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Christian Dudel: Vorausberechnung von Verwandtschaft

Cover Christian Dudel: Vorausberechnung von Verwandtschaft. Wie sich die gemeinsame Lebenszeit von Kindern, Eltern und Großeltern zukünftig entwickelt. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 258 Seiten. ISBN 978-3-8474-0182-7. D: 46,00 EUR, A: 47,30 EUR, CH: 61,90 sFr.
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Autor und Herausgeber

Der Autor arbeitet an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum. Das Buch ist seine überarbeitete Dissertation. Sie erschien in der Reihe ‚Beiträge zur Bevölkerungswissenschaft‘ des Bundesinstituts für Bevölkerungswissenschaft (BiB) in Wiesbaden. Diese Reihe fungiert als wissenschaftliche Plattform, um Befunde des demographischen Wandels einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Entstehungshintergrund

Viele Informationen der Demographie sind individuenbezogen und blenden die Einbindung der Person in eine Familie weitgehend aus. Nur im Mikrozensus und – mit großen zeitlichen Abständen – bei Volkszählungen werden von der Amtlichen Statistik auch familien- und haushaltsspezifische Befunde ermittelt. Bevölkerungsprognosen beziehen sich auf Einzelpersonen. Zukunftswissen über familiale und verwandtschaftliche Netzwerke ist kaum vorhanden. Wie wirkt sich der demographische Wandel künftig (bis zum Jahr 2060) auf soziale Netzwerke aus? Wie viele Vor- und Nachfahren wird ein Mensch jeweils zu seinen Lebzeiten haben? Zu diesen Fragen leistet Dudel einen grundlegenden methodischen Beitrag.

Aufbau und Inhalt

In Kapitel 3 werden zunächst einige demographische Grundkenntnisse eingeführt.

Kapitel 4 liefert einen Überblick über Modelle, mit denen Verwandtschaft vorausberechnet werden könnte.

Unter Würdigung von deren Stärken und Schwächen wird in Kapitel 5 ein eigener Ansatz konzipiert. Dabei wird ein herkömmliches, altbekanntes Modell (die Kohorten-Komponenten-Methode) verknüpft mit einigen wenigen zusätzlichen Informationen. Für die Darstellung der Verwandtschaft müssen beide Geschlechter betrachtet werden, deshalb ist die Fertilität von Männern von zentraler Bedeutung.

In Kapitel 6 werden solche Raten für Männer berechnet und überprüft. Dazu werden die Ergebnisse mit anderen Quellen verglichen.

Insbesondere werden in Kapitel 7 Ergebnismerkmale für eine ‚lineare Verwandtschaft‘ präsentiert, bei der es – für Mann und Frau getrennt – um Häufigkeiten geht, Kinder oder Enkel oder Eltern zu haben. Diese Häufigkeiten werden prüfend verglichen mit Ergebnissen aus dem Sozio-ökonomischen Panel, einer seit langem bewährten nicht-amtlichen Datenquelle, die auch Fragen nach Verwandtschaftsbeziehungen stellt.

In Kapitel 8 wird eine Bevölkerungsprognose durchgeführt, wobei die strategischen Variablen, die Verhaltensparameter zur Fertilität und zur Mortalität wie auch die Annahmen zur (Netto-)Migration nicht – wie oft üblich – deterministisch, sondern als zufällig simuliert werden. Genau genommen wird von der beobachteten Dynamik der Vergangenheit auf die Dynamik der Zukunft geschlossen. Durch vielfache Wiederholung des Prognosevorgangs bildet sich ein Vorausberechnungsintervall heraus.

Wegen der Vielfalt der Ergebnisse beschränkt sich die Ergebnisdarstellung in Kapitel 9 auf ausgewählte Konstellationen von Verwandtschaft.

In Kapitel 10 werden zwei Anwendungsbeispiele genannt, die auf die lineare Verwandtschaft als Unterstützungspotenziale von Pflegebedürftigen abzielt. Hier zeigt sich unmittelbar die Relevanz dieser Arbeit für die künftige Planung von altenspezifischer Infrastruktur, wobei die räumliche Dimension noch zu grob gefasst ist.

Diskussion und Fazit

Dieses Buch leistet einen wertvollen methodischen Beitrag zu Fragestellungen, die von der amtlichen Statistik bisher noch kaum beantwortet werden. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Forscher sich dieser Thematik annehmen werden und die verbliebenen Verbesserungsmöglichkeiten künftighin in Angriff nehmen. Die Publikation widmet sich einem Thema, das jedem vertraut ist. Es benutzt dabei in großen Teilen die Sprache der Mathematik. Diese ist weniger verbreitet. Das bedeutet, dass dieses Buch hoch spezialisiert ist und sich vielen Lesern verschließt. Obwohl ich selbst über eine solide mathematische Ausbildung verfüge und auch langjährige Erfahrungen als Prognostiker auf demographischem Gebiet habe, taten sich mir erhebliche Schwierigkeiten auf, alles nachzuvollziehen. Das hatte aber auch didaktische Gründe. Es wäre für mich bereits hilfreich gewesen, wenn das letzte Kapitel (die Nummer 11) ganz am Anfang gestanden hätte. Solches vorzuschlagen ist aber eher die Aufgabe des Herausgebers. Insofern möchte ich das BiB dazu ermuntern, bei der redaktionellen Betreuung seiner Publikationen immer auch die Leser und die Lesbarkeit der Publikation im Auge zu haben.


Rezension von
Dr. rer. pol. Hansjörg Bucher
Jg. 1946, Diplom-Volkswirt (Universität Mannheim), Dr. rer. pol. (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) war bis 2011 mehr als dreißig Jahre lang in der Politikberatung tätig als Mitarbeiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bzw. dessen Vorgängerinstitutionen BfLR und BBR in Bonn-Bad Godesberg. Er war dort verantwortlich für den Aufbau des Prognosesystems ‚Raumordnungsprognose‘ zur Einschätzung von Eckwerten der künftigen räumlichen Entwicklung – als prospektiver Teil des räumlichen Beobachtungssystems ‚Laufende Raumbeobachtung‘. Seine inhaltlichen Schwerpunkte lagen im regionaldemographischen Bereich, betrafen aber auch die Wohnungsmärkte und die Arbeitsmärkte. Er war langjähriges Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Demographie und auch deren Vorgängerin Deutsche Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft
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Zitiervorschlag
Hansjörg Bucher. Rezension vom 18.12.2014 zu: Christian Dudel: Vorausberechnung von Verwandtschaft. Wie sich die gemeinsame Lebenszeit von Kindern, Eltern und Großeltern zukünftig entwickelt. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. ISBN 978-3-8474-0182-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17501.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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