socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Björn Hagen (Hrsg.): Ambulante Erziehungshilfen

Cover Björn Hagen (Hrsg.): Ambulante Erziehungshilfen. Theoretische Grundlagen, Finanzierungssysteme, Fachkonzepte. SchöneworthVerlag (Hannover) 2014. 132 Seiten. ISBN 978-3-945081-01-3.

Hrsg. EREV, Evangelischer Erziehungsverband.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

In dem Band der Beiträge zu Theorie und Praxis der Jugendhilfe des Evangelischen Erziehungsverband (EREV) steht die ambulante Erziehungshilfe mit aktuellen theoretischen Bezügen, Perspektiven der Finanzierungssystematik sowie Befunden zur Wirksamkeit und konzeptioneller Weiterentwicklungen aus der Handlungspraxis im Fokus.

Herausgeber

Björn Hagen verantwortet die Geschäftsführung des Evangelischen Erziehungsverband (EREV) und damit die Herausgeberschaft dieser Schriftenreihe.

Entstehungshintergrund

Die "Beiträge zu Theorie und Praxis der Jugendhilfe" (TPJ) sind eine Schriftenreihe des EREV, die in der Regel viermal jährlich den Mitgliedern kostenfrei zugestellt werden und die zugleich über den Buchhandel publiziert und verkauft werden.

Aufbau

Der übersichtliche Band gliedert sich nach einem einführenden Editorial des Herausgebers in fünf theoriebezogene Beiträge und zehn praxisbeschreibene Texte aus unterschiedlichen Umsetzungskontexten der ambulanten Erziehungshilfen.

Inhalt

Der erste Beitrag von Jens Pothmann und Wolfgang Trede befasst sich mit zentralen Befunden des 14. Kinder- und Jugendberichts zu den ambulanten Erziehungshilfen. Die Autoren stellen zum einen differenziert nach den verschiedenen sogenannten Hilfearten der ambulanten Erziehungshilfen deren Entwicklung in den vergangenen Jahren heraus und stellen eine stetige quantitative Zunahme der Inanspruchnahmen fest. Insgesamt wird eine deutliche Zunahme der Kinder und Jugendlichen beschrieben die in öffentlicher (Mit-)Verantwortung aufwachsen. Eine große Herausforderung stellt dabei die Stärkung der Regelsysteme statt einer Ausweitung von professionell-sozialpädagogischen Sonderwelten dar. Zum anderen ist festzuhalten, dass in dieser Zunahme der öffentlichen Mitverantwortung „durch die Kinder- und Jugendhilfe keineswegs automatisch mit einer Verringerung der Reproduktion von Ungleichheiten einhergeht“ (S.17).

Wilfried Knorr befasst sich in seinem Beitrag mit den Auswirkungen der Veränderung im Finanzierungssystem von der Fallpauschale bzw. den Tagessätzen hin zu Fachleistungsstunden auf das berufliche Selbstverständnis der Mitarbeitenden entlang von zehn Aspekten und kommt dabei zu eher deprofessionalisierenden Ableitungen.

In einem weiteren die Finanzierungsystematik thematisierenden Text diskutiert Jochen Enchelmaier die (Nicht-)Vergleichbarkeit von Fachleistungsstundensätzen in den ambulanten Hilfen zur Erziehung und stellt ein Referenzmodell zur Berechnung eines tatsächlichen Fachleistungsstundensatzes vor, so dass diese überhaupt miteinander vergleichbar werden können.

Mit der Thematik der Wirksamkeit intensiver ambulanter Erziehungshilfen in Familien befasst sich Klaus Wolf auf Grundlage eines Forschungsprojektes der Universität Siegen, das die Sicht der Klient*innen auf die sozialpädagogische Familienhilfe fokussiert. Dabei als zentrale Erkenntnis herausgestellt, dass die Bewältigungspotenziale von Menschen und Familien deutlich erhöhten werden können und die Entwicklungschancen der Kinder verbessert werden, „wenn es gelingt, die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zu stärken, kontrollierende Elemente konstruktiv einzusetzen und auch Ressourcen außerhalb der Familie für die Kinder zugänglich zu machen“ (S.53ff).

Der fünfte Beitrag im theoretischen Kapitel von Michael Macsenaere zeichnet entlang erster empirischer Befunde die Wirksamkeit ambulanter Erziehungshilfen nach.

