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Maria Huggenberger: Optimierungspotenziale der Personalbindung [...]

Cover Maria Huggenberger: Optimierungspotenziale der Personalbindung von Fachkräften in Krankenhäusern. Analyse und Evaluation von Personalbindungsstrategien anhand exemplarischer Berufsgruppen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2014. 229 Seiten. ISBN 978-3-86216-175-1. D: 59,99 EUR, A: 61,70 EUR, CH: 79,00 sFr.
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Thema

Der Wachstumsbranche Gesundheitswirtschaft werden im Hinblick auf die Gewinnung von Personal schwierige Zeiten vorhergesagt. Eine steigende Zahl an Anbietern sowie der demographisch bedingte Engpass an Nachwuchskräften könnte künftig für einzelne Häuser die Problematik mit sich bringen, den notwendigen Bestand an Pflegekräften, aber auch an Medizinern und Mitarbeitenden in der Technik, aufrechtzuerhalten. In jüngster Zeit wird der Strategie der Personalbindung größere Bedeutung zugesprochen, um wenigstens einem unnötigen Personalverlust vorzubeugen.

Entstehungshintergrund

Maria Huggenberger widmet sich in einer umfangreichen Studie den Hintergründen und Potenzialen der Personalbindung von Fachkräften in Krankenhäusern. Sie analysiert und evaluiert Personalbindungsstrategien anhand zweier wichtiger Berufsgruppen in Kliniken. Die vorliegende Veröffentlichung ist Ihre Dissertationsarbeit.

Autor

Die Verfasserin ist seit 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Essen. Sie war zuvor tätig am Internationalen Health Care Institut (IHCI) der Universität Trier.

Aufbau und Inhalte

Das Buch enthält sieben Kapitel, ein Literaturverzeichnis, ein Glossar sowie einen Anhang.

  1. Im ersten Kapitel führt Maria Huggenberger in die Problemstellung, in ihre theoretischen Anknüpfungspunkte sowie in die Forschungsziele und den Aufbau der Arbeit ein. Dabei wird deutlich, dass sich die Arbeit an den wesentlichen Motivationstheorien und den Ergebnissen der Fluktuations- und Mitarbeiterbindungforschung orientiert und im Rahmen der Empirie ein explorativer Forschungsansatz gewählt wurde.
  2. Im zweiten Kapitel schildert die Autorin die Eckdaten und Rahmenbedingungen des prognostizierten Fachkräftemangels im Gesundheitswesen. Sie umreißt den Gesundheitsmarkt und seine absehbaren Entwicklungen, benennt die Bedingungen und Herausforderungen im Krankenhaussektor und geht auf das Personalmanagement im Krankenhaus ein.
  3. Im dritten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen und Begriffe der Personalbindung mit besonderem Bezug auf Krankenhäuser untersucht. Ausgehend von der Strategie der Personalbindung, den spezifischen Bindungsformen sowie den Zielen und Zielgruppen widmet sich dieser Abschnitt der Untersuchung den geeigneten theoretischen Grundlagen. Im Mittelpunkt stehen prominente Motivationstheorien, die mikroökonomische Perspektive wird vor allem über einen Ansatz aus dem Bereich der Kundenbindungstheorien eingeführt. Im Kontext von Instrumenten der Mitarbeiterbindung thematisiert Maria Huggenberger diverse Faktoren wie bis hin zu Unternehmenskultur und Image. Schließlich werden in diesem Kapitel noch Einflussfaktoren auf die Mitarbeiterbindung im Sinne von individuellen Lebenseinflüssen, Arbeitgeberattraktivität sowie Arbeits- und Mitarbeiterzufriedenheit abgehandelt.
  4. Im etwas kürzeren vierten Kapitel werden bisherige Umfragen zu Fachkräftepräferenzen vorgestellt, das Erkenntnisinteresse der Arbeit in einer Forschungsfrage präzisiert und eine Operationalisierung der Bindungsfaktoren vorgenommen.
  5. Das umfangreiche fünfte Kapitel erläutert Aufbau, Ablauf und Ergebnisse der von der Autorin durchgeführten Studie zur effektiven Personalbindung von medizinischen Dokumentaren und medizinischen Informatikern. Die von Maria Huggenberger referierten Resultate ihrer Untersuchung zeigen unter anderem, dass Faktoren wie Arbeitszeitpolitik eine hohe Bedeutung zuzumessen ist. Als wichtigster Bindungsfaktor innerhalb der Kategorie Arbeitsbedingungen ist das Betriebsklima anzusehen, gleichermaßen wesentlich sind aber auch Faktoren wie Arbeitsbelastung und Sicherheit des Arbeitsplatzes. Im Hinblick auf Optimierungspotenziale kommt die Autorin zu dem Schluss, dass unter anderem auf Felder wie adäquate Arbeitsbelastung, Führungsstil, Verhältnis zwischen Arbeits- und Freizeit, individuelle Gestaltbarkeit der Arbeit und subjektive Entlohnungsgerechtigkeit zu achten ist.
  6. Im sechsten Kapitel führt die Autorin eine Analyse eines »potentiellen Matchings« zwischen Fachkräften und Arbeitgebern durch. Maria Huggenberger entwirft hierzu eine Fachkräftetypisierung mit vier Clustern und eine Arbeitgebertypisierung in fünf Kategorien. Die Passung zwischen den verschiedenen Krankenhaus- und Fachkräftetypen wird zunächst aufgrund von externen Bindungsfaktoren und dann über die Präferenzen und Angebote der Krankenhäuser vorgenommen. So kann beispielsweise dem Krankenhaustyp 4 (große Häuser, meist öffentlich, in großen Gemeinden) das Fachkräftecluster 1 (ältere Arbeitnehmer, männlich, eher verheiratet) zugeordnet werden, welches sich verstärkt durch karriereorientierte Maßnahmen binden lässt. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Optimierungspotenzial entstehen kann, wenn Krankenhäuser für die jeweiligen potentiellen Cluster an Fachkräften Angebote gemäß der Bedarfe dieser Fachkräftetypen verbessern und/oder Zielgruppen für die Akquise und die Bindung definieren und ihre Maßnahmen entsprechend anpassen.
  7. Im siebten Kapitel werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst, in die Gesamtproblematik der Lösungsansätze zum Fachkräftemangel integriert und Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Maria Huggenberger referiert noch einmal die wesentlichen Eckpunkte zu Erwartungen und Präferenzen der von ihr untersuchten Fachkräfte und gibt Auskunft zur Frage, inwieweit die Erwartungen und Präferenzen der Fachkräfte zu den Angeboten und der Einschätzung der Präferenzen der Krankenhäuser passen. In ihren Handlungsempfehlungen gibt sie an, dass der Präferenzvergleich für die Berufsgruppen eindeutig gezeigt habe, dass nicht nur monetäre Aspekte die Arbeitszufriedenheit des bestehenden Personals steigern können. Sie betont, ihre Studie habe darüber hinaus belegen können, dass für die untersuchten Arbeitsbereiche »vorwiegend die Förderung der Karriere der Arbeitnehmer, die Umsetzung eines adäquaten Führungsstils sowie die Möglichkeiten zur persönlichen Selbstverwirklichung« als wesentlich im Hinblick auf Bindung von Personal angesehen werden können.

