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Constanze Klotz: Vom Versuch, Kreativität in der Stadt zu planen

Cover Constanze Klotz: Vom Versuch, Kreativität in der Stadt zu planen. Die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg. transcript (Bielefeld) 2014. 362 Seiten. ISBN 978-3-8376-2701-5. D: 34,99 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Kann Planung kreativ sein? Sind doch Pläne eher die Umsetzung von kreativen Ideen der städtebaulichen und sozialräumlichen Gestaltung oder der Stadtentwicklung. Mit dem Begriff der strategischen Kreativitätsplanung wird Kreativität selbst zum Gegenstand der Planung. Nicht eine „abstruse“ Idee oder eine realistische Vorstellung, wie es sein kann, wird mit Planung umgesetzt, sondern die Planung selbst ist kreativ.

Die Frage ist dann auch, wer kreativ sein darf. Der Planer, der Politiker, die Bevölkerung mit ihrer Art, Räume zu besetzen und sich anzueignen. Ist Urban Gardening oder die essbare Stadt schon Ausdruck einer Kreativität, die sich durchgesetzt hat oder ist damit „nur“ gemeint, dass man ein Instrument der Planung hat, das ermöglicht, über die üblichen planerischen Vorstellungen hinaus zu gehen?

Autorin

Dr. Constanze Klotz ist Kulturwissenschaftlerin und arbeitete als Projektmanagerin für das Programm „Kreatives Quartier Elbinsel“ bei der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg.

Aufbau

Nach einer Einführung gliedert sich das Buch in fünf große Kapitel:

  1. Strategische Kreativplanung der Stadt
  2. Die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg
  3. Das Forschungsdesign
  4. Analyseergebnisse
  5. Strategische Kreativplanung als Urban Governance?

Zur Einführung

In ihrer Einführung erläutert die Autorin die Intention und Zielsetzung ihrer Studie, sowie die Vorgehensweise und den theoretischen Rahmen. Und sie begründet ihre kritische Distanz zu der Frage, ob Kreativität planbar ist.

Danach stellt sie kurz die jeweiligen Kapitel ihrer Arbeit vor.

Zu 1. Strategische Kreativplanung der Stadt

Die Autorin setzt sich zunächst mit dem Kreativitätsbegriff auseinander und setzt den Begriff ins Verhältnis zur Stadt und den damit verbundenen Veränderungen des Kreativitätsverständnisses. Zunächst auch verbunden mit der Raumdebatte, wird Kreativität zunächst auch Gradmesser für die Lebensqualität in lokalen Lebens- und Kommunikationszusammenhängen.

Im weiteren Verlauf diskutiert C. Klotz die urbane Dimension von Kultur- und Kreativwirtschaft. Stadtentwicklungspolitik setzt auf die Ressource Kreativität als Bestandteil der Stadtentwicklung, zumal in der Kultur- und Kreativwirtschaft räumliche Nähe eine größere Rolle spielt als anderswo. Und Lokalität und sozialräumliche Verortung im urbanen Raum sind konstitutiv für Kreativität. Daneben spielen Heterogenität und kulturelle Vielfalt, sowie Dichte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Kreativstrukturen.

Die Autorin belegt diese Überlegungen mit der Literatur und einschlägigen Studien.

Weiter geht es um kreativitätsbasierte Ansätze im urbanen Raum. Es gibt einen Zusammenhäng zwischen der wirtschaftlichen Prosperität einer Stadt und den urbanen Lebensqualitäten, die auch die Wohnstandortentscheidungen einer „creative class“ (R. Florida) bestimmen. Die Autorin setzt sich dabei kritisch mit der Theorie der creative class auseinander. Ebenso formuliert sie eine Kritik des Konzepts der „Creative City“ (Landry).

Es gibt kreative urbane Milieus, die lokal gebunden und sozialräumlich verankert, die kreative Aneignung von Räumen ermöglichen – auch wenn damit ökonomische oder politische Bedürfnisse befriedigt und Interessen realisiert werden können.

Es geht dann noch einmal um die Transformation des Kreativitätsbegriffs, einmal vom personengebundenen Verständnis zum Wirtschaftsfaktor, dann geht es um Kreativität als Stadtentwicklungsinstrument und als gesellschaftlicher Imperativ.

