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Alexander Kutscher: Rechtliche Betreuungen erfolgreich führen

Cover Alexander Kutscher: Rechtliche Betreuungen erfolgreich führen. Organisationshandbuch ; Checklisten, Excel-Formulare, Musterschreiben herunterladen und bearbeiten. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2014. 184 Seiten. ISBN 978-3-8029-7346-8. D: 49,00 EUR, A: 50,40 EUR, CH: 65,90 sFr.
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Thema

Wer auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst besorgen kann, kann Hilfe durch einen rechtlichen Betreuer erhalten. Der Betreuer vertritt den Betreuten rechtlich in dem erforderlichen Umfang. Über die Bestellung eines Betreuers und die Aufgabenkreise des Betreuers entscheidet das Betreuungsgericht.

Ein Betreuer erhält nur für die Bereiche Vertretungsrechte, die der Betroffene nicht mehr selbst regeln kann. Das bedeutet: alles, was ein Betroffener noch selbst erledigen kann, kann nicht zum Aufgabenkreis eines Betreuers gehören. Die Aufgabenkreise des Betreuers werden also auf das Notwendige beschränkt. Dabei sind die Wünsche des Betroffenen zu berücksichtigen. Etwa die Hälfte aller Betreuungen wird ehrenamtlich geführt. Überwiegend sind dies Familienangehörige. Aber auch jeder andere geeignete volljährige Mensch kann das Amt des Betreuers übernehmen. Der wichtigste Grundsatz lautet dabei: Betreuen statt bevormunden.

Der Betreuer hat die Angelegenheiten des Betroffenen so zu besorgen, wie es dessen Wohl entspricht. Hierzu gehört auch die Möglichkeit des Betroffenen, im Rahmen seiner Fähigkeiten sein Leben nach seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Der Betreuer hat Wünschen des Betroffenen zu entsprechen, soweit dies dessen Wohl nicht schadet und dem Betreuer zuzumuten ist. Dies gilt auch für Wünsche, die der Betreute vor der Bestellung eines Betreuers geäußert hat. Der Betreuer hat dazu beizutragen, dass Möglichkeiten genutzt werden, die Krankheit oder Behinderung des Betreuten zu beseitigen, zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern. Ehe der Betreuer wichtige Angelegenheiten erledigt, bespricht er sie mit dem Betreuten.

Berufsbetreuer üben das Amt des rechtlichen Betreuers gewerbsmäßig aus. Sie werden von den Betreuungsgerichten bestellt, nachdem ihre Eignung beurteilt wurde. Als geeignet werden im allgemeinen Personen mit juristischen, sozialen und helfenden Berufen angesehen. Sie verfügen über besondere Kenntnisse in den Bereichen Sozialpädagogik, Psychiatrie, Psychologie, Medizin, Behinderung aber auch im Bereich des Rechts (Betreuungsrecht, Zivilrecht, Sozialrecht etc.), und haben die Bereitschaft zur Fortbildung und Hospitation in den o. g. Bereichen, sowie zu den Themen Psychische Erkrankungen, Geriatrie und Gerontologie. Der Berufsbetreuer hat die Aufgabe, im Rahmen der gerichtlich festgelegten Aufgabenkreise zum Wohle und unter Berücksichtigung der Wünsche des Betroffenen für ihn zu handeln.

Bezeichnend für den Beruf des rechtlichen Betreuers, aber auch für ehrenamtliche rechtliche Betreuungen ist die sehr enge Zusammenarbeit mit dem Familiengericht beim Amtsgericht und hier insbesondere mit der für den jeweiligen Betreuten zuständigen Rechtspflegerin bzw. dem Rechtspfleger, die stets eine sehr detaillierte und transparente Verfahrensführung erwarten.

Autor

Der Autor, Alexander Kutscher, ist Diplom-Staats- und Sozialwissenschaftler (univ.) und Magister für Sozialmanagement. Er war in leitenden Positionen, darunter auch im Personalmanagement, bei sozialen wie gewerblichen Trägern tätig. Seit 2001 führt er sein Betreuungsbüro als Berufsbetreuer und Verfahrenspfleger. Er konzipiert darüber hinaus Aus- und Weiterbildungen von Betreuern und Berufseinsteigern und ist als Referent und auch als Fachbuchautor tätig. Zudem ist er Mitglied im Qualitätsregister des Bundesverbandes der Berufsbetreuer/Innen – BdB e. V.

