Yvonne Wagner: Kita-Konzeptionen schreiben leicht gemacht
Rezensiert von Dipl.Soz-Päd. Martin Walz, 11.12.2014
Yvonne Wagner: Kita-Konzeptionen schreiben leicht gemacht. Formulierungshilfen, Gestaltungsvorschläge, Ideen zum Weiterentwickeln. Verlag an der Ruhr GmbH (Mülheim an der Ruhr) 2014. 94 Seiten. ISBN 978-3-8346-2532-8. D: 21,95 EUR, A: 22,60 EUR, CH: 33,80 sFr.
Thema
Konzeptionen sind ein wesentliches Element der Innen- und Außendarstellung einer Einrichtung. In einer Konzeption werden grundlegende Gesichtspunkte der Leistungserbringung schriftlich festgehalten. Bereits im Kinder- und Jugendhilfegesetz findet sich die Forderung, die Qualität der Arbeit durch eine Konzeption zu gewährleisten: „Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen die Qualität der Förderung in ihren Einrichtungen durch geeignete Maßnahmen sicherstellen und weiterentwickeln. Dazu gehören die Entwicklung und der Einsatz einer pädagogischen Konzeption als Grundlage für die Erfüllung des Förderungsauftrags sowie der Einsatz von Instrumenten und Verfahren zur Evaluation der Arbeit in den Einrichtungen.“ (KJHG § 22a Abs. 1)
In einer Konzeption wird die einrichtungsspezifische pädagogische Arbeit begründet dargestellt. Sie richtet sich an verschiedene Zielgruppen, wie beispielsweise das Jugendamt oder an Familien, deren Kinder bereits die Einrichtung besuchen oder die sich für eine Betreuung interessieren. Aufgrund ihres verbindlichen Charakters ist sie Handlungsorientierung für in der Einrichtung tätigen bzw. neue Mitarbeiterinnen. Von Zeit zu Zeit sind Konzeptionen zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Autorin
Yvonne Wagner ist ausgebildete Erzieherin und schreibt seit einigen Jahren Bücher für Erzieherinnen. Dabei ist es ihr wichtig, dass „Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen ihre Ideen sofort anwenden können und viele weitere Anregungen daraus schöpfen.“ (S. 94)
Aufbau
Nach Impressum und Inhaltsverzeichnis gliedert sich das Buch in fünf Kapitel:
- Einleitung – Jetzt müssen wir auch noch eine Konzeption schreiben (2 Seiten)
- Die Konzeption. Einblicke in das Arbeitsfeld Kita (10 Seiten)
- Wie schreibe ich das? Sprache und Stil (20 Seiten)
- Ideensammlung und Übersicht - Wege zur Kita-Konzeption (8 Seiten)
- Aufgeschrieben und ausgedruckt - Unsere Kita-Konzeption (48 Seiten)
Am Buchende befinden sich ein Literaturverzeichnis mit Medientipps, Bildnachweise und Informationen zur Autorin.
Inhalt
In ihrer Einleitung erklärt Wagner kurz, warum man eine Konzeption benötigt und vergleicht diese mit einem Berg. Seile um diesen Berg zu erklimmen, findet man „in Form von Anleitungen und Anregungen in diesem Buch.“ (S. 6)
Die Autorin beginnt im zweiten Kapitel „Die Konzeption. Einblicke in das Arbeitsfeld“ mit den theoretischen Grundlagen. Nach einem Eingangsgedanken, warum eine Konzeption eine gute Informationsquelle für alle neuen Kolleginnen sein kann, nennt sie die rechtlichen Grundlagen, zeigt den Unterschied zwischen einem Konzept und einer Konzeption und listet Merkmale einer Konzeption auf. Sie beantwortet die Fragen, ob eine alte Konzeption einfach umgeschrieben werden kann und wer bei der Erstellung einer Konzeption beteiligt sein sollte.
Das dritte Kapitel „Wie schreibe ich das? Sprache und Stil“ geht Wagner auf die Formulierung des Konzeptionstextes ein. Sie zeigt, dass es durchaus ein Spagat sein kann, sich auf die verschiedenen Leser einzustellen. Anhand von konkreten Beispielen zeigt die Autorin, wie Texte fachlich und lebendig geschrieben und Pauschalaussagen vermieden werden können. Bevor sie am Kapitelende noch eine Reihe von Sprachspielen und Sprachtrainings erläutert, die allein oder vom Team genutzt werden können, gibt sie noch Tipps zum stilvollen Formulieren.
