Martin P. Schwarz, Wilfried Ferchhoff et al. (Hrsg.): Professionalität. Wissen - Kontext
Rezensiert von Roland Baur, 08.05.2015
Martin P. Schwarz, Wilfried Ferchhoff, Ralf Vollbrecht (Hrsg.): Professionalität. Wissen - Kontext. Sozialwissenschaftliche Analysen und pädagogische Reflexionen zur Struktur bildenden und beratenden Handelns. Festschrift für Prof. Dr. Bernd Dewe. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2014. 844 Seiten. ISBN 978-3-7815-1971-8. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR, CH: 66,90 sFr.
Thema
Gegenstand des rezensierten Buchs ist die Professionalität in bildendem und beratendem Handeln.
Herausgeber
- Dr. Martin P. Schwarz: Akademischer Rat am Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Betriebspädagogik / Personalentwicklung an der Universität Koblenz-Landau.
- Prof. Dr. Wilfried Ferchhoff: Privatdozent an der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Arbeitsbereich Medienpädagogik, Forschungsmethoden und Jugendforschung der Universität Bielefeld.
- Prof. Dr. Ralf Vollbrecht: Professor für Medienpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft der TU Dresden.
Entstehungshintergrund
Der Sammelband ist der dreißigjährigen bildungs- und berufssoziologischen Forschungspraxis von Bernd Dewe sowie dem fünfjährigen Bestehen des interuniversitären Graduiertenkollegs „Wandlungsprozesse in Industrie- und Dienstleistungsberufen und Anforderungen an moderne mediale Lernwelten in Großunternehmen und -organisationen“ gewidmet.
Aufbau
Neben der Einleitung ist das Buch in vier Teile unterteilt.
- Im ersten Teil wird der Stand des interdisziplinären Forschungsprogramms „Professionalität“ vorgestellt.
- Der zweite Teil befasst sich mit zentralen Begriffen wie Wissen, Profession oder Professionalität.
- Danach wird im dritten Teil ein Überblick zum Stand der Professionsforschung gegeben.
- Im abschließenden vierten Teil werden anhand ausgewählter Arbeitsfelder Formen der Institutionalisierung von bildendem und beratendem Handeln vorgestellt.
Inhalt
Einleitend stellen die drei Herausgeber die wesentlichen Entwicklungslinien des Forschungsprogramms von Bernd Dewe vor. Ausgehend von Bildungsforschung in der betrieblichen und beruflichen Weiterbildung sind später berufssoziologische Fragen zu Professions- und Wissenschaftstheorien dazu gekommen. Neuere Arbeiten Dewes beschäftigen sich mit „reflexiver Professionalität“, worunter eine „Relationierung unterschiedlicher Wissens- und Handlungsformen im Bereich professionalisierter Praxis“ (S. 19) verstanden wird.
Teil I: Zum Stand eines interdisziplinären Forschungsprogramms. Dieser Teil besteht aus einem einzelnen Beitrag von Wilfried Ferchhoff und Martin P. Schwarz zur „Genese der klassischen Professionen“. Darin werden unterschiedliche (auch ältere) Theorien zur Herausbildung der Professionen vorgestellt und den seit den 1960er Jahren feststellbaren Deprofessionalisierungstendenzen gegenübergestellt, um mit einer aktuellen Lesart von Professionalität als „reflexiver Professionalität“ abzuschließen.
Teil II: Begriffliche Annäherungen: Wissen, Handeln, Profession, Professionalität – Referenzen und Interdependenzen. Der Beitrag von Klaus Kraimer widmet sich dem „Projekt der Professionalisierung – zur Strukturlogik individueller Krisenbewältigung und professioneller Krisenbewährung“ (S. 102-127). Er knüpft an theoretischen Fundierungen von Professionalität an, die aus neuen Anforderungen in der Berufspraxis, z.B. der Sozialen Arbeit oder Pädagogik, resultieren und geht zunächst auf Entwicklungslinien der reflexiven Professionalität ein. Nach einer kurzen Darlegung der Professionalisierungsbedürftigkeit, gezeigt am Fall der Kinder- und Jugendhilfe, werden Möglichkeiten einer neu verstandenen Sozialen Diagnostik erläutert. Mit der Stellvertretenden Krisenbewältigung wird eine Bewährungsdynamik transparent gemacht, die bei der Bewältigung von Krisen generell entsteht. Mit dem Professionsideal wird ein Modell gelingender Professionalität vorgestellt, welches in der Logik der reflexiven Professionalität nach Dewe und anderen steht.
Teil III: Stand und Perspektiven der Professionsforschung. Dieser Teil mit elf Beiträgen leuchtet den Stand der Professionsforschung in unterschiedlichsten Feldern aus. Mehrere Beiträge beschäftigen sich dabei mit der Professionalisierung im Erziehungssystem (bzw. mit dem „Konkurrenzprojekt“ des Managerialismus (S. 22)), während andere sich mit der gesellschaftlichen Integration durch Nähe und Distanz auseinandersetzen oder eine Professionstheorie künstlerischen Handelns vorstellen.
Teil IV: Formen der Institutionalisierung und Referenzkontexte bildenden und beratenden Handelns. Dieser Teil ist weiter gegliedert nach
- Erwachsenenbildung,
- Beratung und Führung,
- Hochschuldidaktik,
- Betriebliche Weiterbildung,
- Sozialarbeit,
und stellt Fallstudien aus diesen Bereichen vor, welche auf „Bedingungen und Grenzen der Professionalitätsentwicklung“ (S. 22) in den jeweiligen Feldern hinweisen.
Den Abschluss des Bandes bildet der Anhang mit Angaben zum Werdegang und Schriften von Bernd Dewe sowie zu den Autorinnen und Autoren des Sammelbands.
Diskussion
Der Sammelband thematisiert sehr unterschiedliche Facetten von Professionalisierung und Professionalität und leistet mit den vielfältigen Beiträgen einen wichtigen Beitrag zum aktuellen Diskurs in verschiedenen Disziplinen wie z.B. Erziehungswissenschaft oder Soziale Arbeit.
Fazit
Der Sammelband zu Professionalität vermittelt vor dem Hintergrund des Forschungsprogramms von Bernd Dewe vielseitige und aktuelle Einblicke in Begrifflichkeiten, Reflexionen und Forschungspraxen zu Profession und Professionalität im Kontext von bildendem und beratendem Handeln aus Sicht unterschiedlichster Autorinnen und Autoren.
Rezension von
Roland Baur
Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Fachhochschule Nordwestschweiz. Hochschule für Soziale Arbeit. Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung
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