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Christiane Frantz, Kerstin Martens: Nichtregierungsorganisationen (NGOs)

Cover Christiane Frantz, Kerstin Martens: Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2006. 159 Seiten. ISBN 978-3-531-15191-5. 13,90 EUR.
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Thema

Nichtregierungsorganisationen oder Non-Government Organisations (NGOs) – ein „catch all-Begriff“ (23) für einen äußerst heterogenen Typ von Organisationen wird in dem schmalen Band geklärt. Die Vf. bemühen sich, die Vielfalt zu kennzeichnen und dennoch gemeinsame Merkmale herauszuarbeiten. Auch problematische Aspekte der Praxis von NGOs werden diskutiert.

Autorinnen

Christiane Frantz ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Münster. Kerstin Martens hat eine Professur für internationale Beziehungen und Weltgesellschaft an der Universität Bremen.

Entstehungshintergrund

Die Publikation ist aus zwei Forschungsprojekten an der Universität Münster und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz hervorgegangen.

Aufbau und Inhalt

In der Einleitung beleuchten die Vf. an zwei Aktionen als „Spotlights“ (Cap Anamur u. Greenpeace gegen Versenkung der Bohrinsel Brent Spar) den politischen Stellenwert von NGOs von verschiedenen Seiten. Auch Anforderungen an NGOs werden bereits angedeutet.

Fokus von Kapitel 2 sind Begriffsgeschichte und Begriffsdefinition entlang den drei Buchstaben des Akronyms NGO. Demnach werden NGOs bestimmt als Non-Profit-Organisationen, die nicht unter der Kontrolle von Regierungen stehen, sich zwar teilweise Abhängigkeiten einhandeln, aber nicht nach staatlicher Macht streben. Ihre organisatorische Struktur (mit einem Stab von Hauptamtlichen) und die zunehmende Professionalisierung unterscheiden sie von sozialen Bewegungen, so die Vf. Obwohl NGOs in der Regel international wirken, sind sie national verankert. Seit der UNO-Resolution 1996/31 haben NGOs, die bestimmten Kriterien entsprechen, einen Konsultativstatus bei den Vereinten Nationen. Die Vf. treffen eine Unterscheidung zwischen „genuinen NGOs“ oder „Transnationalen sozialen Bewegungsorganisationen“ (wie Greenpeace), „internationalen Interessenorganisationen“ und „quasi-NGOs“ wie dem Roten Kreuz. Außerdem unterscheiden sie je nach Binnenstruktur zwischen föderativen und zentralistischen NGOs.

Kapitel 3 behandelt Geschichte, Funktionen und Professionalisierung von NGOs. Man erfährt, dass schon im frühen 19. Jahrhundert solche Vereinigungen wie die Anti-Sklaverei-Gesellschaft existierten, die heutigen NGOs vergleichbar sind. Die Vf. verweisen auf die Dominanz von NGOs westlicher Provenienz (55). Einen größeren Raum nimmt die Herausarbeitung von NGO-„Profilen“ ein, die sich nach Aufgabenschwerpunkten differenzieren lassen. Je nach Selbstverständnis und Thematik, aber auch nach Situation haben Themensetzung, Lobbying, Advocacy, Expertise oder Projektarbeit Priorität (3.2). Behandelt und diskutiert werden sodann das Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen, die Folgen von Professionalisierung und Spezialisierung, Personalmanagement und Rekrutierung. Zum Beispiel sprechen die Vf. die Grenzen von Idealismus und Selbstausbeutung an (3.3).

In Kapitel 4 „Akteursqualität – NGOs in der internationalen Politik“ gehen die Vf. von der gewachsenen Bedeutung von NGOs aufgrund der „Entmachtungsspirale“ aus, die staatliche Instanzen im Globalisierungsprozess trifft (99), so dass NGOs eine Kompensationsfunktion zukommt. UNO-Weltkonferenzen sind zur „Bühne für NGOs“ geworden. Ihr Konsultativstatus und informelle Treffen mit UN-Diplomaten werfen ein Licht auf ihren politischen Prestigegewinn. Ähnliches gilt für ihre Rolle bei der EU-Administration, wo sie in der Brüsseler Lobbying-Szene mitmischen. Die Leser/innen werden aufmerksam gemacht auf die ambivalente Rolle von NGOs als Legitimationsbeschaffer (110) und die wirtschaftliche Dimension des Marktes für EU-Projekte (115).

In Kapitel 5 werden noch einmal abschließend wichtige Diskussionsaspekte aufgegriffen, unter anderem die kritische Funktion von NGOs im Prozess der Globalisierung einerseits und das Schattendasein der NGOs des globalen Südens (mangels Ressourcen etc.) dabei andererseits.

Ein Abkürzungsverzeichnis und ein Verzeichnis der bedeutendsten NGOs mit deren Websites ergänzen das Bändchen.

Diskussion

Die Publikation aus der Reihe „Elemente der Politik“ hat der Textsorte nach den Charakter eines enzyklopädischen Artikels. Die Vf. liefern Grundinformationen, klären Begriffe und nehmen Unterscheidungen vor. Und doch vermag das Buch aufmerksamen Leser/inne/n auch Problembewusstsein zu vermitteln und Fragen anzustoßen.

Fazit

Ein recht nützliches Medium für Studierende der Sozialwissenschaften (auch der Sozialarbeit) und für politische Aktivist/inn/en.


Rezensent
Prof. Dr. Georg Auernheimer
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Zitiervorschlag
Georg Auernheimer. Rezension vom 04.12.2014 zu: Christiane Frantz, Kerstin Martens: Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2006. ISBN 978-3-531-15191-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17634.php, Datum des Zugriffs 19.10.2018.


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