In den praxisbeschreiben Beiträgen findet sich ein Bericht von Heike Binnen über das Haus der Zukunft n Bremen-Lünsen, einem Verbundprojekt, das in einem mehrgenerativen Ansatz verschiedene soziale Handlungsfelder unter einem gemeinsamen konzeptionellen Dach verbindet.

Thomas Craemer berichtet über den Kindergarten ‚Förderkörbchen‘ in einem Familienhilfezentrum als gelingendes Beispiel für eine enge Kooperation von Kindertagesbetreuung, Erziehungshilfe, interdisziplinärer Frühförderung und Heilpädagogik, für Logopädie sowie Ergo- und Physiotherapie.

Es folgt ein Positionspapier des EREV RWL für ambulante Hilfen von Tanja Buck und Ulrike Bavendiek, um die fachlichen Leistungen sowie die notwendigen Rahmenbedingungen zu konturieren.

Rüdiger Voß befasst sich in seinem Beitrag mit der Familiennetzwerkkonferenz als ausgesprochen wirksames und beteiligungsförderndes sowie die Selbstwirksamkeit unterstützendes Verfahren in der Familienhilfe.

In ähnliche konzeptionelle Richtung schließt sich der Beitrag von Remi Stork über das dialogische Elterncoaching und Konfliktmanagement, in welchem ebenfalls der partizipative Aspekt der Stärkung der familialen Expertise in diesem Verfahren als eine deutliche konzeptionelle Bereicherung der ambulanten Erziehungshilfe herausgestellt wird.

Rainer Vriesen berichtet in seinem Text über den Rückführungsauftrag im SGB VIII der Kinder in ihre Herkunftsfamilien und wie dieser über den ‚system- und interaktionstherapeutischen Ansatz‘ befördert werden kann.

Der vom Inuit-Team vorgestellte Praxisbeitrag befasst sich mit der Thematik suchterkrankter Eltern im Spannungsfeld von Suchthilfe und Jugendhilfe und den damit verbundenen fachlichen Herausforderungen sowie konzeptionellen Gelingensaspekten.

Abschließend folgt ein zweiseitiger ‚Mini-Beitrag‘ von Valentina Lagorski zur Veränderung der ambulanten Hilfe zur Erziehung, ein transkribiertes Interview von Nils Mones mit zwei Fachkräften zu den Veränderungen der Arbeitsstrukturen der SPFH sowie eine konzeptionelle Darlegung des ‚Ambulantes pädagogisches Einsatzteam‘ (A.p.e.) von Claudia Daniel und Daniela Huber.

Diskussion und Fazit

Der Band gibt einen guten und aktuellen wenngleich sehr kompakten Einblick in theoretische Grundlagen, Finanzierungssysteme und Fachkonzepte der ambulanten Erziehungshilfen aus unterschiedlichen Umsetzungskontexten so wie es der Titel verspricht. Dass es sich bei einem so kompakten Buch nur um einen durchaus selektiven Ausschnitt und nicht um ein umfassendes Grundlagenwerk handeln kann, mag nicht verwundern. Dabei zeigen sich die Beiträge zudem in einer sehr unterschiedlichen Qualität der Darlegung und Ausführung. Dennoch kann dieses Buch sowohl Praktiker*innen als auch Studierenden einen aktuellen Überblick zu den aktuellen Diskursen und konzeptionellen Ansätzen der ambulanten Erziehungshilfe bieten.


Rezension von
Prof. Dr. Stefan Bestmann
Professor für Theorien und Methoden Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Gemeinwesenarbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und seit 2000 in freier Praxis als Sozialarbeitsforscher, Praxisberater und Trainer tätig. Schwerpunkte: Sozialraumorientierte Soziale Arbeit, Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen, Lösungsfokussierter Beratungsansatz, Inklusion, Partizipation, Organisationsentwicklung, Personalentwicklungsmaßnahmen in Organisationen Sozialer Arbeit, Gestaltung von Qualitätsmanagementprozessen, Praxisforschungen und Evaluationen.
Homepage www.eins-berlin.de
E-Mail Mailformular


Alle 22 Rezensionen von Stefan Bestmann anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Stefan Bestmann. Rezension vom 12.01.2016 zu: Björn Hagen (Hrsg.): Ambulante Erziehungshilfen. Theoretische Grundlagen, Finanzierungssysteme, Fachkonzepte. SchöneworthVerlag (Hannover) 2014. ISBN 978-3-945081-01-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17248.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung