socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Jens Starke-Wuschko: Präsentieren im Studium

Cover Jens Starke-Wuschko: Präsentieren im Studium. UTB (Stuttgart) 2014. 160 Seiten. ISBN 978-3-8252-4215-2. D: 9,99 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 14,50 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Das vorliegende Buch ist ein Rhetorikratgeber, der sich speziell mit Präsentationen im Studium befasst. Der Ansatz basiert es auf dem vom Autor, Jens Starke-Wuschko, entwickelten Kommunikationsmodell „MAP“ (Message, Audience, Performance).

Autor

Jens Starke-Wuschko arbeitet seit 1998 als Kommunikationstrainer mit Führungskräfte bei Proctor & Gambler, einem U.S. amerikanischer Konsumgüterhersteller. Ein Jahr zuvor schloss er sein Betriebswirtschaftsstudium mit einem Master of Business Administration (MBA) an der Julius-Maximilian-Universität in Würzburg ab. Jens Starke-Wuschkos Erfahrungen aus Studium und Beruf bilden die Grundlage des vorliegenden Buches. Auf seiner Website www.presentation-map.com beschreibt er neben seinem Kommunikationsmodell „MAP“ auch seine Begeisterung für Menschen und bewusste Grenzüberschreitungen beim Halten von Vorträgen.

Aufbau und Inhalt

Jens Starke-Wuschko unterteilt seinen Rhetorikratgeber in drei inhaltliche Kapitel, die den Elementen seines Kommunikationsmodells „MAP“ entsprechen:

  1. Message – Botschaft
  2. Audience – Publikum
  3. Performance – Auftritt

Das erste Kapitel „Message – Botschaft“ widmet sich drei inhaltlichen Kernthemen. Erstens ist es wichtig, dass sich die Studierenden Klarheit über die Aussage ihres Vortrags verschaffen. Diese Aussage soll zum Abschluss der Präsentation keinen Raum mehr für Interpretationen lassen und bildet das Herzstück einer jeden Präsentation. Zweitens ist es entscheidend, die richtige Struktur zur Untermauerung der Aussage zu wählen. Dabei gibt Jens Starke-Wuschko eine Auswahl an sechs verschiedenen Möglichkeiten, wie zum Beispiel der kritischen Gegenüberstellung von Argumenten oder der Metapher. Er motiviert die Lesenden, verschiedene Strukturelemente zu kombinieren. Drittens hängt der Erfolg unserer Aussage von der Erinnerung des Publikums ab. Nur wenn die Zuhörenden sich an die Inhalte unseres Vortrags erinnern können oder unsere Empfehlungen in Verhalten umsetzen, haben wir eine überzeugende Präsentation gehalten.

Im zweiten Kapitel „Audience – Publikum“ wählt der Autor eine ähnliche Struktur und konzentriert sich ein weiteres Mal auf drei Inhaltsbereiche. Erstens soll ich mich als Vortragender vorab mit den Bedürfnissen der Zuhörenden zum Zeitpunkt der Präsentation auseinandersetzen. Ist ausreichend Frischluft im Raum? Ist dieser angenehm temperiert? Habe ich ausreichend Pausen eingeplant? Zweitens sind Erwartungen an den Vortrag und Vortragenden entscheidend. Welche Art der Darstellung (Powerpoint oder Flipchart) ist angemessen? Was erwartet mein/e Professor/in? Was die Kommilitonen? Eines ist für Jens Starke-Wuschko klar: „Niemand sieht sich gerne langweilige und unverständliche Vorträge ab! Wirklich niemand“ (S. 55). Drittens spielt der Kontext eine wichtige Rolle. Wie sieht der optimale Raum für Präsentationen aus? Wie nutze ich meine Vortragszeit? Wie interagiere ich mit meinem Publikum? Zur letzten Frage empfiehlt der Autor, folgendes in den Vortrag einzubauen: Abstimmungen, Demonstrationen, Aufgaben und Humor.

