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Bernhard Koch (Hrsg.): Handbuch Kindergartenleitung

Rezensiert von Dipl.Soz-Päd. Martin Walz, 02.02.2015

Cover Bernhard Koch (Hrsg.): Handbuch Kindergartenleitung ISBN 978-3-556-06528-0

Bernhard Koch (Hrsg.): Handbuch Kindergartenleitung. Das ABC für Führungskräfte in der Elementarpädagogik. KiTa aktuell (Wien) 2014. 642 Seiten. ISBN 978-3-556-06528-0.

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Thema

Das vorliegende „Handbuch Kindergartenleitung“ erschien im Verlag „KiTa aktuell“ in Wien. Potenziellen Käufern sollte bewusst sein, dass die Beiträge meist einen Bezug zu Österreich haben.

Das „Handbuch Kindergartenleitung“ greift die vielfältigen Aspekte der Führungsaufgaben von leitenden pädagogischen Fachkräften im Bereich der Elementarpädagogik auf. Bereits der Untertitel „ABC für Führungskräfte“ vermittelt den Eindruck, dass es Anliegen des Herausgebers sei, möglichst alle, zumindest aber wesentliche Perspektiven des Leitungshandelns abzudecken.

Herausgeber

Mag. Dr. Bernhard Koch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Bildungswissenschaften an der Universität Innsbruck mit dem Arbeitsschwerpunkt Elementarpädagogik.

Aufbau

Nach Geleitworten, Vorworten und einem Beitrag zur inhaltlichen Orientierung gliedert sich das Handbuch in acht Kapitel mit insgesamt 35 Einzelbeiträgen:

  • Einführung (74 Seiten)
  • Wirtschaftliche Grundlagen und rechtliche Aspekte (125 Seiten)
  • Personalmanagement (91 Seiten)
  • Leitungskompetenzen — Was Sie brauchen, um zu führen (58 Seiten)
  • Zusammenarbeit und Erziehungspartnerschaft erfolgreich gestalten (63 Seiten)
  • Arbeitsorganisation und Zeitmanagement (61 Seiten)
  • Kooperation und Netzwerkarbeit (74 Seiten)
  • Qualitätsmanagement als Leitungsaufgabe (62 Seiten)

Am Buchende finden sich ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren und ein Stichwortverzeichnis.

Inhalt

Gleich zu Beginn finden sich Geleitworte von Reinhold Mittelehner (Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft) und Gabriele Heinisch-Hosek (Bundesministerin für Bildung und Frauen).

In Österreich, so erklärt Bernhard Koch in seinem Vorwort, boomt die Elementarpädagogik. Aufgrund der sich rasch entwickelnden Professionalisierung besteht ein Bedarf an entsprechenden Publikationen. Im Gegensatz zu der Tendenz in anderen europäischen Ländern fehlen im frühpädagogischen Bereich „weitgehend Beiträge und Publikationen mit Bezügen zu Österreich.“ (S. XI)

Das vorliegende Buch, so der Herausgeber, sei weder als reines Theorie- noch als Praxisbuch konzipiert, sondern versuche als Handbuch und Nachschlagewerk dem Leser sowohl akademisches als auch praktischen Wissen zu bieten. 40 Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Bereichen und Regionen Österreichs sind am Handbuch beteiligt.

In seiner Einführung, dem ersten Kapitels des Handbuchs, gibt Bernhard Koch einen Überblick über die aktuelle Lage der institutionellen Kinderbetreuung in Österreich sowie den anstehenden Herausforderungen. Die Kinderbetreuung befindet sich im Umbruch. Als Merkmale des stattfindenden Paradigmenwechsels nennt Koch beispielsweise, dass Kindergärten auch als „Bildungseinrichtung“ gesehen werden. Diese „Umbenennung“ erfolgte in einem Regierungsprogramm 2008, in dem auch die Forderung nach einem einheitlichen Bildungsplan aufgestellt wurde. Koch zeigt die Lebenssituation der Kinder, trägt wesentliche Eckdaten zu den österreichischen Kinderbetreuungseinrichtungen zusammen und geht im letzten Teilabschnitt auf die politischen und pädagogischen Herausforderungen ein. Diese seien eine „Fülle“ (S. 14). Der Herausgeber greift in seinen Ausführungen 14 Punkte heraus. Darunter finden sich beispielsweise der „Stellenwert der Kinder“, da „nur etwa ein Drittel der ÖsterreicherInnen ihr Land als ‚kinderfreundlich‘ wahrnehmen“ (S. 14), „Unterfinanzierung und Überforderung“, „Kinder unter drei Jahren“ oder auch „Forschung“ und „Professionalisierung“. In seinen Ausführungen zur Qualitätsentwicklung zeigt Koch die Vermutung auf, dass „auch in Österreich hohe Qualitätsunterschiede zwischen den Kindergärten bestehen.“ (S. 15) Da nur geringe Kenntnisse darüber bestehen, welche Einzeleinrichtungen davon betroffen sind, positioniert sich der Autor für die Einführung eines bundesweiten Systems zur Qualitätssicherung, das auch eine nationales Qualitäts-Gütesiegel beinhalten könnte.