Diskussion

Die vorliegende Studie von Maria Huggenberger überzeugt durch eine klare und nachvollziehbare Herangehensweise. Der Zugang zu Potenzialen der Bindung von Fachkräften über die Analyse von Erwartungen und Präferenzen der Fachkräfte, der Passung von Erwartungen und Präferenzen zu den Angeboten und Einschätzungen im Klinikbereich sowie den besonderen Faktoren bei der Bindung und bei den Wechselabsichten von Fachkräften ist aus unserer Sicht tragfähig.

Die Analyse bestimmter Typen bzw. Muster in den Präferenzen von Fachkräften einerseits und der Abgleich von Angeboten der Kliniken andererseits zeigt anschaulich und nachvollziehbar Handlungsansätze bzw. Potenziale zur Optimierung der Fachkräftebindung in Krankenhäusern auf. Die Untersuchung verdeutlicht, dass nicht unbedingt der materielle Anreiz im Mittelpunkt stehen muss, vielmehr kann auch auf die »weichen Faktoren« eines personalfreundlichen Managements gesetzt werden. Entsprechende Maßnahmen könnten eigentlich direkt und in jedem Haus realisiert werden.

Unnötige Fluktuation – und damit Wirtschaftlichkeits- wie Qualitätseinbußen – kann also auch im Krankenhaus vermieden werden. Bestimmte generalisierbare Ergebnisse wie zum Beispiel die Relevanz von salutogenem Personalmanagement, Betriebsklima, Vorgesetztenverhalten, Work-Life-Balance oder auch größtmögliche Individualität bei der Arbeitsverrichtung sind Hinweise auf Ansatzmöglichkeiten von Krankenhäusern mit Bindungsproblemen. Sie sind gleichzeitig ein Aufruf an alle Häuser, nicht nur mit organisationstechnischen und personalwirtschaftlichen Maßnahmen an der Personalbindung zu arbeiten, sondern auch mit Führungsstilen, die den Bedarfen und Bedürfnissen des Personals von heute und morgen entsprechen.

Fazit

Ein sehr interessanter empirischer Beitrag zur Diskussion um Personalbindung im Krankenhauswesen.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 20.08.2014 zu: Maria Huggenberger: Optimierungspotenziale der Personalbindung von Fachkräften in Krankenhäusern. Analyse und Evaluation von Personalbindungsstrategien anhand exemplarischer Berufsgruppen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2014. ISBN 978-3-86216-175-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17258.php, Datum des Zugriffs 05.07.2020.


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