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Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Sorgen für Wohlfahrt

Cover Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Sorgen für Wohlfahrt. Moderne Wohlfahrtspflege in den Verbänden der Dienste am Menschen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 180 Seiten. ISBN 978-3-8487-1195-6. 39,00 EUR.

Blätter der Wohlfahrtspflege ; Sonderbd. 2014.
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Entstehungshintergrund

Der Band ist anlässlich des 90 jährigen Jubiläums der Bundearbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) entstanden und versammelt 9 Beiträge aus den Verbänden, die die aktuellen Herausforderungen und Lösungsstrategien thematisieren. Der Titel „Sorgen für Wohlfahrt“ meint dabei mehrerlei.

  • Zum einen rekurriert er auf das System der Wohlfahrtverbände bzw. Sozialwirtschaft und deren Rolle im deutschen Sozialstaat
  • Zum anderen den guten Leistungen für die Klienten, was neben sozialen Diensten auch politische Interessenvertretung impliziert und
  • Schließlich verweist es (eher indirekt) auf die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen von über 1,5 Mio. Mitarbeitern und 2,5-3 Mio. Ehrenamtlichen

Aufbau

Die BAGFW repräsentiert die Freie Wohlfahrtspflege in Deutschland. Historisch betrachtet hat sich das „Stückwerk“ (Wendt) stark organisiert und kooperativ und in den Sozialstaat integriert. Seit einer Zeit wandeln sich aber die Arrangements und Verteilungen von Verantwortung zwischen Staat, Markt freien und zivilen Assoziationen sowie den privaten Haushalten für die soziale Versorgung. Globalisierung, Europäisierung, neoliberaler Um- und Abbau des Sozialstaates oder demographischer Wandel sind die Faktoren, die dafür verantwortlich sind. Auf diese Herausforderungen suchen die Autoren Antworten.

Inhalt

Wendt versucht, die Freie Wohlfahrtspflege bzw. die Sozialwirtschaft als mehrdimensionales Phänomen zu beschreiben. Er betont neben den politischen Funktionen der Interessenvertretung und partnerschaftlichen Kooperation die Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Formen der Wohlfahrtssteuerung auf der Systemebene (governance of welfare) und der Betriebsebene. Und er kritisiert die vielfach verwendete Formel der „Ökonomisierung“ als zu unscharf (12). Zudem führt

Cremer greift die Debatte um die Spannungen zwischen der anwaltschaftlichen und der unternehmerischen Funktion der Wohlfahrtverbände auf und plädiert für Transparenz. Zudem fordert er eine realistische Position, die soziale Reformen einfordert – aber auch mehr die Fortschritte und Grenzen des Finanzierbaren anerkennt. „Skandalisierung kann auch eine Position befördern, die Gift für ist für solidarische Systeme“ (96).

Mühlhausen skizziert die Reformstrategien der AWO, indem er auf die Rahmenbedingungen, Ziele und Mittel eingeht. Ein Eckpunkt bildet die Wertbindung der AWO Unternehmen, andere die Betonung hochwertiger Dienstleistungen und die Stärkung der sozialen Innovationsfunktion. Letzteres ist das Thema von Schwarzer.

Rosenbrock und Woltering werfen den Blick auf drei Herausforderungen:

  1. Werden die angestrebten Ziele und Klienten auch wirklich erreicht (und nicht nur auf den Papieren für die Statistiken)?
  2. Werden sie auch effizient erbracht?
  3. Sollen sie überhaupt – so der verbreitete neoliberale Diskurs auch erbracht werden?

Dem müssen sich die Wohlfahrtsverbände stellen, v.a. durch die Rückbesinnung auf die Wertebasis und neue politische Bündnisstrategien. Dazu bedarf es auch neuer Kommunikationsstrategien und Partizipationsangebote (Timm). Das gilt auch und gerade in Bezug auf Europa, so Timm. Denn für die EU sind Wohlfahrtsverbände weitgehend ein Fremdkörper.

Diskussion

Das Buch ist durchaus informativ und belegt im Übrigen die Spannweite an Positionen. So wird einerseits der sozialpolitische Reformrealismus eingefordert, andererseits (locker) von Neoliberalismus und Ökonomisierung geredet. Nur am Rande angemerkt: Der Hinweis auf sinkende Sozialausgaben in den letzten Jahren (S. 127) hat weniger mit Kürzungen als mit sinkenden Ausgaben wegen Vollbeschäftigung zu tun. Gleichwohl sind „Sicherheit, Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung“ (27) – so eine Definition von Wohlfahrt – noch nicht überall in Deutschland ausreichend verwirklicht. Damit haben die Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege auch weiterhin eine wichtige Mission und Funktion.

Fazit

Insgesamt gesehen handelt es sich um eine Selbstbeschreibung der Lage und der Optionen durch die Akteure der Freien Wohlfahrtspflege selbst. Es ist nicht primär wissenschaftlich- analytisch ausgerichtet, wenngleich sich immer wieder konzeptionelle Passagen finden.


Rezensent
Prof. Dr. Josef Schmid
Prof. für Politische Wirtschaftslehre und Vergleichende Politikfeldanalyse an der Universität Tübingen, lehrt und forscht über Wohlfahrtsstaaten, Arbeitsmarktpolitik und Bürgerschaftliches Engagement in den Bundesländern. Er ist derzeit hauptamtlicher Dekan der Wirtschafts- Sozialwissenschaftlichen Fakultät
Homepage www.wip-online.org
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Zitiervorschlag
Josef Schmid. Rezension vom 17.04.2015 zu: Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Sorgen für Wohlfahrt. Moderne Wohlfahrtspflege in den Verbänden der Dienste am Menschen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. ISBN 978-3-8487-1195-6. Blätter der Wohlfahrtspflege ; Sonderbd. 2014. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17648.php, Datum des Zugriffs 21.09.2017.


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