Eva Maria Kohl: Kinder & Märchen. Was Erwachsene wissen sollten
Rezensiert von Tony Keiling, 16.02.2015
Eva Maria Kohl: Kinder & Märchen. Was Erwachsene wissen sollten. Klett-Kallmeyer (Hannover) 2014. 141 Seiten. ISBN 978-3-7800-4959-9. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR.
Thema
Märchen sind nur für die Unterhaltung der Kinder da. Man liest vor oder erzählt, aber sonst sind es nur Geschichten. So könnten Erwachsene es sehen, aber Eva Maria Kohl, Professorin für Grundschuldidaktik, wirft mit diesem Buch einen anderen Blick auf Kinder und die Bedeutung von Märchen. Wissenswertes für Erwachsene zum Thema „Märchen“ wird in Bild und Schrift vermittelt. Von der Entstehung von Märchenbüchern über deren Wirken als Ratgeber und dem empfohlenen Umgang mit ihnen.
Aufbau und Inhalt
Das erste Kapitel befasst sich mit der Entstehung von Märchen in festgehaltener Form, also dem Aufschreiben der über Mundpropaganda verbreiteten Volksmärchen, sowie allgemeine Interessen von Kindern an Märchen. So ist für diese oft auch wichtig, wer der Autor ist, was laut Eva Maria Kohl bei Erwachsenen eher zweitrangig ist, da diese sich meist nur für den Inhalt interessieren. Neben zahlreichen Beispielen für bekannte Märchen, befinden sich auch Illustrationen von Märchenautoren, wie den Gebrüdern Grimm, aber auch Bilder von Kindern zu bestimmten Märchen. Gegen Ende dieses Kapitels verweist die Autorin noch auf Heimatsagen, die es überall verstreut gibt, ob bekannte oder eher unbekannte und in einem Infokasten weist sie auf themenbezogene Downloads hin.
Im zweiten Kapitel stellt Kohl Kunst- und Volksmärchen mit ihren Unterschieden vor. Außerdem geht es um Hans Christian Andersen, dessen Märchen häufig Situationen seines Lebens erzählen und welche er als Medium nutzte es „schönzuschreiben“. Des Weiteren wird der Blick auf Dichter und Märchenautoren der Gegenwart gerichtet und wie ihre Arbeiten von älteren Schriftstücken beeinflusst wurden. Die Seiten sind auch in diesem Kapitel geschmückt von Auszügen einiger Märchen, passender Bilder und auch Zeichnungen von Kindern sind vorzufinden.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der belehrenden Wirkung von Märchen, die sie auf Kinder haben. Sie treffen so auf die Moral der Geschichten, und können den Unterschied zwischen Gut und Böse erkennen und benennen. Auch weitere erzieherische und ratgebende Effekte werden vorgestellt und auf mögliche Assoziationen der Kinder zu bestimmten Charakteren, Orten, Handlungen, etc. wird gut verständlich eingegangen. Schließlich geht es noch um die sogenannte Grausamkeit der Märchen, die Schreckensbilder, mögliche Ängste, die entstehen, und Geräusche, die mit Übel assoziiert werden könnten. Eva Maria Kohl weist außerdem auf Bilderbücher zur Thematik „Angst“ hin und auch auf postmoderne Bücher, in welchen der Wolf thematisiert wird, welchem eine negative Rolle zugeteilt wird.
Wie Märchen erzählt werden und auch wer dies tut, wird ausführlich im vierten Kapitel des Buches thematisiert. Es geht darum, wer erzählt, wer zuhört und wie man erzählt, sowohl in Hinblick auf Betonung als auch auf Gestik und Mimik. Dazu sind entsprechende Fotografien abgebildet. Außerdem geht es darum, wie Märchen sich verändert haben, d.h. wie von Geschichten für Erwachsene, kindgerechte Märchen wurden. Des Weiteren geht die Autorin auf das Projekt „ErzählZeit“ ein, welches Sprachförderung für Kinder, mit und ohne Migrationshintergrund, bietet. Schließlich stellt sie auch noch den Unterschied zwischen Erzählen und Vorlesen vor und was alles in eine Geschichte gehört, damit sie ein Märchen wird.
In dem folgenden Kapitel fünf wird die sogenannte Märchenwerkstatt unter die Lupe genommen. Sie besteht aus sieben verschiedenen „Werkstätten“ welche Anregungen geben und die Eigenaktivität der Kinder fördern. Dabei haben sie die Möglichkeit beim Spiel mit der Sprache diese zu fördern und literarische Baumuster lernen. In den einzelnen Phasen gestalten Kinder Märchen mittels Bildern, verdrehen Märchen, lernen auf Veränderung zu reagieren und füllen Szenen weiter aus (z.B. Hochzeit: Wer kommt? Was gibt es zu essen? Wie wird gefeiert? ). Außerdem werden alle Sinne angesprochen, Rollenspiele gemacht und Gegenstände benutzt um Geschichten zu erzählen und es werden Märchen mittels „Bausteinen“ zusammengebaut. Auch hier liefert das Buch viele Beispiele in Bild und Wort und auch auf Downloadmöglichkeiten wird hingewiesen.
Das sechste Kapitel handelt von Märchen in der Schule, also deren Vorkommen und wie sie fächerübergreifend integriert warden können. Eva Maria Kohl beschränkt sich hierbei auf die 1. bis 4. Klasse. Sie liefert viele Beispiele, was man mit Kindern in der Grundschule zum Thema Märchen machen kann (basteln, schreiben, spielen, Wahrnehmung fördern, etc.) , gibt Organisationshinweise und Beispiele in verschriftlichter und bildlicher Form.
Im letzten, dem siebten Kapitel, geht es abschließend darum, Märchen zu spielen. Erst geht es um das spielende Kind, welchen Zeck das Spielen erfüllt und was Kinder an Märchenspielen fasziniert. Es werden außerdem Möglichkeiten dargestellt, Märchen nachzuspielen. So zum Beispiel das Schatten-, Puppen-, Papiertheater- und Musikmärchenspiel. Auch Tonaufnahmen und Filme werden genauer beleuchtet. Am Ende des Kapitels geht die Autorin noch auf die positiven Aspekte des Märchenerzählens und die eher negativen des Schauen von Filmen ein und auf Downloads und Anleitungen wird hingewiesen.
Diskussion
Ich habe das Buch interessiert gelesen. Es war sehr informativ und gut verständlich geschrieben, jedoch erschien mir manches zu theoretisch, obwohl das Buch mittels Bildern und Beispielen recht gut gestaltet ist. Außerdem finde ich es optimal, dass die Autorin zu den jeweiligen Kapiteln Infokästen eingefügt hat, welche meist auf Downloads und Anleitungen, aber auch auf wichtige Punkte des Themas hinweisen. Es regt an, den theoretischen Teil auszuprobieren und man findet sich gut im Buch und dem Thema zurecht.
Das Buch ist empfehlenswert für PädagogInnen, die mit Kindern bis 14 Jahren zu tun haben. Es hilft, einiges über das Thema Märchen zu lernen und zu erfahren, wie sie in Verbindung zu Kindern stehen.
Fazit
Ein gutes Buch mit nützlichen Beispielen und Ideen, Kindern Märchen näher zu bringen und mit ihnen zu diesem Thema zu arbeiten. Es ist hilfreich zu verstehen, was solche Geschichten bei Kindern bewirken und fördern können.
Rezension von
Tony Keiling
Staatl. Anerk. Erzieher im Berufspraktikum (Berufskolleg Lübbecke)
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