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Caroline Lieser (Hrsg.): Praxisfelder der systemischen Beratung

Cover Caroline Lieser (Hrsg.): Praxisfelder der systemischen Beratung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2014. 223 Seiten. ISBN 978-3-658-04737-5. D: 34,99 EUR, A: 35,97 EUR, CH: 44,00 sFr.
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Thema

Das Buch versammelt eine Reihe von theoretischen und praktischen Umsetzungen des systemischen Ansatzes in diversen Beratungskontexten wie etwa im erzieherischen Bereich, in der pädagogischen Beratung sowie im Coaching, in der Karriereplanung, in der Begleitung von Teams aus krisenhaften Prozessen. Grundlegende Instrumente systemischen Arbeitens werden nicht so sehr theoretisch erläutert, sondern direkt praktisch eingesetzt und die Weisen der Umsetzung, Gestaltung und beobachtete Wirkungen beschrieben.

Herausgeberin

Dr. Caroline Lieser als Herausgeberin und Mitautorin eröffnet den in verschiedene nach Kontexte gegliederten Band mit einem Vorwort.

Entstehungshintergrund

Die aus verschiedenen Berufssparten stammenden „Nachwuchssystemiker“ (Vorwort von Angelika Pannen-Burchartz und Dr. Hans Lieb) absolvierten eine gemeinsame Weiterbildung zum systemischen Berater am IF Weinheim, die mit mit einem Praxis- bzw. Projektbericht abzuschließen war.

Aufbau und Inhalt

Teil 1 „Systemische Beratung - Kontext Beruf“ beinhaltet zuerst einen Beitrag mitsamt Praxisbeispiel „Systemisches Coaching und Selbstwert – Stärkung von Selbstwert“ von Caroline Lieser, die zeigt, wie der Selbstwert eines Klienten (bzw. Coachee) anhand verschiedener, nicht nur systemischer Methoden wie der „Stolpersteinarbeit“, gestärkt werden kann. In „Studium, Beruf, Baby – und dann? Systemische Beratung zur Frage nach der Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf“ von Andrea Deufel werden zwei Methoden fokussiert: die „Systemblüte“, die der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Rollen der Klientin und mit Aufträgen dienen kann, die aus diesen unterschiedlichen Rollen entstanden und die „Time Line Method“, mit der verschiedene Zukunftsoptionen von Klienten visualisiert und erlebbar gemacht werden können.

Teil 2 „Systemische Beratung - Kontext Unternehmen“ enthält einen Beitrag zu „Systemische Fragetechniken in einer Mitarbeiterbefragung als Ausgangspunkt von Organisationsentwicklungsmaßnahmen“ von Eberhard Schenk, der im Rahmen einer solchen OE-Maßnahme mittels eines „Survey Feedbacks“ offensichtlich multiperspektivische Urteilsbildung und dialogische Kommunikationsformen anregen konnte.

Teil 3 „Systemisches Arbeiten - Kontext Betriebsrat“ besteht aus dem Artikel „Systemische Elemente in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit – Seminarreihe ‚Powerpack für Betriebsratsvorsitzende und Stellvertreterinnen‘“ von Irmgard Seefried, in dem eine nachhaltige und lösungsorientierte Gestaltung von Seminaren in der Erwachsenenbildung vorgestellt wird, wobei Methoden wie zum Beispiel das „Aktionssoziogramm“ und „Triadenarbeit“ zum Einsatz kommen.

Teil 4 „Systemisches Arbeiten - Kontext Jugendliche“ thematisiert „Auswirkungen von Settingveränderungen bei der Methode ‚Reflecting Team‘ auf den Beratungsverlauf“ von Christiane Jäckel und Corinna Weber; Irene Hoffmann setzt sich mit ihrem Beitrag „Zwischen Familie und Schule – Aus der pädagogisch-systemischen Arbeit mit einem 13-jährigen Jungen“ mit den praktischen Erfahrungen zur systemischen Arbeit mit einem verhaltensaufälligen Jugendlichen an einer integrierten Gesamtschule mit Schwerpunkt auseinander.

