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Nando Belardi: Supervision für helfende Berufe

Cover Nando Belardi: Supervision für helfende Berufe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2015. 3. Auflage. 230 Seiten. ISBN 978-3-7841-2610-4. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

Das vorgestellte Buch bietet eine sehr umfangreiche Einführung in die Supervision. Es beschäftigt sich sowohl mit der Entstehungsgeschichte, mit den notwendigen Qualifikationen des Supervisors, als auch mit den unterschiedlichen Arbeitsfeldern für Supervision.

Autor

Professor Dr. Nando Belardi ist Psychotherapeut (HPG) und Supervisor (DGSv). Bis 2006 war er Inhaber des Lehrstuhls für Sozialpädagogik an der Technischen Universität Chemnitz. Weiterhin arbeitete er als Gastprofessor für Sozialarbeit und Supervision in Hongkong, Wolograd, Bozen/ Brixen sowie Chengdu (V.R. China).

Aufbau

Das Buch lässt sich grob in fünf Teile gliedern.

  1. Der erste Teil befasst sich mit der Entwicklung sowie den Möglichkeiten von Supervision in Abgrenzung zur Psychotherapie.
  2. Der zweite Teil bietet eine ausführliche Darstellung von Supervision, dabei wird der Supervisionsprozess in seiner ganzen Komplexität vom Beginn bis zum Ende beschrieben.
  3. Im dritten Teil werden die verschiedenen Settings in der Supervision vorgestellt, die durch einen Exkurs zum Coaching, bzw. zur Organisationsentwicklung komplettiert werden.
  4. Der vierte Teil befasst sich mit dem beruflichen Bild von Supervision und der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Dabei werden besonders ausführlich diverse Arbeitsfelder für Supervision beleuchtet.
  5. Nach einer sehr hilfreichen kurzen Einführung in das Thema Recht und Ethik in der Supervision, schließt das Buch mit dem fünften Teil ab, in dem die Wirksamkeit von Supervision unter die Lupe genommen wird und eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte angeboten wird.

Zu Teil 1

Der erste Teil beinhaltet Kapitel 1-3. Belardi beschreibt zunächst die veränderte Arbeitswelt seit Ende der 1980 ger Jahre, die massiven Einfluss auf die Entwicklung von Supervision hatte, um dann die Herkunft der Supervision und deren Entwicklung in Deutschland zu erläutern. Die „helfenden Berufe“ sind durch die „freiwillige Hilfsarbeit“ von Frauen im 19. Jahrhundert entstanden. Vorläufer von Supervision gab es ab etwa 1880 in den USA und Großbritannien. Sie fand ihren Ursprung in der Sozialarbeit. Erst in den 1930 ger Jahren nahm die Psychoanalyse Einfluss auf die Sozialarbeit und damit auch auf die Supervision. Erstmals tauchte der Begriff Supervision im Jahr 1950 in dem Buch „Casework in USA“ von Hertha Kraus (S.18) auf.

In Deutschland war die Entwicklung von Supervision hingegen eher rückläufig. Sie wurde als zu wenig sozialwissenschaftlich und zu stark psychoanalytisch kritisiert. In der Praxis wurde Supervision als unnötiger Kostenträger eingeschätzt. Supervision galt und gilt teilweise heute noch lediglich als Defizitkompensation.

Erst 2001 wurde Supervision wieder fester Bestandteil der Ausbildung zum Sozialpädagogen bzw. zum Sozialarbeiter.

Kapitel 2 geht auf die Schwierigkeiten und psychischen Belastungen der helfenden Berufe ein. Das Burnout Syndrom wird kurz beschrieben, um dann eine Begriffsdefinition von Supervision in Abgrenzung zur englischen Bedeutung zu präsentieren. „Unter dem Begriff Supervision versteht man Weiterbildungs-, Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Zusammenhänge. Das allgemeine Ziel der Supervision ist es, den Ratsuchenden (Supervisanden) zu helfen, damit sie ihre eigene Arbeit verbessern können. (…)“ (S.31)

Im Folgenden unterscheidet Belardi zwischen externer und interner Supervision und stellt sie mit ihren Vor- und Nachteilen einander gegenüber. Als Schlüsselfähigkeit stellt er für einen gelungenen Supervisionsprozess die Feld- und Beratungskompetenz in den Vordergrund.

