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Susanne Schäfer-Walkmann, Birgit Hein: Das Schweigen dahinter

Cover Susanne Schäfer-Walkmann, Birgit Hein: Das Schweigen dahinter. Der Umgang mit Gewalt im lebensweltlichen Kontext von Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern der Stiftung Liebenau zwischen 1945 und 1975. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. 212 Seiten. ISBN 978-3-7841-2682-1. D: 29,90 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Autorinnen

Die beiden Autorinnen, Dr. rer. pol. Susanne Schäfer-Walkmann und Dr. phil. Birgit Hein sind Professorinnen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart, Fakultät Sozialwesen. Schäfer-Walkmann ist wissenschaftliche Leitung des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften (IfaS) im Zentrum für kooperative Forschung der DHBW, Hein hat die Projektleitung im Projekt „Liebenau“ von IfaS.

Entstehungshintergrund

„Eingebettet in die gesamtdeutsche Debatte um die (konfessionelle) Heimerziehung im Nachkriegsdeutschland stellt sich der Vorstand der Stiftung Liebenau mit dem Forschungsvorhaben zum ‚Umgang mit Gewalt im lebensweltlichen Kontext von Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern der Stiftung Liebenau zwischen 1945 und 1975‘ einer historischen Verantwortung, begangenes Unrecht an Menschen mit einer Behinderung öffentlich zu machen ‚und eine persönliche Verantwortung und aktive Versöhnung in Gang zu setzen.‘ (Brüll 2010, S. 1)“ (S. 9)

Aufbau und Inhalt

Schäfer-Walkmann und Hein eröffnen das 1. Kapitel zur Geschichte der Liebenau mit einem Zitat aus den Gründungsdokumenten: Sie „[wurde als] ‚Pflege- und Bewahranstalt für Unheilbare‘ […] [im Jahr 1870 gegründet und] sollte eine Zufluchtsstätte für Menschen [sein], (…), die (…) oft der Familie oder der Gemeinde zur großen Last sind.‘ (Link 1983, S. 5)“ (S. 12). Damit wird gleich zu Beginn die Aussonderung unerwünschter Menschen beschrieben, denn die Tettnanger Bürger hatten sich dagegen gewehrt, dass so eine „Zufluchtsstätte“ in ihrer Stadt errichtet werden sollte, wie es die ursprüngliche Idee des geistlichen Kaplans Adolf Aich gewesen war. Es folgt die Erörterung methodischer Aspekte – u. a. welche Bedeutung können Interviews mit Menschen mit geistiger Behinderung haben? – und die Charakterisierung des Quellenmaterials, z. B. Hausordnungen oder Jahresberichte. (Diese sind mit Nummern, bzw. mit Buchstaben und Nummern zitiert, z. B. „B1“ bedeutet Bewohner 1 oder „M 2“ bedeutet Mitarbeiter 2.). Sie charakterisieren ihr Vorgehen als ein „hermeneutisches, […] als eine Zusammenschau von objektivierten, die Epoche von 1945 bis 1975 prägenden gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen und subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungen [der] Menschen, die […] dort gelebt und gearbeitet haben.“ (S. 20)

Im umfangreichsten 2. Kapitel „Sozialwissenschaftliche Rahmung“, mit 7 Unterkapiteln, nähern sich Schäfer-Walkmann und Hein ihrem Gegenstand, der Liebenau, quasi in konzentrischen Kreisen:

  • Der äußere Kreis skizziert (im 1. Unterkapitel) den in Frage stehenden Zeitraum 1945 bis 1975, zunächst „die ‚Zusammenbruchsgesellschaft‘ (Wehler 2008, S. 951)“ (S. 33), mit Schwarzmarkt und Hamsterfahrten als Begleiterscheinungen einer ‚Hungerkrise‘ (ebd.) und ab 1949 die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik und besonders die Entwicklung der Sozialpolitik. Stichworte sind u.a.: Besatzungszeit, Mangelwirtschaft in jeder Hinsicht und dann das Wirtschaftswunder. Alles Zeiten, in denen behinderte Menschen, die nichts ‚leisten‘, sich am Ende der Schlange um Ressourcen hätten einreihen müssen.
  • Im 2. Unterkapitel wird geschildert, wie das „Bild vom Menschen mit Behinderung in der damaligen Zeit“ noch bis in die 1950er-Jahre von Begriffen wie „Abnorme“, „Schwachsinnige“ oder „Krüppel“ (S. 46) dominiert wurde.
  • Im nächsten Kreis (3. Unterkapitel) wird der sozialwissenschaftliche Rahmen vorgestellt: „Alltag und Lebenswelt“, also auf die Arbeiten von Alfred Schütz und u. a. Berger/Luckmann zurück gegriffen und auf die Konkretisierungen dieses Ansatzes für die soziale Arbeit u. a. durch Thiersch. Dieser fordert mit Kosik die Dekonstruktion der „Pseudokonkretheit“ des Alltags und dass man ihn nicht unhinterfragt hinnehmen dürfe, so als sei er selbstverständlich, auch wenn es so scheine.
  • Im 4. Unterkapitel werden die Auswirkungen dieser Pseudokonkretheit des Alltags auf die Identitätsentwicklung der Einzelnen als „Balanceakt zwischen Person und Umwelt“ beschrieben, wonach es im Wesentlichen um (Anpassungs)Druck und Eigensinn geht.
  • Im nun noch engeren Kreis werden (im 5. Unterkapitel) „Gewaltförmige Zusammenhänge in Macht und Herrschaftsstrukturen“ identifiziert und der Bedeutung dieser Begriffe nachgegangen, gestützt vor allem auf Galtung, Weber, Popitz und Foucault. Letzterer lenke den Blick auf Machtmechanismen, die er am Kerkersystem exemplifiziert hatte: näämlich an einem System, das durch ständige Aufsicht und Kontrolle, einer Verzahnung von Wissen und Macht, eine ganze Reihe von abschätzenden, diagnostischen, prognostischen und normativen Beurteilungen ermögliche, die so auch in der Praxis des Bestrafens in Pädagogik und Psychiatrie zu finden – gewesen? – seien (vgl. dazu S. 79 f.). Schließlich erinnern Schäfer-Walkmann und Hein an das Diktum von Adorno, „Jegliche Form von Herrschaft brütet eine ‚Tendenz zur Totalität‘ (Adorno 1969, S. 105) aus“ (S. 84) und dass deshalb eine radikale Kritik jeglicher Herrschaft notwendig sei, denn jegliche Herrschaft trage ‚schon immer das Moment des Furchtbaren in sich‘ (ebd).)“ (S. 84). Was die Rezensentin hier noch erfahren hat ist, dass heilig, Hierarchie und Herrschaft sprach- und bedeutungsgeschichtlich zusammen gehören – in einer Anstalt auf katholisch-kirchlicher Grundlage ist dies sicher von Bedeutung, denn wenn Herrschaft religiös überhöht wird, sind Abwehr und Protest dagegen erst recht undenkbar, wird eine totale Institution quasi noch totaler. Beim Begriff Macht erörtern Schäfer-Walkmann und Hein u. a. die datensetzende Macht von Popitz. „Es handelt sich […] [dabei um] ‚eine vom Hersteller in das Ding eingebaute, häufig längere Zeit latente Macht‘ (Popitz 1992, S. 31).“ (S. 78). Bezogen auf die Liebenau: Ihre Errichtung weitab und ausgesondert von Orten, von wo die Bewohner und (!) die Mitarbeiter kommen, macht diese Macht in einem ganz konkreten Sinn direkt sichtbar und be-greifbar.
  • Die letzten beiden Unterkapitel vollenden die Einkreisung: im 6. Unterkapitel wird – nicht überraschend – das „Das Modell der totalen Institution“ von Goffmann vorgestellt, das, trotz mancher Kritik daran, vor dem Hintergrund der Gegebenheiten in der Liebenau und anderer ähnlicher Einrichtungen eine unmittelbare Evidenz erhält und so enthält das 7. Unterkapitel „Gelebter Alltag in der Lebenswelt einer totalen Institution: Anstaltsidentitäten als Kompromiss zwischen Eigensinn und Anpassung“ denn auch eine „starke“ Aussage: „Im Hinblick auf die forschungsleitende Frage nach den Gründen, Anlässen und Bedingungen erzieherischer Gewalt in der Liebenau zwischen 1945 und 1975 [ermöglicht] die Rekonstruktion von Biografien im Kontext institutioneller und epochaler Bezüge einen ersten Schritt auf dem Weg des Deutens und Verstehens. Charakteristisch […] ist ihr totalitärer Charakter, was die Anstalt als einen ‚Ort der Gewalt‘ (Theunissen 2001, S. 135) beschreibt und auf menschenunwürdige, teilweise sogar menschenverachtende Lebensbedingungen hinweist.“ (S. 95, Hervorhebung durch die Rezensentin).

Im 3. Kapitel wird nun zunächst

  • der historische Zusammenhang (im 1. Unterkapitel) am Beispiel der Liebenau zwischen 1945 und 1975 konkretisiert: u. a. Beseitigung von Kriegsschäden, extreme Mangelerscheinungen bei Hungerrationen, Überbelegung u. a. wegen langen Wartelisten z. B. mit Kriegswaisen, buntgewürfelte Zusammenlegungen in Massenschlafsälen, An und Umbauten, deshalb ständige Umzüge und dies gepaart mit Personalmangel, deshalb enormer Zeitdruck und mit Peresonal, das für diese Herausforderungen nicht qualifiziert war – hierüber wird übrigens von Anfang an seitens der Leitung immer wieder geklagt!
  • Im 2. Unterkapitel wird die sozialwissenschaftlichen Rahmung am Beispiel der Liebenau konkretisiert: „1945 war die Heil- und Pflegeanstalt […] eine geordnete Lebenswelt, […] die zu einer eigenen, unhinterfragten und selbstverständlich gelebten alltäglichen Wirklichkeit geworden ist.“ (S. 112) -die Liebenau war demnach – von Anfang an? - eine totale Institution. Aus der Fülle einzelner Aspekte, die eine solche Definition rechtfertigt, seien beispielhaft die folgenden herausgegriffen: In der Liebenau lebten und arbeiteten bis zu 1400 Personen, darunter zunächst mehr als 100 Ordensschwestern, Franziskanerinnen, welche die Gruppe der Mitarbeitenden dominierte. Deshalb wurde die Liebenau auch als klösterliche Anstalt begriffen (vgl. S. 114) und „[die Arbeit dieser Schwestern] als ‚ein lebendiges Zeugnis der Nachfolge Christi im Sinne des Dienstes an den ärmsten Brüdern und Schwestern Christi‘ (Nr. 103)“ (S 123) verstanden. Und ebenfalls wie in Klöstern „bestimmt die Hausordnung, dass den Pfleglingen ‚der Verkehr auf anderen Abteilungen, als denen, in welche sie eingewiesen sind, insbesondere mit Pfleglingen des anderen Geschlechts verboten‘ (Nr.79) ist, was […] so weit ging, dass auch das Sprechen zwischen männlichen und weiblichen Pfleglingen verboten war (vgl. u. a. B1). Denn aus der Perspektive der Liebenauer Anstalten zeigen sich bei ‚der oft recht abartigen Veranlagung der Kranken (…) immer wieder bestimmte Schwierigkeiten; aus diesem Grunde muss so gut als möglich auf eine strenge Scheidung der Geschlechter gedrungen werden.‘ (Nr. 70)“ (S. 116).

Im 4. Kapitel kommen die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner zu Wort, im 5. Kapitel die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind jeweils mit „sprechenden“ Aussagen der Interviewten überschrieben:

  • „Früher war es anders und jetzt ist es auch anders“
  • „also wir waren arbeiten gewohnt“
  • „Kann ich nicht mehr sagen“
  • „Alles aus Liebe zur Stiftung Liebenau“
  • „Früher waren wir eine große Familie“
  • „Es war eigentlich ziemlich frustrierend, weil es war ein ziemlich hohes Aggressionspotential da“

