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Robert Kebbekus, Dana Haralambie: Personalmanagement in Familienunternehmen

Cover Robert Kebbekus, Dana Haralambie: Personalmanagement in Familienunternehmen. Fachkräfte finden, halten, fördern. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2014. 286 Seiten. ISBN 978-3-525-40367-9. D: 39,99 EUR, A: 41,20 EUR, CH: 50,90 sFr.
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Thema

In Familienunternehmen kommen, wie der Name schon nahelegt, die Dynamiken von Familien und von Unternehmen zusammen, und nicht immer ist eindeutig, aus welchem Teil des Systems heraus Entscheidungen getroffen werden. Das gilt auch für Personalrekrutierung, Personalführung und -entwicklung. Deshalb richtet das Buch genau darauf seinen Fokus: „In diesem Buch wird das Hauptaugenmerk auf das Personalmanagement von Familienunternehmen gerichtet.“ (S. 14) Dabei steht vor allem ein Instrument im Vordergrund, nämlich Coaching. Bereits das Vorwort setzt diesen Akzent deutlich und fragt, inwiefern internes und externes Coaching die Verantwortlichen in der Personalführung unterstützen kann.

AutorInnen

Robert Kebbekus ist systemischer Managementberater in eigener Praxis. Zugleich leitet er die Zukunftswerkstatt am Lehrstuhl für Innovations- und Kompetenzmanagement der Universität Siegen.

Dana Haralambie ist Diplom-Geographin und systemischer Mastercoach (DGfC) in eigener Praxis. Im Jahr 2009 wurde sie zur Botschafterin des Unternehmerinnen-Netzwerks der Europäischen Kommission ernannt. Nähere Informationen auf der gemeinsamen Website www.wertstolz.de.

Aufbau und Inhalt

Das ausführliche Vorwort beschreibt die Ziele des Buches und stellt Coaching als unterstützendes Beratungsformat für Familienunternehmen vor. Danach gibt es einen Überblick über die innere Logik des Buches:

  • Ein Grundlagenteil referiert den Stand der Diskussion in Sachen modernem Personalmanagement in familiengeführten Unternehmen.
  • Ein darauf folgender Praxisteil präsentiert Praxisbeispiele aus dem Unternehmensalltag.
  • Ein dritter Teil schließlich lädt dazu ein, die vorgestellten Modellen und Methoden auf das eigene Unternehmen zu beziehen.

Im Einzelnen:

Teil A: Theoretische Grundlagen. Dieser Teil ist in zwei Kapitel aufgeteilt. Das erste beschäftigt sich mit den Konstruktionsprinzipien und besonderen Dynamiken von Familienunternehmen, um in zwei weiteren Abschnitten das Thema Personalmanagement zu thematisieren. Einige Stichworte als Hinweise auf den weiten Bogen, den das Buch dazu schlägt: „Moral, Werte und Unternehmenskultur“, „Führung in Familienunternehmen“, „Personalbeschaffung“, „Personalentwicklung“, „Nachfolgeproblematik“ etc. Das zweite Kapitel befasst sich mit „Individuellem Coaching auf interdisziplinärer Grundlage“. Eine Darstellung zu den hirnphysiologischen Grundlagen des Lernens führt zu den Fragen: „Unter welchen Bedingungen funktioniert Coaching am besten?“ und „Was macht einen guten Coach aus?“

Teil B: Praxiswissen – Personalmanagement im Alltag. Dieser Teil bietet einen „Bausatz“ für bedarfsgerechtes Personalmanagement in Familienunternehmen, wobei die einzelnen Teile je nach Bedarf in effektiver Weise genutzt werden können. Im Mittelpunkt steht ein „menschengerechtes Anreizsystem“, das zum einen die Unternehmenskultur, zum anderen die Unternehmensinteressen und zum dritten die Interessen der Mitarbeiter berücksichtigt und außerdem mit allen Beteiligten gemeinsam entwickelt wird.

Teil C: Selbstpositionierung – Wo stehen Sie jetzt? Das Kapitel fragt – eben zur Selbstpositionierung – nach den im Unternehmen geltenden/gelebten Werten. Dazu werden folgende Bereiche reflektiert: Geschichten, die im Familienunternehmen erzählt werden. Das Menschenbild, das vorherrscht. Das Verständnis von „Umwelt“. Die Haltung zur Meinungsvielfalt. Die gelebten Rituale. Die „Helden“ des Unternehmens. Und die Tabus. Alles in allem eine Art 360°-Reflexion des Wertesystems. Es folgen sieben bewährte und auf die speziellen Fragestellungen von Familienunternehmen hin konstruierte Coachingmethoden wie das „Familienwappen“, das „Kulturhaus“ (nach „Systemhaus“ von Pohl und Fallner, das Tetralemma, Brief aus der Zukunft und aus der Vergangenheit und andere). Die Methoden schlagen einen weiten Bogen vom Wertesystem über Ziele und Visionen, die Zusammenstellung effizienter Teams bis hin zur Zielerreichungskontrolle.

Die Schlussbetrachtung blickt zurück auf das Buch und fasst die einzelnen Schritte zusammen. Eine Übersicht über die Praxisbeispiele und Methoden beschließt den Band. Hilfreich finde ich, dass die Kernaussagen der einzelnen Kapitel jeweils am Ende zusammengestellt werden. Das erleichtert das Wiederfinden dessen, was man nützlich gefunden hat.

