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Stephanie Witt-Loers: Trauernde Jugendliche in der Familie

Cover Stephanie Witt-Loers: Trauernde Jugendliche in der Familie. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2014. 156 Seiten. ISBN 978-3-525-40229-0. D: 14,99 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 20,90 sFr.
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Thema

Der Umgang mit trauernden Jugendlichen in der Familie stellt für alle Betroffenen eine große Herausforderung auf unterschiedlichsten Ebenen dar. Die Autorin Stephanie Witt-Loers gibt mit ihrem Buch Hilfestellungen zur gemeinsamen Bewältigung von Trauer im familiären Umfeld.

Autorin

Stephanie Witt-Loers wurde 1964 geboren. Sie studierte Philosophie, Politische Wissenschaften und Romanistik. Danach plante und organisierte sie für 20 Jahre Messen und Events für international tätige Firmen.

Persönliche Erfahrungen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Sterben, Tod und Trauer führten sie zur Hospizarbeit. Über Jahre begleitete sie Sterbende und Trauernde im Vinzenz Pallotti Hospital. Durch diese Arbeit wurde ihr bewusst, wie wichtig die Begleitung nicht nur für Sterbende, sondern auch für Trauernde ist.

Es folgte eine berufliche Neuorientierung. Stephanie Witt-Loers machte die Ausbildung zur Kinder- und Familientrauerbegleiterin und sammelte Erfahrungen durch die Beratung und Begleitung von Einzelnen und Gruppen, von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen in Trauerphasen.

Seit 2008 leitet sie das Institut Dellanima, das als Kompetenzzentrum für Trauerbegleitung qualitativ hochwertige Arbeit in diesem sensiblen Bereich leistet.

Neben weiteren Buchpublikationen erscheinen auch immer wieder Fachartikel von Stephanie Witt-Loers in diversen themenspezifischen Publikationen.

Aufbau und Inhalt

Nach einer grundsätzlichen Einführung in die Thematik Trauer und Verlust und die damit verbundenen Bedürfnisse und Faktoren, wird dem Leser zunächst die Jugend als besondere Lebenszeit bewusst gemacht. Eine kurz gehaltene Beschreibung der Besonderheiten dieses Lebensabschnitts sensibilisiert für die oft anstrengenden Entwicklungsprozesse, die Jugendliche in dieser Phase zu durchschreiten haben.

Vor diesem Hintergrund wird im Kapitel Jugendliche trauern – aber wie? auf die Bedürfnisse und Schwierigkeiten trauernder Jugendlicher eingegangen. Der Leser erfährt hier nicht nur, wie Jugendliche trauern, sondern auch was sie sich in der Trauer wünschen.

Es werden Probleme und Verständnisschwierigkeiten zwischen trauernden Jugendlichen und ihrem Umfeld beleuchtet. Wichtige Faktoren, die es besonders im Hinblick auf die Pubertät zu bedenken gibt, werden ebenso angesprochen, wie auftretende Schwierigkeiten anderer Menschen, mit der Trauer Jugendlicher umzugehen. Aber auch Räume, Institutionen und Menschen, die den Jugendlichen in ihrer Trauer beistehen und sie unterstützen können, sind Thema dieses Kapitels.

Im Anschluss kommen Jugendliche selbst zu Wort. Sie beschreiben in sehr persönlichen, anrührenden Texten von ihren Erfahrungen im Umgang mit dem Tod, dem Sterben und der Trauer. Die jungen Menschen unterstreichen damit die Bedeutsamkeit dessen, was die Autorin durch ihre Zeilen vermittelt und schaffen überdies die Verbindung zum Alltag trauernder Jugendlicher.

Im Kapitel Trauer in der Familie beschäftigt sich Stephanie Witt-Loers besonders intensiv damit, welche Herausforderungen ein Familiensystem nach dem Tod eines Familienmitglieds zu bewältigen hat.

So wird beispielsweise thematisiert, wie mit Informationen über den Tod eines Familienmitgliedes umgegangen wird bzw. umgegangen werden sollte. Auch das Beziehungsgeflecht innerhalb eines Familiensystems wird eingehend beleuchtet. Die Autorin schafft beim Leser ein Bewusstsein dafür, dass die Trauer innerhalb der Familie unterschiedlich erlebt und ausgedrückt wird.

