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Reinhard Herborth: Grundzüge des Sozialrechts für die Soziale Arbeit

Cover Reinhard Herborth: Grundzüge des Sozialrechts für die Soziale Arbeit. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. 343 Seiten. ISBN 978-3-7841-2436-0. D: 27,00 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 36,90 sFr.
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Thema

Fundierte Kenntnisse des Sozialrechts sind für Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit unverzichtbar und müssen praxisnah vermittelt werden. Gleichzeitig nimmt die Komplexität der Materie stetig zu, was die Zugänglichkeit didaktisch gut aufbereiteter Lehrbücher unverzichtbar macht.

Aufbau

Das Buch ist in vier Modulen aufgebaut, die die Materie sinnvoll strukturieren. Jedes der Module ist wiederum in Kapitel unterteilt, so dass insgesamt 19 Kapitel das umfangreiche Buch gliedern. Zu Beginn jedes Kapitels werden die Lernziele in einem Schaukasten dargestellt und Übungen zur Selbstüberprüfung eingebaut. Außerdem schließt nahezu jedes Kapitel mit einer knappen Zusammenfassung ab und verweist auf weitere Aufgaben zur Selbstüberprüfung, die auf der Website des Verlages unter Angabe der im Buch enthaltenen Zugangsdaten abgerufen werden können.

Zum ersten Modul

Das erste Modul widmet sich zum einen dem Allgemeinen Teil (SGB I) und den Gemeinsamen Vorschriften (SGB IV) des Sozialgesetzbuches sowie der Gesetzlichen Krankenversicherung (SGB V) und der Sozialen Pflegeversicherung (SGB XI).

Bevor auf die einzelnen Sozialgesetzbücher eingegangen wird, widmet sich Kapitel 1 einer Einführung in das Sozialrecht. Hier werden knapp und übersichtlich die geschichtliche Entwicklung des Sozialrechts sowie die systematische Verortung des Sozialrechts im Rechtssystem dargestellt. Weiterhin werden die Termini soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherheit erläutert sowie die Zusammensetzung des Sozialbudgets knapp erklärt. Das Kapitel schließt ab mit einer übersichtsartigen Erläuterung des Sozialgesetzbuches und einer knappen graphischen Darstellung der Finanzierungsquellen.

Kapitel 2 widmet sich dem Allgemeinen Teil des Sozialgesetzbuches (SGB I). Hier wird, wie auch bei allen weiteren Sozialgesetzbüchern, die in den folgenden Kapiteln dargestellt werden, zunächst eine Inhaltsübersicht gegeben. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels werden in anschaulicher Weise Sozialrechtsverhältnis, allgemeine sozialrechtliche Grundsätze, Sozialleistungsanspruch sowie Mitwirkungspflichten des Leistungsberechtigten erläutert. Als sehr lobenswert ist hervorzuheben, dass der Autor häufig graphische Darstellungen einfügt, die die abstrakte Materie gut veranschaulichen.

Ähnlich wird in Kapitel 3 vorgegangen, das sich den Gemeinsamen Vorschriften (SGB IV) widmet. Auch hier wird nach einer Inhaltsübersicht auf die zentralen Grundsätze und Begriffsbestimmungen eingegangen. Neben den sozialversicherten Personenkreisen werden Selbstverwaltung, Meldeverfahren, Sozialversicherungsausweis, Sozialversicherungsbeiträge und geringfügige Beschäftigung dargestellt.

Sehr kompakt wird in Kapitel 4 die Gesetzliche Krankenversicherung (SGB V) dargestellt, wobei der Autor eingangs auch auf die jüngeren Reformen seit dem Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts eingeht. Kritisch anzumerken ist zu diesem Kapitel, dass die Darstellung des Gesundheitsfonds recht knapp ausfällt.

In Kapitel 5 wird die Soziale Pflegeversicherung (SGB XI) dargestellt und mit einer kompakten Darstellung der Pflegereformen 2008 und 2012 sowie den Eckdaten zur Pflegestatistik 2011 abgeschlossen.

Zum zweiten Modul

Das zweite Modul stellt die Gesetzliche Rentenversicherung (SGB VI), die Gesetzliche Unfallversicherung (SGB VII) sowie die Arbeitsförderung/Arbeitslosenversicherung (SGB III) dar.

