"Warum nur Frauen?"
Rezensiert von Prof. em. Dr. Hildegard Mogge-Grotjahn, 05.01.2015
"Warum nur Frauen?". 100 Jahre Ausbildung für soziale Berufe. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2014. 783 Seiten. ISBN 978-3-943787-28-3. D: 35,00 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 46,90 sFr.
Entstehungshintergrund
Das Frankfurter „Frauenseminar für soziale Berufsarbeit“ wurde am 01. Januar 1914 eröffnet und ist eine der historischen Vorgängereinrichtungen des heutigen Fachbereichs „Soziale Arbeit und Gesundheit“ der Fachhochschule Frankfurt. Das hundertjährige Gründungsdatum wurde vom jetzigen Fachbereich zum Anlass für diese Publikation genommen, in deren Mittelpunkt die Entwicklung der Ausbildung für soziale Berufe in den zurückliegenden 100 Jahren und die gegenwärtigen Schwerpunkte in Lehre und Forschung des Fachbereichs stehen.
Aufbau und Inhalt
Die Beiträge des Buches sind chronologisch geordnet.
Im ersten Teil wird die Geschichte verschiedener Vorläufereinrichtungen rekonstruiert: das „Frauenseminar für soziale Berufsarbeit“ und die „Wohlfahrtsschule für Hessen-Nassau und Hessen“ (1913 – 1933); die „Staatlich anerkannte Frauenschule für Volkspflege“ (1933-1945); das „Seminar für soziale Berufsarbeit“ (1945-1966); und die „Staatliche Höhere Fachschule für Sozialarbeit“ (1966-1971) – letztere wird zum einen aus Sicht des damaligen Direktors, zum anderen aus Sicht eines damals Studierenden, der in den studentischen Gremien aktiv mitgearbeitet hat, dargestellt. Eine Gesamtsicht auf die Vorgeschichte des Fachbereichs „Sozialpädagogik“ von 1945 bis 1971 geht über die einzelnen Rekonstruktionen hinaus. Und in zwei weiteren Beiträgen werden mit Rosa Kempf und Frida Born zwei die Professionalisierungsgeschichte prägende Persönlichkeiten porträtiert.
Der jüngeren Geschichte ab 1972 sind zunächst zwei Beiträge gewidmet, die das Studium der Sozialen Arbeit und der Sozialpädagogik fokussieren. Es folgen Beiträge zum vormaligen Fachbereich „Pflege und Gesundheit“, der 1993/94 gegründet und 2001 mit dem vormaligen Fachbereich „Soziale Arbeit“ zum jetzigen Fachbereich „Soziale Arbeit und Gesundheit“ fusioniert wurde. Gesondert dargestellt werden der Umzug und der gemeinsame Campus sowie der sog. „Hallgarten-Hof“, durch den das Erbe der renommierten früheren „Hallgartenschule“ (heute: Charles-Hallgarten-Schule) architektonisch gerettet wurde.
Die weiteren Beiträge des Bandes widmen sich aktuellen Fragestellungen und Problemen (wie z.B. der Implementierung der Bachelor-Studiengänge und dem Berufspraktikum), den inhaltlichen Schwerpunkten von Forschung, Lehre und Veröffentlichungen des Fachbereichs und seiner Institute (u.a.: Stadt- und Regionalentwicklung; Demografischer Wandel; Suchtforschung; Migrationsstudien; Pflegeforschung; jüdischer Pflegegesichte; Theaterarbeit; Genderforschung). Auch der Fachhochschulverlag und die vom Fachbereich übernommenen historischen Bibliotheken werden gewürdigt. Abschließend werden der Ist-Zustand des Fachbereichs, seine Studiengänge sowie die Personalia von 1971 bis 2014 dokumentiert.
Diskussion und Fazit
Das vorliegende Buch bietet auf fast 800 Seiten eine Fülle von Daten und Fakten, historischen und aktuellen Informationen sowie Bildmaterial und Dokumente rund um die Geschichte der Professionalisierung sozialer Berufe. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den impliziten und expliziten Gender-Dimensionen der Thematik. Die Geschichte des Fachbereichs „Soziale Arbeit und Gesundheit“ der Fachhochschule Frankfurt kann dabei als exemplarisch für die Geschichte aller sozialwesen- und gesundheitsbezogenen Fachbereiche und Studiengänge im deutschsprachigen Raum gelten. Insofern ist das Buch auch für Leserinnen und Leser von Interesse, die nicht in Frankfurt studieren, lehren oder forschen.
Rezension von
Prof. em. Dr. Hildegard Mogge-Grotjahn
Bis März 2017 Professorin für Soziologie am Fachbereich 1: Soziale Arbeit, Bildung und Diakonie an der Evangelischen Fachhochschule RWL in Bochum
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