Das dritte Kapitel „Performance – Auftritt“ folgt der inhaltlichen Struktur der vorangegangen Kapitel. Dabei betont Jens Starke-Wuschko zunächst, dass ein guter Auftritt immer authentisch ist. Das heißt, der Vortragende wirkt selbstsicher und glaubhaft. Wie wir das erreichen, erklärt der Autor anhand von drei inhaltlichen Bausteinen. Voraussetzung ist eine gründliche Vorbereitung. Nur wer sein Thema wirklich beherrscht und in ausgeglichener Verfassung in den Vortrag geht, kann überzeugen. Zweitens gilt es verschiedene Basisregeln zu beachten. Dazu gehören eine verständliche und ausreichend laute Sprache, ausgewogene Körpersignale und der angemessene Einsatz von Medien. Drittens gibt der Autor fortgeschrittene Tipps für die Kür des eigenen Vortrags: Basisregeln kann man brechen, Flipcharts und Tafeln sind hilfreiche Instrumente und manchmal helfen ausgefallene Elemente. So können etwa Musik oder die richtige Verkleidung der Aussage eines guten Vortrags dazu verhelfen, langfristig in Erinnerung zu bleiben.

Diskussion

Das Kommunikationsmodell „MAP“ enthält die wichtigsten Elemente eines gelungenen Vortrags: Kernbotschaft, Publikumsbezug und Körpergefühl. Dabei gelingt es Jens Starke-Wuschko die Kerngedanken seines Modells mit wichtigen Tipps für Informationsvorträge zu verbinden. Zusätzlich hat der Autor stets ein klares Ziel vor Augen: Vorträge dienen dem Lernen. Es geht also darum, dass meine Kommilitonen etwas behalten von dem was ich da vorne erzähle. Ein Ziel von dem die meisten deutschen Studierenden meiner Erfahrung nach sehr weit entfernt sind. Vor diesem Hintergrund ist Jens Starke-Wuschkos Buch ein wichtiger Beitrag. Er gibt Studierenden ein Instrument an die Hand, mit dem sie ihre Präsentationsfertigkeiten verbessern können. Gleichzeitig macht er durch die bloße Notwendigkeit des vorliegenden Buches deutlich, dass es vielen deutschen Universitäten nicht gelingt, neben den harten Fakten des Studiums auch die „soften“ Kompetenzen zu vermitteln.

Obwohl der Autor in seinem Buch auf die wichtigsten Punkte eingeht, hat „Präsentieren im Studium“ drei entscheidende Schwachstellen. Erstens finden die Lesenden keine befriedigende Antwort auf die Frage, wie sie denn nun auf die Aussage ihres Vortrags kommen. Klar, es ist wichtig, dass wir eine Botschaft haben – aber welche soll das sein? Reicht eine Zusammenfassung des Textes den ich referieren soll? Und falls ja, wie mache ich das eigentlich? Eine Möglichkeit wäre es, Studierenden zu empfehlen den Text zunächst in zehn, dann in drei und schließlich in einem Satz zusammenzufassen. Aber ist diese Art der Kernbotschaft geeignet für jede Form von Information? Wohl eher nicht. Wenn ich ein wissenschaftliches Paper präsentiere sollte eher die Erkenntnis dieser Arbeit im Vordergrund stehen. In einem Vortrag über den Klimawandel könnte die Kernbotschaft die Gestalt eines Appells annehmen. Meiner Erfahrung nach scheitern Studierende häufig an diesen viel grundlegenderen Fragen der Ausarbeitung.

Zweitens behandelt Jens Starke-Wuschko zentrale Tipps nur am Rande. Zum Beispiel empfiehlt er in der Vorbereitung einen „Buddy“ zu bitten, sich mit den eigenen Ideen für den Vortrag auseinanderzusetzen und Feedback zu geben (S. 21). Passend dazu kann ich mir selber kritische Fragen zum Vortragsthema überlegen und deren Beantwortung gezielt vorbereiten (S. 73). Dieses Vorgehen ist meiner Meinung nach hoch effektiv; viele kennen es als die Rolle des Devil´s Advocat. Die Herausforderung ist, dass es Studierende nicht machen. Und meine Prognose ist, dass sie die Technik auch nachdem sie „Präsentieren im Studium“ gelesen haben nicht anwenden. Nicht weil der Tipp von geringer Qualität ist (ganz im Gegenteil), sondern weil er nicht den entsprechenden Platz im Buch einnimmt. Ähnlich verhält es sich mit dem von Jens Starke-Wuschko als Pareto-Prinzip vorgestellten Ansatz des „Prototyping“. Die Idee ist, dass wir uns bewusst vornehmen, keinen perfekten Vortrag zu halten sondern einen guten. Quasi 80% zu geben statt 100%. Das spart Zeit, Nerven und führt paradoxerweise zu besseren Ergebnissen, weil sich die Studierenden nicht in Details verlieren.