Diskussion

Ich beginne beim letzten Kapitel, weil es mir inhaltlich am nächsten ist: familiengeführte Unternehmen sind nicht mein Spezialgebiet, wohl aber Coaching. Im Methodenteil das Buches sind mir eine Reihe alter Bekannter wieder begegnet, und es hat mich gefreut. Das vor allem deshalb, weil dadurch deutlich wird, dass diese Methoden multithematisch einsetzbar sind, wenn man sie mit Kreativität einsetzt. Da diese Rezension in der Adventszeit geschrieben wird, gefällt mir besonders die Methode „Die drei Zaubernüsse“ (nein, nicht für Aschenbrödel!). Kreativität kann man der Autorin und dem Autor in allen Teilen des Buches bescheinigen, das macht das Lesen nicht nur ertragreich, sondern auch vergnüglich. Sehr gut gefällt mir auch die Analyse (oder besser: das Panoramabild) des Wertesystems, damit lässt sich arbeiten – und die Arbeit könnte dann auch noch Freude machen! Im Blick auf die angebotenen Methoden kann man sagen, dass ein solches Coaching in der Tat nicht auf eine/n externen Coach angewiesen ist. Ich bin gleichwohl der Meinung, dass eine externe Begleitung auch hier wertvoll wäre.

Das Buch möchte Familienunternehmen in spezifischen Risiken unterstützen, die im ersten Kapitel benannt werden: Es beginnt beim Recruiting und geht weiter beim Personalmanagement (Personalführung, -entwicklung etc.), bei der (auch) emotionalen Bindung an das Unternehmen, und endet vermutlich noch lange nicht bei Fragen der Außendarstellung der Unternehmen. Allein ein Blick auf die Kapitelüberschriften des zweiten Buchteils zeigt die umfassende Perspektive, die die AutorInnen einnehmen: „Vorhandene Wertesysteme klären, nutzen und unterstützen“, „Führungskultur im Wandel“, „Personalmarketing und Personalbeschaffung erneuern“, „Qualifizierung und Weiterbildung fördern“, „Innovations- und Veränderungsfähigkeit gestalten“, „Solide Regelung der Nachfolgepolitik“, „Ein unternehmens- und mitarbeitergerechtes Anreizsystem“. Das sind geballte 100 Seiten Unterstützung! Das dürfte umso hilfreicher sein als die AutorInnen auch betonen, dass die klassischen Arbeitsfelder des Personalmanagements sich nicht ohne weiteres auf Familienunternehmen übertragen lassen – ich ergänze: …und also Kreativität gefragt ist! Die kann man Kebbekus und Haralambie ohne weiteres bescheinigen.

Und es gibt einiges, an das ich ein „Achtung-Zeichen“ setze: Gelegentlich scheinen mir die Formate etwas durcheinander geraten zu sein. In weiten Teil ist das Buch ein sachorientiertes Fachbuch, dessen Problembeschreibungen und -reflexionen sehr wertvoll sind. In anderen Teilen tritt das Buch in einen virtuellen Dialog – bzw. ein virtuelles Coaching – mit dem Leser/der Leserin ein und spricht ihn direkt an. Dabei nehmen die AutorInnen eine Coachinghaltung ein. Dann aber irritieren mich Sätze wie: „Lassen Sie bei Lernprozessen Mitarbeiter an der langen Leine. Üben Sie sich in Fehlertoleranz statt in Dauerkontrolle… Fällt es Ihnen schwer, nicht zu kontrollieren, fragen Sie sich, wie sehr sie Ihren Mitarbeitern vertrauen.“ (S. 92 u.a.) Ist es dann doch eher ein Ratgeberbuch? Von Experten zu Ratsuchenden? Das wäre auch legitim, aber dann eben nicht Coaching, auch nicht in dem Sinn, wie das Buch einen guten Coach beschreibt. (S. 95ff) Und kann man per Buch das einlösen, was die Zusammenfassung von Teil A, Kap. 1 verspricht: „In diesem Kapitel bauen wir auf den vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf und unterbreiten Ihnen mögliche Lösungsvorschläge für ein bedarfsgerechteres Personalmanagement im Familienunternehmen.“ (S. 104) Das geht, glaube ich, nur dann, wenn Coaches direkt in Unternehmen arbeiten. Und mit Lösungsvorschlägen haben Coaches so ihre eigenen Erfahrungen…

Das stellt allerdings die Qualität und Praxisrelevanz des Buches keineswegs in Frage. Es ist eine sehr nützliche Lektüre für alle, die als Unternehmensberater, Personalverantwortliche und -entwicklerinnen, Coaches usw. in Familienunternehmen leitend und/oder beratend tätig sind.

Fazit

Das ist zugleich das Fazit: Ein hilfreiches, unterstützendes und kreativ geschriebenes Buch.


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 13.01.2015 zu: Robert Kebbekus, Dana Haralambie: Personalmanagement in Familienunternehmen. Fachkräfte finden, halten, fördern. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2014. ISBN 978-3-525-40367-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17779.php, Datum des Zugriffs 26.05.2019.


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