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Simone Gretler Heusser, Peter Stade (Hrsg.): Verbandsjugend­arbeit in der Schweiz

Cover Simone Gretler Heusser, Peter Stade (Hrsg.): Verbandsjugendarbeit in der Schweiz. Herausforderungen und Entwicklungen gestern, heute und morgen. Interact Verlag Hochschule Luzern (Luzern) 2014. 153 Seiten. ISBN 978-3-906036-16-8. 29,00 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Verbandsjugendarbeit als Teil der außerschulischen Kinder- und Jugendförderung hat in der Schweiz eine lange Geschichte und wurde bis zum Erscheinen dieser Publikation jedoch kaum systematisch und empirisch aufgearbeitet. Die Publikation nimmt den Versuch vor, neben einem historischen Rückblick auf die Verbandsjugendarbeit auch bedeutsame Themenfelder, aktuelle Entwicklungen und künftige Herausforderungen in der Schweiz in den Blick zu nehmen. Hauptanlass für die Veröffentlichung der Publikation waren die Ergebnisse einer im Jahr 2011 abgeschlossenen empirischen Studie der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, welche vom Kinder- und Jugendverband Jungwacht Blauring Schweiz (Jubla) in Auftrag gegeben worden war, deren zentralen Ergebnisse auch in der vorliegenden Publikation zu finden sind.

Herausgebende, Autorinnen und Autoren

Herausgebende sind

  • Simone Gretler Heusser, lic. phil., MPH, Ethnologin; Prof. FH; Dozentin und Projektleiterin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und
  • Peter Stade, MA Soziale Arbeit, BA Soziokulturelle Animation; Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit.

Zu den weiteren Mitautorinnen und -autoren gehören:

  • Nicole Cornu; MA Gesellschaftswissenschaften, Projektverantwortliche in der Stiftung éducation21, nationales Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Schweiz;
  • Jürg Krummenacher, Prof. Dr. h.c., Psychologie, Sozialpädagogik, Philosophie; Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Wirtschaft;
  • Katharina Prelicz-Huber, Prof. Präsidentin der Gewerkschaft vpod Schweiz, Politikerin;
  • Remo Meister, BA Soziokulturelle Animation; Fachstellenleiter der kirchlichen Jugendarbeit Baselland, vormals Fachstellenleiter Bundesleitung Jungwacht Blauring;
  • Elena Konstantinidis, MA und dipl. Sozialarbeiterin; Geschäftsleitung Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz und
  • Roland Stahl, Ph.D.; Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit.

Aufbau und Inhalt

Ein Abstract führt die Lesenden in aller Kürze in den Inhalt der Publikation ein. In einer sich anschließenden Einleitung erläutern Simone Gretler Heusser und Peter Stade den Entstehungskontext der Publikation und geben einen Überblick über den inhaltlichen Aufbau und die Verfasserinnen und Verfasser der Buchbeiträge.

Die Publikation gliedert sich anschließend in drei thematisch strukturierte Hauptkapitel:

  1. Eine historische Betrachtung zur Entwicklung der Jugendverbände
  2. Die Situation der Jugendverbände
  3. Kooperation in der außerschulischen Jugendförderung als Potential

Die Publikation schließt mit einem Schlusswort von Katharina Prelicz-Huber.

Zu den Inhalten der drei Hauptkapitel:

In Kapitel 1: eine historische Betrachtung zur Entwicklung der Jugendverbände arbeitet Jürg Krummenacher zunächst die sich wandelnde gesellschaftliche Relevanz von „Kindheit und Jugend als eigenständige Lebensphase“ heraus (Kapitel 1.1) und nimmt anschließend in Kapitel 1.2 „Entstehungsgeschichte der Jugendverbände“ eine chronologische Betrachtung der sich über die Jahrhunderte entwickelnden Vereinigungen, Bewegungen und Gruppen junger Menschen bis hin zur Gründung und Weiterentwicklung der Jugendverbände vor. In Kapitel 1.3 „Gesellschaftlicher Wandel und Modernisierung“ beschreibt Krummenacher Auswirkungen der Industrialisierung und Säkularisierung als auch der Individualisierung und Pluralisierung in der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf junge Menschen und die Jugendverbandsarbeit. Mit der Beschreibung der „Theorien und Konzepte der Jugendarbeit“ der letzten 50 Jahre (Kapitel 1.4) schließt Krummenacher den historischen Rückblick ab und wirft einen Blick auf die sich daraus heraus kristallisierten gesellschaftlichen „Herausforderungen“ (Kapitel 1.5), mit denen sich heute auch die Jugendverbände in der Schweiz konfrontiert sehen.