Die Feldkompetenz umfasst Hintergrundwissen über das Arbeitsgebiet. Der Supervisor ist sich der verschiedenen Dynamiken zwischen Klienten, Mitarbeiter und Institution bewusst und kann sie für den Prozess nutzbar machen. Eine Gefahr hierbei besteht darin, angesichts des Erfahrungsvorsprunges des Supervisors evtl. den Supervisanden Lösungsideen überstülpen zu wollen.

Die Beratungskompetenz meint die Fähigkeit beruhend auf diversen theoretischen und methodischen Hintergründen zur Beratung im beruflichen Kontext.

Beide Kompetenzen sind nicht statisch, sondern unterliegen einem dynamischen Prozess und müssen immer wieder modifiziert werden.

In Kapitel 3 wird anhand verschiedener Beispiel die Gratwanderung zwischen der Fachberatung und der Anwendung psychotherapeutischer Methoden in der Supervision veranschaulicht. Dabei werden Verführbarkeiten wie beispielsweise die Übertagung herausgestellt und mögliche Umgangsweisen damit bearbeitet.

Zu Teil 2

Der zweite Teil (Kapitel 4-9) stellt den Supervisionsprozess dar. Kapitel 4 legt den Fokus zunächst auf den Beginn der Supervision und die dafür unabdingbare Konraktierung gelegt. Belardi macht deutlich, dass Supervision etwas prozesshaftes ist, bei dem der Supervisor im Idealfall durch seine Interventionen beim Supervisanden etwas in Gang bringt, das hilfreich für ihn ist. Anhand einer Beispielsupervision aus einem Wohnheim wird sehr klar veranschaulicht, weshalb eine deutliche Grenzsetzung notwendig ist, um eben auch klare Rahmenbedingungen gewährleisten zu können.

Im Folgenden wird der mögliche Weg beschrieben, der zur Supervision führen kann. Schon im Kontraktgespräch ist es wichtig, die Motivation für die Supervision abzuklären. Im Fokus stehen die Auftragsklärung, sowie die Rahmenbedingungen. Belardi bietet einen sehr hilfreichen Fragenkatalog aus Pühl, 1990, S.163; Rappe-Giesecke, 1994a, S. 22ff an.

In dem Zusammenhang ist auch die Klärung des Auftragsgebers wichtig. Handelt es sich um einen Dreieckskontrakt mit eventuellen geheimen Aufträgen? Wer gibt die Aufträge für die Supervision?

Das Kapitel schließt mit der Gegenüberstellung und Veranschaulichung von verschiedenen Formen der Supervision.

Kapitel 5 beschreibt kurz mögliche Themen der Supervision und deren Gefahren und Verführbarkeiten, um dann in Kapitel 6 hilfreiche Ideen zu präsentieren, einen gelungenen Supervisionsprozess in Gang zu setzen. Ausgeführte Themen sind:

  • Umgang mit und Nutzung von Widerständen
  • Polaritäten
  • Resonanzphänomene und Körpersprache
  • Das Erkennen der Botschaft hinter der Botschaft, bzw. die Übersetzung
  • Möglichkeiten der Kommunikation anhand kompakter Vorschläge aus unterschiedlichen Richtungen der Kommunikationswissenschaft
  • Vorzüge des systemischen Arbeitens
  • Bedeutung des Geschlechterunterschiedes

Kapitel 7 befasst sich mit dem Umgang und der Erarbeitung von Lösungsstrategien in Krisensituationen. Anschaulich werden hilfreiche Strategien aufgezeigt, beispielsweise Krisengespräche in der Supervision vorzubereiten oder die Entlastung des Sozialarbeiters durch die Supervision zu bewirken. Dies wird am Beispiel des „Containing“ (S.86) erläutert.

Das Kapitel schließt mit möglichen Fehlern in der Supervision und dem Umgang damit. Benannt werden Rahmenfehler, Fehler auf der Prozess- und Kompetenzebene, Fehler auf der Institutionsebene und ethische Fehler.

In Kapitel 8 wird nochmal kurz der Verlauf von Supervisionsprozessen skizziert. Anschaulich mit Spiegelstrichen werden die Aufgaben des Supervisors im Gruppenprozess aufgezählt und hilfreiche Interventionen angeboten, um dann in Kapitel 9 den Abschluss der Supervision zu erläutern. Dabei ist es wichtig, den gesamten Prozess nochmal zu beleuchten, um eine Auswertung gewährleisten zu können. An dieser Stelle macht Belardi deutlich, wie wichtig auch für den Supervisor die Überprüfung seiner Arbeit durch z.B. die Intervisionsgruppe ist.