Das zweite und umfangreichste Kapitel „Wirtschaftliche Grundlagen und rechtliche Aspekte“ umfasst fünf Beiträge. Der erste beschäftigt sich mit dem Kindergarten als „öffentliche Institution“. Die Autoren gehen dabei auf rechtliche Grundlagen, statistischen Daten und Finanzierung der Kinderbetreuung in Österreich ein. Im zweiten Beitrag wird die Führung eines Kindergartens aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet. Die Verfasser setzen sich dabei unter anderem mit dem Führungsumfeld, mit Trends, wichtigen Aufgaben und den verschiedenen Ebenen von Führung auseinander. In den folgenden Abschnitten geht es um Controlling und Rechnungswesen sowie um den Förderauftrag und die Aufsichtspflicht der pädagogischen Fachkräfte. Mit „Kindeswohlgefährdung erkennen und Misshandlungen verhindern“ ist der letzte Beitrag überschrieben. Nach einer Definition der beiden Grundbegriffe zeigt die Autorin beispielsweise auf, wie gewaltfreie Einrichtungen gestaltet werden könnten und was bei Verdachtsfällen unternommen werden sollte.

Dem Aufgabenfeld „Personalmanagement“ ist das dritte Kapitel gewidmet. Beitrag eins beschäftigt sich mit der Personalgewinnung. Dabei werfen die Verfasser einen einführenden Blick auf die Rahmenbedingungen und gehen bei ihren Ausführungen auch auf die Einarbeitungsphase oder Aspekte ein, wie der Träger den Arbeitsplatz attraktiver gestalten könnte. Wie man als Leiterin seine Rolle im Team findet und welche Möglichkeiten es gibt, die Zusammenarbeit positiv zu beeinflussen, erfährt man im zweiten Beitrag. Im Abschnitt „Teamentwicklung und -führung“ zeigt die Autorin beispielsweise Erfolgsfaktoren guter Teamarbeit auf, oder wie eine Teamanalyse als Basis für die weitere Teamentwicklung dienen kann. Weitere Inhalte des Kapitels sind das MitarbeiterInnengespräch als bedeutsames Instrument der Personalentwicklung und die Herausforderung durch gemischtgeschlechtlicher Teams im Kindergarten.

Das vierte Kapitel „Leitungskompetenzen - Was Sie brauchen um zu führen“ beginnt mit einem Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Leitungskräften. Gleich zu Beginn liest man: „Seien Sie entspannt – man kann sich gar nicht nicht-entwickeln“ (S. 301) und erhält danach Anregungen, sich mit seiner Persönlichkeit als Leitung auseinanderzusetzen. Desweitern finden sich in diesem Kapitel Beiträge zu Leitungstechniken, lösungsfokussiertem Führungsstil und der Leitungsaufgabe „Konfliktmanagement“.

Das mit „Zusammenarbeit und Erziehungspartnerschaft erfolgreich gestalten“ betitelte Kapitel setzt sich zuerst mit dem Thema „Sozialraumorientierung als Beitrag zur Chancengerechtigkeit im städtischen Bildungsraum“ auseinander, bevor es auf die Chancen und Möglichkeiten eingeht, Kindergärten in Familienzentren umzuwandeln. Der Frage, welche Rolle der Leitung bei der Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten zur Schule zukommt, geht eine Autorin im dritten Beitrag nach. Im folgenden Abschnitt werden dann die Transitionsprozesse zwischen Familie und Kindergarten aufgegriffen. Eine Kindergartenleitung führt eine „wichtige und wesentliche Bildungsinstitution“ und muss daher auch in der Lage sein, den gesetzten Erwartungen gerecht zu werden. Der letzte Beitrag beschäftigt sich mit Kompetenzen und Erwartungen, die Träger an Leitungskräfte stellen.

Das sechste Kapitel umfasst vier Beiträge, die sich mit dem Gesundheitsmanagement, der Arbeitsorganisation von nicht oder nur zum Teil freigestellten Leitungen, dem Selbst- und Zeitmanagement und dem Stressmanagement als Burnout-Prävention befassen.

Das Kapitel „Kooperation und Netzwerkarbeit“ beginnt mit einem Beitrag zu Fundraising, bevor sich eine andere Autorin mit Formen und Möglichkeiten von Öffentlichkeitsarbeit und PR auseinandersetzt. Auf acht Seiten wird mit der Darstellung der Arbeit des Dachverbands der österreichischen Berufsgruppen der Kindergärten und Hortpädagoginnen (ÖDKH) auf das Thema der „Berufsgruppenvertretung“ eingegangen. Am Schluss des Kapitels wird am Beispiel der Plattform EduCare dargestellt, wie politische Lobby- und Netzwerkarbeit gestaltet werden kann.

