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Reinhilde Stöppler: Einführung in die Pädagogik bei geistiger Behinderung

Cover Reinhilde Stöppler: Einführung in die Pädagogik bei geistiger Behinderung. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. 220 Seiten. ISBN 978-3-8252-4135-3. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 34,70 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4800-0 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Das vorliegende Lehrbuch bietet eine Einführung in die Geistigbehindertenpädagogik. Es will Studienanfängerinnen und Studienanfängern der Pädagogik der geistigen Behinderung einen Einblick in die Handlungsfelder und Aufgabengebiete des Fachs geben. Außerdem adressiert es Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen, welche sich hinsichtlich der neuen Herausforderungen im Rahmen der Inklusion mit der Ätiologie und den Fördermöglichkeiten geistiger Behinderungen auseinandersetzen möchten.

Autorin

Frau Prof. Dr. Reinhilde Stöppler lehrt Geistigbehindertenpädagogik an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in neun Kapitel. Nach einem Vorwort und einigen Hinweisen zur Nutzung des Lehrbuchs befasst sich die Autorin mit folgenden Inhalten:

  1. Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung
  2. Ätiologie der geistigen Behinderungen
  3. Erscheinungsformen geistiger Behinderungen
  4. Wandel der Leitidee in Bildung und Erziehung von Menschen mit geistiger Behinderung
  5. Frühe Bildung und Förderung
  6. Schulische Bildung
  7. Berufliche Bildung
  8. Menschen mit geistiger Behinderung im Alter
  9. Teilhabebereiche

Inhalt

Im ersten Kapitel wird die sehr heterogene Gruppe der sogenannten „geistig behinderten“ Menschen aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln dargestellt. Zunächst unternimmt die Autorin eine geschichtliche Einordnung des Begriffs „geistige Behinderung“ und weist auf die Schwierigkeit hin, hier eine allgemeingültige Beschreibung vorzunehmen, da es sich um ein „komplexes Phänomen“ handelt und die Zielgruppe sehr vielfältig ist. Dabei vergisst sie nicht, kritisch darauf hinzuweisen, dass der Begriff „geistige Behinderung“ immer mit der Tatsache konfrontiert ist, zum einen mit negativen Zuschreibungen und entsprechenden Konsequenzen für die betroffenen Personen verbunden zu sein und zum anderen der Heterogenität der Zielgruppe nicht gerecht werden zu können. Weiterführend beleuchtet die Autorin zwei internationale Klassifikationssysteme der „geistigen Behinderung“, die „American Association on Mental Retardation“ (AAMR) und die „International Classification of Functioning, Disability and Health“ (ICF) – und gibt dann einen Einblick in das Themenfeld anhand verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven. Da jede Profession einen eigenen Blick auf das Themenfeld hat, beschreibt sie die Zugangsweise aus medizinischer, psychologischer, soziologischer und pädagogischer Sicht.

Das zweite Kapitel gibt eine Einführung in die Ätiologie der geistigen Behinderung. Es werden chromosomal und metabolisch verursachte geistige Behinderungen erläutert und darauf folgend exogene Entstehungsfaktoren beschrieben. Die Autorin differenziert hier zwischen pränatalen, perinatalen und postnatalen Ursachen. Hierzu gibt es abschließend eine kurze Einführung in die verschiedenen Methoden der Pränataldiagnostik.

Im dritten Kapitel werden verschiedene Syndrome der geistigen Behinderung beschrieben. Die Autorin beschränkt sich hierbei auf die häufigsten Formen. Weitere Syndrome finden sich im Online- Material zum Buch. Ergänzend beschäftigt sich das Kapitel mit dem Themenfeld „Menschen mit schwersten Behinderungen“, also einer Personengruppe, die neben einer „geistigen Behinderung“ weitere Beeinträchtigungen zum Beispiel im Bereich Kommunikation und Motorik aufweist und beschreibt aktuelle Förderkonzepte für diese Zielgruppe.

Daraufhin behandelt das vierte Kapitel den Wandel der Leitideen in der Bildung und Erziehung für Menschen mit geistiger Behinderung. Es beschäftigt sich kurz mit dem Paradigmenwechsel von der Exklusion und Segregation, der Vernichtung „unwerten Lebens“ in der Zeit des Nationalsozialismus über das Normalisierungsprinzip aus den 1960er Jahren als neue Leitidee in der Behindertenhilfe zur Integration und der heutigen Diskussion um Teilhabe, Selbstbestimmung und Inklusion.

