Hanna Ehlert, Ulla Beushausen: Erfolgreiche Sprachförderung in der Kita
Rezensiert von ao. Prof. i.R. Dr. Franz Dotter, 16.10.2014
Hanna Ehlert, Ulla Beushausen: Erfolgreiche Sprachförderung in der Kita. Ein Ratgeber für pädagogische Fachkräfte. Schulz-Kirchner Verlag (Idstein) 2014. 76 Seiten. ISBN 978-3-8248-1177-9. 9,49 EUR.
Aufbau
Das als Ratgeber gedachte Buch besteht aus zwei großen Teilen: Der erste beschäftigt sich mit „Spracherwerb und Sprachstörungen“, der zweite mit „Sprachförderung in der Kita“.
Aufbau und Inhalt
Das erste Unterkapitel „Wie lernen Kinder sprechen?“ geht praktisch nicht auf die gestellte Frage ein; auch im Unterkapitel „Sprachentwicklungsmodelle“ erfährt man kaum etwas über diese. Danach werden Bezüge des Sprachlernens zur Wahrnehmung mittels der verschiedenen Sinne hergestellt und die „Meilensteine“ der Sprachentwicklung dargestellt. Es folgen ein kurzes Unterkapitel zur Mehrsprachigkeit und ein Überblick zu Sprachstörungen.
Der zweite Teil beginnt mit einer kurzen Darstellung zu Sprachförderung und geht dann ausführlicher auf Sprachstandserhebungstests ein. Nach einem kurzen Unterkapitel zu Sprachförderprogrammen gehen die Autorinnen auf die alltagsintegrierte Sprachförderung ein. Hier werden neben einem Überblick auch einige praktische Beispiele vorgestellt. Ein weiteres Unterkapitel ist der Vorbereitung auf den Schuleintritt gewidmet. Diese Informationen werden im Unterkapitel „Den Alltag für Sprachförderung nutzen“ weitergeführt und auf das notwendige Bewusstmachen von Kommunikationssituation bzw. (förderlichem) Sprachverhalten aufmerksam gemacht. Das letzte Unterkapitel geht auf die Elternarbeit ein. Ein Literaturverzeichnis und eine Liste „zum Weiterlesen“ schließen das Buch ab.
Diskussion
Die insgesamt 24 Seiten des ersten Teils zum Spracherwerb geben zwar korrekte Informationen, sind aber meist sehr kurz und zeigen eine – gegenüber den zusammengefassten Darstellungen z.B. bei Sprachstörungen - ziemlich undistanzierte und nicht illustrative Art. Man findet auch schlicht unrichtige Behauptungen wie „Durch Schriftspracherwerb entwickelt sich die Fähigkeit, Laut und Lautverbindungen differenziert wahrzunehmen, die sicht- und hörbaren Unterschiede … zu erkennen und aus Vorstellungen Worte zusammenzusetzen.“ (S. 14). Das schmälert den Wert dieser Einführung stark.
Der zweite Teil ist ähnlich zu bewerten (z.B. ist das Unterkapitel „Sprachliche Förderbereiche“ wenig alltagsbezogen - für den Imperativ wird ein Rollenspiel als Löwenbändiger angeboten, anstatt die alltäglichen Kita-Imperative zu verwenden), enthält aber doch einige ausführlichere bzw. informativere Abschnitte, wie zur Sprachstandserhebung und zur alltagsintegrierten Sprachförderung (allerdings kommt hier z.B. auch die wenig realistische Regel „sprich in vollständigen Sätzen“ zur Anwendung, anstatt den Kindern und Kita-MitarbeiterInnen die Möglichkeit zu geben, verschiedene Kommunikationsregister zu üben).
Der Reihentitel, unter dem das Buch erscheint, ist „Ratgeber für Angehörige, Betroffene und Fachkräfte“, der Untertitel des Buchs selbst „Ein Ratgeber für pädagogische Fachkräfte“. Nachdem die Ausbildung der Kita-Fachkräfte in Fach- oder Fachhochschulen erfolgt, bezweifle ich, dass die im vorliegenden Buch gegebenen Informationen wirklich über die in den Standardausbildungen gegebenen hinausgehen. Für Eltern und andere Bezugspersonen gibt es ausführlichere und illustrativere Darstellungen. Die Kürze der Ratgeber-Reihe verhindert hier, dass die auf der Buchrückseite versprochenen Informationen im Buch tatsächlich geboten werden.
Eine Frage des Rezensenten: Sprachförderung in der Kita ohne Ausbildungsreform und Personalaufstockung?
Bei der Menge an einschlägigen Arbeiten entsteht in mir der Verdacht, dass es Politik und Verwaltung opportun erscheint, die Verantwortung für bisher nicht geleistete frühe Sprachförderung den MitarbeiterInnen der Kindertagesstätten aufzulasten, ohne dass sich am Personalstand der Kitas etwas ändern soll (angeblich fehlen in deutschen Kitas viele Tausend MitarbeiterInnen) bzw. die entsprechenden Ausbildungselemente eingeführt werden. WissenschaftlerInnen scheinen das als Chance für Publikationen zu sehen, ohne die Falle zu erkennen, in die sie politisch gehen. Sehe ich das richtig?
Fazit
Das Buch ist sicher nicht unbrauchbar, aber es gibt sowohl für Eltern als auch für Fachkräfte geeignetere.
Rezension von
ao. Prof. i.R. Dr. Franz Dotter
Sprachwissenschaftler, Universität Klagenfurt
Mailformular
Es gibt 80 Rezensionen von Franz Dotter.





