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Peter Möhring: Verbrecher, Bürger und das Unbewusste

Cover Peter Möhring: Verbrecher, Bürger und das Unbewusste. Kriminologie mit psychoanalytischem Blick. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2014. 209 Seiten. ISBN 978-3-8379-2356-8. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 32,90 sFr.
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Thema

Kriminalität ist Teil unserer Gesellschaft, die auf Straftaten mit Voyeurismus und Ausgrenzung der Täter reagiert. Der vorliegende Band bemüht sich um eine differenziertere Wahrnehmung des Phänomens Kriminalität, indem kriminologische, psychoanalytische und ethnopsychoanalytische Perspektiven zusammengeführt werden und so die unbewussten Zusammenhänge zwischen Individuum und Gesellschaft verbunden und deren Bedeutung für die Entstehung von Kriminalität erschlossen werden, wodurch ein neuartiger Ansatz für eine Kriminalitätstheorie entwickelt wird.

Autor

Peter Möhring, PD Dr. med. habil. M. A. ist Psychoanalytiker, Kriminologe, Lehranalytiker, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Privatdozent am Klinikum der Universität Gießen. Ehemals Vorsitzender des Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie Gießen und des Deutschen Berufsverbandes für Psychoanalytische Paar- und Familientherapie. Seit 1993 praktiziert er als Facharzt und Psychotherapeut in eigener Praxis in Wettenberg bei Gießen und befasst sich u. a. mit psychoanalytischer Kulturtheorie, forensisch-psychiatrischen Fragestellungen und Kriminologie.

Aufbau und Inhalte

Der Band erschließt in 14 Kapiteln die Beiträge der Psychoanalyse und sozialwissenschaftlichen Kriminologie zur Kriminalitätsentstehung und formuliert eine interdisziplinär ausgerichtete Kriminalitätstheorie, welche anhand konkreter Fallgeschichten illustriert wird. Abschließend werden Überlegungen zu therapeutischen Konsequenzen formuliert, die als Anwendung der hier vorgelegten Kriminalitätstheorie zu verstehen sind.

1. Einleitung. Der Umgang unserer Gesellschaft mit Kriminalität ist zwiespältig. Straftäter werden als Abweichende ausgegrenzt, gleichzeitig erfahren Mord und Totschlag eine faszinierte Aufmerksamkeit, als Blick auf das Böse im Anderen, der die Auseinandersetzung mit den eigenen destruktiven Anteilen abwehrt und verhindert. Möhring beschreibt diese gesellschaftliche Praxis als „kriminalitätspornografisches Befriedigungserlebnis“ (11), was letztlich Ausdruck der Tatsache ist, dass abweichendes Verhalten in jedem Menschen angelegt ist, möglich ist. Verbrecher benötigt unsere Gesellschaft um stellvertretend den Kampf um Regeln und Regelübertretung führen zu lassen und um die Frage zu klären, ob ein erfolgreiches Leben jenseits von Regeln möglich ist. Verantwortung und Schuld als gesellschaftliche Konstruktionen verhindern extreme Abweichung, gleichzeitig sind in den gesellschaftlichen Strukturen die Konflikte angelegt, die zu Abweichung führen. Diese beiden Perspektiven zusammen zu führen ist das Anliegen der vom Autor vorgelegten „Kriminologie mit psychoanalytischem Blick“.

2. Zu Konturen einer Zusammenschau. Das Kapitel benennt die für die folgenden Ausführungen relevanten Theoriebezüge: kriminologische Typenlehre, sozialwissenschaftlich-kriminologische Beiträge zur gesellschaftlichen Bedeutung individuell abweichend-straffälligen Verhaltens, psychoanalytische Theorien zur Persönlichkeit und zur sozialen Struktur der Delinquenz und des Strafens, der Beitrag der Bindungsforschung, ethnopsychoanalytische Überlegungen zur Beziehung von Psyche und Gesellschaft und biografieanalytische Aspekte, welche als individuelle Entwicklung in konkreten sozialen Bezügen (Familie) verstanden werden. Möhring reist die entsprechenden Theoriebezüge in diesem Kapitel lediglich an, als Kontur einer psychosozialen Kriminalitätstheorie, welche in den folgenden Abschnitten entwickelt wird.