Die Kapitel fünf bis acht geben einen Überblick zu den Bereichen Bildung und Teilhabe von der frühkindlichen Förderung bis hin zur Bildung im Alter. Zunächst werden im Kapitel fünf die Begriffe Früherkennung und Frühdiagnostik, Frühförderung, Früherfassung, Frühberatung, Früherziehung und Frühtherapie erläutert. Daran anschließend stellt die Autorin kurz verschiedene Organisationsformen und Programme der Frühförderung dar. In einem nächsten Schritt werden im Kapitel sechs die Ziele und Inhalte der Elementarpädagogik aufgeführt und in einem Vergleich zwischen den Bundesländern die Anzahl integrativer Kindertageseinrichtungen aufgezeigt. Im sechsten Kapitel geht es um die schulische Bildung „geistig behinderter“ Menschen. Nach einem kurzen Hinweis auf die UN- BRK und das im Artikel 24 verankerte Recht auf eine inklusive Schulbildung wird kurz die historische Entwicklung von den Sonderschulen zur heutigen Förderschule für geistige Entwicklung aufgezeigt. Danach werden die Bildungsziele und Förderpläne, sowie der Aufbau und die Organisation dieser Schulform dargestellt. Abschließend werden integrative Schulformen benannt und ein kurzer Ausblick auf die Anforderungen einer inklusiven Schule gegeben. Im siebten Kapitel geht es um die berufliche Bildung für Menschen mit „geistiger Behinderung“. Zunächst wird die Bedeutung von Arbeit und Beruf skizziert. Die Themenfelder Berufsvorbereitung und berufliche Ausbildung werden dargestellt sowie die Werkstätte für behinderte Menschen beschrieben. Danach werden die Teilhabemöglichkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt und die damit verbundenen Unterstützungsangebote aber auch die Barrieren dargestellt. Abschließend werden exemplarisch ein paar integrative Projekte aufgezeigt. Das achte Kapitel beschäftigt sich mit dem Bereich Alter und den pädagogischen Herausforderungen dieser Lebensphase.

Im neunten Kapitel wird die gesellschaftliche Partizipation „geistig behinderter“ Menschen fokussiert. Die Autorin wirft einen ausführlichen Blick auf folgende Teilhabebereiche und pädagogischen Handlungsfelder: Gesundheit, Mobilität, Wohnen, Freizeit, Erwachsenenbildung, Sexualität und die politische Teilhabe. Nach einer grundlegenden Begriffsklärung und einer Darstellung der aktuellen Situation in den jeweiligen Bereichen, werden zu den Feldern die Teilhaberisiken und Teilhabechancen benannt.

Diskussion

Das vorliegende Buch möchte einen ersten Einblick in die Thematik „geistige Behinderung“ geben. Es ist als Lehrbuch konzipiert, überschaubar gestaltet, klar strukturiert und bietet am Ende eines jeden Kapitels die Möglichkeit, die relevanten Inhalte mit Übungsaufgaben zu reflektieren. Darüber hinaus wird passend zu den jeweiligen Inhalten weiterführende Literatur empfohlen. Das Buch macht es dem Leser aufgrund seiner inhaltlichen und formalen Gestaltung sehr einfach, einen ersten Einblick in das Themenfeld zu bekommen und kann sicherlich auch als Nachschlagewerk für zwischendurch dienen, um schnell und übersichtsartig eine Vorstellung von den jeweiligen Bereichen zu bekommen. Es ist sehr kompakt und übersichtlich und verzichtet auf eine tiefe Aufarbeitung und Besprechung der Inhalte. Hierzu sollte der Leser die vorgeschlagene weiterführende Literatur nutzen.

Fazit

Die Autorin adressiert Studienanfängerinnen und Studienanfänger der Pädagogik sowie Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen und möchte dieser Zielgruppe einen ersten Zugang in das Themenfeld geben. Dies ist mit dem vorliegenden Buch gelungen.


Rezensent
Björn Brünink
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Zitiervorschlag
Björn Brünink. Rezension vom 19.01.2015 zu: Reinhilde Stöppler: Einführung in die Pädagogik bei geistiger Behinderung. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. ISBN 978-3-8252-4135-3.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4800-0 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17340.php, Datum des Zugriffs 16.01.2019.


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