Das letzte Kapitel enthält die Leitungsaufgabe Qualitätsmanagement. Im ersten Beitrag stellt Gerald Salzmann die Frage nach der Bedeutung von Qualität in elementaren Bildungsinstitutionen. Unter anderem führt seiner Ansicht nach die Finanzknappheit dazu, dass Rechtsträger stärker auf die Verwendung der finanziellen Mittel achten. Meist unter dem „Motto: beste pädagogische Qualität mit geringster monetärer Zuwendung …“ (S. 567) erhält „Qualität“ so vermehrt Beachtung. Des Weiteren geht er auf Bildungskonzepte ein, um sich im Anschluss mit dem Begriff der „Pädagogischen Qualität“ auseinanderzusetzen. Er zeigt, dass aufgrund des Fehlens „einer eindeutigen Definition … die Beurteilung von Qualität stets subjektiv ist …“ (S. 570) und welche Kriterien beispielsweise bei der Bewertung herangezogen werden könnten. Im Abschnitt sechs stellt er den Bezug zum „BildungsRahmenPlan“ für elementare Bildungsinstitutionen in Österreich her. Nach einem Blick auf die Qualitätsdebatte, bei der in der letzten Zeit „ein zunehmendes Interesse an prozessualen Qualitätsmerkmalen …“ (S. 576) feststellen sei, schließt er seinen Beitrag zum Sammelwerk, in dem er auf „Verfahren zur Qualitätsfeststellung“ eingeht und sich in seinem Ausblick positioniert: „Für die Zukunft gilt es, dass alle … ihre Verantwortung für Qualität wahrnehmen und an der Weiterentwicklung … mitarbeiten.“ (S. 577)

Auch Michaela Hajszan und Gabriele Bäck beginnen ihren Beitrag mit dem Themenfeld „Pädagogische Qualität“ und gehen dabei auch auf die gesetzlichen Grundlagen in Österreich ein. In Bezug auf die Qualifizierung der Leitungskräfte nennen sie beispielsweise die Voraussetzungen für die Übernahme einer solchen Tätigkeit. Während die anderen Bundesländer zwei Jahre Berufserfahrung einfordern, sieht das Wiener Landesrecht zehn Jahre vor. Außerdem sei in den meisten Ländern eine spezifische Qualifizierung für Leitungskräfte erforderlich. (Vgl. S. 587) Nach einem Blick auf den PDCA-Zyklus und das Sieben-Schritte-Verfahren zeigen die Autorinnen Good-Practice-Beispiele innovativer Methoden zur Qualitätsentwicklung aus Österreich auf.

Lisa Kneidinger beschäftigt sich in ihrem Teilbeitrag mit der Frage, wie Leitungskräfte den Prozess der Qualitätsentwicklung erfolgreich managen können. In ihren Ausführungen beschäftigt sie sich unter anderem mit dem Zusammenhang von Vision, Leitbild und Konzeption oder den Umgang mit Widerständen und Demotivation.

„Wie kommt die Konzeption in den Kindergarten?“ (S. 615). Im letzten Teilbeitrag trägt Reingard Weissensteiner Faktoren zusammen, die für eine gelingende Implementierung der Konzeption beitragen sollen. Verantwortlichkeiten finden sich auf Seiten des Trägers, der Leitung und der Teams. Aber auch die Faktoren Raum und Struktur spielen eine förderliche Rolle. Da die Konzeptionserstellung ein geforderter Standard sei, kann angenommen werden, „dass die Arbeit an Konzeptionen nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Fundament der pädagogischen Arbeit gesehen werden soll.“ (S. 622) Das legitimiere auch die Frage nach den hierfür notwendigen Ressourcen.

Diskussion

Der Herausgeber Bernhard Koch präsentiert in seinem 642 Seiten umfassenden Handbuch in der Tat ein ABC für Führungskräfte in der Elementarpädagogik. Neben Beiträgen zu Grundlagen und Rahmenbedingungen finden sich auch Texte mit konkretem Praxisbezug – aus der Praxis für die Praxis. Wissen erfahrener Fachkräfte wird Personen, die sich mit dem Arbeitsfeld „Leitung“ auseinandersetzen wollen, in einer angenehm zu lesenden Art und Weise zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Beiträge sind abwechslungsreich und nicht zu lang. Die Fachexpertise der jeweiligen Autoren ist unschwer zu erkennen. Bezüge zu aufgegriffenen Modellen oder Literatur finden sich zum Einen in den Texten zum Anderen findet der Leser am Ende jedes Beitrages ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit Werken aus dem deutsch- und englischsprachigem Raum. Ganz der Zielsetzung folgend, ein Handbuch für den österreichischen Markt zusammenzustellen, wird in den Beiträgen auf Zahlen, Untersuchungen und Literaturbeiträge aus Österreich Bezug genommen. Nicht zuletzt die Beispiele aus der gelebten Materie der Beiträge stellt eine Ausrichtung an Leser aus Österreich sicher.

Fazit

Das Handbuch richtet sich Fachkräfte, die sich mit Leitungsaufgaben im Elementarbereich auseinandersetzten wollen. Aufgrund der gewollt vielfältigen Bezüge zu Österreich ist es primär Lesern aus diesem Land zu empfehlen.

Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Es gibt 68 Rezensionen von Martin Walz.

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ISSN 2190-9245