3. Kriminologie und Psychoanalyse. Beide Wissenschaften beschäftigen sich mit der Struktur von Individuen und von Gesellschaften und ihrem Verhältnis zueinander. In dieser gemeinsamen Ausgangslage sieht Möhring eine Verbindung von sozialwissenschaftlicher Kriminologie und Psychoanalyse angelegt, deren jeweilige Theoriebestände er zusammen führen möchte. Unbewusste Konflikte in der Person und strukturelle Probleme in der Persönlichkeit führen zu konkretem Verhalten, unter Umständen zu abweichendem Verhalten und zu Kriminalität, die demnach ein Symptom für psychische Konflikte darstellt. Möhring erschließt diesen psychoanalytischen Basisansatz für die Kriminologie und zeichnet die Entwicklung kriminologisch relevanter Ansätze in der Psychoanalyse von Freud über Franz Alexander und Hugo Staub, bis hin zu aktuelleren Ansätzen bei Udo Rauchfleisch, Wolfgang Berner, Friedemann Pfäfflin oder Lorenz Böllinger nach, wobei die Ausführungen auch hier zunächst im konturenhaften bleiben. Aus eher sozialpsychologischer Perspektive nennt Möhring Zuschreibungsprozesse der Gesellschaft an „den Verbrecher“, der in seiner Rolle definiert und fixiert wird, wodurch wiederum unbewusste Anteile der Gesellschaft auf die Täterpersönlichkeit projiziert werden. Abschließend gibt Möhring einen Überblick zu aktuellen Bezugnahme der Psychoanalyse auf das Gebiet der Straffälligenarbeit, wobei es hier meist mit der Benennung der jeweiligen Literaturquellen (z. B. www.socialnet.de/rezensionen/5141.php) bleibt.

4. Neuere psychoanalytische Ansätze in der Kriminologie. Die im vorangegangenen Kapitel angerissenen neueren Publikationen werden in diesem Abschnitt ausführlicher dargestellt. Insbesondere ein umfassendes Werk zur psychodynamischen Psychotherapie bei Delinquenz (herausgegeben von Lackinger et al. 2008) erfährt hier Beachtung. Vertreten wird hier ein übertagunsfokussierter Ansatz, der insbesondere Bindungs- und Mentalisierungsprobleme berücksichtigt, bzw. diese als ursächlich für die Delinquenzentstehung, als Ausdruck einer Psychopathologie aufgreift. Dabei gilt in diesem Konzept der Grundgedanke, dass „der Delinquent [einen] für ihn unerträglichen und nicht assimilierbaren Selbstanteil [externalisiere], indem er die Reaktion des Staatsapparates aktiviere, was aus seiner Sicht einer projektiven Identifizierung entspreche“ (35). Delinquenz ist demnach Ausdruck einer destruktiven Objektbeziehung, die als vom Täter ausgehende Tat und als gesellschaftliche Reaktion (Bestrafung) darauf in zwei Richtungen aktiv ist. Als weitere wichtige Konzepte werden die Mentalisierungstheorie von Peter Fonagy und Überlegungen zur Deliktdynamik und psychischen Struktur von Fritz Lackinger eingeführt, zwei Konzepte die auf den Zusammenhang psychischer Merkmale und Delinquenz eingehen.

5. Kriminalität und Gewalt aus psychoanalytischer und soziologischer Perspektive. Möhring führt in diesem Abschnitt knapp in das psychoanalytische Aggressionskonzept und die Bindungstheorie ein. Aggression als angeborene Verhaltensoption müsse im sozialisatorischen Prozess „verlernt“ werden, wobei die Bindungsform (Bindungsbedürfnis und -sicherheit und -muster, Empathie) eines Menschen eine wesentliche Grundlage dafür schafft.

