Michael Dartsch (Hrsg.): Musik im Vorschulalter
Rezensiert von Prof. Dr. Thomas Grosse, 11.12.2014
Michael Dartsch (Hrsg.): Musik im Vorschulalter. Bosse Verlag (Kassel) 2014. 128 Seiten. ISBN 978-3-7649-2812-4. 19,95 EUR. CH: 28,50 sFr.
Entstehungshintergrund und Thema
Bei der im Auftrag des Bayerischen Musikrates herausgegebenen Publikation handelt es sich um die Dokumentation der gleichnamigen Arbeitstagung an der Musikakademie Hammelburg im April 2013.
Autorinnen und Autoren
Die Autorinnen und Autoren sind überwiegend als Referierende oder Arbeitsgruppenleitung an der Tagung beteiligt gewesen.
Herausgeber und Zielsetzung
Der Herausgeber Michael Dartsch weist in seinem Vorwort darauf hin, dass ein Hauptziel vorliegender Publikation darin besteht, kritische Reflexionen und Diskussionen anzuregen, die auf die Praxis ausstrahlen mögen.
Aufbau und Inhalt
Das Buch folgt in Struktur und Inhalt offenbar dem Ablauf der dokumentierten Tagung.
Nach einem Grundsatzbeitrag von Michael Dartsch, der sich unter dem Titel „Musiklernen im Grundschulalter. Grundfragen und Tendenzen“ einer ausführlichen Übersicht der Thematik widmet, sind im Kapitel „Musik in Tageseinrichtungen für Kinder“ an den Praxisalltag angelehnte Texte unterschiedlichen Umfangs enthalten. Peter Pfaff stellt unter Zuhilfenahme der einschlägigen Bildungs- und Lehrpläne eine Perspektive aus Sicht des Landes Bayern dar. Barbara Stiller schließt sich mit Anregungen zur musikbezogenen Qualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern an. Kitty Schmidt ermöglicht einen knappen Einblick in Musikkindergärten, Stefanie Stadler Elmer führt das Konzept der Musik-Kita „Bamukki“ näher aus.
Der folgende Abschnitt stellt auf wenigen Seiten die Ergebnisse dreier Arbeitskreise der Tagung dar.
Ein zweiter Schwerpunkt des Buches bildet das Kapitel „Aspekte aus der Musikpädagogik“. Peter W. Schatt widmet sich „Mythen in der musikpädagogischen Arbeit mit Vorschulkindern“. Anne Weber-Krüger lässt Ausführungen zu ihrer aktuellen Forschungsarbeit zu kindlichen Perspektiven in musikalischen Bildungsprozessen folgen.
Als letztem Beitrag befasst sich in der Rubrik „Ausblick“ Gerd. E. Schäfer mit Bildungsprozessen in der frühen Kindheit unter besonderer Berücksichtigung der Musik. Den Abschluss des Bandes bildet ein Positionspapier der BMR.
Diskussion
„Musik im Vorschulalter“ ist als Tagungsdokumentation in dieser Form weniger ein wissenschaftliches Fachbuch, als vielmehr eine Sammlung von zahlreichen Aspekten, Diskussionsanlässen und deskriptiven Praxisdarstellungen. Dieses Los teilt der schmale Band mit vielen Dokumentationen, die als Arbeitsnachweis publiziert werden, auch wenn der Erkenntnisgewinn für die Fachöffentlichkeit möglicherweise nicht besonders hoch ist. Der durch entsprechende Impulsvorträge entstehende Nutzen innerhalb der Tagung selbst lässt sich naturgemäß nur eingeschränkt abbilden. So entsteht der Eindruck, dass in diesem Buch nur wenig Erkenntniszugewinn enthalten ist, allein der Blick auf die höchst unterschiedlich ausgestatteten Literaturverzeichnisse der einzelnen Beiträge lässt erkennen, wie breit die Recherche und wie aktuell die enthaltenen Informationen jeweils gehalten waren. Viele der in diesem Band behandelten Aspekte und Argumentationsmuster sind altbekannt, finden sich sogar bei oberflächlicher Recherche im Internet und lassen sich vor allem in einschlägiger Fachliteratur deutlich fundierter nachvollziehen. Doch gibt es auch einige durchaus lesenswerte Beiträge.
Insbesondere der einleitende Text von Michael Dartsch besticht durch seine sorgfältige und gut aufbereitete Recherche und bietet einen sehr gelungenen Einstieg in Thematik. Anne Weber-Krügers Forschungsansatz ist originell und weckt Interesse an ihrer – mittlerweile erschienenen – Monographie zum selben Thema. Und auch Gerd E. Schäfers Blick aus den bzw. auf die Erziehungswissenschaften bietet eine erfrischende und überfällige Perspektive im Sinne einer breiter geführten Diskussion um musikalische Bildung in der frühen Kindheit.
Fazit
Für eine grundlegende Einführung in das Thema „Musik im Vorschulalter“ ist diese Publikation nicht geeignet, das ist auch nicht beabsichtigt gewesen. Doch eine Erweiterung des Diskussionshorizontes für mit dem Themenbereich vertrauten Lesenden gelingt ebenfalls kaum, da viele der enthaltenen Informationen keinen aktuell weiterführenden Stand besitzen. Um einige spezifische Informationen zum Diskussionstand in Bayern zu erhalten oder aber um die wenigen -durchaus bemerkenswerten – neuen Aspekte zur Abrundung einer weitgehend erfolgten Auseinandersetzung mit dem Wert musikalischer Bildung in der frühen Kindheit zu erhalten, ist dieses Buch jedoch lesenswert.
Rezension von
Prof. Dr. Thomas Grosse
Professor für Ästhetische Kommunikation mit Schwerpunkt Musik in der Sozialen Arbeit, Rektor der Hochschule für Musik Detmold
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