Kapitel 6, das die Gesetzliche Rentenversicherung zum Gegenstand hat, widmet sich zunächst den jüngeren Reformen seit 1992. Hier ist kritisch anzumerken, dass die neue Rentenformel erwähnt wird ohne jedoch darauf zu verweisen, dass diese im weiteren Verlauf des Kapitels noch erläutert wird. Neben der Darstellung des versicherten Personenkreises und der Leistungen sowie Rentenarten wird auch auf die künftigen Herausforderungen der Alterssicherung eingegangen. Hier wird knapp auf die betriebliche und private Altersvorsorge eingegangen, wobei an dieser Stelle einige weiterführende Literaturhinweise wünschenswert gewesen wären.

Kapitel 7 stellt die Gesetzliche Unfallversicherung dar und erläutert zum Ende hin ebenfalls knapp jüngere und aktuelle Reformen und Reformvorhaben.

Mit Kapitel 8, in dem das SGB III Arbeitsförderung und Arbeitslosenversicherung dargestellt werden, schließt das zweite Modul ab. Hier geht der Autor zum Ende dieses Kapitels ausführlich auf das 2009 in Kraft getretene „Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente“ ein und widmet sich außerdem knapp einer Begriffsbestimmung der Arbeitslosigkeit. Diese wäre allerdings besser am Beginn des Kapitels platziert gewesen, desgleichen wären auch hier einige wenige weiterführende Literaturhinweise wünschenswert.

Zum dritten Modul

Das dritte Modul stellt zwei Sozialgesetzbücher dar, zum einen Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen (SGB IX) sowie Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz (SGB X).

Die Darstellung des SGB IX in Kapitel 9 verweist regelmäßig auf weitere für den Personenkreis der Menschen mit Behinderungen relevante Rechtsgrundlagen wie dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), aber auch der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Allerdings wird nicht immer deutlich erkennbar, wie diese Rechtsgrundlagen in Zusammenhang zu bringen sind, was sicherlich auch der dichten Darstellung geschuldet ist.

Kapitel 10 widmet sich dem SGB X und hier gelingt es dem Autor, durch anschauliche Grafiken die komplexe Materie gut zu erschließen.

Zum vierten Modul

Das vierte Modul stellt hinsichtlich der Anzahl der vorgestellten Sozialgesetzbücher bzw. weiterer relevanter Rechtsgrundlagen das umfangreichste dar. Hier werden neben der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II), der Sozialhilfe (SGB XII) sowie der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) noch weitere sechs Rechtsgebiete vorgestellt, die für die Soziale Arbeit relevant sind.

Sehr umfänglich werden Hilfen für Familien in Kapitel 16 sowie die Sozialgerichtsbarkeit in Kapitel 19 erläutert.

Auch die Soziale Entschädigung wird in Kapitel 14 recht ausführlich dargestellt. Ausgesprochen knapp hingegen werden Wohngeld, Ausbildungsförderung sowie Leistungen für Asylbewerber beschrieben. Hier wäre an einigen Stellen eine noch anschaulichere Darstellung der jeweiligen systematischen Bezüge zu den relevanten SGBs wünschenswert.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich vornehmlich an Studierende der Sozialen Arbeit in den Bachelorstudiengängen, ist aber auch für PraktikerInnen durch seinen gut strukturierten Aufbau geeignet. Es ist auch für Lehrende verwandter Disziplinen wie der Sozialpolitik oder der Soziologie ein gut geeignetes Grundlagenwerk.

Fazit

Reinhard Herborth hat mit diesem Buch ein sehr gut aufgebautes Lehr- und Lernbuch geschrieben, das durch das für ein Lehrbuch ungewöhnliche DIN A 4 -Format und die zahlreichen Grafiken und Tabellen lesefreundlich gestaltet ist.

Sehr lobenswert sind die Selbstlernaufgaben sowohl im Buch als auch auf der Website des Verlages.


Rezensentin
Prof. Dr. Marion Möhle
Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
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Zitiervorschlag
Marion Möhle. Rezension vom 05.11.2014 zu: Reinhard Herborth: Grundzüge des Sozialrechts für die Soziale Arbeit. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. ISBN 978-3-7841-2436-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17683.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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