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Daniel Wolf: Doppik und Rechnungslegung der Evangelischen Kirche [...]

Cover Daniel Wolf: Doppik und Rechnungslegung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 226 Seiten. ISBN 978-3-8487-1480-3. 39,00 EUR.
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Thema

Angesichts des großen öffentlichen Interesses um die Höhe der Baukosten des Bischofssitzes im Bistum Limburg ist das Thema der kirchlichen Rechnungslegung im Zusammenhang mit der Herstellung von Transparenz über die Vermögens-, Ergebnis- und Finanzlage der Kirchen sehr aktuell. Da die Kirchen nach dem Selbstbestimmungsgrundsatz ihre Rechnungslegungsgrundsätze selbst festlegen und die Normsetzungskompetenz bei den Landeskirchen liegt, ist seit Beginn der Reform Ende 2002 eine Zersplitterung der kirchlichen Rechnungslegung in Deutschland festzustellen. Mit diesem Werk versucht der Autor, Handlungsempfehlungen zu geben, die zu einer verbesserten Vergleichbarkeit der Rechnungslegung der Evangelischen Landeskirchen in Deutschland beitragen können.

Entstehungshintergrund

Der Autor war beratend bei der Doppik-Umstellung einer großen evangelischen Landeskirche tätig und hat damit ein Thema, mit dem er im Rahmen der praktischen Anwendung und Umsetzung betraut war, aus wissenschaftlicher Sicht in Form einer Dissertation aufgegriffen. Die Promotion erfolgte an der TU Chemnitz bei Prof. Dr. Ludwig Gramlich und Prof. Dr. Rainer Bossert. Daniel Wolf ist Geschäftsführer einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Aufbau und Inhalt

Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel und enthält zum Schluss noch ein Literaturverzeichnis.

Im Rahmen der Einleitung (Kapitel eins) fasst der Autor die Schwächen des kameralistischen Buchführungsstils zusammen. Diese hat auch die EKD erkannt und im Jahr 2006 einen Ratsbeschluss zur Umstellung des Rechnungsstils auf die Doppik gefasst. Hiermit begann ein Zersplitterungsprozess der Haushaltsrichtlinien der einzelnen Landeskirchen, die sich zwar an der Haushaltsrichtlinie der EKD orientieren sollen, aufgrund ihrer rechtlichen Eigenständigkeit aber nicht zu einer unveränderten Übernahme verpflichtet sind. Dieselbe Situation lässt sich auch im kommunalen Bereich seit dem Beschluss der Innenministerkonferenz im Jahr 2003 beobachten.

Im zweiten Kapitel stellt der Autor die Grundlagen der Doppik-Reform in der Evangelischen Kirche Deutschland dar. Er geht hierbei auf verfassungs- und kirchenrechtliche Grundlagen sowie das kirchliche Bilanzrecht ein und skizziert zuletzt die Zusammenhänge zwischen dem Reformprozess in der EKD und dem Einfluss nicht-kirchlichen Bilanzrechts in Form des Handels- und des Kommunalrechts auf diesen Reformprozess.

Im anschließenden dritten Kapitel werden die handelsrechtlichen und kirchlichen Abschlusszwecke zunächst unabhängig voneinander beschrieben und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede skizziert; das Kapitel endet mit der Ableitung von Handlungsvorschlägen.

Im vierten Kapitel werden materielle und formelle Besonderheiten der kirchlichen Rechnungslegung in Bezug auf die EKD dargestellt; hier geht der Autor auch schon kurz auf die herausragende Bedeutung der Immobilienbewertung ein, da dies die wertmäßige größte Position des Sachanlagevermögens bildet.

Das fünfte Kapitel widmet sich darauffolgend der Immobilienbewertung in der kirchlichen Eröffnungsbilanz im Detail. Hierbei werden zunächst kirchliche, kommunale und baurechtliche Vorschriften zur Immobilienbewertung gegenübergestellt, bevor eine kritische Würdigung erfolgt. Der Autor geht hierbei insbesondere auf die Bewertung von nicht realisierbaren Immobilien und auf die Bewertung anhand von Zeitwerten ein und unterbreitet hierzu Handlungsvorschläge. Das Kapitel enthält auch eine Darstellung der Grundstücksbewertung in der Praxis am Beispiel der Landeskirchen Hannover, im Rheinland und in Baden.

Das Buch schließt mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse in Kapitel sechs ab.

Diskussion

Zur kirchlichen Rechnungslegung existieren bislang lediglich einige Zeitschriftenbeiträge, umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit diesem Thema sind bislang jedoch selten. Mit diesem Werk leistet der Autor einen Beitrag hierzu. Er beschäftigt sich hierbei mit einer wertmäßig bedeutenden Position der Aktivseite der Bilanz, dem Immobilienvermögen der Kirchen, wobei er einen Schwerpunkt v.a. auf sakrale, d.h. nicht realisierbare Immobilien und deren Bewertung mit einem Erinnerungswert legt. Hier hätte der Autor noch stärker die Argumente im Zusammenhang mit der Reform des Haushalts- und Rechnungswesens auf kommunaler Ebene in Bezug auf die Trennung zwischen realisierbarem Vermögen und Verwaltungsvermögen (hier wäre bspw. das Infrastrukturvermögen von seiner Beschaffenheit ein geeigneter Vergleich gewesen) einbeziehen können. Auch die Einschränkung der bei der Immobilienbewertung angewandten Bewertungsverfahren beurteilt der Autor differenziert. Insgesamt ist das Werk gut geeignet, sich einen differenzierten Überblick zu den wesentlichen Fragen kirchlicher Immobilienbewertung zu verschaffen.

Fazit

Es handelt sich insgesamt um ein lesenswertes Werk, welches basierend auf einer normativen Ableitung der Rechnungslegungszwecke eine differenzierte Beurteilung zweier wichtiger Aspekte kirchlicher Immobilienbewertung enthält.


Rezensentin
Prof. Dr. Berit Adam
Professorin für Public Management, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
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Zitiervorschlag
Berit Adam. Rezension vom 14.10.2014 zu: Daniel Wolf: Doppik und Rechnungslegung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. ISBN 978-3-8487-1480-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17399.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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