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Andrea Keller, Michael Macsenaere u.a. (Hrsg.): Erfahrung zählt! (Qualifizierung für Fach- und Führungskräfte)

Cover Andrea Keller, Michael Macsenaere, Stephan Hiller (Hrsg.): Erfahrung zählt! Eine berufsbegleitende Qualifizierung für Fach- und Führungskräfte in der Erziehungshilfe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. 90 Seiten. ISBN 978-3-7841-2707-1. D: 17,00 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

Aufgrund aktueller Entwicklungen ist es für die Träger von Projekten von Erziehungshilfen immer wichtiger, vorhandenes Personal sowie erfahrenes und qualifiziertes Personal zu binden. Zum einen ist diese Entwicklung mit dem demographischen Wandel zu begründen, zum anderen macht der sich abzeichnende Fachkräftemangel Personalbindung erforderlich.

Diese Trends bringen neue Herausforderungen mit sich, die auf der einen Seite die erfahrenen Fachkräfte selbst betrifft, die auch mit fortgeschrittenem Alter der Flexibilierung der Angebotslandschaft gerecht werden müssen und auf der anderen Seite die Führungskräfte, die sich mit Personalentwicklung auseinandersetzen.

Entstehungshintergrund

Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BvkE) entwickelte mit dem Hintergrund der oben beschriebenen Entwicklungen innerhalb der Personalstruktur in deutschen Erziehungshilfen das Projekt Erfahrung zählt!. Dieses über drei Jahre laufende Projekt verfolgte das Ziel, verschiedene Zielgruppen ihren Anforderungen entsprechend zu qualifizieren.

Die erste Zielgruppe sind Führungskräfte, die dahingehend qualifizieren werden sollen, ältere Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Des Weiteren sollen neu gewonnene, ältere MitarbeiterInnen dazu qualifiziert werden, den besonderen Anforderungen des Arbeitsplatzes in den Hilfen zur Erziehung gerecht zu werden. Zuletzt soll eine Qualifizierung älterer bestehender MitarbeiterInnen erfolgen, sodass ihre Anpassungs- und Beschäftigungsfähigkeit bestehen bleibt.

Aufbau

Die Dokumentation des Projekts Erfahrung zählt! Ist in fünf große Bereiche untergliedert.

  1. Ausgangslage
  2. Die drei Erfahrung zählt!-Programme und Bewährtes aus dem Projektkonzept
  3. Gute Praxis
  4. Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung
  5. Personalarbeit aus (verbands)politischer Sicht
  6. Bewerung und Ausblick

Inhalt

1. Ausgangslage. Macsenaere und Hiller beschreiben in diesem Abschnitt den Hintergrund für die Entstehung des Projektes Erfahrung zählt!. Als Hauptfaktoren werden der sich abzeichnende Fachkräftemangel und der durch den demografischen Wandel bedingten hohen Anteil älterer MitarbeiterInnen genannt. Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. wird mit seiner Angebots- und Personalstruktur beschrieben. Zuletzt werden die zentralen Ziele der Projekts eingeführt.

2. Die drei Erfahrung zählt!-Programme und Bewährtes aus dem Projektkonzept. Der zweite Teil des Bandes führt die drei Programme des Projektes ein: Das Führungskräfteprogramm, das Qualifizierungsprogramm sowie das Traineeprogramm. Keller und Wenthur beschreiben die Zielgruppen sowie die Zielsetzungen und inhaltlichen Bausteine der jeweiligen Programme. Im Anschluss werden die Regionen und Gremien des Projektes vorgestellt.

3. Gute Praxis

In diesem Abschnitt beschreiben verschiedene AutorInnen in Erfahrungsberichten über Fortschritte und Erfolge aus dem Erfahrung zählt!-Programm. Sommer berichtet von einer Jugendhilfeeinrichtung, die Gesundheitsförderung und -bildung in ihrer Einrichtung etablieren wollte und stellt die dafür ins Leben gerufene Gesundheitswoche vor. Im nächsten Bericht stellen Barth und Faath einen Ansatz zur Personaleinsatzplanung im stationären Bereich vor, welche „Verbund-Gruppen“ gründet und so zu einem guten Vertretungsmanagement und zur Vermeidung von Überstunden beiträgt. Über die Umsetzung von Angeboten zur Mitarbeiterpflege berichtet Plaschke. Zu den beschriebenen Maßnahmen zählen Seminare zu Stress- und Zeitmanagement, Achtsamkeitstraining und weitere gesundheitliche Aspekte.