Diese beiden Kapitel sind eine schmerzhafte Lektüre. An den sogenannten ‚Anstaltsinsassen‘ (Nr. A15)“ (S. 114) wurde ‚der entsagungsvollste Dienst der Nächstenliebe geleistet‘ (Nr. A15)“ (S. 113). In den Erinnerungen der damaligen Bewohner und der Mitarbeiter war dieser Dienst – besonders von den Ordensschwestern – nur allzu oft unter Zuhilfenahme von Kleiderbügeln, Teppichklopfern u. a. ausgeübt worden, bis hin zu Praktiken, die dem „waterboarding“ in Abu Ghuraib und anderswo ähneln: „Besonders betroffen macht die folgende Schilderung: ‚Die Schwester hat sie ins Bad rein gedrückt, die ist sicher ersoffen, muss ich gerade mal sagen (…) Und dann bin ich dazu gekommen. […] Und habe die Schwester gepackt und dann raus.‘ […] Auf die Frage, ob sie es jemanden mitgeteilt habe, antwortet sie: ‚Nein, nein, ich habe nichts gesagt, das war ja eine Wüste, furchtbar. Und uns hat man ja nichts geglaubt.‘ (B 7)“ (S. 138 f). Dabei war es durchaus sinnvoll, solche Vorfälle „dem Direktor [zu melden]: ‚Einer hat das [d. i. Schläge mit einem Ledergürtel] gesehen, hat sich beim Direktor beschwert. (…) Und der Direktor hat gesagt: ‚Wenn Sie nicht unterscheiden können was Mensch ist oder was Vieh ist, dann tut es mir leid, dann muss man euch hier entlassen.‘ (B 13).“ (S. 139) Was überwog, dass Glauben geschenkt wurde oder nicht, wird nicht klar, befürchtet werden muss sicherlich, dass hauptsächlich kein Glaube geschenkt wurde.

Das 6. Kapitel zieht das Fazit und erläutert den Titel des Buches: „Ein mächtiger, ein machtvoller Ort – und das Schweigen dahinter, gewaltsame Bedingungskontexte (in) der Liebenau.“ Bedenkt man, dass es sich bei den „Anstaltsinsassen“ in der Liebenau um (körperlich und sogenannte „geistig“) behinderte und kranke Menschen handelt, alte und junge, auch blinde, erhalten die Ausführungen zur totalen Institution tatsächlich das Moment des Furchtbaren, wie es von Adorno analysiert wurde.

„Das Schweigen dahinter“ meint zuerst, dass über Erfahrungen von Gewalt sehr häufig geschwiegen wird und zwar von den Opfern und natürlich den Tätern. Es meint auch, dass Gewalthandlungen zwar gesehen, aber – in dieser selbstverständlichen alltäglichen Welt – als gerechtfertigt wahrgenommen, bzw. so von den Täterinnen und Tätern „hingestellt“ werden. Aus der Erfahrung und der Angst, keinen Glauben zu finden, werden sie dann gar nicht angezeigt. Und viele Zeitzeugen sagen, dass „das gar nicht mehr gesagt werden“ kann. Die herangezogenen Quellen, die ganzen Ordnungen und Jahresberichte, die Räumlichkeiten, das unqualifizierte Personal, der Personalmangel, die Abgeschiedenheit der Einrichtungen – all diese extrem widrigen Rahmenbedingungen beschreiben einen gewalttätigen Ort, dem alle Insassen, die Pfleglinge und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ganze Anstaltsfamilie, zumal unter einem religiösen Deckmantel, hilflos ausgeliefert waren.

„Das Schweigen dahinter“ sind laute Schreie, die niemand gehört hat und die keiner hören wollte.

Diskussion

Totale Institution, Stigma und die Pseudokonkretheit alltäglicher Lebenswelten sind Begrifflichkeiten, die jedem in den Sozialwissenschaften und in der Sozialen Arbeit geläufig sein dürften. Die dem zu Grunde liegenden gewaltförmigen Zusammenhänge, die Macht und Herrschaftsstrukturen, gepaart mit Personal- und in der Folge Zeitmangel – ein höchst aktuelles Thema! – charakterisieren, mehr oder weniger auf den ersten Blick sichtbar, jede stationäre Einrichtung – und zwar auch wenn beste Rahmenbedingungen gegeben wären!

Schon die „Heimkampagne“ der außerparlamentarischen Opposition lieferte Ende der 60er – / Anfang der 70er Jahre praktisches Anschauungsmaterial für das, was all diese Begriffe meinen und so ging es auch schon damals um die Veränderung der repressiven Bedingungen in westdeutschen Kinder- und Jugendheimen, über die Ulrike Meinhof in „Konkret“ berichtete. Noch „praktischeres“ Anschauungsmaterial für eine „totale Institution“ liefert die (Nachkriegs)Geschichte der Liebenau – natürlich auch die anderer evangelischer und weltlicher (Pflege)Heime für behinderte Menschen.

