therapie gehört es, in der Therapie aufkommende Probleme zu erkennen, den Schweregrad dieser Probleme zu diagnostizieren und die spezifischen Problemquelle festzustellen.„(S.38) Hierzu unterscheidet sie zwischen externen und internen Problemen, für die sie dann zwischen Therapeutenfehlern und „Patienten-pathologie“ unterscheidet….

Kap. 2 befasst sich mit Fehlern in der Fallkonzeption, wobei bspw. Wert darauf gelegt wird, beim Klienten ein gutes Verständnis für den Therapieansatz zu fördern, indem psycho-edukativ das kognitive Modell vermittelt wird.

Kap. 3 fokussiert auf Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, bei denen (Kap. 4) insbesondere die Gestaltung des Therapeutischen Bündnisses wesentlich ist und in diesem „Fehler“ vermieden werden müssen, die die Motivation zur Mitarbeit beim Klienten beeinträchtigen oder verhindern. Fall- Beispiele gerade für diesen Topos folgen im 5. Kapitel.

Fehler auf Seiten des Therapeuten werden im 6. Kapitel aufgegriffen- hier geht es insbesondere um kontraproduktive Verarbeitung von Ablehnung des Therapeuten durch den Klienten, schlechte Mitarbeit und andere Formen der „Sabotage“ des Therapieprozesses.

Im 7. Kapitel beschäftigt sich Judith S. Beck mit den Schwierigkeiten in der Kognitiven Therapie wie sie durch unklare und ungenaue Zielspezifikation entstehen können und gibt auch hier an Beispielen erläutert Hilfestellung, wie Abhilfe geschaffen werden kann.

Gerade weil mit schwierigen Klienten die Therapiesitzung und der Therapieprozess oft unstrukturiert werden kann, therapeutische Führung gefragt und herausgefordert wird, beschäftigt sich Kap. 8 mit Hilfen zur Strukturierung der einzelnen Sitzung und des Prozesses insgesamt. Spezifiziert werden solche Probleme im folgenden Kapitel 9 unter den Gesichtspunkten „Problemlösen“ und „Hausaufgaben“.

Nicht immer sind die (dysfunktionalen ) Kognitionen auf Seiten des Klienten leicht zu identifizieren- gleichwohl ist dies zentral für den therapeutischen Ansatz und Judith S. Beck legt Wert darauf, hier gründlich und geduldig vorzugehen – Kap. 10 widmet sich diesem Anliegen deshalb ausführlich.

Gerade weil Hauptanliegen des Ansatzes der Kognitiven Therapie die Modifikation von Gedanken und Vorstellungen/ Imaginationen ist, wird dieser Bereich möglicher Ineffizienz in der Umsetzung im nächsten Kapitel herausgestellt, um die Modifikation von „Annahmen“ im Kap. 12 erweitert und durch die gesonderte Thematisierung von Grundüberzeugungen im Kap. 13 ergänzt.

Der Anhang des Buches stellt Aus- und Weiterbildungsinstitutionen vor, Fragebogen zur Persönlichkeit und Überzeugungen, Evaluationsinstrumente der kognitiven Therapie, sowie weitere Arbeitsmaterialien für Klienten und Therapeuten (online- Materialien durch den Verlag und über dessen home-page). Literaturverzeichnis und ein ausführliches Sachregister schließen das 416 Seite starke Buch ab.

Diskussion

Fraglos stellt das Buch gerade auch mit seinen überaus reichlichen Beispielen aus Therapie-Dialogen einen reichen Fundus der Kognitiven Therapie dar- es bleibt allerdings in diesem Rahmen. Diese Anmerkung muss gemacht werden, weil die grundsätzliche Frage der „Beschränktheit“ des Ansatzes und der notwendigen Erweiterung durch andere Methoden (beispielweise der Ergänzung durch Emotionsfokussierte Therapie ) im Buch nicht thematisiert wird; „reicht“ das Instrumentarium der Kognitiven Therapie aus, treten nicht oft auch gerade Umsetzungsschwierigkeiten ein, weil die Methode selbst an ihre Grenzen stößt? Welche zusätzlichen Therapiemethoden, welche zusätzlichen Kompetenzen empfiehlt die Autorin den Therapeuten? Zumindest im Sinne multimodaler Ansätze, des Selbstmanagement – Ansatzes von Kanfer oder im Kontext der Ausbildung in Verhaltenstherapie im der BRD wird dieser Ansatz bei allem Respekt vor dessen nachgewiesener Effizienz nicht einzige Methode im Behandlungsarsenal von Therapeuten sein (dürfen).

Kritisch ist auch die umfangreiche Darstellung zu würdigen; das Buch ist mit seiner Unzahl von Therapiebeispielen (so löblich diese natürlich als exemplarische Verständnis-Hilfen sind!) reichlich redundant…und so stellt sich auch die schwer zu beantwortende Frage, für welchen Adressatenkreis Judith S. Beck geschrieben hat. In durchaus begrenzter Kenntnis der Aus- und Fortbildungssituation in der BRD müssen sich angehende oder in Supervision befindliche Therapeuten über weite Strecken des Buches unterfordert fühlen und kaum erhellende Hilfestellungen finden……sie werden weiterhin reflektiert in der Supervision Aspekte unzureichender Umsetzung der Methode im Kollegenkreis diskutieren und dabei Methodenerweiterung berücksichtigen, genauso wie Besonderheiten der eigenen Person und der ihrer Klienten sowie deren Lebensumfeld.

Fazit

Eine umfangreiche Sammlung möglicher Störquellen in der Anwendung der Kognitiven Therapie und Lösungsvorschläge für solche Schwierigkeiten – fraglich bleibt für den Rezensenten, für wen genau solche kompetenzerweiternd sein können; bei guten Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten erscheint das Buch in großen Teilen redundant und deshalb entbehrlich.


Rezension von
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 28.08.2014 zu: Judith S. Beck: Probleme in der Therapie - was tun? Kognitive Therapie für schwierige Fälle ; mit Online-Materialien. dgvt-Verlag (Tübingen) 2014. ISBN 978-3-87159-289-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17141.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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