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Vicki de Klerk-Rubin: Mit dementen Menschen richtig umgehen (Validation)

Cover Vicki de Klerk-Rubin: Mit dementen Menschen richtig umgehen. Validation für Angehörige. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. 4., Auflage. 128 Seiten. ISBN 978-3-497-02498-8. D: 15,90 EUR, A: 16,40 EUR, CH: 22,50 sFr.
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Thema

Die Publikation befasst sich mit der Validation und macht diese Methode zur Kommunikation und Unterstützung von dementen Menschen, die aus der Angehörigenschaft resultieren, handhabbar.

Autorin

Die in Den Haag lebende Autorin Vicki de Klerk-Rubin ist Krankenschwester und Valdiations-Master. Klerk-Rubin ist die Tochter von der Begründerin der Validationsmethode Naomi Feil.

Aufbau

Das Buch umfasst drei Abschnitte.

  1. Was geschieht mit verwirrten hochbetagten Menschen?
  2. Wie Sie mit Ihrem desorientierten Familienmitglied kommunizieren können
  3. Wie Validation im Familienalltag wirkt

Inhalt

Klerk-Rubin beginnt ihren ersten Teil mit einer Begriffsklärung, als da wäre:

  • Demenz, worunter ein organisch bedingter, chronischer, fortschreitender Verlust der kognitiven Funktionen zu verstehen ist;
  • Delirium, worunter der Verlust der kognitiven Funktionen über einen kurzen Zeitraum hinweg zu verstehen ist;
  • Alzheimer-Krankheit, die ausschließlich im Ausschlussverfahren diagnostiziert werden kann;
  • Desorientiertheit, womit die Unfähigkeit einer Person zu verstehen ist, mit den altersbedingt zunehmenden körperlichen, sozialen und psychologischen Verlusten umzugehen.

Wenn sich nun herausstellt das ein Familienmitglied an Alzheimer erkrankt ist, ist es wichtig, richtig und gut füreinander da zu sein und mit den Gefühlen korrekt umzugehen, denn „die Norm hat sich verändert“ (S. 23).

Um ein neues Verständnis für desorientierte sehr alte Menschen aufzubringen ist es nützlich und hilfreich sich der Validationsprinzipien zu bedienen – und das sind:

  1. zu erkennen das mangelhaft orientierte und desorientierte alte Menschen einzigartig und wertvoll sind;
  2. mangelhaft orientierte und desorientierte alte Menschen so wie sie sind zu akzeptieren;
  3. zu erkennen das empathisches Zuhören Vertrauen schafft, Angst lindert und Würde zurückgibt;
  4. die Erkenntnis das schmerzhafte Gefühle, die ausgedrückt, akzeptiert und von einem vertrauensvollen Zuhörer validiert werden, dann auch schwächer werden;
  5. den Grund des Verhaltens sehr alter Menschen zu ermitteln;
  6. die unter 5 ermittelten Gründe in den menschlichen Grundbedürfnissen zu suchen, als da beispielsweise wären:
    • das Bedürfnis nach Aufarbeitung unerledigter Angelegenheiten, um dann friedvoll zu sterben;
    • das Bedürfnis nach Frieden.
  7. das Zurückkehren früh erlernter Verhaltensweisen, wenn Sprechen und Kurzzeitgedächtnis versagen
  8. das Verwenden von persönlichen Symbolen, die Menschen, Gegenstände oder Konzepte aus der Vergangenheit repräsentieren, die mit gewissen Emotionen verbunden sind;
  9. die gleichzeitig vorhandenen Bewusstseinsebenen;
  10. das Sehen mit dem inneren Auge und das Hören von Klängen aus der Vergangenheit;
  11. das Emotionen weckende Empfinden von Ereignissen, Emotionen, Farben, Klängen, Gerüchen, Geschmack und Bildern in der Gegenwart.

Im zweiten Teil widmet sich die Autorin der Kommunikation mit einem desorientierten sehr alten Familienmitglied unter Nutzung der Validationsmethode. „Bei der Validation verwenden wir Empathie, um in die persönliche Welt des desorientierten Menschen einzutreten“ (S. 50). Die vaidierende Arbeit besteht aus:

  • dem Zentrieren;
  • dem Beobachten;
  • dem Finden des passenden Abstands;
  • dem Entwickeln von Empathie;
  • dem Einsetzen geeigneter verbaler Techniken;
  • dem Einsetzen geeigneter non-verbaler Techniken;
  • dem positiven Ausklingenlassen des Gesprächs.

Im dritten Teil stellt Vivien de Klerk-Rubin heraus wie die Validation im Familienalltag wirkt. Beispielhaft sei hier die Geschichte einer desorientierten Mutter wiedergegeben: In diesem Fall eignet sich eine Beziehung auf Augenhöhe. Eine auf Augenhöhe fußende Beziehung stärkt das Vertrauen und fördert die Kommunikation. „Obwohl es so scheint, als ob Ihre Mutter wie ein Kind ist, weil sie die soziale Kontrolle oder die Orientierung in der Zeit verloren hat, ist sie ein Erwachsener mit einem Lebensschatz an Erfahrungen, Ernnerungen und Weisheit“ (S. 85). Es verbietet sich aus dieser Situation heraus die desorientierte Mutter wie ein Kind zu behandeln. Die Validation erfolgt nun dreischrittig:

  1. durch Zentrierung;
  2. durch sorgfältige Beobachtung;
  3. durch einen Gesprächsbeginn.

Klerk-Rubin empfiehlt: „Kümmern Sie sich nicht um die Logik der Unterhaltung. Wenn Sie die Gefühle mit Ihrer Mutter teilen und mit ihr kommunizieren konnten, waren Sie erfolgreich. Diese Mutter möchte sich nützlich fühlen, möchte ihre Kinder versorgen. Wenn sie (allerdings – CR) selbst wie ein Kind behandelt wird, kann sie dieses Bedürfnis nicht erfüllen“ (S. 87).

Fazit

Die Autorin hat das Buch für Menschen geschrieben, welche ein desorientiertes hochbetagtes Familienmitglied betreuen. Und diese Betreuer können Töchter, Schwiegertöchter, Söhne, Schwiegersöhne, Ehemänner, Ehefrauen, Geschwister, Freundinnen, Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn u. ä. Menschen sein.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 05.01.2015 zu: Vicki de Klerk-Rubin: Mit dementen Menschen richtig umgehen. Validation für Angehörige. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. 4., Auflage. ISBN 978-3-497-02498-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17800.php, Datum des Zugriffs 23.01.2018.


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