„Wege zur Kita-Konzeption“ beschreibt die Autorin im vierten Kapitel des Buches. Der Prozess der Konzeptionserstellung beginnt, so Wagner, mit der Sammlung von Informationen und Ideen und endet mit einer Präsentation. Der Leser erhält eine Liste von Fragen, die vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn beantwortet werden sollten. Im weiteren Kapitelverlauf zeigt die Autorin Methoden zur Strukturierung der Ideen auf. Hier greift sie die Verfahren „Clustering“ und „Mind Map“ auf. Das grundsätzliche Anliegen und der Schwerpunkt der Arbeit einer Einrichtung sollten sich wie ein „roter Faden“ durch die Konzeption ziehen. Der Leser findet einen Praxistipp und eine Kopiervorlage, die zum Überprüfen der Konzeption eingesetzt werden können.
Das fünfte und umfangreichste Kapitel ist betitelt mit „Aufgeschrieben und ausgedruckt – Unsere Kita-Konzeption“. Auf den ersten Seiten nennt Wagner Bespiele für die Strukturierung beziehungsweise Gliederung einer Konzeption. Sie regt an, bei der Ausformulierung der gesammelten Ideen „Schritt für Schritt“ vorzugehen. Dabei ist es ihrer Meinung nach nicht relevant, ob die Gliederung der Reihe nach oder willkürlich gewählt bearbeitet wird, solange der rote Faden ersichtlich bleibt und auch die Textelemente im Idealfall gleich aufgebaut sind. Weitere Kapitelinhalte sind Zitieren, Korrekturlesen, Kürzen, Deckblatt, Einleitung und Impressum. Teams, denen ein klassisches Vorwort unwichtig erscheint, schlägt sie vor, stattdessen beispielsweise ein „Grußwort des Trägers“ aufzunehmen oder auf geschichtliche Hintergründe der Einrichtung einzugehen. Um ein „erstes Bild“ zu bekommen, ist für Interessierte eine gekürzte Handreichung sinnvoll. Auch hier nennt Wagner Möglichkeiten. Im Unterabschnitt „Layoutideen und Anregungen“ wechselt sie in den Bereich der Textverarbeitungsprogramme und geht hier – bezogen auf Word 2010 - unter anderem auf Schrift, Überschriften, Gliederung und Seitenzahlen ein. Außerdem zeigt die Autorin, in welcher Form die Konzeption auf digitalem Weg zur Verfügung gestellt werden könnte. Kapitelabschließend findet der Leser auch hier verschiedene Kopiervorlagen und Praxisbeispiele.
Diskussion
Beginnen wir am Schluss der Publikation. Das Literaturverzeichnis fällt sparsam aus: sieben Literaturangaben, darunter der Duden. Diesen findet man auch in den sieben genannten Links (Medientipps) wieder. Hier würde der ein oder andere Leser sicher mehr erwarten.
Allerdings versteht sich das vorliegende Buch auch als „Textwerkstatt für Erzieherinnen“. Bereits die Gestaltung der Titelseite macht deutlich, dass darin eher praktische Dinge zu finden sind. Die 94 Seiten im DIN A4 Format liegen gut in der Hand. Der Text ist ansprechend gegliedert und durch etliche Grafiken, Bilder und Kopiervorlagen aufgelockert.
Ob bei Elterninitiativen „… schon aus finanziellen Gründen die Arbeit an der Konzeption an die Eltern abgegeben …“ (S. 11) wird, könnte man durchaus differenzierter aufgreifen. Positiv aufgefallen ist der Aufruf der Autorin, „Konzeptionsgruppen“ zu bilden, in denen auch Eltern aktiv an der Konzeptionserstellung mitarbeiten dürfen. Zeit als kostbares Gut ist auch bei der Erstellung beziehungsweise der regelmäßigen Weiterentwicklung der Konzeption eine wichtige Ressource. Dass dies nicht einfach nebenbei erledigt werden kann, darauf weist Wagner mit einem eingestreuten Satz hin: „Sicher haben Sie eine Konzeptions-Arbeitszeit eingerichtet, um genau solche Arbeiten zu ermöglichen.“ (S. 20)
Insgesamt betrachtet, hält die Autorin, was sie auf der Titelseite verspricht. Formulierungshilfen, Gestaltungsvorschläge und Ideen zum Weiterentwickeln werden aufgegriffen. Der Leser findet realitätsnahe Beispiele und anschauliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu den jeweiligen Themenabschnitten. Ihrer Zielsetzung folgend, gibt sie Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen Tipps, wie sie „ihre Ideen sofort anwenden … und viele weiteren Anregungen daraus schöpfen …“ (S. 94) können.
Fazit
Das Buch eignet sich für pädagogische Fachkräfte, die erste praxisnahe Tipps und Anregungen zur Erstellung oder Weiterentwicklung einer Konzeption suchen.
Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH)
Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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