6. Kriminalität und Familie. Der Schwerpunkt des Kapitels liegt in der psychoanalytischen Familiendynamik und deren Bedeutung für die Kriminalitätsentstehung. Möhring führt in die Aspekte des Generationenkonflikts, familiäre Rollenzuweisungen, den Bindungsmodus, Differenzierung und Adaption ein und leitet daraus Überlegungen zur Kriminalitätsentstehung ab, was teilweise anhand von knappen Beispielen konkretisiert wird. Familie wird hier als „eigenständiger Wirkfaktor … auch als Gegenstand gesellschaftlicher Wirkung betrachtet, sie steht gewissermaßen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft … verbindet und verdichtet … Psychisches und Soziales“ (68). Mit Verweis auf die Münsteraner Jugendkriminalitätsstudie (aus dem Jahr 2000) werden Überlegungen zur Familienpathologie und der möglicherweise damit in Zusammenhang stehenden Entwicklung jugendlicher Kriminalitätsformen formuliert.

7. Das Verhältnis von Psychologie und Sozialwissenschaften. Viele Kriminalitätstheorien weisen Überlappungen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, etwa aus Soziologie, Psychologie und Medizin auf. Das Verhältnis von Psychoanalyse und Kriminologie sieht Möhring als „Spezialfall des Verhältnisses von Psychologie und Sozialwissenschaften“ (73) und wirbt für einen biopsychosozial integrierenden Ansatz, der die Beiträge der Bezugswissenschaften gewichtet und miteinander verbindet. Als Lösung für diese Aufgabe schlägt Möhring die Ethnopsychoanalyse als Verbindung von Psychoanalyse und Sozialwissenschaften vor, in deren Grundzüge in diesem Kapitel eingeführt wird. Möhring konzipiert die Ethnopsychoanalyse als Zusammenschau von „individuellen, inneren und gesellschaftlichen, äußeren Verhältnissen und richtet ihren Blick auf das Zusammenspiel von unbewussten Prozessen im Individuum und in der Gesellschaft“ (73).

8. Sozialwissenschaftliche Kriminalitätstheorien. Das Kapitel beansprucht nicht, einen Überblick sozialwissenschaftlicher Kriminalitätstheorien zu geben, sondern fokussiert auf die kriminologische Theorie der sozialen Kontrolle und der sozialen Bindung von Travis Hirschi, die Weiterentwicklung des Labeling-Ansatzes (etwa durch Fritz Sack in Deutschland) und vor allem Lebensweltorientierte Ansätze zur Kriminalitätsentstehung (genannt wird u. a. die Arbeit von Hess und Scheerer), welche gesellschaftliche Zuweisungsprozesse und individuelle Verarbeitungsmuster miteinander verbinden. Dieser Ansatz wird, unter Bezugnahme auf Lorenz Böllinger mit dem Konstrukt des „psychoanalytischen dialektischen Konstruktivismus“ (101) weiter ausformuliert, wobei auf vier Ebenen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die individuelle Konstruktion einer spezifischen sozialen Realität (als individuelle kognitive Leistung), unbewusste Anteile (des Individuums und des Kollektivs) und als vierte eigenständige Ebene die Verarbeitung der zuvor genannten Aspekte genannt werden. Kriminalität ist demnach ein Produkt individuell und gesellschaftlich konstruierter Realität, welche in Abhängigkeit der in diesen vier Kategorien wirkenden Kräfte steht. Dieses Konstrukt wird im weiteren Text anhand von sozial-individuellen Prozesses (z. B. Schuld, Ausgrenzung) vertieft und ausformuliert.

9. Abweichendes Verhalten aus psychoanalytischer Perspektive. Abweichendes Verhalten wird in der Psychoanalyse als Symptombildung, als Ausdruck einer Psychopathologie betrachtet. Möhring gibt in diesem Abschnitt einen knappen Überblick zur psychoanalytischen Theorie und zu entwicklungspsychologischen Prozessen, die Abweichungen des Individuums von einer Mehrheit begünstigen, bzw. bedingen.

10. Kriminelle Geschichten. Das zehnte Kapitel beinhaltet vier Fallvignetten, welche den Zusammenhang zwischen psychischen und sozialen, zwischen bewussten und unbewussten, strukturellen und zufälligen Faktoren bei Entstehung und Verlauf von Kriminalität darstellen. Die vier Kurzbiografien machen deutlich, dass es sich bei der Entstehung kriminellen Verhaltens um ein aufgeschichtetes Prozessgeschehen handelt, in dem eine Vielzahl von Einzelfaktoren aus unterschiedlichen Ebenen (Körper, Psyche, Soziales) miteinander in Berührung kommen und eine Entwicklung hin zur Delinquenz begründen (können), wodurch die Ausführungen aus der vorangestellten Kapitel am konkreten Fall noch einmal nachvollzogen werden können.

