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Brimja Schmidt: Burnout in der Pflege

Cover Brimja Schmidt: Burnout in der Pflege. Risikofaktoren - Hintergründe - Selbsteinschätzung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2004. 240 Seiten. ISBN 978-3-17-017885-4. 18,80 EUR, CH: 33,20 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-17-025767-2 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Einführung

Immer mehr Menschen in sozialen und pflegerischen Berufen leiden unter dem Burnout-Syndrom, einem Erschöpfungszustand der sich (meist) langsam entwickelt und nicht selten aus einer hohen Motivation zum/im Beruf entspringt. Im vorliegenden Buch werden die Ursachen und Symptome herausgearbeitet und (besonders) auf die pflegerischen Berufe bezogen.

Entstehungshintergrund

Die Autorin betrachtet das Phänomen auf dem Hintergrund eigener, langjähriger Berufserfahrungen in der (Intensiv-)Pflege und einem anschließenden Studium. Ihre Eigenerfahrung, auch bei Berufsmüdigkeit, Gefühlskälte und Zynismus, nur wenig Hilfe zu finden, führten zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema.

Aufbau und Inhalt

Das Buch führt mit einer Auseinandersetzung zur Persönlichkeitsentwicklung und möglicher Krisen in diesem Prozess (kurz) ein. Die Verbindung zum Burnout wird schlüssig hergestellt und die Möglichkeiten der Einstellungs- und Wahrnehmungsveränderungen werden schon hier als Möglichkeit der Burnout-Bewältigung angegeben, die Präventionsmöglichkeiten bleiben etwas kurz.

Das Burnout-Syndrom wird definiert, in seiner Entstehung und mit den wichtigsten Symptomen dargestellt. Dabei werden Gefühle und Gedanken, das Verhalten sowie körperliche Merkmale aufgelistet, so dass hier dem Leser eine Orientierung und/oder Einordnung möglich wird. Mögliche Risikofaktoren werden (leider) nur kurz angesprochen, aber einer Selbstreflexion erlaubt, sich selber vertieft und differenziert einzuordnen.

Informationen zu Stress und Stressbewältigung folgen. Auch hier ermöglicht die Darstellung von Stressreaktionen eine Einordnung, bevor verschiedene Theorien, wenn auch nicht alle, dargestellt werden. Bemerkenswert ist auch eine kurze Anmerkung, die sich mit der Frage beschäftigt, dass "Stress haben" offenbar eine "Gütekriterium" unserer (Leistungs-)Gesellschaft geworden ist. Möglichkeiten und Methoden der Stressbewältigung, verbunden mit einer Selbstreflexion, zeigen Auswege (auch aus der Burnout-Problematik) auf.

Verschiedene Bewältigungsstrategien für Krisensituationen, diesmal auf Patienten und Betreute bezogen (auch die Psychotraumatologie wird angesprochen), runden die Ausführungen ab und zeigen dem Pflegenden auf, warum der Gegenüber so und nicht anders reagiert. Dabei werden Fragen der Kommunikation, der Wahrnehmung und der Interpretation von Informationen sowie Ausführungen zu Kommunikationsstörungen dargestellt, sie führen zu hilfreichen Anregungen zur Gesprächsgestaltung. Auch hier helfen wieder Fragen zu Selbstreflexion weiter. Ausführungen zum Umgang mit Mitleid, Einfühlsamkeit sowie schwierigen Gefühlslagen (Ärger, Angst, Scham, Aggressionen, Trauer und Depression) fehlen nicht. Es entspricht dem Charakter des Buches, dass auch hier eine angeleitete Selbstreflexion ermöglicht wird.

Beziehungen zu Patienten, Betreuten, deren Angehörigen und auch zu Kollegen werden mitbeachtet. Inhalte und Probleme von Beziehungen zu den verschiedenen Gruppen werden dargestellt, eine Selbstreflexion ist auch hier möglich.

Diskussion

Aufgrund seiner zahlreichen "Arbeitsaufträge" ist das Buch ist nicht als "Lesebuch" konzipiert. Es stellt sich vielmehr als "Arbeitsbuch" dar, das angeleitet bearbeitet werden will. Als Lohn erfährt der Leser bei der Bearbeitung der vielen Fragetabellen und Selbsteinschätzungsskalen u. a. viel über sich, sein Verhalten im Beruf und seine Bewältigungsmechanismen. Allein schon dadurch und durch die theoretischen Ausführungen werden ihm präventive Möglichkeiten sowie Hilfen bei der Bewältigung des Burnout-Syndroms und Auswege aus möglichen Krisen an die Hand gegeben. Dabei sind die Ausführungen und Handlungsaufträge didaktisch sowie methodisch sehr gut aufgebaut, übersichtlich dargestellt und leicht zu bearbeiten. Marginalien erhöhen die Übersichtlichkeit und erlauben eine schnelle Orientierung.

Zielgruppe

Die Schrift richtet sich ganz besonders an Menschen in Pflegeberufen (ambulante und/oder stationäre Krankenpflege sowie Altenpflege).

Fazit

Mit dem Buch von Brinja Schmidt wird ein Werk vorgelegt, das insbesondere in Pflegeberufen zu Pflichtlektüre gehören sollte, da es Ursachen, präventive Möglichkeiten und Auswege bei Burnout-Syndromen darstellt. Der Käufer der Schrift sollte sich darüber klar sein, dass er kein "Lesebuch" vorfindet sondern eine Schrift, die Mitarbeit verlangt. Die aktive Mitarbeit wird durch Eigenerkenntnisse und Handlungsalternativen "belohnt".


Rezension von
Prof. Dr. Werner Reiners-Kröncke
Dipl.-Päd./Soz.Arb. Vizepräsident a. D. der Fachhochschule Coburg. Lehrte Pädagogik und Methoden der Sozialarbeit, insbesondere Suchterkrankungen, Kriminalität und Sozialmanagement


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Zitiervorschlag
Werner Reiners-Kröncke. Rezension vom 21.09.2004 zu: Brimja Schmidt: Burnout in der Pflege. Risikofaktoren - Hintergründe - Selbsteinschätzung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2004. ISBN 978-3-17-017885-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1769.php, Datum des Zugriffs 20.09.2020.


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