socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Rainer Schönhammer: Einführung in die Wahrnehmungspsychologie

Cover Rainer Schönhammer: Einführung in die Wahrnehmungspsychologie. Sinne, Körper, Bewegung. UTB (Stuttgart) 2013. 2., überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage. 377 Seiten. ISBN 978-3-8252-4076-9. D: 23,90 EUR, A: 24,60 EUR, CH: 33,20 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Dass Wahrnehmung die Verbindung zwischen Individuum, seinen Sinnesorganen und der umgebenden Welt meint, ist klar- im vorliegenden Buch wird hierzu insbesondere die Integration von verschiedenen Sinneskanälen zu einem Wahrnehmungsergebnis und -erlebnis thematisiert.

Autor

Rainer Schönhammer ist Professor für Psychologie der Gestaltung an der Kunsthochschule in Halle und beschäftigt sich laut Klappentext insbesondere mit Technik- und Medienwahrnehmung, Ästhetik sowie von Bewusstseins-zuständen.

Entstehungshintergrund

Entsprechend dem eigenen Arbeitsgebiet erscheint es dem Autor bei Kenntnis anderer einschlägiger Veröffentlichungen zum Thema Wahrnehmungspsychologie als Defizit, dass dort zu sehr auf physiologische und experimentelle Bedingungen eingegangen wird- was fehlt -so der Autor- seien alltägliche und außergewöhnlichen Aspekte des ästhetischen Erlebens und des Umgangs mit den Dingen des Lebens und mit der Natur. Dieses Defizit soll im vorliegenden Buch ausgeglichen werden und zugleich „Sinne“ und „Wahrnehmen“ überblicksartig vorgestellt werden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus vier Teilen mit insgesamt 10 Kapiteln und einem anschließenden 50seitigen Literaturverzeichnis, einem Verzeichnis der Abbildungen und einem Register.

Teil 1 beschäftigt sich mit dem Spüren der Körperwahrnehmung auf der Basis basaler Bewusstheiten; mit dem „Berührtwerden“ und den Tastsinnen, im Kap 3 mit der haptischen Wahrnehmung, schließlich mit dem sog. 6.Sinn: Gleichgewicht, Eigenbewegung und Orientierung.

Teil 2 thematisiert dann in zwei Kapiteln die chemischen Sinne Riechen und Schmecken.

Im 3. Teil kommt der Autor zu den Sinnen die „traditionell“ in der Wahrnehmungspsychologie oft an erster Stelle behandelt werden: die „höheren“ Sinne Sehen und Hören.

Teil 4 widmet sich dem Thema „Einheit der Sinne“, veranschaulicht in Kap 9 durch die Themen Multisensorische Wahrnehmung und Synästhetik, im 10. Kap mit Ästhetischem Erleben und Erleben von Atmosphäre.

Alle Kapitel beginnen mit – wie der Autor dies nennt – einer Neuroskizze, in der bewusst knapp die neurologisch-physiologischen Grundlagen zum Kapitelinhalt vermittelt werden- dies wie benannt als handschriftlich-graphische Skizze, die kurz erläutert wird. Die Inhalte werden dann weiter an einfachen und oft auch leicht nachzuvollziehenden Beispiel-Experimenten dem Leser näher gebracht und anhand von Ergebnissen wissenschaftlicher Studien vertieft. Die einzelnen Kapitel werden abgeschlossen durch eine „Rückschau in Fragen“ quasi als Lernüberprüfungsmöglichkeit für den Leser.

Die Darstellungen erschließen sich dem Leser auf eine angenehme Art, was daran liegen mag, dass die Sprache des Autors durchwegs auf gute Lesbarkeit Wert legt. Die Experimente, die der Autor zitiert, um in einen Themenbereich einzuführen machen es dem Leser leicht, die Wahrnehmungsphänomene nachzuvollziehen. Die „Reihenfolge“ der Sinnesorgane, die der Autor wählt, erfolgt mehr einer evolutionären Chronologie- hierbei ist dem Autor wichtig, die oft als „einfache“ Sinne bezeichneten in ihrer Bedeutsamkeit für die Wahrnehmung insgesamt herauszustellen und deutlich zu machen, dass auch die „höheren“ Sinne ohne diese basalen sich nicht in der Form hätten entwickeln können, wie sie uns heute quasi selbstverständlich zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist hier implizit auch eine Warnung ausgesprochen: sich in unserer Kultur nicht mit immer größerer Ausschließlichkeit auf „Sehen“ und „Hören“ in unserer Wahrnehmungsfähigkeit zu reduzieren. Gerade im 4. Teil des Buches wird dies herausgestellt, wenn der Autor bspw. auf ästhetischen Bedingungen eingeht und sich mit Fragen beschäftigt wie der Bedeutung von „Erhabenem und Schönen“, von „Spiel und Kunst“ „Kitsch“ und „Partnerwahl“.

Diskussion

Es kann im Rahmen der Buchbesprechung nicht hinreichend die Fülle des Dargestellten nachgezeichnet werden- auf das umfangreiche Literaturverzeichnis wurde oben schon hingewiesen- an ihm ist der reiche Fundes des Werkes erkennbar. Es ist für den Rezensenten auch fraglos, dass es sich um ein wichtiges, gut fundiertes und lesbares Buch handelt. Allerdings: Das Buch bewegt sich in einem Kontext universitärer Curricula und hier muss Kritisches angemerkt werden: im Studium der Psychologie in den BA- Studiengängen ist der Terminus „Wahrnehmungspsychologie“ curricular gebunden (s. Bspw. Hagendorf u.a. „Wahrnehmung und Aufmerksamkeit“, 2011). Man mag die thematischen Zugänge dort als zu eng und begrenzt empfinden, sollte aber in der eigenen Titelgebung gerade für Studenten der Psychologie („Einführung…“!) nicht verwirrend wirken; Verlag und Autor sei deshalb angeraten, bei Neuauflage den Titel zu verändern (Wahrnehmung und Ästhetik, o.ä.) und als ergänzende Literatur auch Studenten der Psychologie zu empfehlen.

Fazit

Eine gut lesbare und durch anschauliche Experimente und wissenschaftliche Befunde fundierte Darstellung des Phänomens „Wahrnehmung“, das insbesondere Wert darauf legt, die Bedeutsamkeit sog. „niederer“ Sinne ggü. den sog. „höheren“ herauszustellen und auf die Integration der einzelner Sinne zu einem Gesamtwahrnehmungserlebnis auch unter ästhetischen Gesichtspunkten hinweist. Als ergänzende Studienlektüre auch in BA- Studiengängen der Psychologie empfehlenswert.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
E-Mail Mailformular


Alle 83 Rezensionen von Christian Schulte-Cloos anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 06.11.2014 zu: Rainer Schönhammer: Einführung in die Wahrnehmungspsychologie. Sinne, Körper, Bewegung. UTB (Stuttgart) 2013. 2., überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-8252-4076-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17142.php, Datum des Zugriffs 15.11.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Mehr zum Thema

Leider liegen aktuell keine passenden Rezensionen vor.

Literaturliste anzeigen

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung