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Thomas Thürk: Spielesammlung für Therapie und Pädagogik

Cover Thomas Thürk: Spielesammlung für Therapie und Pädagogik. Eine Anleitung zum gezielten Spielen. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2014. 229 Seiten. ISBN 978-3-8080-0720-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Autor und Thema

Der Autor war über viele Jahre als Dozent an einer Berufsfachschule für Ergotherapie tätig. In diesem Rahmen hat er vielseitige Erfahrungen im Umgang mit Spielen gesammelt, die er gemeinsam mit seinen Schülern ausprobiert und im Hinblick auf mögliche therapeutische Ziele untersucht hat.

Zielgruppe sind Ergotherapeuten, Angehörige anderer pädagogischer und therapeutischer Berufe sowie „alle, die gern mit Menschen spielen“. Nach einer theoretischen Einführung ins Thema „Spielen“ werden im Hauptteil eine Vielzahl von Spielen, geordnet nach möglichen pädagogisch-therapeutischen Zielen, vorgestellt. Ausführungen zum Figurentheater und Schattenspiel/ Schattentheater schließen das Buch ab.

Aufbau

Die ersten sieben Kapitel widmen sich der Theorie: In der Einleitung legt der Autor die geschichtliche Entwicklung des Spiels dar sowie die Stadien der Spielentwicklung. Im zweiten Kapitel behandelt der Autor das „Spiel als Triebfeder der Entwicklung“. Im dritten und vierten Kapitel geht es um „Spielstörungen und mögliche Ursachen“ und darum, „günstige Spielvoraussetzungen [zu] schaffen“. Im fünften Kapitel wird die „Reflexion von Spielen und Auswertungskriterien“ behandelt, im sechsten und siebten Kapitel kommt „Grundsätzliches zur Spielauswahl und der Zusammensetzung der Spielesammlung“ zur Sprache sowie eine „Anmerkung“.

Das achte Kapitel ist das umfangreichste und stellt die eigentliche Spielesammlung dar. Dieses Kapitel unterteilt sich in vier Abschnitte, die jeweils mit einer kurzen theoretischen Einführung beginnen:

  1. Aktivierungs-, Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele
  2. Interaktions-, Kennenlern- und Kommunikationsspiele
  3. Denk- und Konzentrationsspiele
  4. Wahrnehmungsspiele.

Im neunten und zehnten Kapitel, geht der Autor auf den „Oberbegriff Figurentheater“ und „Schattenspiel / Schattentheater“ ein.

Inhalt

In der Einleitung legt der Autor seinen Standpunkt zum Spiel dar: Sowohl der Spaßfaktor als auch pädagogisch/therapeutische Aspekte sind für ihn wichtig, insbesondere in einer Zeit, in der Kinder häufig allein mit PC und anderen Medien beschäftigt sind. Es folgt ein geschichtlicher Überblick über das Spielen, das von der Kirche lange Zeit kritisch gesehen wurde und erst mit der Pädagogik der Aufklärung eine neue Bedeutung gewann. Das erste Kapitel schließt mit einem kurzen Überblick über kindliche Entwicklungsphasen in Bezug auf Spiele.

Im zweiten Kapitel geht der Autor auf das „Spiel als Triebfeder der Entwicklung“ ein. Durch das Spiel, so der Autor, erlebt das Kind im konkreten Handeln seine eigenen Fähigkeiten und kann Selbstvertrauen und Selbstständigkeit entwickeln.

Im dritten Kapitel folgen Ausführungen über „Spielstörungen und mögliche Ursachen“. Der Autor legt Wert darauf, dass „der Mensch, in diesem Fall das Kind, im Vordergrund stehen sollte und nicht das Problem, welches durch das Kind verursacht wird“.

Im vierten Kapitel „Günstige Spielvoraussetzungen schaffen“ geht der Autor zunächst auf Bedingungen der Umgebung ein, die es einem Kind ermöglichen, im Spiel die für seine Entwicklung notwendigen Erfahrungen zu machen. Es folgen pädagogisch therapeutische Zielsetzungen, die in vier Bereiche aufgeteilt werden.

Danach geht der Autor auf die Planung von Spieleinheiten ein. So gibt er unter anderem Hinweise auf wünschenswerte Fähigkeiten eines Spielleiters (z. B. sollte ein Spielleiter selber Freude am Spielen haben), Überlegungen für mögliche Zielsetzungen, auch für verschiedene Altersgruppen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) sowie konkrete Tipps für Planung von Spielen.

Im fünften Kapitel geht es um die „Reflexion von Spielen und Auswertungskriterien“. Hier gibt der Autor Anregungen wie man Reflexionen mit einer Gruppe gestalten kann, beginnend mit der schlichten Frage, ob das Spiel Spaß gemacht hat bis hin zu kreativen Auswertungsmöglichkeiten. Auch für die eigene Reflexion des Spielleiters gibt er Anregungen.

Schließlich beschreibt der Autor im sechsten und siebten Kapitel den Aufbau des Buches und begründet seine Spielauswahl, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Im achten Kapitel folgt die umfangreiche, vielseitige Spielesammlung. Die vier verschiedenen Bereiche beziehen sich auf die pädagogisch-therapeutischen Ziele aus dem vierten Kapitel. Ich werde exemplarisch die „Aktivierungs-, Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele“ beschreiben.

Der Autor beginnt mit einem kurzen Überblick über die Bedeutung der Bewegungsentwicklung für Kinder, auch im Hinblick auf kognitive Erfahrungen, sowie für Erwachsene bis ins hohe Alter.

Es folgen mehr als 40 Spiele in übersichtlicher Darstellung. Bei jedem Spiel werden der Aufbau des Spiels, der geeignete Altersbereich, die Sozialform, die Vorbereitung/Spieldauer (mit Angaben zum Material, Räumlichkeiten/Platzverhältnisse und weiteren Besonderheiten) sowie mögliche Zielsetzungen in einer Tabelle aufgeführt. Die meisten Spiele eignen sich für Kinder ab acht Jahren und/oder für Jugendliche, Erwachsene oder auch Senioren. Einzelne Spiele eignen sich auch für jüngere Kinder. Als Sozialform gibt der Autor bei den meisten Spielen „Klein- oder Großgruppen“ an, häufig ab sechs Personen, manchmal auch „Paarspiele“ für mehrere Paare.

Oft erwähnt der Autor auch eine oder mehrere Variationen. Enthalten sind originelle Spiele wie das „Luftballonrennen“, bei dem die Luftballons mit einem aus Zeitungen gedrehten Stab in der Luft gehalten werden, bekannte Spiele wie „Ochs am Berg“; Spiele mit Musik wie „Tanz in den Räumen“, bei dem die Spieler sich nach Musik auf verschiedene Arten bewegen, Geschicklichkeitsspiele wie „Wackelteller“, bei dem ein Teller ausbalanciert werden muss sowie viele andere.

Auch die anderen drei Abschnitte des achten Kapitels sind so aufgebaut und genauso vielseitig.

Im neunten Kapitel geht es um den „Oberbegriff Figurentheater“. Der Autor begründet zunächst, warum er sich auf Handpuppen und Schattenspiel begrenzt und stellt einen kurzen historischen Überblick über das Puppentheater dar, das über lange Zeiträume überwiegend auf Jahrmärkten gespielt wurde. Es folgen Ausführungen zu möglichem therapeutischem Bezug zum Puppenspiel, bei dem Kindern das Aussprechen von Gefühlen und das Ausagieren von Verhaltensweisen oft leichter fallen als beispielsweise im Psychodrama. Praktische Tipps zur Herstellung von Puppen aus verschiedenen einfachen Materialien sowie zur Herstellung einer Bühne schließen diese Kapitel ab.

Im zehnten Kapitel geht es um „Schattenspiel / Schattentheater“. Der Autor beschreibt die „Kulturelle Bedeutung und Geschichte des Schattenspiels“, das wahrscheinlich aus Asien nach Europa kam. Auch hier folgen Hinweise, wie man mit einfachen Mitteln Schattenspiele technisch umsetzen und geeignete Bühnen und Schattenfiguren, auch mit beweglichen Gliedmaßen, herstellen kann. Das Kapitel endet mit konkreten Hinweisen zur Planung eines Puppenspiels und Tipps zur Figurenführung und dem Handling hinter der Bühne.

In diesen letzten beiden Kapiteln wird die Herstellung der Puppen und Bühnen teilweise durch Illustrationen verdeutlicht.

Diskussion

Der Autor möchte versuchen, „einen therapeutischen Bezug zu den einzelnen Spielen herzustellen und diese für den therapeutischen Alltag nutzbar zu machen“. Vor allem in Bezug auf die Einteilung der Spiele in die verschiedenen Kategorien in Kapitel acht ist ihm dies sehr gut gelungen, dadurch wird es möglich, schnell und gezielt Spiele zu gewünschten Zielsetzungen auszusuchen. Für weitere Differenzierungen möglicher Zielsetzungen kann man sich bei den einzelnen Spielen weiter informieren, bevor man sich an die konkrete Planung begibt; Vorbereitung und Durchführung der Spiele sind klar und übersichtlich beschrieben. Das macht den Schwerpunkt und die Qualität dieses Buches aus.

Auch die Anleitungen über Figuren- und Schattentheater sind gut verständlich beschrieben, die verwendeten Mittel sind einfach.

Der Theorieteil und die theoretischen Abschnitte vor den einzelnen Spielbereichen fallen manchmal etwas oberflächlich aus. Die Beschreibungen über die Eigenschaften, die ein Spielleiter haben sollte (z. B. „auf Spielverweigerung und Unlust sollte er sicher und einfühlsam reagieren können (…) und dann individuell darauf reagieren“), finde ich beispielsweise nicht ganz so hilfreich, denn das versteht sich von selbst. Sinnvoller finde ich im Gegensatz dazu die darauf folgenden konkreten Tipps für die Planung, durch die auch ein Anfänger in diesem Bereich Sicherheit gewinnen kann.

Im Vorspann des Abschnitts 8.1. „Aktivierungs-, Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele“ werden medizinische Fachbegriffe verwendet (taktiles, propriozeptives und vestibuläres System), die nach meiner Ansicht übersetzt werden könnten, da die Zielgruppe ausdrücklich auch Angehörige pädagogischer Berufe einschließt.

Abgesehen davon finde ich die Sammlung sehr gelungen, die Anregungen sind vielseitig und gut umsetzbar.

Fazit

Diese Spielesammlung lädt zum Ausprobieren neuer und bekannter Spiele ein, unabhängig davon, ob ausschließlich die Freude am Spiel ausschlaggebend ist oder ob zusätzlich zum Spaßfaktor spezifische pädagogisch/therapeutische Zielsetzungen verfolgt werden. Wer Spiele für Kindergruppen ab acht Jahren sowie für Gruppen mit Jugendlichen, Erwachsenen oder auch Senioren sucht, findet in diesem Buch viele pädagogisch sinnvolle und gleichzeitig spannende Anregungen. Einzelne Spiele eignen sich auch für jüngere Kinder.


Rezensentin
Ortrud Aden
M.A. Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften, z. Z. Tätigkeit in einer Autismusambulanz
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Zitiervorschlag
Ortrud Aden. Rezension vom 12.01.2015 zu: Thomas Thürk: Spielesammlung für Therapie und Pädagogik. Eine Anleitung zum gezielten Spielen. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2014. ISBN 978-3-8080-0720-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17549.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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