Es ist wesentlich, zu begreifen, dass der Tod einer Person das gesamte Familiensystem verändert. Dies passiert aber nicht nur auf der Beziehungsebene, auch im Alltag müssen Rollen neu verteilt werden. Die Familie muss sich an die neue Situation anpassen.

In diesem umfassenden Abschnitt des Buches wird neben der Trauer von Jugendlichen auch besonders auf die Rolle von trauernden Eltern und anderer Bezugspersonen eingegangen. Was den Trauernden in ihrer veränderten Lebenssituation dabei hilft, mit den neuen, ungewohnten Bedingungen zurecht zu kommen, welche Schwierigkeiten zu überwinden sind und welche Möglichkeiten daraus erwachsen können, wird ausführlich dargelegt.

Auch im Anschluss an dieses Kapitel kommen Betroffene zu Wort. Diesmal sind es trauernde Eltern, die von ihrem Schicksal erzählen. Die unterschiedlichen Texte zeigen wie individuell der Zugang zur Thematik ist. Allen gemeinsam ist, dass sie dem Leser begreiflich machen, wie sehr der Tod eines Familienangehörigen den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit fordert.

Zwei kurze Kapitel schließen das Buch von Stephanie Witt-Loers ab. Zum einen beschäftigt sie sich unter der Überschrift Weiterleben aber wie? mit persönlichen Kraftquellen und Ressourcen, die uns als Menschen zur Verfügung stehen und beschreibt auch diverse Unterstützungsangebote für Trauernde, zum anderen wird im letzten Kapitel mit dem Titel Bestimmte Trauersituationen auf Ereignisse und Konstellationen eingegangen, die an das Familiensystem ganz besondere Anforderungen stellen.

Der Anhang des Buches bietet überdies eine Reihe von nützlichen Internetadressen und Literaturtipps. Empfehlungen von Spielfilmen und Musikstücken für Jugendliche runden das Angebot ab.

Diskussion

Die Art und Weise, in der die Autorin über das Thema Trauernde Jugendliche in der Familie schreibt, zeugt von einem großen Erfahrungsschatz im Umgang mit diesem Themenkomplex. Das Buch ist in einer einfachen und klaren Sprache abgefasst. Die sachliche Beschreibung von Umständen, Problemen, Sorgen und Nöten die trauernde Menschen begleiten, tut der Thematik insgesamt sehr gut. Leser, die zu diesem Buch greifen, werden in erster Linie nach einer Hilfestellung im Umgang mit trauernden Jugendlichen suchen. Diese Hilfestellung kann Stephanie Witt-Loers in großem Ausmaß bieten. Sie tut es nicht nur, indem sie ihr Wissen und ihre Erfahrung niederschreibt, sondern auch, indem sie den Leser immer wieder direkt anspricht. Diese Textabschnitte sind mit dem Begriff „Hinweis“ gekennzeichnet und enthalten sehr direkt formulierte Hilfestellungen, die dem Leser helfen, das Gelesene in den praktischen Alltag umzusetzen.

Das Buch setzt beim Leser keine religiöse bzw. spirituelle Grundeinstellung zum Leben voraus. Wenngleich Glaubensfragen am Rande erwähnt werden, so bleibt es stets das Grundanliegen der Autorin, Menschen im Umgang mit Trauer zu helfen. Dabei bleibt sie auf angenehme Weise am Boden der Realität. Wer sich eine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Trauer auf philosophischer, spiritueller oder gar esoterischer Ebene erwartet, wird enttäuscht sein. Wer aber konkrete Hilfe erwartet, darf sich sicher sein diese auch zu finden.

Fazit

So selbstverständlich der Tod auch zu unserem Leben dazugehört, so schwierig ist für die meisten von uns der Umgang damit. Trauer ist ein wichtiger Prozess, der uns hilft mit geänderten Lebensbedingungen zurecht zu kommen. Wenn Jugendliche trauern, haben sie dabei besondere Bedürfnisse. Die Autorin hilft dabei, diese zu erkennen und den jungen Menschen auf seinem Weg durch die Trauer zu begleiten.


Rezensent
Mag. Robert Stickler
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Zitiervorschlag
Robert Stickler. Rezension vom 02.01.2015 zu: Stephanie Witt-Loers: Trauernde Jugendliche in der Familie. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2014. ISBN 978-3-525-40229-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17232.php, Datum des Zugriffs 14.11.2018.


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