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Sebastian Schweer: Skateboarding

Rezensiert von Dipl. Sozialpädagoge Holger Seidel, 15.04.2015

Cover Sebastian Schweer: Skateboarding ISBN 978-3-8376-2780-0

Sebastian Schweer: Skateboarding. Zwischen urbaner Rebellion und neoliberalem Selbstentwurf. transcript (Bielefeld) 2014. 184 Seiten. ISBN 978-3-8376-2780-0. 19,99 EUR.

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Thema

Skateboarden nimmt, als Sport- und Lebensstil, einen wichtigen und gefestigten Platz bei großen, vor allem jugendlichen, Bevölkerungsgruppen weltweit ein. Rein auf den sportlichen Aspekt bezogen gibt es bereits zahlreiche Veröffentlichungen. Der Ansatz, das Skateboarden unter soziologischen, kulturwissenschaftlichen und räumlichen Aspekten zu betrachten, ist relativ neu.

Autor

Außer den kurzen Angaben im Buch sowie auf der Verlagsseite, dass Sebastian Schweer (M.A. Soz.) zu politischer Theorie, sozialen Bewegungen und Medien- bzw. Filmtheorie in Berlin/Bielefeld arbeitet, kann man über den Autor nur wenig in Erfahrung bringen.

Entstehungshintergrund

Skateboarding bedeutet in der Praxis die Auseinandersetzung mit einer Kontroverse zwischen einer rebellischen und widerständigen Subkultur auf der einen, sowie Vereinnahmung durch große Konzerne, professionelle Vermarktung und damit eher System- zugewandt auf der anderen Seite. In der vorliegenden Veröffentlichung versucht der Autor diese sehr unterschiedlichen Perspektiven herauszuarbeiten und einen neuen, kritischen und unabhängigen Blick herzustellen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 14 Kapitel eingeteilt.

In Kapitel 1 Hinführung erläutert der Autor den Entstehungshintergund des Buches, dessen Aufbau und vor allem die theoretischen Überlegungen und Grundlagen des Buches.

Kapitel 2 nimmt mit der Raumaneignung ein grundlegendes Ziel von Skateboarding in den Focus. Dabei erläutert der Autor im Kapitel 2.1 „Oberflächen: Vom Lesen und Schreiben der Stadt“ die gängige Praxis von und mit Skateboardern.

In Kapitel 3 wird das Thema Deplatzierungen: Dérive und die Stadt als Bühne der Gleichheit kurz beleuchtet.

Im Kapitel 4 Gegenplatzierungen: DIY-Spots als Heterotopie erläutert der Autor die gängige Praxis der DIY-Spots und setzt sich auf theoretischer Ebene damit auseinander.

Schweer arbeitet in Kapitel 5 das Thema: Skateboarder, Postmoderne und Raum-Zeit-Verdichtung heraus. Hier arbeitet er heraus, wie und warum die rebellische Subkultur auch sehr interessant für die Vereinnahmung durch die Industrie ist.

Mit der Praxis der Skateplaza wird in Kapitel 6 das Ziel, die Skater von der Straße zu holen, kritisch betrachtet.

Das Beispiel der Long Live Southbank in Kapitel 7 zeigt die Interessenkonflikte von kommerzieller und nichtkommerzieller Nutzung von Flächen sowie die Strategien der Skater auf.

Das Kapitel 8 nimmt die Stadtplanerische Einbeziehung in den Focus. Dabei werden mit der „Einbeziehung der Skateboarder in Köln“ (Kapitel 8.2) und der „Gentrifizierung“ (Kapitel 8.3), wichtige Schlaglichter gesetzt.

Ein Institutioneller Wandel innerhalb des Skateboardens wird in Kapitel 9 herausgearbeitet. Dabei wird die Veränderung von der Subkultur zu einer normalen Sportart bzw. deren Kommerzialisierung deutlich.

Das Beispiel des Street League Skateboarding in Kapitel 10 verdeutlicht die Veränderungen der Sichtweisen und Definitionen in diesem Feld.

Die Olympia-Debatte wird in Kapitel 11 ausführlich erörtert.

Das Kapitel 12 Nike und der Kampf um Authentizität beschäftig sich ebenfalls mit der Kommerzialisierung des Skateboardens.

Welche Wirtschaftsinteressen hinter der Sportart stehen, wird in Kapitel 13 Skateboarding als Produktivkraft aufgezeigt.

Eine abschließende Betrachtung des Themas, findet in Kapitel 14 Schluss statt.

Diskussion

Sebastian Schweer gelingt es mit dieser Veröffentlichung die eingangs aufgezeigte Lücke bei Veröffentlichungen zu schließen. Dabei arbeitet er das Thema theoretisch auf. Der Autor geht geradlinig und trotzdem sehr weitblickend mit dem Thema um.

Die Einbeziehung verschiedener theoretischer Ansätze gelingt ihm dabei vorzüglich. Hier ist auch die Stärke des Buches zu benennen. Schweer setzt sich auf einem sehr hohen Niveau mit dem Thema auseinander, er hat scheinbar einen sehr guten Bezug zum Thema und lässt trotzdem genug notwendigen Abstand erkennen.

Für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer (Trend)Sportart bietet diese Veröffentlichung beste Voraussetzungen und könnte Beispiel für andere (urbane) Sportarten werden.

Das Buch lässt sich vor allem für Wissenschaftler und Menschen mit vertieftem Wissen sowie Interesse an differenzierten Betrachtungen empfehlen. Es setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema voraus und regt zum weiteren Recherchieren an. Dabei muss man die stilistischen Eigenheiten des Autors in Kauf nehmen: Der Lesefluss wird durch lange Fußnoten- Einträge unterbrochen, die Überschriften wirken tlw. sehr verkünstelt, werden an anderen Stellen aber auf das Wesentliche reduziert, das Inhaltsverzeichnis nimmt nur Überschriften bis zur zweiten Ebene auf, im Text sind aber drei Ebenen zu finden.

Fazit

Das Buch ist vor allem für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Skateboarden sehr empfehlenswert!

Rezension von
Dipl. Sozialpädagoge Holger Seidel
M.S.M.
Lehrkraft für besondere Aufgaben
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften
- Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel -
Fakultät Soziale Arbeit
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Es gibt 11 Rezensionen von Holger Seidel.

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Zitiervorschlag
Holger Seidel. Rezension vom 15.04.2015 zu: Sebastian Schweer: Skateboarding. Zwischen urbaner Rebellion und neoliberalem Selbstentwurf. transcript (Bielefeld) 2014. ISBN 978-3-8376-2780-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17787.php, Datum des Zugriffs 03.12.2022.


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