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Julia Würtz: Zur Förderung einer europäischen Werteorientierung bei Jugendlichen

Rezensiert von Prof. Dr. Ludger Kolhoff, 04.08.2015

Cover Julia Würtz: Zur Förderung einer europäischen Werteorientierung bei Jugendlichen ISBN 978-3-7815-1984-8

Julia Würtz: Zur Förderung einer europäischen Werteorientierung bei Jugendlichen. Eine qualitative Untersuchung über die europäischen Werteorientierungen von Jugendlichen und Analyse ihrer Bedeutung für die europabezogene Bildung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2014. 299 Seiten. ISBN 978-3-7815-1984-8.

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Autorin

Julia Würtz, Jahrgang 1976, ist Diplompolitologin und Erziehungswissenschaftlerin M. A, Sie hat u. a. als Bereichsleiterin „Europa und internationale Beziehungen“ bei der ASKO-Europa-Stiftung in Saarbrücken, beim „Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland“ in Berlin und im „Rednerteam Europa“ der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland gearbeitet.

Entstehungshintergrund

Es handelt sich bei der Arbeit um eine Dissertation, die an der Universität Duisburg Essen angenommen wurde. Die Publikation wurde in das Programm des Verlags Julius Klinkhardt mittels eines Peer-Review-Verfahrens aufgenommen.

Aufbau

Die Publikation ist in fünf Kapitel gegliedert (Einleitung, Rahmenbedingungen, Analytischer Bezugsrahmen, Die empirische Untersuchung, Schlussbetrachtung: Ergebnisse und Ausblick). Die Rahmenbedingungen (zum europäischen Wertediskurs, zu Themen wie Jugend und Europa etc.) werden recht knapp abgehandelt. Gleiches gilt für den analytischen Bezugsrahmen, (Werteorientierung, werteorientierte Bildung, Eigenschaften europäischer Werteorientierung). Der Schwerpunkt dieser Publikation liegt bei der empirischen Studie. Ca. 200 Seiten der 300-seitigen Publikation widmen sich dieser Untersuchung. Es handelt sich also im Wesentlichen um eine Forschungsstudie.

Inhalte

Im Klappentext heißt es, dass „eine hohe Erwartungshaltung gegenüber der europabezogenen Bildung, europäische Werte zu vermitteln“ besteht und dass pädagogisch nicht geklärt ist, „was europäische Werte eigentlich sind und wie eine wertebezogene europäische Bildung aussehen kann“.

Frau Würtz widmet sich dieser Problemstellung anhand „einer empirischen Untersuchung über die europäische Wertorientierung von jungen, pro-europäisch engagierten Funktionsträgerinnen und -trägern“ mit dem Ziel, „das Spektrum europäischer Wertorientierung von Jugendlichen theoretisch zu bestimmen und anschließend nötige Konsequenzen für die europabezogene Bildung im schulischen und außerschulischen Bereich abzuleiten“. Die Autorin beschränkt sich bei ihrer Untersuchung auf eine kleine Gruppe junger FunktionsträgerInnen aus fünf EU-Mitgliedsstaaten (Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich und Polen), die sich in proeuropäischen Jugendorganisationen engagieren und formuliert folgende Forschungsfragen:

  1. „Welche europäischen Wertorientierungen weisen Jugendliche auf, die sich in proeuropäischen Jugendorganisationen engagieren?
  2. Welche Konsequenzen können daraus für die europabezogene Bildung gezogen werden?“

Sie widmet sich diesen Fragen in vier Schritten.

  1. In einem ersten Schritt erfolgt eine Auseinandersetzung mit der europäischen Wertorientierung und der europabezogenen Bildung.
  2. Im zweiten Schritt wird der analytische Bezugsrahmen der Untersuchung konstruiert und
  3. der dritte Schritt umfasst die empirische Untersuchung.
  4. In einem vierten Schritt werden wichtige Ergebnisse zusammengefasst.

Zum ersten Schritt, Kapitel 2 (Rahmenbedingungen): Im ersten Teil dieses Kapitels geht es um den europäischen Wertediskurs. Es wird der kulturhistorische Ansatz vorgestellt, das heißt, die Verknüpfung mit dem kulturell-historischen Erbe Europas. Weiter geht es mit dem vertragspolitischen Ansatz, einer Diskussion der vertragspolitischen Errungenschaften der Europäischen Union und dem normativ-sozialen Ansatz, auf Basis eines sozialen und kulturellen Diskurses. Anschließend wird in Kap.2.2 auf normative Begründungen eingegangen und hervorgehoben, „dass Europa und die EU eine Gemeinschaft braucht, welche durch kollektive Werte miteinander verbunden ist“. Kap. 2.3 widmet sich dem Thema Jugend und Europa. Es wird u.a. auf Aspekte der Europäischen Union hingewiesen, die für die Freiheit stehen, überall hin zu reisen, zu studieren und arbeiten zu können. In 2.4 geht es um europabezogene Bildung und Wertevermittlung.