Kann Kreativität geplant werden? Hier geht es um den Begriff der strategischen Kreativplanung. Beginnend mit dem Begriff der strategischen Planung und der „strategic shift“ in der Planungstheorie analysiert die Autorin strategische Maßnahmen in der Raum- und Stadtplanung und kommt dann zu einer Definition einer strategischen Kreativplanung.

Wesentlich ist das Verständnis von Planung als Aushandlungs- und Verständigungsprozess, der sich von hierarchischen Strukturen löst und so steht die Frage der Governance als zentrale Frage im Raum. Diese Frage wird ausführlich erörtert.

Der theoretische Bezugsrahmen ist die Cultural Theory. Dieser Ansatz ermöglicht einmal die Beantwortung der Frage nach den Kontrollmechanismen, die zur Ausbildung strategischer Planungsansätze auf der Seite der Stadt führen; zum anderen werden Entwicklungsansätze von unterschiedlichen Akteuren nachvollziehbar, die im Zusammenhang mit kreativer Planung auftreten. Dieser Ansatz wird ausführlich vorgestellt und auf seine Anwendung auf die strategische Kreativitätsplanung hin geprüft.

Daraufhin werden Beispiele der Planungspraxis vorgestellt: Rein- und Hypridformen.

Dabei ist die kulturelle Festivalisierung der Stadtpolitik hervorzuheben, wird doch die IBA Hamburg später dort auch eingeordnet werden. Es werden internationale Beispiele dafür herangezogen, auch die Kulturhauptstadt Europas, in Deutschland Ruhr2000.

Das Format der IBA Hamburg wird verdeutlicht. Internationale Bauausstellungen waren immer schon Entwicklungs- und Forschungslabore und galten als besonderes Markenzeichen der Planungskultur. Sie transformierten zu einem „Instrument der Herstellung städtischer und regionaler Identität“ (Günther/Prossek). Weiter argumentiert C. Klotz mit unterschiedlichen Ansätzen und Modellen wie einer kreativen Cluster-Politik und erörtert eine Typologisierung kreativer Cluster, sowie eine Typologisierung kreativer urbaner Milieus.

Die Autorin kommt dann zur Kritik der Kreativplanung. Zuerst geht es ihr um die Kommodifizierung als Image- und Vermarktungsstrategie, dann geht es um das gesellschaftliche Leitmotiv vs. Mystifizierung und um gesamtgesellschaftliche und raumpolitische Konsequenzen. In ihrem abschließenden Ausblick diskutiert C. Klotz kulturelle Homogenisierung vs. Differenzierung.

Zu 2. Die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg

In diesem Kapitel wird die IBA Hamburg als ein Ansatz einer strategischen Kreativplanung vorgestellt, die auch der Rahmen für den projektbezogenen Untersuchungsgegenstand darstellt.

Zunächst wird über die Genese der IBA Hamburg berichtet. Über die politischen Beschlüsse hinaus geht es um den stadtentwicklungspolitischen Entstehungskontext. Denn die IBA Hamburg war Ergebnis und Instrument des struktur- und stadtentwicklungspolitischen Gesamtkonzepts „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“. Dies wird ausführlich entfaltet, ebenso wie das Leitprojekt „Sprung über die Elbe“, das modellhaft für das Wachstumsstreben der Stadt Hamburg dargestellt wird.

Sodann wird der kulturpolitische Entstehungskontext diskutiert. Unter dem Label „Kulturmetropole Hamburg“ und „Metropole des Wissens“ wurde das kulturpolitische Konzept geführt. Dabei war die Entstehung dieses Konzepts nicht unumstritten, regte sich doch künstlerisch-kultureller Widerstand.

Dann werden Projekte vorgestellt wie „Die Elbinsel: die Stadtteile Wilhelmsburg und Veddel“. Dieses Projekt wird ausführlich erörtert, die Sozialstruktur und die Lage der beiden Stadtteile werden analysiert und die entwicklungspolitische und allgemeinpolitische Beziehung zur Stadt werden ausführlich erörtert.

Es geht dann um die Leitthemen der IBA Hamburg wie die von der IBA Hamburg proklamierte Zielstellung „Die Zukunft der Stadt im 21. Jahrhundert gestalten“. Diese Zielstellung wurde ausdifferenziert in drei Leitthemen:

  • „Kosmopolis: Neue Chancen für die Stadt,
  • Metrozonen: Neue Räume für die Stadt und
  • Stadt im Klimawandel: Neue Energien für die Stadt“.