Teil 5 „Systemisches Arbeiten - Kontext Sonderschule“ bietet den Beitrag „Systemisches Denken in der Schule – Lust machen auf neue Sichtweisen: Ein Seminarangebot für Sonderschullehramtsanwärter“ von Annabell Jooss, die einen Einblick gibt in die Umsetzung eines Seminarangebots für Sonderschullehramtsanwärter, bei dem systemische Sichtweisen im schulischen Kontext vorgestellt und hilfreiche Techniken, zum Beispiel aus der Systemischen Beratung, eingeübt werden.

Teil 6 „Systemisches Arbeiten - Kontext Eltern“ schließt den Band ab, zunächst mit dem Beitrag „Der Einsatz von systemischen Methoden in der Arbeit mit Eltern" - Gespräche professionell und systemisch führen“ von Kerstin Mattison-Weber als Projektbericht zum Einbau von Auftragsklärung und lösungsorientierter Gesprächsführung in Weiterbildungen von Erzieherinnen und Erziehern; und last but not least mit dem Bericht „Einführung von systemischen Methoden in der sozialpädagogischen Praxis zur Vorbereitung und Durchführung von Elterngesprächen“ von Gary Kuhn, der seinem pädagogischen Fachpersonal in Teambesprechungen unterschiedliche Methoden aufzuzeigen versucht, die die Gespräche zwischen ihnen und den Erziehungsberechtigten qualitativ verbessern können und in der von ihm geleiteten Kita im Rahmen von sogenannten „Testwochen“ in die praktische Arbeit getragen werden.

Diskussion

Die Beiträge sind soweit ersichtlich von berufserfahrenen Fachleuten aus verschiedenen Bereichen verfasst worden, die bei ihren Wegen in der Praxis grundlegende systemische Methoden ein- bzw- umsetzen. Dabei profitieren die Beiträge, obwohl diese ja von unterschiedlichen AutorInnen stammen, von einer demonstrativen Einfachheit und Klarheit, d.h. mit einer recht gelungenen Balance von Komplexitätsreduktion als auch Komplexitätserweiterung. Das führt zu einem sehr angenehmen Lesevergnügen mit vielen Anschauungsmomenten. – Wie immer sind Stärken zugleich Schwächen, womit ich meine, dass die Vielfalt der Kontexte und Ideen mich begeistert hat, jedoch auch einen stringenten Kern vermissen lässt, um den alles kreist. Tröstlich dabei bleibt natürlich, dass die Schwester der Vielfalt die Beliebigkeit ist und man bekommt die Eine oft nur, wenn man die Andere auch in Kauf nimmt. Das aber ist eben kein Problem der Praxis, sondern eines der Theorie, um die es in diesem Buch explizit nicht geht und auch nicht gehen soll.

Fazit

Eine Skalierung der Lesewürdigkeit von 1 (= „auf keinen Fall lesen!“) bis 10 (= „auf jeden Fall lesen!“) führt für mich zu einer klaren 8: wer sich ebenfalls eher noch im Einstieg in das systemische Arbeiten sieht und mehr wissen möchte, wie man in der Praxis systemisch vorgeht, reflektiert, interveniert und auswertet, dem sei das Buch mit seiner erfrischenden Klarheit und umwerfenden Praxisnähe sehr empfohlen. Sie oder ihn erwarten sehr interessante Einblicke in Methoden und praktische Lösungen, die aus der nachahmenswerten Idee hervorgehen, Projektberichte wie diese einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Rezensent
Dr. Jan V. Wirth
Studiendekan „Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit" (M.A.) an der DIPLOMA Hochschule, Praxisberater / Supervisor (SYSTEAMS.ORG), Dipl.-Sozialpädagoge/-arbeiter (FH), Homepage www.systeams.org
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Zitiervorschlag
Jan V. Wirth. Rezension vom 30.06.2015 zu: Caroline Lieser (Hrsg.): Praxisfelder der systemischen Beratung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-658-04737-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17299.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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