Das Kapitel 2: Die Situation der Jugendverbände gliedert sich in drei Unterkapitel unterschiedlicher Autorinnen und Autoren.

In Kapitel 2.1 nimmt Nicole Cornu „das neue Kinder- und Jugendförderungsgesetz und seine Bedeutung für die Jugendverbandsarbeit“ in den Fokus. Dabei verdeutlicht die Autorin die historischen und aktuellen Entwicklungen in der Schweiz im Bereich der nationalen Kinder- und Jugendpolitik, die Weiterentwicklung gesetzlicher Grundlagen sowie die tragende Rolle der Jugendverbände in diesem Entwicklungsprozess. Abschließend beschreibt Nicole Cornu die Bedeutung und Auswirkungen und Nebenfolgen des neuen Kinder- und Jugendförderungsgesetzes (KJFG) auf die Tätigkeiten der Jugendverbände in der Schweiz.

Simone Gretler Heusser, Peter Stade und Roland Stahl stellen in Kapitel 2.2 „Studie 'Entwicklung Grundlagen' – die Situation von Jungwacht Blauring heute“ die Ergebnisse einer empirischen Studie der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit aus dem Jahr 2011 vor. Dabei richtet sich der Fokus auf die Darstellung von Daten zur Verbandsstruktur von Jungwacht Blauring, seinen Mitgliedern, den Zielsetzungen und das pädagogische Handeln. Weiter wird das Spannungsverhältnis von Tradition und aktuellen Herausforderungen in den Blick genommen und ein Bezug zu den Chancen informellen Lernens und der interkulturellen Öffnung von Jungwacht Blauring hergestellt.

Remo Meister schließt aus der Perspektive der Bundesleitung Jungwacht Blauring in seinem Beitrag „Aktuelle Herausforderungen der Verbandsjugendarbeit“ an den empirischen Befunden des Beitrags von Gretler Heuser et al. an und führt die Gründe für die aktuellen Herausforderungen und die Reaktionen der Jugendverbände darauf näher aus. Hier beschreibt Meister das Spannungsverhältnis von Tradition und Wandel und formuliert die Notwendigkeit sich als Jugendverband nach außen als wichtiger Teil der Kinder- und Jugendförderung zu positionieren und zugleich mit anderen Akteuren diesen Bereichs stärker zusammen zu arbeiten. Meister geht weiter auf neue Finanzierungsmöglichkeiten der Verbandsstrukturen und der strategischen Neuausrichtung am Beispiel von Jungwacht Blauring ein.

Das Kapitel 3 hat die Kooperation in der außerschulischen Jugendförderung als Potential zum Gegenstand. In Kapitel 3.1 nimmt Elena Konstantinidis „Zu den Möglichkeiten, Grenzen und Bedingungen der Zusammenarbeit von Jugendverbänden mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Ergebnisse einer Diskussionsveranstaltung“ Stellung. Die Autorin stellt hierbei die Ergebnisse einer Diskussionsveranstaltung von Fachpersonen der Jugendverbandsarbeit und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus dem Jahr 2012 vor. Zunächst beschreibt Konstantinidis differente und gemeinsame Merkmale beider Formen außerschulischer Bildung und leitet daraus Folgerungen für künftige Formen der Kooperation ab. Beschrieben werden neben den Motivlagen der beiden Akteure auch mögliche Stolpersteine bei der Kooperation. Zuletzt arbeitet Konstantinidis die Möglichkeiten und Chancen von Kooperationen zwischen den Jugendverbänden und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit heraus.

Simone Gretler Heusser stellt in Kapitel 3.2 „Gute Praxisbeispiele“ drei best-practice Beispiele vor: die „kulturelle Öffnung der Cevi Rapperswil-Jona“, die „Aktion 72 Stunden: Zusammenarbeit auf Zeit“ sowie „Idée:sport: Innovationslabor für Jugendarbeit“. Diese Projektbeschreibungen zeigen auf, wie sich die Praxis der Jugendverbandsarbeit mit der Entwicklung innovativer Handlungsansätze sich mit den in den Kapiteln 2 und 3 herausgearbeiteten Herausforderungen konstruktiv auseinandersetzen und erste Lösungswege skizzieren.