Kindsvater und Bender geben Anregungen zu einer guten Praxis von Mitarbeiterentwicklungsgesprächen und berichten aus der Erfahrung aus ihrer Praxis. Für ältere MitarbeiterInnen stellt die Einhaltung des Dienstplanes im stationären Bereich oft eine besondere Herausforderung dar. Wie dieser Mitarbeitergruppe im Schichtdienst Entastungsmöglichkeiten geboten werden können, regt Barhofer mit der Vorstellung eines Dienstplankonzepts an. Sommer stellt eine Dienstvereinbarung zur Regelung einer Sozialkomponente vor, die in der Jugendhilfeeinrichtung Kinderheim St. Hermann-Josef gemeinsam von MitarbeiterInnen, Mitarbeitervertretung und Dienstgebern entwickelt wurde.

Im Weiteren befassen sich Wallner und Kapfhammer mit dem Wunsch älterer MitarbeiterInnen, nicht bis zum Eintritt des gesetzlichen Rentenalters arbeiten zu müssen. Als einen Lösungsansatz stellen sie das in ihrer Einrichtung eingeführte Zeitwertkonto vor, das den Beschäftigten individuelle Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Beschäftigung im Alter bieten soll. Einen kurzen Einblick in die Entwicklungen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements seiner Einrichtung bietet Kumpe. Darauf folgt zuletzt ein Anstoß zu neuen Ideen zur Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterpflege von Mederer und Blank.

4. Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung. In diesem Abschnitt werden von Keller und Macsenaere die Ergebnisse der begleitenden Evaluation dargelegt. Hierbei werden die Bereiche

  1. Bewertungen zu den Erfahrung-zählt!-Programmen
  2. Veränderungen im Projektverlauf
  3. Fokus der Mitarbeitermotivation

betrachtet.

5. Personalarbeit aus (verbands)politischer Sicht. Die drei Beiträge in diesem Abschnitt greifen das Thema Personalarbeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und Fachlräftemangels aus politischer und verbandspolitischer Sicht auf. Im ersten Beitrag stellt Böllert die Chancen einer engeren Verknüpfung von Ausbildung und Praxis vor. Im Anschluss gibt Bumann Anstöße in Richtung Kompetenzmanagement durch neue Perspektiven auf die Kompetenzen der MitarbeiterInnen. Zuletzt werden die konkreten Herausforderungen für die Träger und Akteure der Jugendhilfepolitik von Kobialki beschrieben.

6. Bewertung und Ausblick. Im letzten Teil des Bandes zieht Hiller auf Grundlage der Erfahrungen mit dem Projekt Bilanz. Die Programme haben sich als sinnvoll und wirksam erwiesen, Personal für die Arbeit in den Hilfen zur Erziehung zu qualifizieren. Da das Thema Fachkräftemangel weiterhin von Bedeutung für den Arbeitsmarkt und die Unternehmen sein wird, wurden neue Ziele für die Weiterführung formuliert.

Diskussion

Durch die einzelnen Berichte aus den Einrichtungen, in denen das Erfahrung-zählt!-Programm durchgeführt wurde, werden zum einen nochmals Problemlagen und Aufmerksamkeitsfelder deutlich. Zum anderen können diese Berichte Ideen liefern, die in anderen Einrichtung auch umgesetzt werden können. Für LeserInnen, die keinen Bezug zu den in diesem Band betrachteten Problemlagen in der Praxis haben, können die meist sehr kurz gehaltenen Beiträge der einzelnen AutorInnen überfordernd wirken. Ein bestehender Einblick in die aktuellen Entwicklungen wird bei den LeserInnen vorausgesetzt. LeserInnen, die mit der Thematik vertraut sind, ist die Kürze der Beiträge sinnvoll, um sich Anregungen und Ideen für die eigene Arbeit zu holen. Es wird deutlich, dass die Programme des Projektes erfolgreich durchgeführt wurden und die Einrichtungen davon profitieren konnten.

Fazit

Der Band richtet sich an LeserInnen, die mit dem Hintergrund des Fachkräftemangels und demografischen Wandels sowie den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Personalstrukturen in den Hilfen zur Erziehung vertraut sind. Für diese Zielgruppe kann der Band wertvolle Anregungen für die Qualifzierung von verschiedenen Personalgruppen liefern. Einen tiefen Einblick in die qualifizierenden Programminhalte wird nicht gewährt.


Rezensentin
Anne-Laura Weißleder


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Zitiervorschlag
Anne-Laura Weißleder. Rezension vom 14.05.2015 zu: Andrea Keller, Michael Macsenaere, Stephan Hiller (Hrsg.): Erfahrung zählt! Eine berufsbegleitende Qualifizierung für Fach- und Führungskräfte in der Erziehungshilfe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. ISBN 978-3-7841-2707-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17695.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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