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Barbara Goldschmidt, Niamh van Meines: Handmassage bei Demenz und in der Palliativpflege

Cover Barbara Goldschmidt, Niamh van Meines: Handmassage bei Demenz und in der Palliativpflege. "Nimm meine Hand ...". verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2014. 240 Seiten. ISBN 978-3-8080-0735-8. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Thema

In der hier besprochenen Publikation werden Techniken für eine sanfte dreißigminütige Handmassage vermittelt.

Autorinnen

Barbara Goldschmidt ist Schriftstellerin, Forscherin und Masseurin. Die Erstautorin verfügt über eine reichhaltige Lehrerfahrung und ist seit über 30 Jahren im Bereich der integrativen Gesundheitsfürsorge tätig.

Niamh van Meines ist Nurse Practioner und Beraterin für Krankenschwestern. Die Zweitautorin ist ausgebildete klinische Führungskraft und Fortbildnerin in Onkologie, häuslicher Pflege, Hospizarbeit und palliativer Pflege. Als geprüfte Masseurin bilde sie Massagestudentinnen und -studenten in den Arbeitsfeldern der „End of Life Care“ aus.

Entstehungshintergrund

Motiviert zum Schreiben dieser Publikation wurden die Autorinnen von der Psychologin Nanette A. Kramer und der Sozialarbeiterin Janice Dabney. Letztgenannte Personen suchten nach sinnvollen Methode, „um schwer demente Bewohner und Bewohnerinnen des Cabble Hill Health Center in Brooklyn, New York, in das Leben einzubeziehen. Diese Suche führte zu einem Forschungsprojekt mit dem Titel „Auswirkungen eines speziellen Trainings für Betreuer und Betreuerinnen in Familien und Heimen unter Anwendung von Musik und Massage bei Heimbewohnern mit fortgeschrittener Demenz“, das 1996 durch das New York State Department of Health aus Mitteln für Demenzkranke finanziert wurde“ (S. 9).

Aufbau

  1. Ein Gefühl der Verbundenheit
  2. Fokussieren Sie Ihre Berührung
  3. Handmassage in der Praxis

Inhalt

Im ersten Teil befassen sich die Autorinnen mit dem Strahlen, das von uns ausgeht – und das sind die von uns ausgehenden und heilsam sein könnenden Energien. Hierbei geht es um die Integration sämtlicher Aspekte des Menschseins – und das sind Körper, Energie und Geist: und die Berührung ist einzigartig, weil sie alle drei Aspekte beeinflussen kann.

Eine nur kurz andauernde Berührung kann beruhigen, Angst verringern und das Gefühl von Liebe verstärken. Es werden Forschungsergebnisse zu den körperlichen Reaktionen auf Berührung aufgeführt. Im Ergebnis der aufgeführten Forschungsberichte kann festgehalten werden, dass eine tröstliche Berührung nützlich ist. „Wie die häufigsten Ergebnisse vermuten lassen, gelten folgende Aussagen für Berührung, die therapeutisch angewendet wird:

  • Sie reduziert Angst.
  • Sie bietet Trost und Verbundenheit.
  • Sie verringert Schmerz.
  • Sie verbessert die Lebensqualität.
  • Sie tut dem Gebenden wohl“ (S. 33 f.)

Die Autorinnen befassen sich mit den unterschiedlichen, in uns wohnenden, Energien – und das sind Energien, die fühl- und hörbar oder still und unsichtbar sind und das sind Energien, die fortwährend Informationen innerhalb des Körpers tragen und übermitteln. Hier geht es auch um Energiekonzepte und um den Nutzen der Energie. Es geht um Massage bzw. Berührung an den Meridianpunkten. Hierfür werden die Vorteile aufgeführt. Schließlich wird der Energiefluss besprochen. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Institute of HeartMath in Kalifornien werden aufgeführt.

„Geist ist ein weiterer belebender Faktor – neben den körperlichen und energetischen Aspekten – der durch Ihren Körper, Ihren Tag und Ihr Leben strömt“ (S. 55). Wenn nun Kommunikation und Trost angeboten wird, sind zur effektiven Arbeit folgende Aspekte zu beachten, welche die Autorinnen in ihrem Buch dann auch näher ausführen:

  • Ort;
  • Dauer;
  • Tempo;
  • Rhythmus;
  • Sinneseindrücke;
  • Intensität.