Anschließend diskutiert die Autorin die IBA und ihre Stellung zwischen Eigenständigkeit und Abhängigkeit

Was macht die strategische Kreativplanung der IBA Hamburg aus? Diese Frage diskutiert C. Klotz am Beispiel des Projektes „Kreatives Quartier Elbinsel“, das zugleich Untersuchungsgegenstand ist, und am Leitthema Kosmopolis. Ausführlich wird dabei noch einmal die Geschichte der Entstehung der IBA nachgezeichnet. Dabei wird auf die Programmatik und die Handlungsansätze des „Kreativen Quartiers“ ausführlich eingegangen, der Handlungsansatz „Räume für die Kunst“, der Ansatz „Kreative Ökonomien“ und der Ansatz der „Projekte kultureller Vielfalt“ werden ausführlich erörtert, um dann auf jeweils konkrete Schritte, Veranstaltungen u. ä. m. einzugehen.

Zu 3. Das Forschungsdesign

Hier wird das qualitative Forschungsdesign zur Analyse strategischer Kreativplanung vorgestellt.

Zunächst geht es um die leitenden Forschungsfragen, die sich an der Cultural Theory orientieren, aber im Zusammenhang mit der planenden Praxis noch nie diskutiert wurden.

  1. Welche Ansätze einer strategischen Kreativplanung sind im Kontext der IBA Hamburg vorherrschend?
  2. Welches Kreativitäts- und Planungsverständnis zeichnet sich in den Maßnahmen der IBA Hamburg ab? Welche Ziele sind damit verbunden?
  3. Wie gestaltet sich die Umsetzung im Rahmen der IBA Hamburg?
  4. Was sind Konsequenzen der praktizierten strategischen Kreativplanung auf der Hamburger Elbinsel?
  5. Welche Interventionsmöglichkeiten sind aus stadtentwicklungspolitischer Sicht für das Steuerungsparadoxon ‚Kreativität‘ erkennbar?

Die Autorin beschreibt dann die Methode der qualitativen Datenerhebung. Die Studie ist im Feld der qualitativ-interpretativen Sozialforschung verankert: es geht um das Verstehen des zu untersuchenden Phänomens. Dabei begreift die Autorin die IBA Hamburg als Einzelfall, der in einer Fallstudie analysiert wird, die über verschiedene Techniken erfolgen kann. C. Klotz hat sich für Experteninterviews entschieden, wobei Experten Personen sind, die über ein Spezialwissen verfügen oder die in einer Position sind, die aufgrund der geforderten Fachlichkeit und Professionalisierung erwarten lassen, dass sie Entscheidendes zum Forschungsgegenstand beitragen können.

Die Zusammensetzung der Experten folgt nach Bereichen, wie Stadtplanung, Wissenschaft, Kulturmanagement, Verwaltung, Kulturakteure, Lokale Akteure Wilhelmsburg.

Der Interviewerleitfaden wird vorgestellt und die Leitfragen werden dokumentiert. Es sind Fragen zur Praxis zur strategischen Kreativplanung der Stadt und der IBA Hamburg, Fragen zu den Auswirkungen einer strategischen Kreativplanung am Beispiel der IBA Hamburg und allgemeine Fragen.

Zum Schluss werden dann noch Anmerkungen zum qualitativen Analyseverfahren gemacht.

Zu 4. Analyseergebnisse

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse dargestellt. Zunächst geht es um den Wirkungszusammenhang von Kreativität und Stadt, um dann das Kreativitäts- und Planungsverständnis der postulierten Praxis zu eruieren und das damit verbunden Verständnis von Governance zu ermitteln und identifizierbare Interdependenzen mit anderen Kulturen auf der Basis der Cultural Theory zu erforschen.

Der Zusammenhang von Kreativität und Stadt ist geprägt von einem nicht eindeutigen Kreativitätsbegriff. So wird der Begriff in Verbindung von Kreativität und Urbanität eher als Ergebnis von Interaktionsprozessen identifiziert. Auch die Akteure werden in Verbindung mit Kreativität als handelnde Individuen begriffen und nicht so sehr in physischen Strukturen eingebunden verstanden.

In gleicher Weise wird Kreativität als Wirtschafts- und Stadtentwicklungsfaktor gesehen. Ökonomisch und unternehmerisch handelnde Akteure konstituieren die Stadt.