11. Psychoanalyse, Recht und Rechtspsychologie. Recht ist ein umfassend definierter (und zu definierender) Begriff, der jenseits definierter Normen den Aspekt des tatsächlich praktizierten Rechts, des Rechtsempfindens, die Bindung an rechtliche Normen etc. beinhaltet. Möhring fächert in diesem Kapitel den Beitrag der Psychoanalyse zum Verhältnis von gesellschaftlichem Recht und individueller Bindung an rechtlichen Normen auf, wobei er sich mit dem Autonomieaspekt (des Individuums) des Psychoanalytikers und Philosophen Cornelius Castoriadis und dem Komplex der Schuld und Schuldgefühle auseinandersetzt. Kriminalität ist demnach Ausdruck einer fehlenden Identität mit einem gesellschaftlichen System (und dessen als zu eng empfundenen Rechtsrahmens), oder Ausdruck eines persönlichen Egoismus, sich über eine gesellschaftliche Norm zu stellen und sich so einer gesellschaftlichen Verpflichtung zu entziehen. Schuld und Schuldgefühle werden in diesem Kontext als externe Zuschreibung und als Ausdruck der inneren Konflikte (zwischen Anpassungserwartung und inneren Bedürfnissen) definiert.

12. Zu wessen Nutzen? Möhring fragt in diesem Abschnitt nach dem Nutzen der bis dahin ausgeführten Überlegungen. Die Einführung der Dimension des Unbewussten als Zugangsmöglichkeit für die Kriminologie begreift der Autor hier vorwiegend auf praktischer Ebene, als Interventionsweg in der Auseinandersetzung mit Kriminalität und kriminellen Menschen. Er wirbt hier für ein psychodynamisches Psychotherapieverständnis und erweitert die Interventionsebene auf soziale Systeme, z. B. Familien (Psychoanalytische Familientherapie), oder Gefangenengruppen im Straf- und Maßregelvollzug (Sozialtherapie).

13. Eine praxistaugliche Kriminalitätstheorie?

Inwiefern taugen die komplexen, auch komplizierten (i. S. von nicht-einfachen) Überlegungen zu einer psychoanalytisch konnotierten Kriminologie in der Praxis? Ist eine angewandte „Kriminologie mit psychoanalytischem Blick“ überhaupt möglich, d. h. umsetzbar? Möhring beantwortet diese Frage folgendermaßen: „Unter keinen anderen Bedingungen wird der Blick so umfassend, wie wenn man den Gegenstand der Betrachtung als in einem Prozessgeschehen begriffen mittels Individualpsychologie, Objektbeziehungen und familiärer Dynamik sowie der sozialen und kulturellen Einbettung konzeptualisiert und dabei für jede dieser Ebenen einen umgreifenden negativ präsenten unbewussten Raum annimmt, aus dem Motive für Emotion, Handlung und Hemmung wirksam werden. Praxistauglich ist dies insofern, als es verspricht, die Fehlerquellen für mögliche Entscheidungen soweit es geht zu reduzieren“ (182). Der praktische Nutzen, und das führt Möhring hier aus, reicht vom Symptomverständnis, über die Unterscheidung und Kategorisierung von Tätern nach Persönlichkeits- und Deliktgruppen (mit erneutem Verweis zu Lackinger et al. 2008) bis schließlich hin zu therapeutischen Interventionsstrategien.

14. Ausblick. Im Schlusskapitel wird das Verständnis von Kriminalität, der Kampf gegen Kriminalität als eine gesellschaftliche Aufgabe konzeptualisiert. Deren Gelingen hängt davon ab, ob es möglich ist dem „Phänomen des Verbrechens wie der Person des Delinquenten mit verstehender Absicht entgegenzutreten“ (199) und Interventionen zu begründen, die den Täter nicht (weiter) ausschließen, sondern so weit wie möglich integrieren.