Es gilt eine mitfühlende Präsenz zu entwickeln, denn „wenn sich der Gebende fokussieren kann, erhöht dies das Berührungserlebnis für den Empfänger“ (S. 57).

Der erste Teil dieses Bandes endet mit einer Meditation zur Achtsamkeit, wie sie am Palliative Care Institute am Mount Sinai Medical Center durchgeführt wird.

Der zweite Teil nimmt nun zunächst die physischen und energetischen Eigenschaften der Hand, die gegenwärtig mehr und mehr an eine virtuelle Realität ausgerichtet ist, in den Blick. Sind doch die Hände als „ein außergewöhnlicher Teil des Körpers, dazu geschaffen, Berührung bedeutungsvoll einzusetzen, und sie haben beachtlichen Wert und Effektivität […] für den Menschen, der gibt und das Erlebnis teilt“ (S. 71). Untersuchungen belegen, dass Handmassagen effektiv sind, weil sie:

  • von den meisten Empfängern akzeptiert werden;
  • Stress mildern;
  • Entspannung unterstützen;
  • Angst reduzieren und den Blutdruck senken;
  • ein ganzheitliches Gefühl des Wohlbefindens hervorrufen;
  • helfen und Schmerzen lindern.

„Ein weiterer Grund, die Hand für die Massage zu wählen, liegt in der Energetik des Meridiansystems der Akkupunktur“ (S. 77). Es werden die Meridian-Schlüsselpunkte auf der Hand beschrieben – und das sind:

  • Dickdarm 4 (Di 4 – Hegu);
  • Dünndarm 3 (Dü 3 – Houxi);
  • Dreifacher Erwärmer 4 (3E4 – Yang Qi);
  • Perikard 6 (Pe 6 – Neiguan);
  • Perikard 8 (Pe 8 – Lao gong);
  • Fingerspitzen

Es folgen die Richtlinien, die „wichtige Einblicke und Anleitungen liefern, um Massagetherapie als Teil eines integrativen Fürsorgeplanes einzusetzen“ (S. 96) – und das sind:

  • Pflegestandards;
  • Standards der Massagetherapie-Praxis;
  • Kontraindikationen und Vorsichtsmaßregeln;

So werden dann konsequenterweise, also wenn die Handmassage nicht als das Mittel der Wahl einzusetzen ist, Alternativen und Grenzen zur Massage aufgezeigt.

Was sind die Elemente einer Sitzung? Die Autorinnen fordern: „Bevor Sie eine Massage teilen, nehmen Sie sich etwas Zeit, um sie zu durchdenken und um sich eine Vorstellung davon zu machen, was Sie kommunizieren möchten und wie das geschehen soll“ (S. 117). Hier geht es also darum:

  • was kommuniziert werden soll;
  • wie der Sitzungsrhythmus aussieht
  • wie das Zubehör zusammenzustellen ist;
  • was die Pflegeziele sind;
  • wie der Pflegeplan aussieht;
  • dass die Kenntnis der individuellen Bedürfnissen wichtig sind.

Bei der Vorbereitung ist darauf zu achten welches die Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen für die gebende Person sind, wie die Handhygiene aussieht und das der Raum aufmerksam zu betreten ist. Wichtig ist das die Massagetherapeuten ganz sorgfältig auf ihr Hände achten.

Wie sehen die richtigen Bedingungen aus? Der Empfänger der Massagetherapie ist angemessen zu begrüßen, denn „wenn Sie den Empfänger begrüßen, gibt Ihnen seine Antwort Einblick in seine Stimmung“ (S. 127). Der Empfänger ist auf die Massage vorzubereiten. Der Massageempfänger soll eine bequeme Atmosphäre vorfinden und der Massagegeber soll es sich selbst bequem machen. Letzteres ist entscheidend auch wenn das Wohlbefinden des Empfängers Priorität hat. Der Massagetherapeut soll aber selber eine bequeme Haltung einnehmen, damit er während der Massage ein entspanntes Gefühl vermitteln kann.

Nach der Sitzung ist das Verlassen des Raumes zu bedenken: Befindet sich der Massierte in einer sicheren Position, sitzt oder liegt er bequem.

