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Bianca Mattern: Nonna Annas Tagebuch

Cover Bianca Mattern: Nonna Annas Tagebuch. Was Sie schon immer über Demenz wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2014. 115 Seiten. ISBN 978-3-8080-0737-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Thema

In diesem Buch geht es um die Betreuung von Menschen mit Demenz. „Aufbauend auf den Erkenntnissen der Montessoripädagogik und dem großen Wissen der Autorin über dieses Thema, erfahren Sie auf eine außergewöhnlich beschwingte Art und Weise, wie eine angemessene Pflege und Betreuung von Demenzerkrankten gelingen kann“ (S. 7).

Autorin

Die 1969 geborene Bianca Mattern ist Mutter von zwei Söhnen und Montessoripädagogin und -therapeutin. Seit 1987 arbeitet sie im Hochaltrigenbereich. Die Autorin hat das NONNAANNA® Konzept gegründet und die hierfür notwendigen Materialien auf der Grundlage der Montessoripädagogik entwickelt.

Entstehungshintergrund

Das Motiv zum Schreiben dieser Publikation nennt Swen Staack in seinem Vorwort gleich im ersten Satz: „Man kann es nicht anders sagen: Demenz ist ein Markt geworden“ (S. 7)!

Aufbau

  1. Vorwort von Swen Staack
  2. Meine Biographie
  3. Rituale
  4. Krankheit | Demenz als Diagnose
  5. Möglichkeiten der Selbständigkeit
  6. Motivation
  7. Betreuungsgruppen
  8. Institutionen
  9. Hochwasser
  10. Kooperationen
  11. Raumkonzept Geriella
  12. Vorteile für Einrichtungen und Institutionen
  13. Interessen der Angehörigen
  14. NONNA ANNA® Werttaler
  15. Anhang

Inhalt

Bianca Mattern beginnt ihre Ausführungen im ersten Kapitel mit der Biographie von der in Rom geborenen und mittlerweile 86-jährigen Nonna Anna. Nonna Anna war zweimal verheiratet. Von ihrem ersten Mann aus New York lässt sie sich nach drei Jahren scheiden. Ihr zweiter Mann war ein Chemiker. Mit ihm zusammen hatte Nonna Anna drei Kinder, wovon zwei lebend geboren wurden. Die Protagonistin lebt auf der Insel Elba. In der weiteren Biographiearbeit, die als ein Erstkontakt bezeichnet wird, ist Zeugnismaterial zu finden. Dieses Zeugnismaterial klopft die Interessen Nonna Annas ab.

Das zweite Kapitel befasst sich mit den Ritualen aus Juli 2011.: „Rituale sind vergleichbar mit der Leitplanke auf der Straße, sie bieten Sicherheit“ (S. 25).

Im Februar 2012 wird die Krankheit durch eine Arztbrief offensichtlich. „In letzter Zeit passieren mir solche Sachen. Ich vergesse einfach Dinge, wie z. B. Geburtstage oder was ich einkaufen wollte“ (S. 33). Die Diagnose lautet Sekundäre Demenz. „Aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung hat sich bei mir die Demenz eingeschlichen“ (S. 38). Durch Missverständnisse kommt es zum Streit mit Emilia: „Als ich Emilia […] erzählte, dass meine Reinigungsfrau, die alle 2 Wochen zu mir kommt, mir Dinge stiehlt, war sie so wütend, dass wir längere Zeit keinen Kontakt mehr miteinander hatten. Wir waren zerstritten“ (S. 33).

Momente der Erkrankung sind z. B.: „Langsam merkte ich, wie mir meine wöchentlichen Termine aus dem Gedächtnis fortschwammen“ (S. 39). Ein „Wochenplaner gibt mir Struktur und Sicherheit, damit ich mein selbstbestimmtes LEBEN führen kann, wie ich es gerne möchte“ (ebd.). Nonna Anna denkt auch über den Umzug in ein Altenheim nach. Aber: „Ich liebe das Leben, die Lebendigkeit, das Gekichere beim Bingospiel auf der Straße, das gemeinsame Kochen mit Adua“ (S. 41). Schließlich kommt es zur gesellschaftlichen Isolation: „Es wird einsam um mich. Ich will mich doch mit jemandem unterhalten“ (S. 43).