Die Publikation schließt mit einem Schlusswort von Katharina Prelicz-Huber, welche die Herausforderungen und Potentiale der Jugendverbandsarbeit in der Schweiz zusammenfassend beschreibt.

Diskussion

Der Publikationstitel „Verbandsjugendarbeit in der Schweiz. Herausforderungen und Entwicklungen gestern, heute und morgen“ umschreibt treffend den Inhalt des Werks. Die Publikation besticht durch eine fundierte Aufarbeitung historischer Entwicklungsprozesse der Jugendverbandsarbeit in der Schweiz als auch durch die exemplarische Darstellung und Kommentierung empirischer Studienergebnisse zur Situation einer Kinder- und Jugendverbandsarbeit (Jungwacht Blauring Schweiz – Jubla). Die Erkenntnisse dieser Befunde bilden für mehrere Autorinnen und Autoren den Ausgangspunkt in ihren Publikationsbeiträgen die aktuelle Situation der Jugendverbandsarbeit in der Schweiz auf unterschiedlichen Ebenen (Verband, Politik, Praxis) fachlich zu reflektieren und aktuelle Herausforderungen abzuleiten und konstruktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Erkenntnisse dieser Publikation stellen für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendverbandsarbeit in der Schweiz somit eine empirisch und fachlich fundierte und gleichsam eine praxisreflektierte Wissensbasis dar.

Der Herausgeberschaft ist es damit gelungen nicht nur verschiedene und wichtige Quellen und Daten in die Publikation einfließen zu lassen, mit der Zusammenstellung der Beiträge der Mitautorenschaft ist es ihnen auch gelungen unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und damit konstruktive Anschlussmöglichkeiten für die künftige Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendverbandsarbeit aufzuzeigen. Mit Blick auf die Weiterentwicklung der konkreten Praxis der Jugendverbandsarbeit fällt das Kapitel 3.2 „Gute Praxisbeispiele“ mit einer eher kurzen Beschreibung dreier „best-pratice“ Projekten etwas knapp aus. Hier hätte es sich angeboten weitere innovative Projekte aus der Praxis in die Publikation zu integrieren, diese zu analysieren und weiterführende konzeptionelle Schlussfolgerungen und Hinweise für die in der Praxis tätigen Haupt- und Ehrenamtlichen abzuleiten.

Fazit

Die Publikation „Verbandsjugendarbeit in der Schweiz. Herausforderungen und Entwicklungen gestern, heute und morgen“ gibt auf der Grundlage historischer Betrachtungen, empirisch fundierter Erkenntnisse und deren Kommentierung durch unterschiedliche Autorinnen und Autoren einen leicht verständlichen und gleichsam fundierten Überblick über die Situation der Kinder- und Jugendverbandsarbeit in der Schweiz. Die Publikation liefert auf Grundlage verschiedener einführender Kapitel und Perspektiven des Weiteren wichtige Anhaltspunkte und neue Handlungsansätze, die für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendverbandsarbeit – auch über die Grenzen der Schweiz hinaus – wertvolle Impulse geben kann.

Die Publikation richtet sich in erster Linie an hauptamtliche Fachpersonen in Trägerschaften und Fachstellen der Kinder- und Jugendverbandsarbeit. Gleichwohl erhalten auch Studierende aus der Sozialen Arbeit und angrenzenden Fachdisziplinen sowie interessierte Fachpersonen aus Praxis und Wissenschaft aus Bereichen der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und erste Handlungsansätze zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendverbandsarbeit. Für ehrenamtlich Tätige aus der Praxis der Kinder- und Jugendverbandsarbeit gilt das selbige – allerdings enthält die Publikation eher weniger konzeptionelle und methodische Hinweise, wie mit den in der Publikation aufgezeigten Herausforderungen im Praxisalltag konkret umgegangen werden kann.


Rezension von
Manuel Fuchs
M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz
Homepage www.fhnw.ch/sozialearbeit
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Zitiervorschlag
Manuel Fuchs. Rezension vom 21.10.2016 zu: Simone Gretler Heusser, Peter Stade (Hrsg.): Verbandsjugendarbeit in der Schweiz. Herausforderungen und Entwicklungen gestern, heute und morgen. Interact Verlag Hochschule Luzern (Luzern) 2014. ISBN 978-3-906036-16-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17391.php, Datum des Zugriffs 04.04.2020.


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