Zu Teil 3

Nach dieser ausführlichen Darstellung des Supervisionsprozesses vom Kontraktgespräch bis hin zum Abschluss werden im dritten Teil des Buches (Kapitel 10-12) die verschiedenen Settings der Supervision vorgestellt.

Kapitel 10 befasst sich zunächst mit der Einzelsupervision. Es werden 5 Formen beschrieben:

  • Die Ausbildungssupervision, die heute eher aus Kostengründen in Gruppen angeboten wird
  • Die Einzelsupervision für Praktiker nennt sich „Weiterbildungssupervision“
  • Die Supervision für Berufstätige, vorwiegend aus dem sozialen Bereich im Rahmen einer Beraterausbildung
  • Die Lehrsupervision als Voraussetzung für die Ausbildung zum Supervisor
  • Die Rollenberatung zur Klärung der Arbeitsrolle von Berufstätigen

Anschließend stellt Belardi ein Beispiel vor, in dem er das Problem eines Sozialarbeiters präsentiert, der systemfremd eingesetzt wird.

In Kapitel 11 definiert der Autor den Begriff Coaching und beschreibt dann die unterstützende Wirkung für die Leitungsarbeit. Er grenzt klar ab, das es sich beim Coaching um die Reflexion der Leitungsrolle und deren Ausübung handelt, im Gegensatz zur Supervision.

Zum Ende dieses Kapitels geht er nochmal ausführlich darauf ein, dass der Begriff Coaching ähnlich wie der Begriff der Supervision einer klaren Definition bedarf.

Kapitel 12 schließlich stellt die verschiedenen Formen des Mehrpersonensettings in der Supervision vor. Zunächst beschreibt Belardi kurz die Auswirkungen von Gruppendynamik, die auch immer in der Supervisionsgruppe eine Rolle spielen.

Als erstes führt er die Ausbildungssupervision an, die meistens im Kontext eines Praktikums beispielsweise während der Ausbildung an einer Hochschule stattfindet.

Die Gruppensupervision für Berufstätige besteht aus Personen, die nicht unmittelbar zusammenarbeiten. Das hat den Vorteil, dass die Teilnehmer unbelasteter ihre Themen präsentieren können, da es keinen direkten Zusammenhang zum Arbeitsplatz gibt.

In der Supervisionsausbildung ist die Gruppensupervision ein fester Bestandteil. Der Supervisor trägt dabei Fälle aus seiner Praxis vor.

Die kollegiale Supervision zeichnet sich dadurch aus, dass kein Supervisor von außen dazu kommt.

Eine besondere Form der Supervision ist die Balint-Gruppe.

Schließlich befasst sich die Teamsupervision sowohl mit der Fallarbeit, als auch mit den Beziehungen im Team bis hin zur Organisationsstruktur. Durch die Teamstruktur kommt dieser Form der Supervision eine neue Ebene hinzu, auf der es wichtige Punkte zu berücksichtigen gibt. (S. 120-121)

Da die Supervisanden zunehmend zwar aus derselben Einrichtung, nicht aber zwingend aus demselben Team kommen, wie beispielsweise bei den ambulanten Hilfen oder dem Jugendamt, ist der Begriff der Teamsupervision in diesen Fällen irreführend und der Begriff der Organisationssupervision passender. Aus diesem Grund geht Belardi zum Abschluss des 12. Kapitels näher auf den Begriff der Organisation ein. Er beschreibt ausführlich das Wesen der Organisation und bietet kurze anschauliche Beispiele an. Der Autor gibt einen kleinen Exkurs in die Organisationsentwicklung, die die Organisationsberatung mit einschließt, um dann deutlich zu machen, dass für dieses Feld eine reine Supervisionsausbildung nicht ausreichend ist und es einer einschlägigen Zusatzausbildung bedarf.

Zu Teil 4

Der vierte Teil des Buches ist neu (Kapitel 13-16). Zunächst gibt Belardi in Kapitel 13 kurz eine theoretische Begründung der Supervision an, indem er einige Theorien anreißt. Er stellt fest, dass es nie nur eine geltende Theorie geben kann.

