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Claudia Roth, Ueli Merten (Hrsg.): Praxisausbildung konkret

Rezensiert von Heike Gumz, 30.11.2015

Cover Claudia Roth, Ueli Merten (Hrsg.): Praxisausbildung konkret ISBN 978-3-8474-0104-9

Claudia Roth, Ueli Merten (Hrsg.): Praxisausbildung konkret. Am Beispiel des Bachelor in Sozialer Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 285 Seiten. ISBN 978-3-8474-0104-9. 29,90 EUR.

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Thema

Nicht erst mit der stärkeren Betonung von Praxisorientierung im Zuge der Bologna-Reformen wird in den Studiengängen Sozialer Arbeit eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis als ein wesentliches Moment verstanden. Die studienintegrierten Praktika, in denen die Lernorte Hochschule und Berufspraxis gemeinsam die Verantwortung dafür übernehmen, dass angehende Sozialarbeiter_innen professionelle Handlungskompetenz erwerben und die Fähigkeit zur Theorie-Praxis-Relationierung einüben, bilden hier einen Baustein. Diese gemeinsame Aufgabe beider Lernorte stellt spezifische Anforderungen sowohl an die individuellen Kompetenzen der Lehrenden und Praxisanleitungen in der Begleitung der Lehr-Lern-Prozesse der Studierenden wie auch an die Zusammenarbeit der (institutionellen) Akteur_innen. Die vorliegende Veröffentlichung wendet sich in diesem Kontext hauptsächlich an die Praxisanleitungen, aber auch an hochschulisch Lehrende im Kontext von Modulen zur Theorie-Praxis-Relationierung. Sie verfolgt das Ziel, „Anregungen und Hilfestellungen für diese Aufgabe zu geben und die intendierten Ausbildungsgedanken transparent zu machen“ (S. 8).

Herausgeber und Herausgeberin

Die Herausgebenden, Prof. Ueli Merten und Prof. Claudia Roth, wie auch die Autor_innen der weiteren Beiträge sind Lehrende der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), oder Professionelle der Sozialen Arbeit, die eng mit der Hochschule zusammenarbeiten.

Entstehungshintergrund

Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW hat in den vergangenen zehn Jahren in der kontinuierlichen Entwicklung des grundständigen, generalistisch angelegten Bachelor-Studiengangs besonderen Wert auf die Professionalisierung der Praxisausbildung der Studierenden gelegt. Hierzu sind von Seiten der Hochschule verschiedene konzeptionelle Instrumente für die Bereiche von Hochschule und Praxis geschaffen worden sowie Orte der institutionellen Kooperation beider Lernorte. Der vorliegende Band stellt die zugrundeliegenden Ansätze und Konzepte vor und gibt Einblick in die Resultate und Erkenntnisse der Arbeit damit.

Aufbau und Inhalt

Entsprechend der als primärer Zielgruppe des Buches benannten Ausbildenden in der Praxis Sozialer Arbeit stehen bei der Mehrzahl der Beiträge das Lernen in der Praxis und konkrete Anregungen und unterstützende Konzepte zur Umsetzung dieser Aufgabe im Mittelpunkt.

Gerahmt werden diese Artikel von Beiträgen, die sich in einem umfassenderen Sinne auf das Studium als Ort der Anregung einer konsequenten Theorie-Praxis-Verzahnung und der Herausbildung eines professionellen Habitus beziehen. So werden in den einleitenden Beiträgen – u. a. von Ueli Merten, Claudia Roth und Elisabeth Müller Fritschi – die im Hochschulkontext relevante Kompetenzerwerbsplanung sowie die Leistungsbewertung innerhalb der Praxisausbildung als Rahmenbedingungen sowohl auf (professions-)theoretischer und bildungspolitischer Grundlage entwickelt als auch bereits in ihren Implikationen für die Handlungspraxis betrachtet.

Die nachfolgenden Beiträge beziehen sich konkret auf die Aufgaben, die Funktion und die Rolle der Praxisausbildenden und liefern theoretisch basiert für die Lernbegleitung in diesem Bereich praktisch anwendbare Ideen und Materialien. Aufgrund der Vielfalt der Beiträge ist eine vollständige Auflistung hier leider nicht möglich. Betrachtet werden u.a. folgende Themenfelder:

  • Anforderungen, Haltungen und Instrumente im Kontext von Praxisausbildung als Führungsaufgabe (u. a. im Beitrag von Ueli Merten)
  • Methodisch-didaktische Hintergründe und Materialien zur Ermöglichung studentischer Lernprozesse in der Fachpraxis (u. a. in den Beiträgen von Regula Kunz, Ursula Hochuli Freund und Werner Stotz)
  • Modelle, methodische Ansätze, Materialien und Instrumente zur Unterstützung des Reflexionsprozesses von Studierenden und Praxisanleitenden (u. a. in den Beiträgen von Elisabeth Müller Fritschi, Regula Kunz, Adi Stämpfli und Eva Tov)
  • Praxisausbildung als Chance zur Auseinandersetzung mit professionsethischen Werten und Normen und zum Erwerb von Urteilskraft sowie zur Bildung eines professionellen Habitus (u.a. in den Beiträgen von Sonja Hug, Silke Müller-Hermann und Roland Becker-Lenz)
  • Modelle der Theorie-Praxis-Relationierung in ihren Implikationen für die beteiligten Lernorte und die Lernprozesse der Studierenden (u. a. im Beitrag von Stephan Kösel)

Der Band schließt mit einem Einblick in curriculare Weiterentwicklungsprozesse der Hochschule FHNW im Kontext einer verstärkten Kopplung von Theorie und Praxis im Studium (Barbara Fäh).