Zielgruppe

Lohnenswert für alle Berufsgruppen, die mit straffällig gewordenen Menschen arbeiten und die für den Beitrag der Psychoanalyse in diesem Feld offen sind, bzw. sich öffnen möchten; für vorangeschrittene Studierende der entsprechenden Studiengänge, die über Grundkenntnisse im Bereich Kriminologie und Psychoanalyse verfügen.

Diskussion

Die von Peter Möhring vorgelegte Kriminologie mit psychoanalytischem Blick führt die bislang weitgehend losen Enden sozialwissenschaftlicher Kriminologie und der Psychoanalyse zusammen. Dadurch entsteht eine mehrperspektivische Konzeption, ein differenziertes Kriminalitätsverständnis, dass dem Umstand gerecht wird, dass Kriminalität ein prozesshaftes, von sozialen und individuellen Aspekten bedingtes Geschehen ist. Dadurch erfährt die Weiterentwicklung integrativer Kriminologiedefinitonen einen wertvollen Beitrag, vor allem dadurch, dass unbewusste Kräfte der einzelnen Akteure, aber auch in der Gesellschaft benennbar gemacht werden und so einer Bearbeitung zugänglich gemacht werden. Es ist das Verdienst Peter Möhrings den Versuch gewagt zu haben perspektivisch stark unterschiedliche Theorien und Anwendungsbezüge miteinander in Bezug zu setzen und zu integrieren. Auch wenn die vielfältigen Bezugnahmen auf Theorien und Konzepte teilweise nur angerissen werden, ergibt sich aus der Lektüre ein guter Überblick zu den Chancen einer Integration von soziologischer Kriminologie, Psychoanalyse und Kulturtheorie und teilweise Philosophie. Die im Text enthaltenen Literaturhinweise ermöglichen Interessierten eine selbständige Vertiefung einzelner Aspekte. Beachtlich ist die sprachliche Leistung: Peter Möhring versteht es die komplexe Materie seines Werks so zu formulieren, dass auch fachlich wenig vorgebildete Leser profitieren werden. Die komplexen Theoriebestände werden in einem eigenen Kapitel durch exemplarische Fallvignetten ergänzt, wodurch die Übertragung der theoretischen Überlegungen in praktische Zusammenhänge ermöglicht wird und welche realen Chancen sich für die Behandlungsplanung daraus ergeben. Die von Peter Möhring vorgeschlagene psychoanalytische familien- und sozialtherapeutische Interventionsperspektive wird im vorliegenden Band lediglich angedeutet, wurde vom Autor allerdings an anderem Ort (Möhring & Neraal 2014) ausführlich vorgestellt; dort allerdings ohne Anwendungsbezüge für die Arbeit mit straffälligen Menschen.

Fazit

Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis des Phänomens Kriminalität. Der Autor hat ein Stück Pionierarbeit geleistet um die bislang nebeneinander stehenden Perspektiven aus Sozialwissenschaften und Psychoanalyse miteinander zu verbinden, womit ein wichtiger Schritt hin zu einer sozio-psycho-somatischen Kriminologie gemacht ist. Unbedingt Lesenswert!

Literatur

  • Lackinger, F.; Dammann, G. & Wittmann, B. (2008) (Hrsg.). Psychodynamische Psychotherapie bei Delinquenten. Stuttgart: Schattauer
  • Moring, P. & Neural, T. (2014) (Hg.). Psychoanalytisch orientierte Familien- und Sozialtherapie. Das Gießener Konzept in der Praxis. Gießen: Psychosozial-Verlag

Rezensent
Dr. phil. Gernot Hahn
Dipl. Sozialpädagoge (Univ.), Sozialtherapeut
Klinikum am Europakanal Erlangen Forensische Ambulanz
Homepage www.gernot-hahn.de
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Zitiervorschlag
Gernot Hahn. Rezension vom 07.01.2015 zu: Peter Möhring: Verbrecher, Bürger und das Unbewusste. Kriminologie mit psychoanalytischem Blick. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2014. ISBN 978-3-8379-2356-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17449.php, Datum des Zugriffs 17.10.2017.


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