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Michael Kusch, Franz Petermann: Entwicklung autistischer Störungen

Rezensiert von Dipl.-Päd. Petra Steinborn, 05.09.2014

Cover Michael Kusch, Franz Petermann: Entwicklung autistischer Störungen ISBN 978-3-8017-2593-8

Michael Kusch, Franz Petermann: Entwicklung autistischer Störungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2014. 4., neu ausgestatte Auflage. 269 Seiten. ISBN 978-3-8017-2593-8. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 46,90 sFr.

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Thema

Die Forschung zu den Entstehungsbedingungen der autistischen Störungen hat dazu beigetragen, entwicklungsorientierte Diagnose- und Interventionsstrategien zu etablieren. Bedeutsam sind biologische, kognitive, soziale und emotionale Aspekte bei der Entstehung und dem Verlauf des Autismus. In diesem Buch werden neben der Entwicklungs- und Verhaltensdiagnostik vor allem Ansätze der Frühdiagnostik und Entwicklungsförderung beschrieben.

Autoren

Prof. Dr. Franz Petermann (Jahrgang 1953) ist seit 1991 Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie an der Universität Bremen. PD Dr. Phil. Michael Kusch (Jahrgang 1959) arbeitet seit 2012 am Psychoonkologischen Zentrum in Köln.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist als 5. Band in der Buchreihe „Klinische Kinderpsychologie“ erschienen. Diese Buchreihe wird von Prof. Dr. Franz Petermann herausgegeben. Die Reihe hat vor allem die Entstehung, den Verlauf und die Therapie psychischer Störungen zum Thema.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im Softcoverformat erschienen. Es gliedert sich in sieben Kapitel auf 237 Seiten. 2014 erschien die 4. neu ausgestattete Auflage. 1989 und 1991 erschienen die erste und zweite Auflage im Huber Verlag Bern.

  1. Definition und Klassifikation
  2. Epidemiologie
  3. Differentialätiologische Betrachtung
  4. Ätiopathogenetisches Modell der Entwicklung autistischer Störungen
  5. Entwicklungsstörungen autistischer Kinder
  6. Diagnostik autistischer Störungen
  7. Entwicklungsbezogene Interventionen bei autistischen Störungen

Alle Kapitel beginnen mit der Erläuterung relevanter Grundbegriffe. Neben der Definition und Klassifikation wird die Geschichte des Autismus beschrieben. Es folgen Ausführungen zur Epidemiologie sowie Angaben zur Prävalenz und Intelligenzverteilung. Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit der Ätiopathologie, die die Gesamtheit aller Faktoren, die zur Ursache, Entstehung und Entwicklung einer Krankheit oder Störung beitragen, zum Inhalt hat. Ausführlich wird die Diagnostik autistischer Störungen erläutert und verschiedene Verfahren und Skalen vorgestellt. Das Buch endet mit entwicklungsbezogenen Interventionen bei autistischen Störungen wie Frühförderung sowie biologisch orientierte, psychologische sowie sozial-interaktional orientierte Behandlungsansätze.

Diskussion

Autismus ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine tiefgreifende Entwicklungsstörung des Gehirns. Die Autoren unterstreichen den Ansatz, dass Autismus eine angeborene Eigenschaft der betroffenen Menschen, also ein von einer wie immer gearteten Norm abweichender Modus bei der Verarbeitung von Information des Gehirns, ist. Mittelpunkt des Buches bildet die Betrachtung der Störung in der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, was bedeutet, dass optische, akustische oder taktile Reize nicht eingeordnet werden können bzw. einzelne Sinneseindrücke nicht zu einem Ganzen zusammengefügt werden können. Das Buch ist in der vierten Auflage erschienen, die erste Auflage stammt aus den Jahren 1989, die zweite aus 1991 und die dritte aus 2001. Ein Blick in das Literaturverzeichnis offenbart, dass in dieser aktuellen vierten Auflage keine Literatur hinzugekommen ist, die nach 2001 erschienen ist. Das ist überraschend, weil in den dazwischenliegenden 13 Jahren (2001 – 2014) viele neue Forschungsergebnisse zum Thema Autismus veröffentlicht wurden (vgl. Theunissen 2014, vgl. die Rezension), die scheinbar nicht in diese aktuelle Auflage aufgenommen wurden. Das ist vor allem auch deshalb bedeutsam, weil das Buch der 5. Band der Buchreihe „Klinische Kinderpsychologie“ ist. Hier wäre zu erwarten gewesen, dass auf den Paradigmenwechsel in Hinblick auf eine ressourcenorientierte verstehende Perspektive – angestoßen durch das Recht auf Inklusion – zu lesen ist.

Fazit

Die Forschung zu den Entstehungsbedingungen der autistischen Störungen hat dazu beigetragen, entwicklungsorientierte Diagnose- und Interventionsstrategien zu etablieren. Bedeutsam sind biologische, kognitive, soziale und emotionale Aspekte bei der Entstehung und dem Verlauf des Autismus. In diesem Buch werden neben der Entwicklungs- und Verhaltensdiagnostik vor allem Ansätze der Frühdiagnostik und Entwicklungsförderung beschrieben.

Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
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Es gibt 318 Rezensionen von Petra Steinborn.

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ISSN 2190-9245