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Hermann Ploppa: Die Macher hinter den Kulissen

Cover Hermann Ploppa: Die Macher hinter den Kulissen. Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern. Nomen (Frankfurt) 2014. 200 Seiten. ISBN 978-3-939816-22-5. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 21,90 sFr.
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Thema

Hermann Ploppa beschreibt die Einflussnahme US-amerikanischer Kreise auf Politik und Politiker in der Bundesrepublik. Detailliert zeichnet er die historische und aktuelle Entwicklung der Netzwerke nach, und er nennt dabei auch zahlreiche Namen. Für Ploppa stehen transatlantische Verbindungen stets im Zusammenhang mit marktradikalen Ideologien.

Autor

Der Autor ist Politologe und Publizist, der nach eigenen Angaben zahlreiche Artikel über „Eliten der USA“ veröffentlicht hat. Im Jahr 2009 machte er mit dem Buch „Hitlers Amerikanische Lehrer“ auf sich aufmerksam.

Aufbau

Das Buch beschäftigt sich zunächst mit der Entstehung von „Denkfabriken“ in den USA und ihre Verbreitung in der Gründungsphase der Bundesrepublik Deutschland. Zug um Zug wird der Auf- und spätere Ausbau der transatlantischen Netzwerke thematisiert. Hermann Ploppa versucht seine These zu belegen, dass politische Entscheidungsfindung zunehmend von den Bürgern und ihren gewählten Vertretern abgekoppelt und in die (transatlantischen) Einfluss-Vereinigungen sowie an „Runde Tische“ ausgegliedert wird.

Konkret gliedert sich das Werk in folgende Grund-Kapitel:

  • Ein rauer Wind weht von West
  • Es war einmal – und ist immer noch
  • Die Geburt des Neoliberalismus aus dem Corporate State
  • Runde Tische erobern die Welt
  • Die Atlantik-Brücke als Mutter als US-Netzwerke in Deutschland
  • Die gut erzogenen Kinder der Amerikaner
  • Deutschland fest in transatlantischer und marktradikaler Hand?
  • Neue Generation- Neue Herausforderungen
  • Zusammenschweißen, was nicht zusammenwachsen will
  • Was tun? Deutschland instandbesetzen!

Ergänzt wird das Werk durch ein kurzes Literaturverzeichnis und ein ausführliches Register.

Inhalt

Medien, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – in allen diesen gesellschaftlich wichtigen Bereichen arbeiten transatlantisch orientierten Eliten zusammen, berichtet Hermann Ploppa. In allen relevanten Parteien (bis hin zu Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke) stellt der Autor Verbindungen zu den entsprechenden, von marktradikaler US-Ideologie geprägten Zirkeln fest. Bei den Medien beobachtet er eine „Deutsche Mainstream-Presse“, die zu einer „Gleichschaltung“ der Berichterstattung in wesentlichen politischen Fragen durch führende Journalisten bei FAZ, SZ, Welt und Zeit führe.

Ausführlich werden die Gründungs- und Entwicklungsgeschichten der verschiedenen deutsch- bzw. europäisch-amerikanischen Organisationen referiert und beurteilt. Dabei vertritt der Autor unter anderem die Ansicht, die Entspannungs-Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) sei von transatlantischen Kreisen gesteuert worden.

Die Kooperation bei Konferenzen und in Gremien erzeuge insgesamt bei den Eliten eine Zusammengehörigkeit, ist die These von Hermann Ploppa. Es gehe im Kern darum, politische Entscheidungen gemeinsam durchzusetzen. Private und öffentliche Angelegenheiten würden dadurch zunehmend miteinander vermischt.

Als Beispiel für einen sollen neoliberalen Durchsetzungswillen beschreibt der Autor die Förderung von Sozialabbau durch die Bertelsmann Stiftung in Deutschland. Als „perfekte Umsetzung“ von Vorschlägen der Stiftung habe die damalige Bundesregierung die umstrittene „Agenda 2010“ durchgesetzt. Ploppa sieht das als Lobbyismus der „Runden Tische“, bei dem demokratisch nicht legitimierte „Fachleute“ wirtschaftsliberalen Einfluss ausüben.

Das sei auch bei der Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP zu beobachten, bei der gesellschaftliche Fragen wie Verbraucherrechte oder Umweltschutzstandards nicht thematisiert würden. Ploppa kritisiert auch den personellen Austausch zwischen Wirtschaft und Politik („Drehtüreffekt“) und das Phänomen des so genannten Interlocking Directorate, bei dem einzelne Personen in mehreren Aufsichtsräten und Gremien sitzen.

Ziel aller transatlantischen Zusammenschlüsse von Eliten in Deutschland und Europa sei eine grenzenlose Weltwirtschaft und eine „Diktatur des Neoliberalismus“. Es habe sich schon längst eine „Parallelstruktur zu den Staaten und den öffentlich-rechtlichen Strukturen gebildet, die in absehbarer Zeit die staatlichen Strukturen ablösen könnte“. Das zeige sich am Zurückdrängen öffentlicher Banken zu Gunsten privater Geldinstitute. Als politische Lösung für die Probleme, die transatlantische Einflussnahme in der Bundesrepublik mit sich bringen, bietet Hermann Ploppa die Erarbeitung eines Konzepts für eine „Wirtschaft ohne zwanghaftes Wachstum“ an.

Diskussion

Die Bestandsaufnahme von Hermann Ploppa liest sich überwiegend spannend, es sind viele Beispiele aus der Politik dokumentiert. Leider drängt der Autor seine selbst gezogenen Schlüsse allzu aufdringlich auf, wenn er in Bezug auf transatlantische Organisationen beispielsweise von einem „rasch weiter metastisierenden Netzwerk“ spricht. Auf die herabwürdigend überspitzte Sprache hätte er ruhig verzichten können, das hätte die Seriosität seines Buches noch erhöht. Spannend ist es, vor dem Hintergrund der Lektüre dieses Werkes eigene Beobachtungen auf der politischen Bühne anzustellen. So kann man die Äußerungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel in Wirtschaftskreisen, Deutschland sei „reich und hysterisch“, in einem neuen Licht sehen: Dem der transatlantischen Ideologie.

Fazit

Hermann Ploppas kritische Bestandsaufnahme liefert eine bedenkenswerte Interpretationsfolie für politisches Handeln nicht nur in der Bundesrepublik. Ganz gleich, wie man transatlantischen Ideen gegenüber steht, ist die Lektüre des Buches allein dank der penibel recherchierten und beschriebenen Vernetzung zum Teil bekannter ehemaliger und aktueller Eliten spannend.


Rezensent
Prof. Dr. Frank Überall
Medien- und Politikwissenschaftler an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft; www.politikinstitut.de
Homepage www.politikinstitut.de
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Zitiervorschlag
Frank Überall. Rezension vom 18.02.2015 zu: Hermann Ploppa: Die Macher hinter den Kulissen. Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern. Nomen (Frankfurt) 2014. ISBN 978-3-939816-22-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17446.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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