In Kapitel 14 wird die Entwicklung der Supervision als eigenständiger Beruf beleuchtet. Die Nachfrage nach Supervision stieg in den 1980 ger Jahren an, vor allem durch die Forderung des Kinder- und Jugendhilfegesetz von 1990/91 nach „Fortbildung und Praxisberatung“ (§72,3). Ende 1989 wurde in Köln die Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv.) gegründet, um eine Seriosität des Berufsstandes Supervision durch Standardisierung zu gewährleisten. Durch eine immer stärker werdende Beteiligung der Hochschulen an der Supervisionsausbildung durch entsprechende Studiengänge hat eine Verwissenschaftlichung stattgefunden.

Die Anzahl der Sozialpädagogen und Sozialarbeiter hat sich von 1985 – 1995 verdoppelt, dementsprechend ist auch die Inanspruchnahme von Supervision stark gestiegen. Belardi beschreibt die Modalitäten der Supervisionsausbildung, er weist darauf hin, dass Supervisoren häufig insbesondere aus dem sozialen Bereich stammend diesen Beruf wählen, um gesellschaftlich angesehener zu sein.

Im Folgenden führt er anhand der Supervisonsverbände von BRD, Österreich und der Schweiz einige Statistiken an, aus welchen Gruppen die Supervisoren bestehen, wo und wie sie arbeiten und wie in etwa der durchschnittliche Verdienst von Supervisoren aussieht. Damit macht er deutlich, dass der Beruf des Supervisors als einzige Einnahmequelle nach wie vor noch nicht etabliert ist.

Anschließend geht er der Frage nach, welchen Stellenwert Supervision als Beruf in der heutigen Gesellschaft hat. Provokant diskutiert er die Idee der Qualitätssicherung von allem innerhalb der Verbände und stellt der Supervision das in der Ausbildung wesentlich weniger zeit- und kostenaufwändige Coaching gegenüber.

Kapitel 15 befasst sich mit den Einsatzgebieten von Supervision, hier unterscheidet Belardi diverse Felder:

  • Die freiberuflichen Einzelkämpfer (S.153); als Beispiel führt er den Klinikarzt an, der sich als Facharzt in einer Praxis niederlässt.
  • Die kleinen und mittleren Unternehmen (S.154); Supervision wird genutzt, um Probleme auf der psychischen und organisatorischen Ebene zu bearbeiten.
  • Die Industrie (S.156); Belardi verweist auf die mittlere Unternehmensebene, in der vielmehr zwischenmenschliche Qualifikationen wie Moderation und Kooperation eine Rolle spielen, als strikte hierarchische Mitarbeiterführung.
  • Der öffentliche Dienst (S.157); Supervision wird genutzt vor allem als Fortbildungsmöglichkeit bei der Umstellung von Verwaltung.
  • Die Kirche (S.157); Supervision insbesondere als Prävention für die Pfarrer, die immer mehr Rollen bekleiden müssen, aber auch als Fortbildungsmöglichkeit den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
  • Die Frühpädagogik (S.158); besonders in den letzten Jahren wurde hier ein Qualitätsdefizit festgestellt, das durch eine Steigerung der Ausbildungsstandards auf ein Hochschulniveau aufgefangen werden soll.
  • Die Schule (S.159); die Schwerpunkte der Schule haben sich verändert, Anforderungen an die Lehrer sind komplexer geworden. Dem kann durch Supervision Rechnung getragen werden.
  • Die Sonderpädagogik (S.161); ähnlich der Schule ist das Feld wesentlich komplexer geworden. Seit den 1990 ger Jahren ist das Projekt der Inklusion für Menschen mit besonderem Förderbedarf auf den Weg gebracht. Sonderpädagogik greift damit in Frühpädagogik, Schule, Beruf und Gesellschaft.
  • Die Supervision für Katastrophenhelfer (S.162); Hiermit ist die Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk, DLRG und Bundeswehrsoldaten gemeint. Belardi führt einige Beispiele aus der Vergangenheit an.
  • Die Pflege (S.166); Belardi hebt hervor, dass auch hier noch viel zu selten Supervision eingesetzt wird. Die besonderen Belastungen durch das immer wieder neue Ausloten von Nähe und Distanz, der Umgang mit Grenzsituationen gepaart mit dem ständig wachsenden Zeitdruck machen Supervision unabdingbar.
  • Die Supervision mit Ehrenamtlichen (S.169); im Fokus der Supervision steht die Motivation der Aufnahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit. In dem Zusammenhang ist die Balance zwischen Geben und Nehmen zu berücksichtigen. Der Autor greift insbesondere die Sterbearbeit auf, da es um existenzielle Themen geht.
  • Die Supervision in Selbsthilfegruppen (S.172); Supervision kann hilfreich für die Beratung der Moderatoren sein. Der Supervisor kann Schulungen in Gesprächsführung und Gruppenleitung anbieten.
  • Die Supervision von Modellprojekten (S.173); Gerade hier ist es wichtig in der Zusammenführung von Mitarbeitern und dem Ausprobieren des Machbaren einen Blick von außen zu haben.
  • Die Supervision im interkulturellen Bereich (S.174); Kulturelle Unterschiede stellen eine zusätzliche Herausforderung dar. Dabei gilt es eventuelle Vorurteile abzubauen, um dem jeweiligen Land möglichst offen und wertfrei zu begegnen.