„Breaking the taboo“, „das Schweigen brechen“, „Schweigen ist Gewalt“, „Gleichgültigkeit ist das Grausamste“, „Handeln statt Misshandeln“ – diese Stichworte fallen, wenn heutzutage – langsam – das Tabu der Gewalt in (stationären) (Pflege)Einrichtungen gelockert wird. Denn hier entstehen unweigerlich (!) Machtbeziehungen, ‚weil Beziehungen zwischen Menschen bestimmt sind von ihrer Verletzungskraft und Verletzungsoffenheit. […] Menschen können anderen Menschen unmittelbar etwas antun.‘ (Popitz 1992, S. 32),“ S. 78 f.)

Bei den Erörterungen zur strukturellen Gewalt von Galtung vermerken Schäfer-Walkmann und Hein – hoffnungsvoll?! – dass diese „die Menschen [verführt], Verantwortung von sich zu weisen und das eigene Handeln unter Bezugnahme auf die „Strukturen“ zu rechtfertigen. Das ist schlichtweg falsch, denn eine (repressive) Struktur kann nur wirksam und aufrecht erhalten werden, wenn es Menschen gibt, die ihr – freiwillig oder unfreiwillig, absichtlich oder unabsichtlich – Leben verleihen (vgl. Weissenberger-Leduc /Weinberg 2011, S. 23).“ (S. 97)

Letztlich gibt es da nichts zu diskutieren!

Fazit

In Ihrem Einleitungskapitel schreiben Schäfer-Walkmann und Hein „Die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens können somit nicht nur zur Aufarbeitung der Vergangenheit beitragen, sondern bergen das Potenzial für eine kritische Auseinandersetzung und gegebenenfalls Neuausrichtung institutioneller Heimerziehung in der Stiftung Liebenau ebenso wie in der Behindertenhilfe.“ (S. 11) Und in allen stationären Einrichtungen!

Ein besseres Fazit kann die Rezensentin nicht ziehen! Und hinzu kommt noch das Motto, das Schäfer-Walkmann und Hein für ihre Arbeit gewählt haben; die kluge Aussage von zwei Bewohnern: „Weißt Du, vor Gott sind alle Menschen gleich. Die Behinderten, die Angestellten und die ganz normalen Menschen.“ Dieses Motto sollte in jedem Politikerbüro und in jedem Leitungs(!)- und Stationszimmer von (Pflege)Einrichtungen hängen, immer wieder gelesen und be-herz-igt werden. Und in diesen Räumen sollte endlich kein Personalmangel, besser: kein Personalnotstand mehr herrschen.

Also: ein sehr empfehlungswertes Buch für alle, die sich immer wieder und aufs Neue sensibilisieren wollen für die Macht, die ihnen in der Betreuung und Pflege von verletzlichen und verletzbaren Menschen „natürlich“ zuwächst und mit der sie diesen „Schutzbefohlenen“ etwas antun können, ob zum Guten oder zum Bösen. Diesen „Spielraum“ zu finden, müsste noch in den repressivsten Strukturen möglich sein – wenn man sich auf die Suche machte und sie nicht gleichgültig als „normal“, „selbstverständlich“ und „alltäglich“ hinnehmen würde!


Rezensentin
Dipl. Päd. Barbara Riethmüller
Seniorensprecherin im Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit e.V. (DBSH), www.dbsh-bawue.de; Landesansprechpartnerin Baden-Württemberg von wir pflegen – Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland e. V. www.wir-pflegen.net; Mitglied im Kreisseniorenrat Freudenstadt und Ludwigsburg,
Homepage www.wir-pflegen.net
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Zitiervorschlag
Barbara Riethmüller. Rezension vom 30.12.2015 zu: Susanne Schäfer-Walkmann, Birgit Hein: Das Schweigen dahinter. Der Umgang mit Gewalt im lebensweltlichen Kontext von Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern der Stiftung Liebenau zwischen 1945 und 1975. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. ISBN 978-3-7841-2682-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17688.php, Datum des Zugriffs 19.01.2019.


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ISSN 2190-9245

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