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Insa Fooken, Robin Lohmann (Hrsg.): Puppe - Boneca - Doll

Cover Insa Fooken, Robin Lohmann (Hrsg.): Puppe - Boneca - Doll. Spielzeug, Frühpädagogik und gesellschaftliche Diskurse in Brasilien. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2013. 216 Seiten. ISBN 978-3-643-12174-5. 24,90 EUR.
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Thema

Hintergrund dieses Buches ist eine interkulturelle „Forschungs-Werkstatt“ und Projektarbeiten zwischen Deutschland und Brasilien zu pädagogisch-psychologischen Aspekten von Puppen und den Einsatzmöglichkeiten in der Pädagogik.

Herausgeberinnen und Autorinnen

Die Herausgeberinnen sind Insa Fooken, Professorin für Psychologie an der Universität Siegen, und Robin Lohmann, Englisch-Lektorin an der PH Karlsruhe.

Die drei Forschungsaufsätze aus Brasilien wurden verfasst von LeniVieira Dornelles, Professorin für Pädagogik,, Circe Mara Marques, Pädagogin und Theologin, und Fernanda Morais de Souza, Lehrerin für Vorschulkinder.

Aufbau

Alle Teile des Buches sind in Deutsch und Englisch in dem Buch enthalten.

Nach einer inhaltlichen Einleitung der Herausgeberinnen („Puppen – Dinge, Kinderspielzeug oder mehr?“) folgen drei Aufsätze zu den Themen „Spielzeug als eine Strategie zur Produktion kindlicher Körper“, „Puppen im pädagogischen Kontext der Früherziehung Lasst uns mit ‚anderen‘ Puppen spielen?“ und „Dialoge verknüpfen: Kinder und Puppen in Interaktion“.

Ein Fazit („Hilf mir zu sehen! Jenseits der Puppenoberfläche“) der Herausgeberinnen schließt das Buch ab. Zwischen den Aufsätzen veranschaulichen farbige Abbildungen den Inhalt.

Inhalt

In der Einleitung wird die besondere Bedeutung von Puppen als Objekte der Kindheit und deren Rolle im Beziehungsverhältnis zwischen Selbst, anderen Menschen und kulturellen Rahmenbedingungen herausgearbeitet. Es werden die wesentlichen Ergebnisse der (internationalen) Puppenforschung vorgestellt.

Der erste Aufsatz – Puppen: Eine Strategie zur Konstruktion kindlicher Körper – ist inhaltlich in zwei Teile gegliedert. Aus soziologischer Perspektive wird die gesellschaftliche Funktion von Puppen als Medium der Beeinflussung und als Möglichkeit der Produktion spezifischer „Wahrheiten“ betrachtet. Die Darstellung des Körpers durch eine Puppe – am Beispiel Barbie: weiß, schlank, blond – bietet die Möglichkeit der Lenkung von außen, die dann in eine neue Form der Selbstkontrolle übergehen kann.

Im zweiten Teil wird als Kontrast der Frage von Puppen mit schwarzer Subjektivität nachgegangen und mit den pädagogischen Möglichkeiten verknüpft, wie Wissen über Rasse und Ethnizität bei der Konstituierung „schwarzer Kindheiten“ verdeutlicht werden können.

Der zweite Aufsatz vertieft diesen letzten Aspekt und stellt sich der Frage, ob in der Früherziehung „andere“ Puppen genutzt werden sollten. Inhaltlich stützt sich dieser Beitrag auf Praxiserfahrungen in der Lehrerausbildung in Brasilien und hat als theoretischen Hintergrundrahmen Forschungserkenntnisse aus der Soziologie der Kindheit, die zu Beginn kurz skizziert werden. Die Überschriften der Abschnitte verdeutlichen den Inhalt: der Auftritt der weiblichen Puppe. Zur Subjektivierung des (weiblichen) Kindes, „Meine eigene Puppe“ – Puppen in der Erinnerung von Lehrerinnen und im Unterricht, Die „anderen“ Puppen: Hilf mir zu sehen! In diesem letzten Abschnitt werden die Möglichkeiten vorgestellt, die der Einsatz von „anderen“, abweichenden Puppen im Unterricht darstellt. Der Inhalt wird durch eigene Beispiele aus der Praxis und durch verschiedene Fotos konkretisiert. Das Fazit verweist auf die Chancen einer inklusiven Pädagogik.