Mit den Ausführungen zu verschiedenen Problemstellungen zum europäischen Wertebegriff erfolgte für Frau Würtz „eine erste Orientierung zur Annäherung an den europäischen Wertebegriff“, um im folgenden Kapitel 3 „einen analytischen Bezugsrahmen für die empirische Untersuchung zu erarbeiten“. Das Kapitel 3.1 widmet sich dem Thema Werteorientierung – Annäherung an das Begriffsverständnis. Für Frau Würtz handelt es sich bei der „europäischen Werteorientierung um die Verknüpfung eines Raum- und Gruppenbezugs mit Werten“. Kap 3.2 behandelt das Thema Werteorientierte Bildung.

Frau Würtz formuliert drei Prämissen:

  1. „Grundlegend für eine werteorientierte Bildung ist die Förderung von Selbstbestimmung und Verantwortung bei Jugendlichen.
  2. Ein notwendiger Bestandteil der werteorientierten Bildung ist eine Ideologiekritische Perspektive.
  3. Eine werteorientierte Bildung sollte die Förderung von Jugendlichen in ihrer moralpsychologischen Entwicklung in den Vordergrund stellen“.

3.3 widmet sich den Eigenschaften europäischer Werteorientierung. In diesem Kontext geht die Autorin recht ausführlich auf die Diskussion zum Wertewandel ein. Das Kapitel endet mit einer Schlussbetrachtung, in der Schlussfolgerungen für die folgende empirische Untersuchung abgeleitet werden. Es werden drei Eigenschaften als charakteristisch für den Begriff der europäischen Werteorientierung herausgearbeitet: Die wertebezogenen Kollektivbezüge und wertebezogenen Strukturen sowie das moralische Urteilsvermögen. Diese drei Merkmale können für Frau Würtz zu drei Formen europäischer Werteorientierung zusammengefasst werden. Es handelt sich um „zentristische, konventionelle und emanzipierte Werteorientierungen – wobei letztere das höchste moralische Urteilsvermögen aufweist“.

Das Kapitel 4 (Empirische Untersuchung) macht, wie schon erwähnt, mit ca. 200 Seiten zwei Drittel des Buches aus. Eingangs wird in 4.1. die Methodik vorgestellt (Erhebungsmethode, Probandinnen- und Probandenauswahl, Beschreibung der Jugendorganisationen, aus denen die Probandinnen und Probanden ausgewählt wurden etc.). Es folgen Ausführungen zur Auswertungsmethode. Kap. 4.2 widmet sich Typologien europäischer Werteorientierung (eurokulturelle Idealisten, europolitische Pragmatiker, eurosoziale Kollektivisten, euroambivalente Konsumenten, euroreflektierte Aktivisten). Diese Typen werden aus dem empirischen Datenmaterial herausgearbeitet. Auch werden Partizipations-, Abgrenzungs- und Zugehörigkeits-, EU-Integrations- und europabezogene Bildungsvorstellungen entwickelt und den entsprechenden Typen zugeordnet. Das Kapitel endet mit einem Exkurs zu den Grundzügen nationaler und europäischer Kollektivvorstellungen in den Untersuchungsländern und einer Darstellung der Ergebnisse aus der empirischen Untersuchung und ihre Bedeutung für die europabezogene Bildung.

Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung: Ergebnisse und Ausblick. Für die Autorin trägt das Ergebnis der Arbeit zur Operationalisierung des Begriffs der europäischen Werteorientierung von Jugendlichen bei.

Zielgruppe

Der Text eignet sich für Menschen, die im Kontext der europäischen Werteorientierungen nach Mustern suchen.

Fazit

Es handelt sich um eine Dissertation, in der fünf Typen europäischer Werteorientierung herausgearbeitet werden. Die Darstellung ist sprachlich überzeugend und in sich rund, doch wirken einige Dinge etwas konstruiert. Dies gilt z.B. für die Auswahl der Probandinnen und Probanden und auch die Untermauerung der 5 Typen und den ihnen zugeordneten Vorstellungen. An einigen Dingen sicherlich eine Konstruktion, doch eine recht runde, die neue Zugänge im diffusen Bild europäischer Werteorientierungen bietet.

Rezension von
Prof. Dr. Ludger Kolhoff
Professor für Soziales Management und Leiter des Masterstudiengangs „Sozialmanagement“ an der Fakultät Soziale Arbeit der Ostfalia (Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel). Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/Sozialwirtschaft an Hochschulen e. V.
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Es gibt 6 Rezensionen von Ludger Kolhoff.

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Zitiervorschlag
Ludger Kolhoff. Rezension vom 04.08.2015 zu: Julia Würtz: Zur Förderung einer europäischen Werteorientierung bei Jugendlichen. Eine qualitative Untersuchung über die europäischen Werteorientierungen von Jugendlichen und Analyse ihrer Bedeutung für die europabezogene Bildung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2014. ISBN 978-3-7815-1984-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17385.php, Datum des Zugriffs 25.02.2024.


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