socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Etta Wilken (Hrsg.): Unterstützte Kommunikation

Cover Etta Wilken (Hrsg.): Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung in Theorie und Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2014. 4., überarbeitete Auflage. 292 Seiten. ISBN 978-3-17-025775-7. 27,99 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Gemäß dem „Glossar zur Unterstützten Kommunikation“, das 2001 von Allmuth Bober und Thomas Franzkowiak in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Berufsbegleitende Ausbildung zur Kommunikationspädagogin/ zum Kommunikationspädagogen“ herausgegeben wurde und das dem vorliegenden Buch in gekürzter Form beigefügt ist, beinhaltet der Begriff „Unterstützte Kommunikation“ drei Aspekte:

  1. ist es der Oberbegriff für pädagogische und therapeutische Maßnahmen zur Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen, die nicht oder kaum über Lautsprache verfügen,
  2. bezeichnet er ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit Unterstützter Kommunikation befasst und
  3. ist der Prozess der Kommunikation mit Mitteln und Methoden Unterstützter Kommunikation, z.B. mit Kommunikationstafeln, damit gemeint.

Im deutschsprachigen Raum sind – anders als in den USA – nur einige wenige Grundlagenwerke zu diesen Themenbereichen erschienen. Die meisten Informationen finden sich in sonderpädagogisch orientierten Fachzeitschriften. Es ist der Verdienst von Etta Wilken, einige wesentliche dieser Beiträge zusammengetragen und im vorliegenden Werk veröffentlicht zu haben.

Herausgeberin, Autorinnen und Autoren

Etta Wilken ist emeritierte Professorin für Allgemeine und Integrative Behindertenpädagogik am Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover. Die insgesamt 13 Mitautoren und -autorinnen sind bekannte Fachleute aus dem Feld der Unterstützten Kommunikation und verfügen über bedeutsame Praxiserfahrung.

Entstehungshintergrund

Die erste Auflage des vorliegenden Buches erschien 2002 (vgl. die Rezension zur 2. Auflage), inzwischen liegt die vierte um einen Beitrag erweiterte Auflage vor. Bis auf die kleinere Änderungen in der Einleitung und Ergänzungen in „Präverbale sprachliche Förderung und Gebärden-unterstützte Kommunikation in der Frühförderung“ sind die anderen Beiträge unverändert.

Aufbau und Inhalt

Es werden die folgenden Themenbereiche behandelt:

  • Der in den vorgehenden Auflagen unter der Überschrift „Einleitung“ stehende Text von Etta Wilken heißt jetzt „Kommunikation und Teilhabe“ und wurde geringfügig erweitert.
  • Diagnostische Ansätze zur Einschätzung der Verständigungsfähigkeit nicht sprechender Kinder werden von Gudrun Kane vorgestellt.
  • Im Bereich der Frühförderung stellt Etta Wilken die von ihr entwickelte Gebärden-unterstützte Kommunikation vor und aktualisiert ihre Erläuterungen in der vorliegenden Ausgabe um Überlegungen zum TAKTIN-Konzept und Baby-Zeichen.
  • Spracherwerbsprobleme unter besonderer Berücksichtigung logopädischer Gesichtspunkte werden von Horst Konrad erörterrt und frühe Kommunikationshilfen insbesondere für körperbehindert Kleinkinder von Ursi Kristen dargestellt.
  • Die 4. Auflage erfährt eine Erweiterung durch die Einbeziehung eines Artikels aus dem Bereich der Taub-Blinden-Pädagogik von Maria Rascher-Wolfring über Bezugsobjekte – Ein begreifbares Kommunikationsmittel
  • Der Einsatz von Unterstützter Kommunikation an Schulen wird für den Bereich der Sonderschulen von Ursula Braun und Martin Baunach behandelt und bezüglich der Integration nicht oder kaum sprechender Kinder an der Regelschule von Nina Hömberg.

Das Buch trägt der Aktualität des Themas Autismus Rechnung, indem es dort einen deutlichen Schwerpunkt setzt. Drei Artikel beschäftigen sich mit der Thematik und stellen das Für und Wider der Gestützten Kommunikation sowie eine alternativen Ansatz zur Förderung der kommunikativen Fähigkeiten (TEACCH) von Menschen mit Autismus dar.

  • Mit der Förderung der Kommunikation von Menschen mit Autismus beschäftigt sich Christiane Nagy, die ihre persönliche Erfahrung als Mutter schildert, die gestützt mit ihrem Sohn kommuniziert. Susanne Nußbeck reflektiert das Konzept der Gestützten Kommunikation äußerst kritisch. Anne Häußler bietet eine Alternative zu dieser umstrittenen Kommunikationsform, indem sie den TEACCH-Ansatz vorstellt.

Darüber hinaus finden sich zwei Themenbereiche, die in den bisherigen Veröffentlichungen wenig beachtet werden und zu denen hier neue Aspekte dargelegt werden.

  • Das ist zum einen der Artikel von Allmuth Bober über die kommunikative Situation von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung, die in einem Wohnheim leben. Dieser Bereich wurde bisher vernachlässigt, da die meisten Fachleute Sonderpädagogen sind, die an Schulen arbeiten oder ambulant therapeutisch tätige Sprachbehindertenpädagoge bzw. Logopäden. Die Autorin trägt sehr systematisch und umfassend Informationen zu diesem Bereich zusammen.
  • Zum anderen ist es der Beitrag von Stefan Geiger, der den Aufbau einer Beratungsstelle für Eltern nicht oder noch nicht sprechender Kinder darstellt. Hier wird u.a. die Problematik der Eltern eindrucksvoll geschildert.

Diskussion und Fazit

Aus der Tatsache, dass das Buch nun bereits in der vierten Auflage vorliegt, lässt sich die positive Resonanz bei den an Unterstützter Kommunikation Interessierte ablesen. Die Publikation ist hilfreich, um sich eine umfassende Orientierung über die Arbeit mit Unterstützter Kommunikation bei Personen zu verschaffen, die seit ihrer Geburt ohne bzw. mit wenig Lautsprache kommunizieren. Sie ist über die Zusammenstellung interessanter bereits erschienener Artikel hinaus eine wertvolle Ergänzung der vorhandenen Literatur und nimmt in der neuen Auflage ein weiteres interessantes Themengebiet auf.

Alle mitwirkenden AutorInnen sind ausgewiesene Fachleute im Bereich der Unterstützten Kommunikation und verfügen über langjährige Erfahrungen.

Das vorliegende Buch bietet somit tatsächlich eine „Einführung in Theorie und Praxis der Unterstützten Kommunikation“. Es ist für jene geeignet, die sich einen schnellen Überblick über dieses relativ neue Gebiet der Sonderpädagogik verschaffen wollen; es weist auf verschiedene Einsatzbereiche von Unterstützter Kommunikation hin, und es bietet auch Fachleuten, die außerhalb von Schule tätig sind, interessante Hinweise. Darüber hinaus gibt es Informationen zum aktuellen (Streit)Thema der Gestützten Kommunikation.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik


Alle 39 Rezensionen von Susanne Wachsmuth anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 22.09.2014 zu: Etta Wilken (Hrsg.): Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung in Theorie und Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2014. 4., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-17-025775-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17523.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung