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David Grand: Brainspotting

Cover David Grand: Brainspotting. Wie Sie Probleme, Traumata und emotionale Belastungen gezielt auflösen. VAK Verlags GmbH (Kirchzarten) 2014. 219 Seiten. ISBN 978-3-86731-146-5. D: 16,00 EUR, A: 16,50 EUR, CH: 23,50 sFr.
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Thema

In diesem zweiten Buch von David Grand über das Brainspotting liegt der Fokus darauf, wie Probleme, Traumata und emotionale Belastungen aufgelöst werden können. Brainspotting ist ein tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren zur Traumaverarbeitung, welches 2003 entwickelt wurde. Ziel der Methode ist eine vollständige Auflösung blockierter Erregung im Gehirn und im Körper. Durch Brainspotting werden implizite Informationen und Ressourcen aktiviert. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass die Blickrichtung Einfluss auf die Gefühle hat, es also einen Zusammenhang zwischen den Augenstellungen und den inneren Zuständen gibt.

Autor

Dr. David Grand, Jahrgang 1952 entdeckte und entwickelte Brainspotting. Er ist Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis in New York. Er ist ehemaliger Mitarbeiter des EMDR-Instituts von Francine Shapiro und akkreditierter EMDIRA Supervisor. Er ist ein international anerkannter Experte für Traumatologie und Ausbilder von EMDR und Brainspotting. Jedes Jahr ist er für mehrere Monate weltweit unterwegs, um Therapeuten in Brainspotting auszubilden. Er entwickelt und produziert CDs zur akustischen bifokalen Stimulierung (BioLateral Sound Recordings).

Aufbau

Das Buch umfasst neben der Einführung und einem Anhang 14 Kapitel auf 219 Seiten. Jede Kapitelüberschrift ist durch einen markanten Satz, der den Inhalt spiegelt, ergänzt. Der Fließtext enthält Textboxen, die wichtige Aussagen hervorheben. In den grau unterlegten Textboxen werden Fallbeispiele aus der jahrelangen Praxis von David Grand vorgestellt. Die Erläuterung der Methode Brainspotting und der gesammelten Erfahrungen sind in Erzählform geschrieben, was das Lesen erleichtert. Auf Fachbegriffe wird weit möglichst verzichtet oder sie werden erklärt.

  1. Die Entdeckung von Brainspotting Wie bei einer Sportlerin ein therapeutischer Durchbruch gelang
  2. Das „Äußere Fenster“ Die Hinweise von Reflexen beachten und verstehen
  3. Das „Innere Fenster“, BioLateral Sound und Brainspotting mit einem Auge Drei frühe Innovationen bei Brainspotting
  4. Das Ressourcenmodell von Brainspotting Gehirn und Körper - unsere ultimativen Ressourcen
  5. Gazespotting Wohin wir schauen, das hat Einfluss darauf, wie wir uns fühlen
  6. Der „Dual-Attunement-Rahmen“ Der Klient fuhrt und der Therapeut folgt – indem er sich einstimmt und einen Rahmen schafft…
  7. Brainspotting – ein integratives Modell Wenn es um Heilung geht, gibt es keine allein selig machende Lehre
  8. Brainspotting in drei Dimensionen Die Einbeziehung von z-Achse und Konvergenztherapie
  9. Die Neurobiologie von Brainspotting Es ist alles nur eine Sache des Gehirns
  10. Brainspotting und der Körper Unser Körper als Speicher von Erinnerungen
  11. Brainspotting und sportliche Leistungsfähigkeit Geplatzte Träume wahr werden lassen
  12. Brainspotting und Kreativität Keine Heilung ohne Kreativität und keine Kreativität ohne Heilung
  13. Selbsthilfe mit Brainspotting Drei Übungen zur Anwendung im Alltag
  14. Brainspotting – eine Erfolgsgeschichte Von der Entdeckung bis zur weltweiten Verbreitung
  • Schlusswort Die Zukunft von Brainspotting
  • Anhang Danksagungen, Erläuterung der Fachbegriffe, Literaturhinweise, nützliche Informationsquellen und ein Stichwortverzeichnis

David Grand folgt der tiefsten Überzeugung, dass der eigentliche Veränderungsprozess einer Therapie unabhängig von der Wahrnehmung und aktiven Einflussnahme des Therapeuten geschieht. Dieser hat die Aufgabe, an die Selbstheilungskräfte der Seele des Klienten zu glauben, ihn eng zu begleiten und Sicherheit geben.

Im ersten Kapitel Die Entdeckung von Brainspotting beschreibt der Autor, wie ihm bei einer Eiskunstläuferin ein therapeutischer Durchbruch gelang.

Im zweiten und dritten Kapitel werden das Modell des „Äußeren Fensters“ und des „Inneren Fensters“ beschrieben. Dabei geht es um die Beachtung und das Verstehen von Hinweisen von Reflexen. Es sind immer die Klienten, die den Therapeuten anleiten, bei spezifischen Blickrichtungen innezuhalten, nämlich dort, wo sie die Aktivierung am meisten spüren. Diese Erkenntnis war für Grand verblüffend, denn damit entdeckte er, dass die Brainspots der Klienten durch eine eigene innere Wahrnehmung lokalisiert werden konnten. Dazu entdeckte er noch, dass das Brainspotting in Verbindung mit dem Einsatz von Musikstücken, die bilateral abgespielt werden, dem sog. Bio- Lateral Sound aktivierend auf das neuro-visuelle und das neuroauditive System wirkt, quasi als duale sensorische Aktivierung.

Das vierte Kapitel Das Ressourcenmodell von Brainspotting beschreibt das Zusammenspiel von Gehirn und Körper, das Grand als „ultimative Ressource “ ansieht.

Im fünften Kapitel widmet er sich dem sog. Gazespotting. Die Blickrichtung, wohin ein Mensch schaut, hat ein Einfluss darauf, wie er sich fühlt.

Das sechste Kapitel Der „Dual-Attunement-Rahmen“ erläutert die Grundhaltung beim Brainspotting: Der Klient fuhrt und der Therapeut folgt – indem er sich einstimmt und einen Rahmen schafft.

Im siebten und achten Kapitel wird Brainspotting als integratives Modell in drei Dimensionen beleuchtet. Bei der Suche nach der Blickrichtung arbeitet der Therapeut mit einem Pointer. Der Klient weist den Therapeuten an, den Pointer nach links oder rechts (horizontale x-Achse) zu bewegen und auch nach oben oder unten (vertikale y-Achse). Dadurch entwickelte sich das Brainspotting von einer eindimensionalen zu einer zweidimensionalen Methode.

Im 9. Kapitel Die Neurobiologie von Brainspotting beschreibt Grand, dass alles nur eine Sache des Gehirns ist.

Kapitel 10 und 11 beschäftigen sich mit dem Brainspotting und dem Körper als Speicher von Erinnerungen und Brainspotting in Bezug auf sportliche Leistungsfähigkeit.

Kapitel 12 befasst sich mit Brainspotting und Kreativität. Ohne Kreativität gibt es keine Heilung und Kreativität kommt nicht ohne Heilung aus.

Das 13. Kapitel trägt den Titel Selbsthilfe mit Brainspotting und stellt drei Übungen zur Anwendung im Alltag vor.

Das letzte Kapitel beleuchtet die Erfolgsgeschichte von Brainspotting, einer Methode die mittlerweile weltweit bekannt ist.

Dieses Buch schließt mit Gedanken zur Zukunft von Brainspotting ab. Im Anhang findet der Leser Danksagungen, eine Erläuterung der Fachbegriffe, Literaturhinweise, nützliche Informationsquellen sowie ein Stichwortverzeichnis.

Diskussion

Der Zugang zu Brainspotting geschieht über die Neurobiologie, wobei Gehirn und Körper nach Grand nicht zu trennen sind, sondern eine Einheit darstellen. Brainspotting kann in eine Reihe von Behandlungsansätzen integriert werden z.B. in der Körpertherapie, Chiropraktik, Krankenpflege oder Medizin in Bezug auf verschiedene somatische oder emotionale Problematiken eingesetzt werden.

