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Udo Wilken, Barbara Jeltsch-Schudel (Hrsg.): Elternarbeit und Behinderung

Rezensiert von Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner, 02.02.2015

Cover Udo Wilken, Barbara Jeltsch-Schudel (Hrsg.): Elternarbeit und Behinderung ISBN 978-3-17-022119-2

Udo Wilken, Barbara Jeltsch-Schudel (Hrsg.): Elternarbeit und Behinderung. Empowerment - Inklusion - Wohlbefinden. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2014. 240 Seiten. ISBN 978-3-17-022119-2. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,50 sFr.

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Herausgeber

  • Prof. Dr. Udo Wilken lehrt an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim.
  • Prof. Dr. Barbara Jeltsch-Schudel lehrt am Heilpädagogischen Institut der Universität Freiburg (Schweiz).

Thema

Mit einem behinderten Kind zu leben, stellt Eltern und Familien immer wieder vor unerwartete und vielfältige Herausforderungen. Beratung, Begleitung, Therapie und Assistenz sind lebenslang notwendig, um die Entwicklungschancen zu unterstützen.

Aufbau und Inhalt

Die Beiträge dieses Bandes werden zu drei thematischen Bereichen zusammengefasst.

Teil I: Lebenslagen und Gestaltungsformen des Lebens von Familien mit behinderten Kindern und Familien in schwierigen Lebenssituationen

Zuerst wird die moderne Familie aus soziologischer Perspektive charakterisiert mit besonderem Schwerpunkt auf Familien in besonderen Lebenslagen (Behinderung) (Ernst von Kardorff & Heike Ohlbrecht). Die Herausforderung eines Kindes mit Behinderung für Mütter, Väter und Großeltern (Monika Seifert) und die Situation der Geschwister (Ilse Achilles) werden eindrücklich beschrieben.

Da die Hilfsangebote für Familien mit behinderten Kindern oft mittelschichtsorientiert sind, findet man wichtige Hinweise für die Begegnung mit dem „Fremden“ in den nächsten beiden Beiträgen, zur Arbeit mit Familien in Armut und Benachteiligung (Hans Weiß) und Familien mit Migrationshintergrund (Kerstin Merz-Atalik). In einem kurzen Beitrag geht Wolfgang Praschak auf das schwerstbehinderte Kind in seiner Familie ein.

Teil II: Lebenslauftypische Stationen der Beratung und Zusammenarbeit mit Familien

Einen frühen und intensiven Kontakt zu Eltern hat der Kinderarzt. Andreas Seidel diskutiert die ärztlichen Aufgaben in der Elternarbeit. Eine besondere Form der Familienentlastung stellt Barbara Jeltsch-Schudel vor. Im Verlauf eines Bachelor-Studiums zur Klinischen Heilpädagogik und Sozialpädagogik übernehmen Studierende im Rahmen eines Praktikums im 2. Studienjahr Aufgaben der Familienentlastung.

In Deutschland gibt es ein flächendeckend eingeführtes Netz von Hilfsangeboten, die (interdisziplinären) Frühförderstellen. Dort werden die Kinder therapiert und gefördert, sie haben schon früh Kontakt zu den Eltern und begleiten diese in ihrer Elternarbeit (Etta Wilken). Im weiteren Verlauf des kindlichen Lebens gilt es eine Kooperation von Elternhaus, Kindergarten und Schule zu etablieren und die Perspektiven aller Institutionen zu integrieren (Andreas Eckert). Viel Aufmerksamkeit erhalten aktuell Autismus-Spektrum-Störungen. Vera Bernard-Opitz stellt die Form der Teleberatung zur Entwicklung von Lern- und Verhaltensprogrammen vor, um diese Kinder, ihre Familien und ihre Therapeuten vor Ort gut zu unterstützen.

Der Schritt ins Erwachsenenalter wird mit dem Übergang von der Schule in die Arbeitswelt vollzogen (Gerd Grampp), je nach Behinderungsform reicht das Spektrum vom Studium bis zur beschützenden Werkstatt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Freizeitgestaltung. Cora Halder ermuntert (vor allem am Beispiel Down-Syndrom) zu aktiver Freizeitgestaltung und stellt viele Facetten vor. Anschließend wirbt Laurenz Aselmeier für „Wohnformen mit Assistenz“, für „wohnbezogene Assistenz“, als Alternative zu Wohngruppen. Ein schwieriges Thema greift Udo Wilken auf: Sexualerziehung, Partnerschaft und Kinderwunsch bei geistig behinderten Menschen und macht auf die Bedeutung einer Sexualpädagogik als lebenslanger Begleitung aufmerksam. Abschließend beschreibt Reinhilde Stöppler Teilhaberisiken im Alter.

Teil III Lebenslaufbezogene Selbsthilfe, Elternbildung und Rechte

Aus Sicht von Eltern gehen Ursula Beck und Albert Meier auf die sensible Beziehung zwischen Eltern und Fachpersonen ein und formulieren ihre Wünsche. Eine bewährte Form, Eltern zu stärken, sind Elternseminare (Etta Wilken). Abschließend klären Oliver Kestel, Janina Gudusch und Stefanie Oelker über sozialrechtliche Beratungsangebote auf und gehen auf die aktuelle Rechtsprechung ein.

Diskussion

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes sind Wissenschaftler und/oder betroffene Eltern. Orientiert am Lebenslauf werden bedeutsame Situationen, Kontexte und Übergänge besprochen, aber auch Querschnittsthemen wie Geschwister oder Familien mit Migrationshintergrund oder die Zusammenarbeit mit Fachpersonen werden angesprochen.

Die einzelnen Beiträge widmen sich kompetent, engagiert, einfühlsam und verständlich dem jeweiligen Thema. Die komplexen Anforderungen an alle Beteiligten wird deutlich. Besonders beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang das Kapitel über die Geschwister behinderter Kinder; die Bedürfnisse und Probleme dieser Kinder werden oft vergessen, sie sind besonderen Risiken ausgesetzt, entwickeln aber auch Ressourcen.

Es geht in diesem Buch zur Elternarbeit um Stärkung, um die Chancen der Inklusion zu nutzen. Ich finde es aber auch bemerkenswert, dass wie Udo Wilken es in seinem Betrag erwähnt, dass „so hoch die Bedeutsamkeit von inklusiven Kontakten auch einzuschätzen ist, so sehr ist es dennoch zu bedenken, dass Personen mit einer Behinderung auch Gleiche unter Gleichen sein dürfen und integrativer Anpassungsdruck vermieden wird“ (S. 181).

Zielgruppen

Studierende sozialer Berufe und Praktikerinnen und Praktiker, die mit behinderten Menschen und ihren Familien arbeiten

Fazit

Ein sehr zu empfehlendes Buch.

Rezension von
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
ehem. Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen in Dorfen, Erding und Markt Schwaben im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Es gibt 203 Rezensionen von Lothar Unzner.

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ISSN 2190-9245