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Peter Imort, Horst Niesyto (Hrsg.): Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen

Cover Peter Imort, Horst Niesyto (Hrsg.): Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen. kopaed verlagsgmbh (München) 2014. 370 Seiten. ISBN 978-3-86736-199-6. D: 22,80 EUR, A: 23,50 EUR, CH: 32,90 sFr.
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Herausgeber / Autorenteam

Die Publikation ist im Rahmen der Reihe des Interdisziplinären Zentrums für Medienpädagogik und Medienforschung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (IZMM) entstanden.

Die Herausgeber sind renommierte Professoren der PH Ludwigsburg, als Autorenteam konnten überwiegend Hochschulprofessorinnen/Hochschulprofessoren aus deutschen Hochschulen gewonnen werden, die ihre Forschungsergebnisse und pädagogischen Praxiserfahrungen aus dem Bereich Medienbildung im Band vorstellen.

Thema

Der Titel der Publikation „Grundbildung Medien“ ist zugleich als Forderung für pädagogische Studiengänge in Deutschland von fast allen Autoren formuliert worden mit der Intention, diese Forderung auch bildungspolitisch umzusetzen.

Der Band verdeutlicht die Vielfältigkeit der medienpädagogischen Ausbildung in unterschiedlichen Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, die jedoch überwiegend nicht abschlussbezogen konzipiert wurden. Röll bezieht sich hierbei auf die GMK-Veröffentlichung im Internet und konstatiert, dass lediglich eine Hochschule in Sachsen-Anhalt abschlussbezogene Studiengänge zur Medienpädagogik anbietet. [1]

Die Herausgeber der Publikation erleichtern es dem Leser in der Einführung zum Band, wesentliche Fragen und Positionen zu klären, die strukturbildend für die folgenden Fachaufsätze des Autorenteams stehen: Verankerung der Grundbildung Medien in den jeweiligen Studiengängen der Hochschulen, Relevanz der jeweiligen Fachwissenschaften/ Fachdidaktiken zur Grundbildung Medien, Fragen zur pädagogischen Praxis und Forschung sowie Transparenz und einer effizienten Nutzung der Arbeitsergebnisse.

Die Darstellung der gegenwärtigen Situation der Lehrerbildung, sowohl fachwissenschaftlich als auch fachdidaktisch, hat in den einzelnen Beiträgen Priorität, gleichwohl wird aber auch die Medienbildung und Aspekte der akademischen Medienkompetenzausbildung in sozialwissenschaftlichen und sozialpädagogischen Studiengängen sowie der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung thematisiert.

Konstitutiv ist die Forderung, Mindeststandards einer Grundbildung Medien zu formulieren und zu versuchen, diese politisch auch durchzusetzen. Hierzu sind Publikationen wie die vorliegende notwendig, um den Diskussionsprozess in den Hochschulen anzuregen, Ergebnisse der Mediendiskussion in die pädagogische Praxis umzusetzen und aus den Erfahrungen hochschulpolitische Forderungen zu formulieren.

Aufbau und Inhalt

Es kann eine Dreiteilung des Bandes beschrieben werden:

  • Grundbildung Medien – Beiträge aus dem erziehungswissenschaftlichen Bereich
  • Grundbildung Medien – Beiträge aus den Fachwissenschaften / Fachdidaktiken
  • Grundbildung Medien – spezielle Aufgabenfelder

Die Herausgeber des Bandes verweisen auf die Initiative „Keine Bildung ohne Medien“, die zentrale inhaltliche Dimensionen einer „Grundbildung Medien“ formuliert haben, welche neben der Vermittlung von medienpädagogischen Kompetenzen in Schulen auch eine akademische Medienkompetenz bei allen Lehrenden und Studierenden an Hochschulen im Blick haben sollten. Das beinhaltet auch eine Kritik an einer zweckrationalen und leistungsorientierten Ausrichtung des Medienkompetenzbegriffs. Forderungen, wie eine reflexive Auseinandersetzung mit eigenen Medienerfahrungen oder Erwerb von Kompetenzen, um digitale Medien für Selbstausdruck, Kommunikation, Lernen und die Artikulation eigener Interessen aktiv zu nutzen, machen das deutlich. [2] Wenn von Grundbildung Medien gesprochen wird, ist es wichtig, die theoretische Verortung der Ansätze des Autorenteams zu kennen. Die Herausgeber geben dem Leser hier Hilfestellung, in dem sie auf grundsätzliche theoretisch-konzeptionelle Aspekte verweisen. So ist in den einzelnen Beiträgen ein teilweise unterschiedliches Verständnis von „Grundbildung Medien“ festzuhalten, die Herausgeber sprechen im Kontext der erziehungswissenschaftlichen Medienbildung von einem eher kulturtheoretischem Medienverständnis (kommunikative Kompetenz), auch ist ein zeichentheoretisch-semiotisch orientiertes oder ein bildungs- oder systemtheoretisches Verständnis auszumachen. [3] Priorität insgesamt haben aber bildungstheoretische Aspekte, die mit unterschiedlichen theoretischen Grundannahmen verknüpft werden.

Die Herausgeber verweisen auf die Bedeutung von interdisziplinären Netzwerken an Hochschulen, um Pädagogen die Möglichkeit zu geben, sich über neue Entwicklungen zur Thematik „Grundbildung Medien“ im Kontext einer erziehungswissenschaftlich fundierten Medienbildung zu orientieren.

Die einzelnen Beiträge geben den Pädagogen gezielte Hilfen oder zumindest Ideen, selbst Konzepte zur Thematik „Grundbildung Medien“ zu entwickeln und in die pädagogische Praxis umzusetzen.

Zielgruppe

Die Veröffentlichung richtet sich an Lehrende und Studierende im sozialen, kulturellen, medienpädagogischen und medienwissenschaftlichen Bereich. Insbesondere ist die Publikation für die Lehrerausbildung geeignet. Lehrer und Lehrerinnen unterschiedlicher Schulstufen finden hier Anregungen, den Bereich einer „Grundbildung Medien“ in den Schulalltag zu integrieren.

Fazit

Die Publikation gibt einen sehr guten Einblick in den derzeitigen Stand unterschiedlicher Ansätze zu einer „Grundbildung Medien“, die zwar bildungspolitisch gewünscht wird, aber bei der Institutionalisierung unterschiedlich erfolgreich ist. Das zeigen die einzelnen Aufsätze, die die Verankerung der „Grundbildung Medien“ in den pädagogischen Studiengängen der Hochschulen in Deutschland beschreiben. Die Herausgeber und eine Vielzahl der Autoren weisen auf die Notwendigkeit hin, Mindeststandards einer „Grundbildung Medien“ zu formulieren und diese dann auch bildungspolitisch durchzusetzen.

Die Publikation ist ein MUSS für alle Bibliotheken an Hochschulstandorten, die im geisteswissenschaftlichen Bereich Studiengänge anbieten. Sie hilft den Kolleginnen/Kollegen, Überlegungen zu einer „Grundbildung Medien“ zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen.


[1] Siehe S. 153ff

[2] Siehe S. 17f

[3] Siehe S. 20f


Rezension von
Prof. Dr. Johann Bischoff
Studiendekan im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur der Hochschule Merseburg. Professor für Medienwissenschaft und angewandte Ästhetik an der Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Johann Bischoff. Rezension vom 24.02.2015 zu: Peter Imort, Horst Niesyto (Hrsg.): Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen. kopaed verlagsgmbh (München) 2014. ISBN 978-3-86736-199-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17769.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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