Das Kapitel endet mit dem dringenden Appell, die Notwendigkeit von Supervision ernst zu nehmen. Insbesondere in ländlicheren Gegenden scheint Supervision noch sehr unbekannt zu sein.

Kapitel 16 bietet einen kurzen Einblick zum Thema Recht und Ethik in der Supervision. Es beschäftigt sich mit dem Zeugnisverweigerungsrecht, dem Recht bzw. der Pflicht an der Supervision teilzunehmen, dem Umgang mit der Schweigepflicht, der juristischen Verantwortung von Supervisoren, sowie dem Umgang mit der Anzeigepflicht von Straftaten. Als äußerst hilfreich bietet Belardi einen Leitfaden für den Supervisionsvertrag an. Des Weiteren macht er darauf aufmerksam, dass die Bezeichnung der Supervision rechtlich nicht geschützt ist und hebt somit die Wichtigkeit der Dachverbände hinsichtlich einer qualitativen Kontrolle aber auch notwendiger ethischer Leitlinien hervor.

Zu Teil 5

Der 5. Und letzte Teil des Buches (Kapitel 17-18) befasst sich mit der Wirksamkeit von Supervision, bevor er mit einer Zusammenfassung schließt.

In Kapitel 17 bedient sich Belardi zunächst der Auswertung des „Supervisions – Evaluations – Inventar“ entwickelt von Schneider und Müller (S.187), um dann weitere Ergebnisse aus anderen Evaluationen zu präsentieren. Aus diesen geht hervor, dass Supervision präventiv hilfreich ist, um eine höhere Arbeitszufriedenheit und damit Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Damit werden dauerhaft Kosten gesenkt. Supervision wird als wertvolles Instrument zur Reflexion der eigenen Arbeit verstanden.

Im Anschluss führt Belardi die Entwicklung von Supervision in Europa kurz aus. In seiner Zusammenfassung in Kapitel 18 geht der Autor nochmal kurz auf die Entwicklung von Supervision ein.

Diskussion

Belardi setzt sich in seinem Buch mit dem Begriff der Supervision auf unterschiedlichen Ebenen auseinander.

Er beschreibt sehr ausführlich den Supervisionsprozess mit seinen verschiedenen Settings. Er macht die Wichtigkeit des Kontraktgespräches sehr deutlich, bei dem der Fokus auf der Auftragsklärung liegt und erarbeitet gut nachvollziehbar, warum hier ein Supervisionsprozess schon scheitern könnte. Damit legt er einen wichtigen Grundstein für den Einstieg. Seine Ausführungen werden konsequent gestützt von anschaulichen Beispielen, deren Analyse hilfreiche Impulse für angehende Supervisoren geben kann, sowie die vielen Angebote an Leitlinien, die zum Nachdenken anregen. Beispielsweise lassen sich seine Aufzählung von Interventionsmöglichkeiten, sowie die Ideen zur Kommunikation, die er aus unterschiedlichen Theorien ableitet gut für den eigenen Supervisionsprozess nutzen. Lediglich der Abschluss eines Supervisionsprozesses kommt aus meiner Sicht etwas kurz. Aus der eigenen Arbeit sowohl als Sozialpädagogin, als auch als Supervisorin ist mir bekannt, dass das Thema Abschied den Alltag der helfenden Fachkräfte auch immer wieder beeinflusst. Sei es im direkten Kontakt mit dem Klienten oder aus den Erfahrungen der Klienten heraus, die selten positiv sind. In diesem Zusammenhang kann der Abschluss einer Supervision entsprechend modellhaft gestaltet werden und der Sozialpädagoge hat die Möglichkeit, das Erfahrene in seinem Arbeitsalltag nutzbar zu machen.

