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Michael Greß: Recht und Förderung für mein behindertes Kind

Cover Michael Greß: Recht und Förderung für mein behindertes Kind. Verlag C.H. Beck (München) 2014. 2. Auflage. 307 Seiten. ISBN 978-3-406-65402-2. 16,90 EUR.
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Zur besonderen Lebenssituation behinderter Kinder

Die Behinderung eines Kindes verändert die Lebenssituation seiner Familie in vielfacher Hinsicht. Sie erfordert von allen Beteiligten eine hohe physische und psychische Einsatzbereitschaft und strukturiert durch die regelmäßig notwendigen Pflegetätigkeiten und therapeutischen Maßnahmen über Jahre hinweg den Alltag der Familienmitglieder. Die Bedeutung der Geburt eines Kindes mit Behinderung für die Familie wurde schon in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Dabei werden jeweils unterschiedliche Aspekte der familiären Situation in den Vordergrund gestellt. Dazu gehören Untersuchungen über praktische Schwierigkeiten im Alltag, die Reaktionsformen und Verarbeitungsmöglichkeiten der Eltern oder ihre Einstellung gegenüber ihrem behinderten Kind. Oft steht bei diesen Untersuchungen die Situation der Mutter als häufigste Bezugsperson im Vordergrund. Andere Familienmitglieder, wie Väter und Geschwister, finden in ihren Reaktionen, Einstellungen und Bewältigungsstrategien meist weniger Beachtung, wobei vor allem die Geschwister als dritte, in zentralen Lebensbereichen betroffene Gruppe bisher weitgehend vernachlässigt wurden.

Dadurch ausgelöst bildet sich ein Problemdreieck heraus. Der Lebenssituation des behinderten Kindes einerseits stehen die Rechte und Rechtsansprüche andererseits den betreffenden Institutionen und Behörden gegenüber. Probleme entstehen insbesondere dann, wenn die Kinder oder ihre Eltern die originären Rechte bzw. Rechtsansprüche nicht oder nicht in dem erforderlichen Umfang kennen und vor allem von Institutionen oder Behörden nur wenig oder sogar keine Unterstützung erfahren. Aber, gerade die besondere Lebenssituation der behinderten Kinder erfordert diese umfassende Unterstützung. Hier kann das vorliegende Werk sicher eine Lücke füllen und damit eine gute Hilfestellung geben.

Zur 2. Auflage

Der Ratgeber wurde komplett überarbeitet und berücksichtigt jetzt die neueste Rechtsprechung ebenso wie Änderungen einschlägiger rechtlicher Bestimmungen bis einschließlich November 2013. Seit der Erstauflage hat sich eine Vielzahl von rechtlichen Streitigkeiten insbesondere im Bereich „Grundsicherung, Kindergeld, Pflegeversicherung und Schulbegleitung“ ergeben. Die Neuauflage berücksichtigt aktuelle sozial- und verwaltungsgerichtliche Entscheidungen und gibt Hilfestellungen. Schwerpunkte der Neuauflage sind:

  • Leistungen der Grundsicherung
  • Pflegeversicherungsreform 2012
  • Änderungen beim Kindergeldbezug
  • Schulbegleitung/Integrationsassistenz, Schulgeld, Inklusion
  • UN-Behindertenrechtskonvention
  • Schwerbehindertenausweis
  • Neue Rechtsprechung zum „Behindertentestament“, Erbrechtsreform 2010

Autor

Jürgen Greß ist Fachanwalt für Sozialrecht in München. Er berät seit mehr als 15 Jahren vorwiegend Menschen mit Behinderung, deren Eltern und Angehörige, gesetzliche Betreuer sowie Institutionen, die mit diesem Personenkreis betraut sind. Er ist in diesem Bereich auch als Referent tätig.

Zielgruppe

Zur Zielgruppe dürften alle Eltern mit behinderten Kindern sowie Berater und soziale Einrichtungen sein. Allerdings kann das Werk auch für Beschäftigte in den Sozialleistungsträgern und den anderen Behörden für umfassende Beratungen von großem Interesse sein.

