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Regina Richter: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement

Cover Regina Richter: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement. 25 Praxisbeispiele. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2014. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. 254 Seiten. ISBN 978-3-7639-5405-6. 29,90 EUR.
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Thema

In diesem Buch werden Theorie und beispielhaft erläuterte Praxis des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) dargestellt und anschaulich verzahnt. Dessen Ziel ist, erkrankte Arbeitnehmer bei ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess durch veränderte Arbeitsbedingungen zu unterstützen und damit deren Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern. Über vielfache Anregungen auch für eventuell betroffene Arbeitnehmer zur Initiierung und vor allem Gestaltung dieses Prozesses führt es gleichsam zu einem handlungsorientierten Leitfaden für BEM-Verantwortliche in Betrieben (Personalverantwortliche und Betriebsräte) und Sozialversicherungen sowie gegebenenfalls anderen Kooperationspartnern.

Herausgeberin, Autorinnen und Autor

Die ausgebildete Erwachsenenbildnerin sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin Dr. Regina Richter arbeitet seit 1997 im Bereich der Personalentwicklung, seit 1981 als selbstständige Unternehmerin. Sie ist auch Herausgeberin dieses Buches.

Als Mitautoren haben ihr Wissen einfließen lassen: Edeltrud Habib (u. a. Betriebsrätin und Schwerbehindertenvertreterin), Peter R. Horak (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler) und Dipl.-Psych. Ina Riechert (Psychotherapeutin und Disability-Managerin in Hamburg).

Entstehungshintergrund

ist das seit 2004 im Sozialgesetzbuch IX geregelte BEM als gesetzliche Aufgabe des Arbeitgebers, dessen Verfahren in der Praxis „sehr unterschiedlich durchgeführt wird“ (20) und problemhaltig ist, was in diesem Buch dargelegt wird.

Aufbau

Nach zwei Vorworten und Danksagungen ist das Buch in drei Hauptteile gegliedert, die im Inhaltsverzeichnis u. a. wie folgt ausdifferenziert werden:

1. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement in der Praxis – Grundlagen (10 ff.)

  • Das BEM leben und als Chance verstehen
  • Das BEM-Verfahren
  • BEM-Gespräche und Datenschutz
  • Dokumentation und Evaluation
  • Fördermöglichkeiten und unterstützende Institutionen

2. Jeder Fall ist anders: 25 Beispiele (63 ff.)

  • Fallübersicht
  • Psychische Beeinträchtigungen
  • Begleitende Hilfen
  • Finanzielle Absicherung
  • Umschulung, Arbeitsplatzwechsel
  • Arbeitsplatzgestaltung und -organisation

3. Infos und Handreichungen für die Praxis (201 ff.)

  • Rechtliche Grundlagen
  • Leitfaden und Checkliste für Gespräche
  • Muster für Schreiben

Literaturhinweise sowie Angaben zu Autorinnen und Autor

Inhalt

Im ersten Hauptteil werden vor allem teils komplizierte Rechtsfragen zum BEM-Verfahren in der Praxis aufgrund der jahrelangen Erfahrungen des Autorenteams erläutert und geklärt: z. B.: Wer sind die Beteiligten und welche Aufgaben haben sie (20 ff.)? Wie ist der Datenschutz geregelt (27 ff.)? Wie erfolgt die mündliche und schriftliche Kommunikation (38 ff.)? Ausführlich werden unterstützende Institutionen und deren Förderungsmöglichkeiten dargestellt (44 ff.). Wie kann die Wiedereingliederung nach längerer Arbeitsunfähigkeit erfolgen (50 ff.)? Wie werden die neuen Unfallverhütungsvorschriften nach dem Arbeitssicherheitsgesetz ab Januar 2001 konkretisiert (57 ff.)?

Im zweiten Hauptteil werden 25 Praxisbeispiele „aus der Sicht handelnder Akteure im BEM“ dargestellt, gebündelt zu Themenschwerpunkten:

  • psychische Beeinträchtigungen durch Überforderung, mit medizinischer Rehabilitation sowie einer stufenweisen Wiedereingliederung (65 ff.);
  • begleitende Hilfen im Arbeitsleben durch Umgestaltung des Arbeitsplatzes, durch Integrationsfachdienste, durch technische Arbeitshilfen und Arbeitsassistenz, durch „Coaching im Job“, durch Minderleistungsausgleich, durch Arbeitsplatzwechsel (81 ff.);
  • finanzielle Absicherung durch z. B. Kraftfahrzeughilfe, bei Verdacht einer Berufskrankheit, bei gescheiterter Wiedereingliederung, durch eine Erwerbsunfähigkeitsrente (114 ff.);
  • Umschulung, Qualifikation, Arbeitsplatzwechsel mit sechs „neuen Perspektiven“ bei Hörbehinderung, durch Betriebsärzte, bei auslaufendem Krankengeld, Umschulung, Arbeitsplatzwechsel oder flexible Arbeitszeit (139 ff.);
  • Arbeitsplatzgestaltung und -organisation mit fünf Lösungen zum besseren Arbeiten z. B. bei einem Arbeitsunfall und der Rolle der Berufsgenossenschaft (170 ff.).

Der dritte Hauptteil enthält neben Literatur- und Autorenangaben Infos und Handreichungen für die Praxis:

  • die rechtlichen Grundlagen nach den Sozialgesetzbüchern im Wortlaut sowie (auch) auszugsweise die Kraftfahrzeughilfe-VO, das Gesetz über Betriebsräte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (202 ff.);
  • einen Leitfaden für Präventions- oder BEM-Gespräche sowie eine Checkliste für BEM-Gespräche mit Musterschreiben u. a. für Einladungen und die Datenschutzerklärung (238 ff.).

Diskussion

  1. An den BEM-Gesprächen mit dem/der betroffenen Beschäftigten nehmen mehrere Personen teil. Durch das Buch ist als ein „roter Faden“ die Bedeutung des gegenseitigen Vertrauens aller Beteiligten erkennbar (und wird auch in den Beispielen deutlich). Wie wird verfahren, wenn Vertrauensverhältnisse gestört sind?
  2. Ist es so selbstverständlich (wie hier u. a. in einem Beispiel erläutert, S. 201), dass der Arbeitgeber die Kosten für das „Coaching im Job“ übernimmt?
  3. Muss es wirklich erst zu einem BEM-Verfahren kommen (z. B. S. 170 ff.), um Arbeitsplatzmängel zu beseitigen, die zu „vielen und langen Krankheiten“ führen?

Fazit

In drucktechnisch und farblich hervorragender Gestaltung, „Wesentliches“ besonders hervorhebend, wird das differenzierte und teils komplizierte Thema in diesem Buch bearbeitet sowie strukturiert und verständlich dargestellt. Es hilft, Arbeitsbedingungen zu verbessern sowie körperlich und psychisch beeinträchtigten Arbeitnehmern die Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle potenziellen „Betroffenen“ und verfahrensmäßig zu Beteiligende am betrieblichen Eingliederungsmanagement.


Rezensent
Dipl.-Hdl. Dr. phil. Klaus Halfpap
Ltd. Regierungsschuldirektor a. D.


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Zitiervorschlag
Klaus Halfpap. Rezension vom 27.02.2015 zu: Regina Richter: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement. 25 Praxisbeispiele. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2014. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-7639-5405-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17462.php, Datum des Zugriffs 29.07.2017.


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