Wie beurteilt der Massageempfänger die Berührung, die Massage? Hierfür werden die Verhaltensweisen vor und nach der Massage verglichen, anhand folgender Aspekte:

  • Lächeln;
  • Herumwandern;
  • Ruhelosigkeit;
  • Exzessives Schlafen während des Tages:
  • Interesse an Aktivitäten;
  • Gesprächsanbahnung;
  • Berührungsanbahnung;
  • Erinnerungen, welche durch Fragen und Anregungen wachgerufen werden.

Veränderungen werden vom Pflegepersonal festgehalten.

Die Handmassage hat nach folgender Anweisung zu erfolgen:

  1. es ist mit einem federleichten Streichen, das Hallo sagt, zu beginnen;
  2. durch kreisförmiges Reiben um die großen Gelenke herum ist für Wärme zu sorgen;
  3. die Handfläche, die nach unten zeigt, ist zu stützen. Mit wärmenden und kreisenden Bewegungen ist über die Fingerknöchel zu streichen;
  4. über dem Handrücken sind streichende Bewegungen anzuwenden;
  5. über die Handfläche sind streichende Brwegungen anzuwenden;
  6. es sind Streichungen entlang der Finger durchzuführen;
  7. nahe dem Daumen, dem Handgelenk, der kleinen Finger und der Handfläche sind die Meridianpunkte zu erkunden;
  8. die Verbindungen sind aufrecht zu halten. Die Punkte an den Fingerspitzen sind zu halten;
  9. Arme und Hand sind zu beenden, indem das leichte und zarte Streichen von der Schulter bis zu den Fingerspitzen wiederholt wird;
  10. die Schritte 1 – 9 werden an der zweiten Hand wiederholt
  11. wenn die Massage beendet wird, ist für einen Augenblick innezuhalten und dann ganz bewusst der Kontakt zur empfangenden Person abzubrechen. Die gebende Person atmet aus und entspannt sich. Die empfangende Person ist zu beobachten, auf, während der Massage eingetretene Veränderungen, zu achten und das eigene Empfinden des Gebenden zu erkunden.

Der dritte Teil der besprochenen Publikation befasst sich mit der Handmassage in der Praxis. So gehen die Verfasserinnen auf die zehn Herausforderungen beim Teilen von Berührungen ein. Es geht um:

  • die Verlangsamung des Tempos;
  • das Weichsein, i. S. von die Berührung leicht und sanft sein zu lassen;
  • den Umgang mit Widerstand;
  • den Umgang mit Angst;
  • den Zustand, wenn es so scheint, dass nichts passiert;
  • das unbehagliche Anfühlen von Berührung;
  • das emotional werden der empfangenden Person;
  • Veränderungen im Umfeld;
  • das Ermüden;
  • das Schaffen eines Teams.

Häufige Krankheiten von älteren Menschen werden diskutiert, wie:

  • Demenz;
  • Krebs;
  • Schlaganfall;
  • Herzerkrankungen;
  • Lungenkrankheiten;
  • Hautprobleme;
  • Handbeschwerden.

Weiter werden an dieser Stelle medizinische Hilfsmittel aufgeführt, mit denen sich die geriatrische Pflege befasst, als da wären:

  • intravenöse Leitungen;
  • AV Fistel;
  • Harnkatheter und Kolostomiebeutel
  • Trachealtubus;
  • Drainagetubus;
  • Kontrollgeräte und Monitore;
  • Sauerstoffmaske und Sauerstoffschlauch.

Schließlich geht es um die tröstende Berührung in der Palliativpflege, denn „Trost und Lebensqualität werden immer wichtiger, je schwächer die Gesundheit ist“ (S. 211).

Nach dem Literaturverzeichnis führt die Publikation wichtige Adressen, die zum Teil im Internet abrufbar sind, zu folgenden Themen auf:

  • Demenz;
  • Pflege;
  • Hospiz;
  • Integrierte Versorgung.

Fazit

Die bis hierhin besprochene Publikation ist eine Inspiration für pflegende Personen, die mit der Berührung einem Menschen Trost bzw. Zuneigung spenden möchten.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 01.04.2015 zu: Barbara Goldschmidt, Niamh van Meines: Handmassage bei Demenz und in der Palliativpflege. "Nimm meine Hand ...". verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2014. ISBN 978-3-8080-0735-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17793.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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