Brainspotting ermöglicht es, Erfahrungen und Symptome, die jenseits des bewussten sprachlichen Zugriffs liegen, neurobiologisch zu lokalisieren, zu fokussieren, zu verarbeiten und schließlich aufzulösen. Es ist möglich, Belastungen zu bearbeiten. Gleichzeitig ist Brainspotting dazu geeignet, Ressourcen und Stärken aufzubauen.

Brainspotting hat sich als Methode erstaunlich schnell verbreitet. Das mag daran liegen, dass die Wirkung von Brainspotting wesentlich schneller eintritt als beim EMDR. Brainspotting entwickelt sich fortlaufend weiter und es kommen -auch durch die zahlreichen ausgebildeten Therapeuten weltweit -ständig neue Entdeckungen und Perspektiven hinzu.

Bei diesem Buch handelt es sich um einen leicht verständlichen Ratgeber. Anhand zahlreicher Fallbeispiele wird die Wirksamkeit von Brainspotting in der Praxis aufgezeigt. Es wird darüber berichtet, wie die Methode bei einem breiten Spektrum von psychischen und physischen Problemen eingesetzt werden kann. Brainspotting hilft zudem die Entspannung und den Schlaf zu verbessern oder die Leistungsfähigkeit und Kreativität zu steigern.

Das Buch hebt sich von anderen Veröffentlichungen durch den Sprachstil ab. Es ist in Erzählform geschrieben, was das Lesen erleichtert. Auf Fachbegriffe wird weitestgehend verzichtet. Auch das unterscheidet sich von Büchern anderer Autoren, die über Techniken aus der Traumaarbeit wie z.B. EMDR schreiben.

Diese offene Haltung, die Grand in diesem Buch transportiert, ist wohltuend. Es gibt auch andere Akteure, die sich tendenziell abschotten und nur bestimmten Berufsgruppen Zugänge zum Wissen über Traumatherapie erlauben. Das ist in Zeiten, in denen traumatisierte Menschen lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, um therapeutische Unterstützung zu erhalten, eine Tendenz, die schwer zu verstehen ist.

Ein weiterer Unterschied zu anderen Veröffentlichungen zur Traumaarbeit wie das Buch von Shapiro, das im Junfermannverlag erschienen ist, oder das Buch von Schubbe, das bei Vandenhoeck & Ruprecht verlegt wurde, ist, dass Grand sein Buch im VAK Verlag veröffentlicht hat. Der Verlag VAK aus Kirchzarten bei Freiburg im Breisgau entstand ursprünglich aus dem Institut und Verlag für Angewandte Kinesiologie, der für die Veröffentlichung pseudowissenschaftlicher, mittlerweile auch alternativmedizinische Publikationen bekannt ist. Über seine Motive, in diesem Verlag zu verlegen, ist mir nichts bekannt. Meine Vermutung ist, dass er das Thema Brainspotting einem größerem Publikum zugänglich machen wollte, was sich auch im Preis niederschlägt.

Fazit

In diesem zweiten Buch von David Grand über das Brainspotting liegt der Fokus darauf, wie Probleme, Traumata und emotionale Belastungen aufgelöst werden können. Brainspotting ist ein tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren zur Traumaverarbeitung, welches 2003 entwickelt wurde. Ziel der Methode ist eine vollständige Auflösung blockierter Erregung im Gehirn und im Körper. Durch Brainspotting werden implizite Informationen und Ressourcen aktiviert. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass die Blickrichtung Einfluss auf die Gefühle hat, es also einen Zusammenhang zwischen den Augenstellungen und den inneren Zuständen gibt. Brainspotting ist Teil eines traumatherapeutischen Settings.


Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 17.02.2015 zu: David Grand: Brainspotting. Wie Sie Probleme, Traumata und emotionale Belastungen gezielt auflösen. VAK Verlags GmbH (Kirchzarten) 2014. ISBN 978-3-86731-146-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17796.php, Datum des Zugriffs 25.02.2021.


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