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Betreuungsstelle der Stadt Frankfurt am Main: Vorsorgevollmacht - Betreuungsverfügung

Cover Betreuungsstelle der Stadt Frankfurt am Main: Vorsorgevollmacht - Betreuungsverfügung. "Selbstbewusst die Zukunft gestalten, solange ich gesund bin". Mit Textbausteinen, Formularsatz und Vorsorgeausweis. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2002. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. 61 Seiten. ISBN 978-3-931297-92-3. 4,10 EUR.

Bei Bezug des Pakets "Vorsorgebroschüre" und "Patiententestament" EUR 7,20 (inklusive Versandkosten).
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Die folgende Rezension basiert auf der ersten Auflage.

Einführung in das Thema

"Selbstbewußt die Zukunft gestalten, solange ich gesund bin" Dieser Slogan steht über dem Versuch von MitarbeiterInnen der Frankfurter Betreuungsbehörde, einen auch für Laien verständlichen Ratgeber zu den wichtigen, aber nicht gerade leicht zugänglichen Themen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung zu erstellen. Mit der "Zukunftsgestaltung" ist hier der rechtliche Rahmen gemeint, in dem wichtige persönliche Entscheidungen (wie Vermögensverwaltung, medizinische Behandlung, Heimaufenthalt etc.) von StellvertreterInnen getroffen werden müssen, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist - kein Wunder, dass viele Menschen sich nicht gern mit dieser unangenehmen Vorstellung auseinandersetzen wollen. Doch der Hinweis im Vorwort, dass Ehegatten und Kinder, wenn dieser Fall eintritt, nur mit einer Vollmacht handeln können, unterstreicht die Bedeutung rechtlicher Vorsorge und steigert die Bereitschaft, weiter zu lesen.

Inhalte

Die Broschüre besteht aus einem theoretischen Teil (Einführung und Basisinformationen) und Formulierungsvorschlägen im Baukastensystem. Beide Schwerpunkte sind vom Umfang her etwa gleich gewichtet. Hinweise zu verwandten Themen wie Testament oder "Patiententestament" -die weniger missverständliche Formulierung "Patientenverfügung" wäre hier angebracht- sowie eine Auflistung von Anlaufstellen für weitere Informationen runden den Ratgeber ab.

Die farbliche und grafische Gestaltung erleichtert die Zuordnung der Textbausteine zu den verschiedenen Arten von Verfügungen. Übersichtlichkeit und ein ansprechendes Layout statt Überfrachtung mit Paragrafen war erkennbar das Konzept der AutorInnen.

Einziger inhaltlicher Schönheitsfehler ist eine mangelhaft recherchierte Information: Unter den "Regelungen für den Todesfall" heißt es, dass eine Vollmacht automatisch mit dem Tod erlösche. Richtig ist dagegen, dass die Vollmacht fortbesteht, wenn nichts anderes vereinbart wurde (§672 BGB). In der Praxis hat diese Fehlinformation jedoch keine negativen Auswirkungen, da eine ausdrückliche Formulierung, wie sie in der Broschüre empfohlen wird, zusätzliche Sicherheit für die Akzeptanz des Schriftstückes bietet.

Der Adressenteil könnte allerdings verbessert werden: In einer neuen Auflage sollten auch Internetadressen angegeben werden. Die auf der vorletzten Seite angekündigten örtlichen Informationen finden sich bei der bundesweit vertriebenen Broschüre nicht. Hier wurde wohl daran gedacht, dass z.B. Betreuungsbehörden oder -vereine, die den Ratgeber weiter verteilen, selbst die regionalen Adressen beifügen.

Fazit

Insgesamt ist die Broschüre des Frankfurter Fachhochschulverlages eine der wenigen für "NormalbürgerInnen" geeigneten Publikationen auf dem Markt. Sie will kein Patentrezept verkaufen, das nur noch unterschrieben werden muss, sondern ermuntert den Leser zur individuellen Formulierung seiner Wünsche. Bei der Benutzung juristischen Fachjargons wird Zurückhaltung geübt; dennoch sind die Empfehlungen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion.

Im Vorfeld von derartigen Entscheidungen über die persönliche Zukunft kann auch eine noch so gute Informationsschrift nicht das persönliche Gespräch mit vertrauten Personen oder professionellen HelferInnen ersetzen - aber vielleicht unterstützen? Die Verbreitung der Broschüre bei Betreuungsbehörden und -vereinen spricht jedenfalls für eine Eignung als Hilfsmittel in Beratungsgesprächen.

Hier ist bei dem Preis von EUR 4,10 (der sich bei Sammelbestellungen übrigens reduziert) wohl auch das Kundenpotenzial zu suchen. Ob die eigentliche Zielgruppe nicht billigere, wenn auch oft weniger aussagekräftige Ratgeber bzw. Musterblätter bevorzugt, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung, Qualität sowohl im Inhalt als auch in der Gestaltung anzubieten, ist auf jeden Fall zu begrüßen.


Rezension von
Dr. Peter Michael Hoffmann
freier Autor, Lehrbeauftragter Hochschule Düsseldorf
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Zitiervorschlag
Peter Michael Hoffmann. Rezension vom 01.05.2001 zu: Betreuungsstelle der Stadt Frankfurt am Main: Vorsorgevollmacht - Betreuungsverfügung. "Selbstbewusst die Zukunft gestalten, solange ich gesund bin". Mit Textbausteinen, Formularsatz und Vorsorgeausweis. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2002. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-931297-92-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/174.php, Datum des Zugriffs 24.02.2020.


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