Zielgruppe

Die Zielgruppe dürften alle diejenigen sein, die die rechtlichen Betreuungen für sich als Beruf ausersehen und ein eigenes Betreuungsbüro neu eingerichtet haben oder neu einrichten wollen und dabei eine qualifizierte Organisationsstruktur schaffen müssen. Gerade in der Anfangsphase der beruflichen Betreuertätigkeit kann die neue Betreuerin bzw. der neue Betreuer nicht damit rechnen, dass die Entschädigungsgelder der Behörde rasch und üppig fließen. Schließlich muss erst ein „Kundenstamm“ aufgebaut und die dafür erforderlichen organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden. Dabei kann dieses kostengünstige und sachlogisch gut aufgestellte Werk sehr gut helfen. Nicht jeder Berufsbetreuer kann die Kosten für die vom Bundesverband der Berufsbetreuer vermittelte Software „BdB at work – Betreuungsmanagement für Profis“ oder eine vergleichbare, die die berufliche Tätigkeit sicher sehr gut unterstützt und strukturiert, anfänglich leicht aufbringen. Auch Beschäftigte in einem Betreuungsbüro oder -verein, in Verbänden im Betreuungswesen oder in Betreuungsbehörden können das Organisationshandbuch sicher gut einsetzen. Und natürlich auch ehrenamtlich tätige Betreuerinnen und Betreuer erhalten einen einfachen und guten roten Faden für die Organisation ihrer Betreuung und das vor allem, wenn mehrere Personen betreut werden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis in Form einer Schnellübersicht:

  1. Betreuungen: Eine Frage des Vertrauens und der Kompetenz
  2. Aufbauorganisation
  3. Ablauforganisation
  4. Betreuungsführung
  5. Checklisten, Formulare und Musterschreiben
  6. Literatur- und Quellenverzeichnis
  7. Abkürzungsverzeichnis
  8. Stichwortverzeichnis

In den einzelnen Untergliederungspunkten werden die Inhalte präzise und gut verständlich dargestellt. Betreuungsarbeit ist dokumentations- und nachweispflichtig. Nachweise können nur geführt werden, wenn die Arbeit, einzelne Arbeitsschritte und die Ergebnisse dokumentiert werden. Dazu dienen die vorbereiteten Checklisten, die Muster für Schriftsätze und auch die Schaubilder in den einzelnen Untergliederungspunkten. Sie erleichtern den Informationstransfer und können nach dem Herunterladen von dem Verlagslink direkt praktisch verwendet werden. Das Werk steht auch als E-Book zur Verfügung. Hierfür steht ein Code für den Verlagszugriff zur Verfügung.

Das Werk wird nach den Checklisten und Mustervorlagen durch ein Literatur- und Quellenverzeichnis, ein Abkürzungsverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis abgerundet.

Fazit

Der Praktiker hat mit diesem Werk alle Informationen und Werkzeuge in einer Hand und kann sie demnach zweckgerichtet und unmittelbar einsetzen. Sehr interessant sind die umfassenden strukturellen Hinweise und Darlegungen, wie auch die Vielzahl von Musterschreiben und Checklisten bzw. Formularen, mit denen der Praktiker sicher sehr viel anfangen und auch damit gut umgehen kann. Selbst wenn das Internet zu dieser Thematik auch einiges zu bieten hat, dürfte das Werk bei der Organisation und beim strukturellen Aufbau und bei den Planungen wesentlich erleichternd und helfend herangezogen werden können. Mancher Leser wird sich sagen, dass er selbst dazu in der Lage ist, Musterschreiben, Checklisten und Tabellen etc. mit dem Computer selbst zu erarbeiten. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass ein Selbsterstellen sehr zeitintensiv ist. Insofern nimmt das Werk dem Praktiker diese Arbeit ab und die ersparte Zeit kann er für seine Betreuungstätigkeiten gut nutzen.

Alles in allem ist das Organisationshandbuch allen betreffenden Praktikern sehr zu empfehlen.


Rezensent
Hans-Joachim Dörbandt
Rechtsberatung Kranken-/Pflegeversicherung, Rentenberater und Prozessagent -
Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 21.11.2014 zu: Alexander Kutscher: Rechtliche Betreuungen erfolgreich führen. Organisationshandbuch ; Checklisten, Excel-Formulare, Musterschreiben herunterladen und bearbeiten. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2014. ISBN 978-3-8029-7346-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17207.php, Datum des Zugriffs 19.09.2017.


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