Für Erzieher oder Sozialarbeiter bietet das vierte Kapitel die Möglichkeiten der Selbständigkeit, der sich Laura, die Nichte Nonna Annas, widmet. Laura ist Erzieherin und Sozialpädagogin und kümmert sich ehrenamtlich um ältere und alte Menschen in ihrer Wohnung. Gearbeitet wird nach der Devise ambulant vor stationär. Nach der Schließung der Kindertagesstätte, die Laura geleitet hat, stellte sie sich nun diesen neuen Herausforderungen. Regelmäßig schult Laura Angehörige von dementiell Erkrankten in der Pädagogik Maria Montessoris, die von der Autorin dieser Publikation 2001 über MONTESSORI FÜR SENIORI hin zum NONNA ANNA KONZEPT weiterentwickelt wurde und wird. „Für hochaltrige Menschen wurden Materialien entwickelt, mit denen sie im privaten Haushalt oder auch in Heimen möglichst lange selbstbestimmt entscheidenden können“ (S. 53).

Für Nonna Anna beginnt nun ein schmerzlicher Abschied von der Jugend. „Nach meinem letzten Vespa-Unfall bin ich noch etwas wackelig auf den Beinen. […] Anstatt meiner Vespa steht nun so ein oller Rollator in meinem Apartment“ (S. 51). Hoch motiviert ist Nonna Anna zur vollständigen Rehabilitation, damit sie wieder unabhängig ist und Vespa fahren kann. Der Pflege- und Hilfsbedürftigkeit will sie ganz entfliehen, weshalb sie sich einiger raffinierter Tricks bedient, die wiederum beim Pflegepersonal als dementieller Schub gedeutet werden: „Das heißt für mich in der Praxis, ich verstecke diese (Doku- – CR)Mappe ABSICHTLICH“ (S. 60).

Das sechste Kapitel diskutiert das NONNA ANNA Konzept, wie es von Annas Nichte Laura professionell durchgeführt wird.

Im Mai 2013 besuchte Nonna Anna mit Laura das Altenheim „Seniorenresidenz 5 Stelle,“ das sie komplett besichtigen und sich erklären lassen.

Nach einem Hochwasser auf der Insel Elba benötigt Nonna Anna eine Notunterkunft. Diese wurde ihr durch die Krankenkasse in der Seniorenresidenz 5 Stelle zur Kurzzeitpflege gewährt. Diese Kurzzeitpflege sollte so lange andauern bis Annas vom Hochwasser betroffenes Apartment wieder bewohnbar ist. Jedoch: „Mein Zustand der Verwirrung, der räumlichen und zeitlichen Des-Orientierung verschlimmerte sich zusehends angesichts der aktuellen Situation, die durch ihre existenzgefährdende Lage ein Trauma darstellte“ (S. 88). Später erfahren wir das die Seniorenresidenz 5 Stelle eine dauerhafte Heimat für Anna Nonna wird.

Die örtliche Desorientierung wird durch das GERIELLA RAUMKONZEPT aufgefangen und bearbeitet, „d.h. die Gänge und Räume strahlten durch ihre Gestaltung und Farbgebung unterschiedliche Charaktereigenschaften aus“ (S. 91).

Im elften Kapitel werden die Vorteile des NONNA ANNA Konzepts für Einrichtungen und Institutionen aufgelistet.

Fazit

Das besprochene Buch ist all den Menschen zur Lektüre empfohlen, die sich professionell oder als Angehörige mit dementiell Erkrankten befassen. Durch das Lesen dieser Publikation lernt der Rezipient „das Thema Demenz in all seinen Facetten kennen und kann sich allmählich angstfrei in die Gefühlswelt von demenziell Erkrankten hineindenken“ (Klappentext).


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 07.01.2015 zu: Bianca Mattern: Nonna Annas Tagebuch. Was Sie schon immer über Demenz wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2014. ISBN 978-3-8080-0737-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17794.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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