Drittens sind viele Empfehlungen des Autors nicht wissenschaftlich belegt. Auch wenn das manchen nicht nötig scheint in einem Rhetorikratgeber für Studierende, so ist es in vielen Fällen möglich. Beispielsweise gibt Jens Starke-Wuschko einige Tipps, wie man sich vor dem Vortrag aufwärmen und in den richtigen Vortragsmodus bringen kann. Die Vortragenden sollen ausprobieren, was ihnen hilft und die entsprechende Übung anwenden. Eine brauchbare, praktische Empfehlung des Autors. Allerdings gibt es mittlerweile psychologisch-empirische Studien, die sich genau auf diesen Bereich anwenden lassen: Die Forschung rund um einen in der Psychological Science erschienenen Artikel von drei Forscher/innen der Columbia und Harvard University (Carney, Cuddy & Yap, 2010). In „Power Posing: Brief Nonverbal Displays Affect Neuroendocrine Levels and Risk Tolerance“ beschreiben die Forscher/innen, wie das kurze Halten von „Power Positions“ zu vorteilhaften körperlichen und Verhaltensänderungen führt. Ein Ergebnis, dass in späteren Studien wiederholt werden konnte und sich im Ansatz wunderbar eignet, um Studierenden ein Instrument an die Hand zu geben, um sich auf ihren Vortrag vorzubereiten. Die Chance, dass diese Art der Vorbereitung tatsächlich ein positives Ergebnis hat, ist meiner Einschätzung nach höher.

Fazit

„Präsentieren im Studium“ ist ein gelungener Rhetorikratgeber mit vielen hilfreichen Tipps, die der Lesende in ein überzeugendes Kommunikationsmodell eingebettet findet. Wenn man einen Eindruck von der Qualität der meisten studentischen Vorträge hat, kann man das vorliegende Buch nahezu jedem Studierenden wärmstens empfehlen. Es gibt einen ersten Eindruck davon, was es heißt, Informationsvorträge zu halten und regt zum weiteren Nachdenken über die eigenen Präsentationsfertigkeiten an. Leider gelingt es Jens Starke-Wuschko dabei nicht, alle Studierenden dort abzuholen wo sie stehen. Vor allem, dass er keine umsetzbaren Hinweise dazu gibt, wie man auf die Aussage seines Vortrags kommt, quasi die Kernbotschaft als Herzstück der Präsentation, ist eine ernstzunehmende Schwachstelle. Daher empfehle ich „Präsentieren im Studium“ als Einstieg in die Verbesserung der eigenen Vorträge, nicht jedoch als alleinige Lern- und Erfahrungsgrundlage.

Literatur

  • Carney, D. R., Cuddy, Amy J C & Yap, A. J. (2010). Power posing: brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological science, 21 (10), 1363-1368. 27.08.2014. Verfügbar unter: http://pss.sagepub.com/content/21/10/1363.short

Rezensent
Johannes Heekerens
Masterstudent der Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Freien Universität Berlin, leitet ein Tutorium zu „Kommunikation und Präsentation für Wissenschaft und Studium“ an der Universität Potsdam


Alle 11 Rezensionen von Johannes Heekerens anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Johannes Heekerens. Rezension vom 15.09.2014 zu: Jens Starke-Wuschko: Präsentieren im Studium. UTB (Stuttgart) 2014. ISBN 978-3-8252-4215-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17273.php, Datum des Zugriffs 19.07.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!