Das Verhältnis von Kreativität und Planung lässt sich insgesamt dadurch charakterisieren, dass der Kreativität ein anderes Verständnis unterlegt wird als der Planung. Beides hat nichts mit einander zu tun und erfordert auch ein anderes Planungsverständnis.

Die Autorin diskutiert dies auch noch einmal im Zusammenhang mit den Governanceformen. Es geht um die Frage, wie sich Kreativitätsprozesse steuern lassen und welche Voraussetzungen dafür geschaffen sein sollten. Dabei werden die Infrastruktur, die Kontextsteuerung, das Intermediäre, die Schutzmechanismen und die Erweiterung der Denkkultur angesprochen und die Bedingungen der Realisierung diskutiert.

Anschließend werden Bezüge zur Cultural Theory hergestellt. Dabei wurde das für diesen theoretischen Ansatz charakteristische Vier-Kulturen-Modell benutzt, das davon ausgeht, dass die Gesamtgesellschaft durch vier Kulturen gekennzeichnet ist. Allerdings wird der Kreativitätsansatz nur auf eine der vier Kulturen angewandt. Es geht im Folgenden dann um die Frage von Reaktionsvermögen und Rückkoppelung. Hier geht es um die Frage wie auf Veränderungen durch ungeplante Kreativität reagiert wird und welche Rückkoppelungswege beschritten werden. Dabei geht es auch um ein dialektisches Verhältnis von hierarchischer und egalitärer Kultur und um die Dialogbereitschaft und Ergebnisoffenheit, die die Akteure einfordern; es geht um gegenseitigen Respekt.

Ging es bisher um die strategische Kreativplanung in der Stadt, geht es im Folgenden um die strategische Kreativplanung der IBA Hamburg.

Bezogen auf die Elbinsel und auf den mit sozialen Problemlagen behafteten Stadtteil Wilhelmsburg schreiben viele Experten der Kreativplanung eine integrative Wirkung zu. Damit werden dann auch gesellschaftspolitische Ziele verbunden, das kulturelle Potential einer kulturell heterogenen Bewohnerschaft für integrative Ziele zu mobilisieren. Darüber hinaus sehen viele Experten auch das wirtschafts- und stadtentwicklungspolitische Ziel in der Förderung schöpferischer Potentiale, die auch geeignet sind, Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.

Das Planungs- und Kreativitätsverständnis ist sehr vielschichtig, was auch in den Expertenmeinungen zu Tage tritt. Dies wird auch in den Ansätzen zur Planungspraxis deutlich. Die Akteure lassen sich nicht unkompliziert einbinden, was auch in der Umsetzung deutlich wird.

Die Autorin macht dies an „Räumen für die Kunst“ fest wie auch an „Kunst macht Arbeit“, an der „Kunstplattform der IBA Hamburg“ oder an „Projekten der kulturellen Vielfalt“. Alle vier Ansätze werden dann noch einmal verglichen.

Was die Governaceformen angeht, diskutiert die Autorin ausführlich Top-Down-Ansätze, die Infrastruktur, das Intermediäre, die Clusterpolitik und die Kontextsteuerung, um dann auf die Konsequenzen einzugehen.

Einmal geht es um die Frage, ob sich Ansätze einer urbanen Kreativitätspolitik der IBA Hamburg bemerkbar machten. Dabei wird sowohl auf die Außenwirkung in der Einschätzung der Elbinsel hingewiesen als auch auf die Binnenwirkung dort selbst.

Weiter wird diskutiert, welche Folgeeffekte kausal mit der Kreativitätspolitik verbunden werden können und was nicht und was eher zur integrativen Vernetzung beigetragen hat und was konfligierend wirkte. Zum Schluss geht es um die Frage der Übertragbarkeit und Modellhaftigkeit dieses Ansatzes.

Zu 5. Strategische Kreativplanung als Urban Governance?

In ihrem abschließenden Kapitel resümiert die Autorin mit der in der Überschrift verdeutlichten Frage ihre Forschungsergebnisse.