Die Beiträge eint der rote Faden, dass aus verschiedenen Perspektiven geeignete Lehr-Lern-Situationen entworfen und differenziert vorgestellt werden, die die Lernprozesse der Studierenden in der Fachpraxis gezielt und auf hohem didaktisch-methodischen Niveau anregen können. Darüber hinaus wird auf theoretischer Basis und in der konkreten Umsetzung in der Praxis aufgezeigt, über welche Wege auch der Theorie-Praxis-Transfer nicht dem Zufall und bereits vorhandenen Fähigkeiten einzelner Studierender und Praxisanleitender überlassen werden muss, sondern ein entsprechendes hochschulisches Gesamtkonzept hier gezielt Lernmöglichkeiten und -orte schaffen kann.

Um dies auch in die eigene Praxis in der Anleitung oder Begleitung studentischer Praktika übertragen zu können, erhält der Leser / die Leserin einen Einblick in an der FHNW und von den mit ihr kooperierenden Praxiseinrichtungen entwickelte Arbeitsmaterialen und Konzepte. Anzuführen sind hier z. B. die differenzierte und anwendungsorientierte Darstellung des Konzepts der Arbeit mit Schlüsselsituationen im Kontext von Anleitungsprozessen sowie Beispiele, Bausteine und Leitfragen zum methodisch-didaktischen Entwurf von Lernsequenzen, zur Unterstützung des Theorie-Praxis-Transfers, Identifikation von Lernfeldern und -aufgaben sowie von Prozessen des Erwerbs professioneller Handlungskompetenz im Rahmen praktischer Studienphasen.

Diskussion

Die entworfenen Konzepte, Handlungs- und Reflexionsanregungen für Praxisaubilder_innen sind im Kontext eines anspruchsvollen und ausgereiften Konzepts zur Praxisausbildung im Studium entstanden. Einige der Beiträge richten sich damit gezielt an die an der FHNW beteiligten Akteure und die Ausbildung von Sozialarbeiter_innen in dieser sehr engen Verknüpfung von Hochschule und Fachpraxis. Möglicherweise sind damit die dort enthaltenen konkreten Gestaltungsvorschläge nicht vollständig und direkt auf die Arbeit an anderen Hochschulen unter weniger idealen Bedingungen übertragbar. Gerade dies trägt jedoch zu der besonderen Qualität und dem sehr anregenden, weiterführenden Charakter der Veröffentlichung für alle in diesem Bereich Tätigen bei: Einerseits erhalten Ausbilder_innen in der Praxis, aber auch in der Praxisbegleitung an Hochschulen ganz praktisch anwendbare Materialien zur Unterstützung ihrer Arbeit. Gleichzeitig werden die verschiedenen Bausteine der Praxisausbildung Sozialer Arbeit an der FHNW sowohl in ihrer (professions-)theoretischen Verortung als auch in der praktischen Umsetzung deutlich – und verweisen damit auf die Bedeutung einer Einbettung in ein von der Hochschule bewusst angelegtes und gefördertes Gesamtkonzept der Theorie-Praxis-Verzahnung. So zeigt dieses Beispiel, dass die in der Geschichte der Ausbildung der Sozialen Arbeit und an vielen Orten des Studiums und der Fachpraxis weiterhin beklagte Schwierigkeit einer Theorie-Praxis-Verknüpfung durchaus bearbeitet werden kann. Voraussetzung ist, dass deren Bedeutung für die Professionalisierung Sozialer Arbeit an beiden Lernorten erkannt wird und damit die Weiterentwicklung konsequent, kontinuierlich und im Rahmen eines Gesamtkonzepts verfolgt und mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet wird.

Fazit

Das von den Herausgebenden selbst gesetzte Ziel, ein Fachbuch für Praxisausbildende der Sozialen Arbeit zu entwerfen, das „sowohl anwendungsorientierter Praxisnähe als auch einem wissenschaftlich fundierten Diskurs“ genügt (S. 18), wird erreicht. Die Veröffentlichung ist sehr empfehlenswert für alle Professionellen, die in der Fachpraxis oder in der Begleitung und Koordination studentischer Praktika sowie in der curricularen Entwicklung an den Hochschulen an einer Weiterentwicklung der Theorie-Praxis-Verknüpfung interessiert sind. Sie ist herauszuheben aus einer Vielzahl von Veröffentlichungen, die die Herausforderungen der Theorie-Praxis-Verzahnung entweder ausschließlich (professions-)theoretisch bearbeiten oder aber einseitig anwendungsorientierte „Checklisten“ und Arbeitsmaterialen liefern, die ohne die entsprechende theoretische Fundierung wenig Raum für die individuellen Prozesse, Weiterentwicklungen und Ideen der Praxisanleitenden und Studierenden bieten. An diesem Beispiel gelingt, was die Autor_innen für die Ausbildung Sozialer Arbeit anstreben – eine für die konkrete Arbeit in beiden Kontexten sinnvolle, praktisch hilfreiche und durchgängig auf hohem Niveau angelegte Verknüpfung von theoretischer Fundierung und professionellem Handlungswissen.

Rezension von
Heike Gumz
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 3 Rezensionen von Heike Gumz.

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ISSN 2190-9245