Belardi setzt sich in seinem Buch mit den Schwerpunkten der Supervision auseinander in Abgrenzung zur Berufs- oder Unternehmensberatung. Konsequent verfolgt er die Idee der Supervision für „helfende Berufe“. Allerdings führt er auch aus, dass sie in einigen Arbeitsfeldern nach wie vor noch zu wenig Beachtung findet. Er beschreibt, dass Supervision früher häufig als Defizitkompensation eingesetzt wurde. Leider scheint das bis heute ein Thema zu sein, wenn die Tendenz auch Gott sei Dank rückläufig ist. Immer wieder werde ich in den Erstgesprächen mit den Supervisanden, gerade wenn es einen Dreieckskontrakt mit einer Einrichtung gibt damit konfrontiert, Supervision sei ein anderer Begriff für Psychotherapie und „es stimme etwas nicht mit ihnen, was ich jetzt richten soll“. Auch mit diesem Thema setzt sich Belardi auseinander, indem er eine klare Abgrenzung zur Psychotherapie aufzeigt. Supervision ist immer berufsbezogen.

Eine weitere Ebene, die Belardi durchweg bedient, ist die der Berufslegitimation und die Qualitätssicherung. An dieser Stelle macht er in seiner Neuauflage deutlich, dass Supervision insgesamt selbstverständlicher geworden ist. Erst seit 2001 ist sie wieder Bestandteil der Ausbildungen im sozialen Bereich. Dabei gibt es noch keine Vereinheitlichung einer Begriffsdefinition, was dazu führt, dass der Begriff sehr unterschiedlich mit Inhalt gefüllt wird. Wie ich finde ist dies ein sehr spannender Diskussionsaspekt für die Zukunft. Es gibt die Supervisionsverbände, die versuchen einen Qualitätsstandard aufrecht zu erhalten, bzw. zu entwickeln. Der Begriff der Supervision ist nicht geschützt und kann alles und nichts bedeuten. Lediglich die Zugehörigkeit zu einem Dachverband gibt dem Kunden Orientierung. Wie oben schon aufgeführt ist Supervision in so vielen Bereichen des sozialen Feldes enorm wichtig und birgt so viele positive Aspekte. Aber sollte es tatsächlich dazu kommen, dass sie als Pflicht in manchen Arbeitsfeldern eingefordert wird, muss dem nicht eine klare Definition des Berufes Supervisor vorangehen? Muss die Ausbildung Supervision nicht klar definiert werden? Muss es nicht einen klaren Leistungskatalog dessen geben, was Supervision beinhaltet? Und in letzter Instanz muss es nicht eine klar definierte Qualitätssicherung ähnlich dem Qualitätsmanagement im sozialen Bereich geben? Wie gesagt, eine sehr interessante Diskussion für die Zukunft, die auch in diesem Buch immer wieder durch die unterschiedlichen Herangehensweisen zum Nachdenken anregt.

Insgesamt hat Belardi ein Buch geschrieben, das gerade für Berufseinsteiger zum Pflichtwerk werden sollte. Ihm gelingt eine sehr gute Verknüpfung von Theorie und Praxis, insbesondere durch seine vielen anschaulichen Beispiele. Seine Erklärungen von Fachbegriffen sind eingängig und präzise. Allerdings ist der Exkurs in das systemische Arbeiten in der Supervision nicht ohne Hintergrundwissen zu verstehen. Dies kompensiert er durch Hinweise auf entsprechende Literatur.

Fazit

Eine nahezu lückenlose Einführung in die Supervision, nicht ohne zum Nachdenken über die Zukunft des „Berufes Supervision“ mit all seinen Konsequenzen anzuregen.

Summary

An almost complete introduction to Supervision, not without stimulating to think about the future of the „profession Supervision“ with all its consequences.


Rezensentin
M.Sc. Angelika Alieff-Sliepen
Sozialpädagogin / Sozialarbeiterin Supervisorin (M.Sc.) (DGSv.) Invisio. Praxis für systemische Beratung, Supervision und Coaching, Münster


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Zitiervorschlag
Angelika Alieff-Sliepen. Rezension vom 22.03.2016 zu: Nando Belardi: Supervision für helfende Berufe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2015. 3. Auflage. ISBN 978-3-7841-2610-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17680.php, Datum des Zugriffs 17.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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