Als Einzelfall wurde die IBA Hamburg einer Fallanalyse unterzogen, wobei vielleicht auch die Hoffnung damit verbunden war, dass der Fall einer internationalen Bauausstellung der strategischen Kreativplanung eher den Boden bereitet, als den eingefahrenen und institutionalisierten Formen der Planung einer Stadt. Die Anlehnung an die Cultural Theory bot die Möglichkeit, die unterschiedlichen Kulturen einer hierarchischen, individualistischen, fatalistischen und egalitären Planung unter einander in Verbindung zu bringen und die einer hierarchischen Planung inhärenten Merkmale der Stadt ins Verhältnis zu setzen zu der individualistischen und egalitären Kultur. Dies wird noch einmal ausführlich beschrieben und in einem Modell verdeutlicht.

Weiter werden die Ergebnisse noch einmal reflektiert vor dem Hintergrund des jeweiligen Kreativitäts- und Planungsverständnisses der mit dem Projekt „Kreatives Quartier Elbinsel“ befassten Akteure.

Governanceansätze wollen ja in die Gestaltung der sozialräumlichen Bedingungen des Lebens andere Akteure miteinziehen; damit ist die Frage verbunden, was eine strategische Kreativplanung einer Stadt zu leisten imstande und bereit ist, um andere Akteure in Aushandlungsprozesse einzubinden. Die Autorin macht entlang der Aspekte Infrastruktur, Kontextsteuerung, das Intermediäre, Schutzmechanismen und Ergebnisoffenheit einiges aus, was hierarchische Planung der Stadt leisten kann, um anderen Ansätzen den Weg zu bereiten.

Dazu bot die IBA Hamburg ein Experimentierfeld, wo deutlich wurde, wie eine solche strategische Kreativplanung ein Beitrag zur Urban Governance werden kann. Das setzt auch ein flexibleres Verständnis von Partizipation voraus, das nicht nur Teilhabe am Nutzen von Entscheidungen bedeutet, sondern aktive Beeinflussung von Entscheidungs- und Verfahrensprozessen auf Augenhöhe signalisiert. Alles dies wird ausführlich und engagiert diskutiert und endet mit einem kurzen Forschungsausblick, in dem kurz Anknüpfungspunkte für weitere Fragestellungen und für die Weiterentwicklung der Cultural Theory genannt werden.

Diskussion

Die Arbeit diskutiert am Beispiel der IBA Hamburg eine Frage, die angesichts der überall geführten Diskussion um die Beteiligung der unterschiedlichsten Akteure an Großprojekten einen weiteren Aspekt berücksichtigt: den der kreativen Gestaltung von Lebensverhältnissen durch Planung. Was können und dürfen die anderen, die Bewohnerinnen und Bewohner als Experten der sozialräumlichen Bedingungen ihrer Alltagsbewältigung einbringen, was zugleich auch planbar und steuerbar ist?

Und kann eigentlich alles geplant und gesteuert werden und wie gehen Planer einer Stadt damit um, dass ihnen Ideen oder gar Realisationen von Ideen vorgestellt werden, die eigentlich nicht planbar sind?

Angesichts der wachsenden kreativen „Kulturen“ in einer Stadt und angesichts der Tatsache, dass viele Städte mit ihren Problemen der Schrumpfung, des ökonomischen Niedergangs, des Zerfalls von sozialen Strukturen auf Grund der Ausbreitung von Armut und angesichts der Zunahme benachteiligter Quartiere – angesichts all dieser Probleme muss Planung lernen, die Kreativität mit einzubeziehen, die andere Akteure entfalten, um die Stadt weiterhin lebbar zu erhalten.

Da mag die IBA Hamburg ein Leuchtturmprojekt sein, wo dies lernbar ist, aber in der Realität werden dann solche „Anforderungen an die Planung“ auch gleichzeitig Herausforderungen an klassische Planungsprozesse.

Und dies verändert auch den Kulturbegriff, den Planer in der Regel im Kopf haben.

Insofern ist diese Arbeit – auch in ihrer Anbindung an die die Kulturtheorie ein wichtiger Beitrag zur Veränderung von Planungskulturen.

Fazit

Auf einem relativ hohen Niveau wird eine Fragestellung theoretisch und methodologisch reflektiert, die sowohl die Planungstheorie als auch die Planungspraxis grundlegend verändern kann.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 27.11.2014 zu: Constanze Klotz: Vom Versuch, Kreativität in der Stadt zu planen. Die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg. transcript (Bielefeld) 2014. ISBN 978-3-8376-2701-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17500.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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