„Dialoge verknüpfen: Kinder und Puppen in Interaktion“ ist die Überschrift des dritten Aufsatzes. Der inhaltliche Kern basiert auf der Forschungsfrage „wie sich Kinder beim Spielen mit Konzepten von Körper, Rasse und Geschlecht auseinandersetzen.“ Im Blick sind Aussagen und Kommentare von Kindern beim Spielen mit verschiedenen Puppen. Um sich dieser Frage nähern zu können, wurde ein „magischer Puppenkoffer“ angefertigt, der unterschiedlichste Puppen enthielt und der an Grundschulen mit 38 Kindern erprobt werden konnte. Die Ergebnisse, welche Körperkonzepte Kinder äußern, werden anschließend von der Autorin dargestellt. Weitere Abschnitte des Aufsatzes thematisieren die „Geburt“ und Etablierung der Barbie-Puppe, die Hautfarbe der Puppen-Körper, den Aspekt weiblicher und männlicher Puppen.

Im Fazit der Herausgeberinnen am Ende des Buches werden alle drei Aufsätze aus ihrer Sicht vertieft und reflektiert.

Diskussion

Der etwas inhaltsarme Titel irritiert zunächst, macht aber gleichzeitig neugierig. Die Neugier wird durch den Inhalt belohnt. Die Herausgeberinnen betonen anfangs den Charakter einer Forschungswerkstatt des vorgelegten Projektes. Dies hat seinen besonderen Charme, da spezifische Ansätze besonders in den Blick genommen werden und damit den Leser anregen, weitere Ideen und Ansätze selbst zu entwickeln. Die Besonderheiten dieses Buches sind noch erheblich weitreichender. Die Vielschichtigkeit des Objektes Puppe verblüfft, da durch die Aufsätze die interkulturelle und historische Bedeutung, die Möglichkeiten gesellschaftlicher Beeinflussung von Kindern, die Etablierung von Rollenbildern und Werten, aber auch die Entwicklungsmöglichkeiten für Kindern durch den kreativen Einsatz „anderer“ Puppen nachvollziehbar veranschaulicht werden. Durch den konkreten Praxisbezug und durch die anspruchsvolle Bebilderung wird das Thema gerade für Leser, die sich damit noch nicht beschäftigt hatten, eindrucksvoll verständlich. Zusätzlich interessant sind die Texte und Forschungsideen für den deutschen Leser, da diese im brasilianischen Kontext entstanden sind und dadurch nochmals eine neue Blickrichtung auf das Thema ermöglichen.

Fazit

Das Buch ist interessant für pädagogische Fachkräfte, die sich insbesondere mit den Themen Spiel und Spielzeug beschäftigen oder auch für Erzieherinnen/ Erzieher im Vorschulbereich bzw. Lehrer/ Lehrerinnen im Grundschulbereich. Da die Thematik Puppe auch für die Aspekte Werte- und Rollenvermittlung, kulturelle und gesellschaftliche Wirkmechanismen Bedeutung besitzt, ist das Buch auch für soziologisch interessierte Leser ein Gewinn.


Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 02.12.2014 zu: Insa Fooken, Robin Lohmann (Hrsg.): Puppe - Boneca - Doll. Spielzeug, Frühpädagogik und gesellschaftliche Diskurse in Brasilien. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2013. ISBN 978-3-643-12174-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17452.php, Datum des Zugriffs 24.02.2020.


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