Aufbau und Inhalt

Dem Buch sind ein Vorwort, eine Inhaltsübersicht und ein Inhaltsverzeichnis sowie ein Abkürzungsverzeichnis und Literaturhinweise vorangestellt. Der eigentliche Inhalt gliedert sich dann in vier wesentliche Bereiche/Kapitel, nämlich

  1. Ausgewählte Fragestellungen für bestimmte Lebenssituationen
  2. Rechte und Rechtsansprüche von Menschen mit Behinderung und ihren Eltern
  3. Betreuungsrecht
  4. Erbrecht für Familien mit behinderten Kindern

Im ersten Kapitel werden Situationen von der Geburt des behinderten Kindes über den Kindergartenbesuch bis hin zum Schulbesuch dargestellt und begleitet. Darauf folgend werden Möglichkeiten der Berufsausbildung und die Konsequenzen der Volljährigkeit geschildert. Weitere mögliche Stationen wie die Werkstatt für Behinderte und die Behinderteneinrichtung werden angesprochen und Absicherungen beim Todesfall erläutert.

Das zweite Kapitel umfasst das Behindertenrecht und die sozialrechtlichen Anspruchsgrundlagen. Hier sind auch Ausführungen zum Schwerbehindertenausweis zu finden. Besonders zu erwähnen, weil von besonderer Bedeutung, sind die schwierigen und oftmals nicht bekannten Verfahrensabläufe im Sozialrecht. Sie sind hier in einer verständlichen und umfassenden Weise erläutert, so dass der interessierte Leser leicht herausfinden kann, welche rechtlichen Möglichkeiten er hat bzw. welche bestehen.

Das dritte Kapitel zeigt die Wege und Möglichkeiten im Betreuungsrecht auf.

Nicht fehlen dürfen abschließend erbrechtliche Hinweise und testamentarische Informationen sowie die praktischen Vorgehensweisen im Todesfall. Das Kapitel schließt mit Hinweisen zum Erbschafts- und Steuerrecht ab.

Fazit

Jürgen Greß formuliert in seinem Buch alle Rechtsansprüche für Menschen mit Behinderung, durchgängig für alle Lebensphasen von Geburt an bis zu ihrem Versterben bzw. dem Tode der Angehörigen. Das Buch erläutert in verständlicher Sprache Rechte für die Zeit vor dem und im Kindergarten, in der Schule, in der Wohnstätte, auf dem Arbeitsmarkt oder in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Was ist zu tun? Was ist zu beachten? Welche staatlichen Leistungen gibt es? Alle Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten werden berücksichtigt. Genannt werden Ansprüche und Angebote seitens der Kostenträger, die man sonst nicht oder selten erfährt, und erklärt, welche Anträge insoweit gestellt werden müssen. Ebenso ausführlich geht der Autor auf den Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung und Pflegeversicherung ein. Schwerbehindertenausweis, Betreuungsrecht und Behindertentestament werden nicht minder berücksichtigt. Was tun, wenn der Antrag nicht bearbeitet wird? Was tun, wenn der Widerspruch abgelehnt wird? Hier findet der Leser die Antwort. Steuererleichterungen, Kindergeld, Haushaltshilfe, Renten- und Unfallversicherungen von Pflegepersonen werden verständlich und hilfreich beschrieben. Die Nutzung und Orientierung des Lesers wird zudem durch das ausführliche und klar formulierte Inhalts- und Sachverzeichnis erleichtert. „Na endlich“ möchte man sagen, wenn man dieses Buch in der Hand hat.

Vor der ersten Auflage gab es keinen Ratgeber in diesem Umfang für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige. Die neue zweite Auflage stellt das Werk auf den aktuellen Stand. Mit der Lektüre erübrigt sich so mancher Anruf und so manche Warteschleife. Die Angehörigen werden mit dem hier angebotenen Wissen zum mündigen Partner gegenüber Kostenträgern und Behörden. Auch sollte dieses Taschenbuch nicht in den Einrichtungen der Behindertenhilfe und deren Institutionen fehlen.

Der Ratgeber kann uneingeschränkt empfohlen werden.


Rezensent
Hans-Joachim Dörbandt
Rechtsberatung Kranken-/Pflegeversicherung, Rentenberater und Prozessagent -
Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 08.01.2015 zu: Michael Greß: Recht und Förderung für mein behindertes Kind. Verlag C.H. Beck (München) 2014. 2. Auflage. ISBN 978-3-406-65402-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17362.php, Datum des Zugriffs 20.06.2019.


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ISSN 2190-9245

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